Friede – ein adventliches Wort

Datum: Sonntag, 5. Dezember 2021 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Lukas 2,14

Der Begriff Frieden prägt die Advents- und Weihnachtszeit ganz stark. Aber was verstehen wir unter Frieden? Ein Wegweiser zum Friedensbringer Jesus Christus, für einen friedvollen Start ins neue Jahr


 

Ich widme diese Predigt zum 2. Advent einem echt weihnächtliche Begriff! Er heisst nicht Geschenk; auch nicht Kerze oder Fondue Chinoise, sondern schlicht Frieden! Das war eine Nacht damals, als den Hirten auf dem Felde von einem Engel die Geburt des Heilandes angekündigt wurde. Plötzlich war die Nacht taghell und sie waren umringt von den himmlischen Heerscharen, die Gott lobten und sprachen:

«Ehre sei Gott im höchsten Himmel und Frieden auf Erden für alle Menschen, an denen Gott Gefallen hat» (Lukas 2,14 NLB). Was für eine Botschaft: Gott hat immer noch Gefallen an seinen Menschen. Er gibt sie noch nicht auf!  Der Friede von Gott, das Heil, ist auf die Erde gekommen zu uns Menschen!

Der Prophet Jesaja redete im Auftrag von Gott schon mehr als 700 Jahre vor dem Ereignis über diesen Friedensbringer: «Denn das Volk, das in der Dunkelheit lebt, sieht ein helles Licht. Und über den Menschen in einem vom Tode überschatteten Land strahlt ein heller Schein. Denn uns wurde ein Kind geboren, uns wurde ein Sohn geschenkt. Auf seinen Schultern ruht die Herrschaft. Er heisst: wunderbarer Ratgeber, starker Gott, ewiger Vater, Friedensfürst. Seine Herrschaft ist gross und der Frieden in seinem Reich wird endlos sein» (Jesaja 9,1+5-6a NLB).

Das war eine dunkle Zeit damals, als Jesaja noch Prophet war. Die beiden Reiche Juda und Israel waren am Auseinanderbrechen. Das Volk wurde entführt in die Verbannung. Zur Zeit der Geburt von Jesus war es genauso dunkel auf dieser Welt. Jesus wurde nicht in ein Schlaraffenland hinein geboren, im Gegenteil. Völlig chaotische Zustände unter den Regenten, egoistische Könige, brutale Herrscher an deren Hände viel Blut klebte. Und ist es heute auf dieser Welt nicht genau so dunkel? Wo gibt es auf dieser Welt noch ein Land, das nicht vom Tod überschattet ist, Corona-Tote(weltweit sind es weit über 5 Millionen registrierte Covid-Tote); Flüchtlinge die auf der Flucht übers Meer ertrinken bis hin zu den vielen Kriegstoten?

«Denn das Volk, das in der Dunkelheit lebt, sieht ein helles Licht…» Wir dürfen den Friedensbringer kennen, Jesus – das Licht der Welt! Der Friede von Gott beinhaltet als Erstes die Versöhnung mit Gott. Jesus Christus hat uns Menschen durch seinen Tod am Kreuz die Tür geöffnet zurück zu Gott. Durch seine Gnade und Barmherzigkeit kann unser Leben heil werden! Das ist ein ganz besonderes Geschenk von Gott, das er uns Menschen noch heute anbietet! Ohne diesen Frieden von Gott ist der Mensch friedlos. In dieser Beziehung nimmt der Prophet Jesaja kein Blatt vor den Mund: «Aber die Gottlosen, spricht der HERR, haben keinen Frieden» (Jesaja 48,22 LUT).

Im säkularen Bereich kennt man dieses Wort Frieden fast ausschliesslich nur für das Ablegen eines Streits. Man hängt das Kriegsbeil für kurze oder längere Zeit an den Nagel. Es gibt einen Haufen zusammengesetzte Worte mit Frieden! Friedensabkommen, Friedensbemühungen, Friedensbewegung, Friedensnobelpreis, Friedensbruch, Friedensforschung, Friedensgespräch, Friedenskonferenz, Friedensplan, Friedensrichter/in, Friedensstifter, Friedenstaube, Friedenstruppe, Friedensverhandlungen, bis hin zur Friedenspfeife die geraucht wird! Leider sind all diese Bemühungen oft nicht mit Erfolg gekrönt.

eirène der griechische Begriff für Frieden im Neuen Testament lehnt sich stark am hebräischen Begriff shalom im Alten Testament an. shalom hat eine stärkere materielle Bedeutung, während der Frieden im Neuen Testament stark geistlich geprägt ist und sich an dem orientiert, was Jesus Christus für uns Menschen getan hat und weiter tut. Der Friede Gottes hat eine tief existenzielle Bedeutung. Er ist eine besondere Gabe Gottes und eine Frucht des Heiligen Geistes, der in den Glaubenden wohnt. Er schenkt Gelassenheit, Geborgenheit und Schutz. Frieden meint das, was durchträgt in Momenten der Dunkelheit, wenn der Weg durch ein dunkles Tal führt oder eben: Wenn plötzlich der Schatten des Todes auf uns fällt. Der Friede von Gott ist wie ein Schutzmantel aus einer anderen Welt. Ein übernatürlicher Halt, wenn die Wogen hoch gehen. Ich kann ruhig sein, weil Gott nahe bei mir ist.

In unseren Gottesdiensten beten wir immer wieder für unsere verfolgten Glaubensgeschwister. Wenn wir Berichte lesen darüber, was sie alles durchmachen und erleiden müssen, ist das kaum auszuhalten. Schreckliche Umstände in Gefängnissen. Zwangsarbeit bis zum Geht-nicht-mehr… Hunger, Kälte, Folter. Wie schaffen das unsere Glaubensgeschwister, unter solchen Umständen an Gott festzuhalten, den Glauben nicht über den Haufen zu werfen? Ich habe nur eine Erklärung: Weil sie den Frieden, den Gott ihnen schenkt, so erleben wie Paulus im Philipperbrief schreibt: «Ihr werdet Gottes Frieden erfahren, der größer ist, als unser menschlicher Verstand es je begreifen kann. Sein Friede wird eure Herzen und Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahren» (Philipper 4,7 NLB). Gottes Friede ist so gross, dass er unsern menschlichen Verstand übersteigt.

Mich nimmt wunder, was der liebe Gott so denkt, wenn er gegenwärtig auf uns Menschen herabsieht. Omikron - wieder macht sich eine neue Virusvariante breit! Was für Massnahmen werden wohl verordnet? Bist du auch froh, dass du nicht Bundesrat oder Bundesrätin bist?! Momentan ist es wieder ganz wichtig, dass wir viel beten und mit Gott reden (Abentüür Gebät am Dienstag). Was denkst du, lieber Gott, über all das, was gar nicht gut läuft auf dieser Welt? Was hast du im Sinn mit uns Menschen?

Ich weiss nicht, ob der Prophet Jeremia auch mal so gefragt hat. Auf jeden Fall hat er mal eine bemerkenswerte Antwort von Gott bekommen. «Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung» (Jeremia 29,11 LUT). Die Antwort von Gott war damals ein Aufsteller und ist heute noch ein Lichtblick für unsere Dunkelheit! Gott lässt uns in sein Herz schauen und gibt seine Gedanken preis. Sind wir nicht privilegiert, dass wir mit solchen Zusagen leben dürfen? Egal wie dunkel es noch auf dieser Welt wird, wir haben eine geniale Hoffnung! Wir haben Zukunft!

Es geschah am Montag, den 15. November. Zurück von einer Behandlung im Kantonsspital Aarau sagte ich zu Rosmarie: «Du, ich fühle mich krank!» Ich hatte Gliederschmerzen, erhöhte Temperatur und war hundemüde! Der erste Gedanke war augenblicklich: Covid! Sofort Schnelltest zuhause: negativ! Schliesslich sind wir ja geimpft. In den Testunterlagen hiess es, wenn das Ergebnis negativ sei und die Symptome doch da sind, sollte man beim Hausarzt einen PCR-Test machen lassen. Gesagt, getan. Am Dienstagabend bekam ich vom Hausarzt das Ergebnis: Positiv! Das gibt’s ja nicht! Das bedeutete 10 Tage Hausarrest! Wir leben in einer schönen Wohnung, aber wenn man sie mal 10 Tage nicht verlassen darf, verliert sie einen gewissen Reiz! Seit dem 24. November um 23.59 Uhr bin ich wieder ein freier Mann! Das Predigtthema stand damals schon fest. Ich hatte den Eindruck, Gott testet an mir gleich, ob das bei mir klappt mit seinem Frieden! Wer erlebt sie nicht, solche Momente: Rosmarie blieb über die ganze Zeit gesund, doch dann eröffnet ihr der Augenarzt, dass an ihren Augen der graue Star operiert werden muss.

Plötzlich verlierst du einen lieben Menschen; oder du liegst in einem Spitalbett vor dem Operationssaal. Du vermasselst eine Prüfung. Du hast einen finanziellen Engpass. Eine unerwartete Kündigung. Wir alle sind immer wieder mal herausgefordert mit turbulenten Zeiten.

Aber der Friedensbringer ist da! Gottes Frieden erfüllt seine Kinder und schafft in unseren Herzen Ruhe und Zuversicht! Wer soll denn Gelassenheit und Vertrauen ausstrahlen, wenn nicht wir?

Kürzlich hat uns jemand im Hauskreis das folgende, bemerkenswerte Zeugnis erzählt. Einem Firmenchef ist aufgefallen, dass ein Kunde, wenn immer er da ist, Zufriedenheit und Ruhe ausstrahlt. Eines Tages spricht ihn der Firmenchef an: «Sie sind immer so ausgeglichen und zufrieden, wenn sie uns begegnen und strahlen Freude und Elan aus! Woher diese positive Haltung? Wie machen Sie das?» Die Antwort des Kunden war: «Ich danke Gott jeden Morgen für den neuen Tag; ich danke, dass ich gesund aufstehen konnte und er mich durch diesen Tag begleitet.» Der Chef der Firma schaut ihn gross an und meint dann: «Das probiere ich jetzt auch mal aus und mache es so wie Sie!»

Wünschen wir uns das nicht alle: Dass wir eindrückliche Beispiele sind, die Leute zum Nachahmen bewegen! Wir sind doch diese Beispiele, weil Jesus in uns wohnt und wir  Werkzeuge sind in der Hand unseres Meisters Jesus Christus!

Nachdem Franz von Assisi uns nun ein Jahr lang sein Gebet eingetrichtert hat, verfügt Gott über eine Friedens-Werkzeugkiste in der seetal chile, die sich sehen lassen kann! Du lässt Gottes Liebe aufleben, wo und wann immer sich Gehässigkeiten breit machen. All denen die dich beleidigen, verzeihst du grosszügig; ohne sie vorher noch in den Senkel zu stellen! Mit aller Kraft vermeidest du, in einen Streit verwickelt zu werden, sondern du versuchst zu verbinden! Wenn jemand mit Zweifeln zu kämpfen hat, kämpfst du mit ihm für einen starken Glauben. Du suchst nicht krampfhaft, wer oder was dich trösten könnte, sondern fragst dich vielmehr, wer vielleicht gerade jetzt deinen Trost schätzen würde!

Ist es dir manchmal auch eng geworden bei diesem Gebet? «Das kann ich nicht und schaff ich einfach nicht, ich bin überfordert!» Wunderbar, das ist gut so! Wir dürfen den ersten Satz des Beters nicht vergessen: Mache mich zum Werkzeug deines Friedens! Ein Werkzeug ist nie selbständig, oder ist bei dir zuhause schon ein Schraubenzieher völlig selbständig aktiv geworden? Der Gott des Friedens nimmt dich in seine Hand und macht dich zu seinem Werkzeug! Als Jesus mit seinen Jüngern über sein Zurückgehen zum Vater sprach, tröstete er sie mit den Worten: «Ich lasse euch ein Geschenk zurück - meinen Frieden. Und der Friede, den ich schenke, ist nicht wie der Friede, den die Welt gibt. Deshalb sorgt euch nicht und habt keine Angst» (Johannes 14,27 NLB).

Dieses Geschenk von Jesus, das in uns wohnt, wenn wir Gottes Kinder sind, ist das grösste und beste Weihnachtsgeschenk, das wir uns vorstellen können, auch im Blick auf ein völlig unbekanntes Jahr, das vor uns liegt.

Amen

 

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Lest miteinander über die Predigt von Jesus in Nazareth

Lukas 4,16-30

  1. Versucht den Frieden von Gott möglichst gut zu beschreiben?
  2. In Johannes 14,27 ist der Friede erwähnt den die Welt gibt? Beschreibt diesen auch. Lest noch dazu Jeremia 12,1.
  3. Wie habt ihr Gottes Frieden in brenzligen oder dunklen Situationen schon erlebt? Erzählt einander.
  4. Jesus ist der Friedensbringer. Ist nun Matthäus 10,34 ein Widerspruch? Sucht eine Erklärung.
  5. Hat jemand von euch in diesem Jahr erlebt, wie Jesus dich zum Werkzeug seines Friedens gemacht hat.
  6. Wie bleibt der Friede Gottes in dir aktiv und setzt keinen Schimmel an?
  7. Was würde dir fehlen, wenn dir Gottes Friede unbekannt wäre?