World 2.0

Datum: Sonntag, 28. November 2021 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Epheser 2,10

Tief in unserem Herzen sehnen wir uns sehr nach einer besseren Welt. Jesus kam zu uns, um uns diese besser Welt, sein Reich zu zeigen. Wenn wir Ihm Nachfolgen werden wir sein Reich (World 2.0) in diese Welt bringen.


Gerne erinnere ich mich an den Moment, als ich das erste Mal nach Kanada geflogen bin. Und dies gleich doppelt schön, weil es im Anschluss an meine Rekrutenschule war. Sofort war ich fasziniert von der Natur, der Weite, den Möglichkeiten und Freiheiten, welche dieses riesige Land zu bieten hat. Durch diesen Besuch entstand in mir der grosse Traum, für eine Zeit in Kanada zu wohnen und zu arbeiten. Es war mein grosser Wunsch in ein Land zu ziehen, welches faszinierender war, als das Land in dem ich aufwachsen durfte. Glücklicherweise hatte ich das Privileg, für fast zwanzig Jahre in dem Land meiner Träume zu leben. Etwa in diesem Moment besteigt meine Frau Jocelyn in Kloten ein Flugzeug, dass sie nach Kanada bringt. 

Ich bin nicht der Einzige, der Träume hegt. Wir alle träumen von etwas Besserem, Grösserem, oder Schönerem. Für einige ist dies ein schöneres Haus, ein besseres Auto, ein genialer Job oder schlicht ein Leben ohne Sorgen. Statistiken zeigen auf, dass viele Menschen mit ihrem jetzigen Leben schlicht und einfach nicht glücklich sind. Viele sind mit ihrem Körper, was sie erreicht haben oder wie sie behandelt wurden, nicht zufrieden. Letzte Woche las ich in einer Zeitung einen zermürbenden Bericht: Die USA hat einen neuen traurigen Rekord -innerhalb von zwölf Monaten sind mehr als 100,000 Leute an Drogen gestorben. Diese 100,000 und die Hunderttausende oder gar Millionen, die Drogen konsumieren, sind mit sich selbst oder ihrem Umfeld nicht zufrieden. Mit Drogen konnten sie für eine kurze Zeit in eine andere Welt entrinnen und alles vergessen. Im Weiteren haben wir sicher alle festgestellt, dass in dieser Welt, oder in der Haut, in der wir stecken, nicht alles perfekt ist. Die vielen Corona Diskussionen bestätigen dies: Unsere Welt ist alles andere als einwandfrei.

Sehnsucht auf eine neue Welt

Ich möchte nun anhand der Bibel entdecken, wie diese Welt, nach der wir uns so sehr sehnen, aussieht. Im zweiten Kapitel des ersten Buches Moses vernehmen wir, wie diese perfekte Welt ausgesehen hat. Am Anfang lebten Adam und Eva in Harmonie mit Gott. In dieser engen Beziehung vertraute Gott ihnen sein Eigentum an. Wir lesen: «Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebauen und hüte» (1Moses 2,15 EU). Zu dieser Zeit lebte der Mensch in Einklang mit Gott, der Natur und sich selbst. Sie bebauten mit Freude, was ihnen anvertraute wurde. Für Adam und Eva war das sicherlich nicht ein Job, für den sie am Morgen um sieben Uhr eingestempelt hatten und kaum warten konnten bis es abends um fünf Uhr war. Nein, sie erhielten eine Berufung, mit der sie mit Freude und Kreativität das ihnen Anvertraute hegten und pflegten. Aber nur für eine kurze Zeit lebten sie in dieser heilen Welt. Viele werden sich nun an dieser Stelle an den Fall der Menschheit erinnern. Adam und Eva wurden aus diesem wunderschönen Land verbannt. Das tägliche Brot mussten sie sich nun sauer erarbeiten und die Moral erlitt Schiffbruch. Im nächsten Kapitel lesen wir, wie Kain seinen Bruder Abel umbrachte. Zwei Seiten später erfahren wir, wie die Bosheit des Menschen so gross wurde, dass Gott eine Flut senden musste, um diese Abwärtsspirale zu stoppen. Auch nach der Flut war das Zusammenleben alles andere als harmonisch.    

Vom Anfang machen wir nun einen grossen Sprung zum letzten Buch der Bibel. In der Offenbarung, das Buch über die Zukunft, lesen wir über die Stadt auf dem Berg. An diesem wunderbaren Ort, an welchem Gott all seinen Nachfolgern die Tränen abwischt, herrscht komplette Heilung. Es wird ein wunderbarer Ort sein. In einer Offenbarung sieht Johannes diese neue Stadt, in welcher alle Menschen in perfekter Harmonie mit Gott zusammenleben.  «Der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt (die Stadt auf dem Berg) sein, und alle ihre Bewohner werden Gott dienen und ihn anbeten» (Offenbarung 22,3 NGÜ). In dieser neuen Welt, wie die Stadt auf dem Berg genannt wird, werden wir dienen und Gott anbeten. Anbetung beinhaltet nicht nur Worte, sie ist viel grösser.  

Anbetung / Worship ist alles, was wir Gott zu Ehren tun. Wir können so arbeiten, dass wir Ihm die Ehre geben oder eben auch nicht. Im neuen Himmelreich werden wir arbeiten und kreativ sein. Wir werden es geniessen und voll Freude all das uns Anvertraute kreativ nutzen. Wir werden Gott und Mitmenschen mit Begeisterung und Kreativität dienen. Diese neue Stadt wird ein sehr interessanter Ort sein, wo wir in Freude und Harmonie zusammenleben. Tief in unseren Herzen warten wir sehnsüchtig auf diesen Ort, wir brennen darauf, diese Stadt auf dem Berg zu erleben.

Das ist ja Alles schön, aber was bedeutet das nun für uns heute? Müssen Christen jetzt alle sehnsüchtig auf den Tod warten, um diese fantastische Stadt auf dem Berg zu erleben? Sicherlich dürfen wir uns darauf freuen, doch Gottes Plan ist, dass wir bereits heute einen Vorgeschmack auf diese Stadt erleben. Gott sandte seinen Sohn Jesus mit einer Mission auf die Erde. Als Dreissigjähriger hatte er die Ehre, die Schrift vorzulesen und ihm wurde das Buch von Jesaja gegeben. Er schlug es auf an der Stelle wo es geschrieben steht:  «Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich berufen und bevollmächtigt hat. Er hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen. Ich rufe Freiheit aus für die Gefangenen, den Blinden sage ich, dass sie sehen werden, und den Unterdrückten, dass sie von jeder Gewalt befreit sein sollen. Ich verkünde ihnen ein Jahr, in dem der Herr seine Gnade zeigt. Jesus rollte die Schriftrolle zusammen, gab sie dem Synagogendiener zurück und setzte sich. Alle blickten ihn erwartungsvoll an. Er begann: Heute, wo ihr diese Worte hört, hat sich die Voraussage des Propheten erfüllt.» (Lukas 4,18-21 HfA). Im Buch Jesaja war die Verheissung von einem König, der die frohe Botschaft und Heilung bringt. Jesus sagte nach der Vorlesung in der Synagoge, dass Er diese Person ist. Nach dieser Vorlesung begann Er seine offizielle Mission und brachte die gute Nachricht mit Heilung zu Allen. Jesus sprach immer wieder von dieser Stadt auf dem Berg, wie auch in der Bergpredigt mehrfach zu hören ist. Glücklicherweise sprach er nicht nur davon, sondern brachte auch einen Vorgeschmack dieser Stadt auf dem Berg.

Vor seinem Sterben am Kreuz erklärte Jesus seinen Jüngern, dass es gut sei, dass Er gehe. Er versprach den Jüngern, den Vater zu bitten, den Helfer zu senden, damit sie Seine Mission weiterführen könnten. Gott kam der Bitte nach, als Er an Pfingsten den Heiligen Geist sandte. Alle die Jesus nachfolgen, erhalten diesen Geist, um Heilung zu erfahren. Jesus kam mit der Mission, den Himmel auf die Erden zu bringen. Diese Mission hat Er uns weitergegeben und uns mit dem Geist bevollmächtigt. Wie genau geht das? Im Gleichnis vom Sämann erklärt Jesus, wie wir bevollmächtigt werden. 

Die neue Welt mitten unter uns

In diesem Gleichnis geht es um das Saatgut, welches in vier verschiedene Herzen fällt. Das Saatgut ist «Wenn jemand die Botschaft vom Himmelreich hört» (Matthäus 13,19 NGÜ). Das Wort vom neuen Himmelreich wird in unsere Herzen gestreut. Dieser Samen ist wie eine neue DNA, die unser Herz verändert (Metamorphose). In einem gesunden Herzen wächst dieser Keim und bringt die Tugenden, die in der Stadt auf dem Berg herrschen werden, hervor. Diese Pflanze wächst weiter und bringt reichlich Frucht. 

Jesus hatte die Frucht in der Bergpredigt beschrieben. Im Weiteren finden wir im Galaterbrief eine Aufzählung der Früchte des Geistes. Auch das Franziskanische Gebet, welches wir in dem Trailer vor der Predigt hören, spricht von dieser Frucht. Am Ende dieses Gebetes hören wir etwas sehr Tiefgründiges: «Wer gibt, der empfängt, wer verzeiht, dem wird verziehen. Wer stirbt, der wird zum ewigen Leben geboren.» Für uns Menschen klingt dies nicht logisch. Wenn man gibt, hat man doch weniger, wenn jemand verzeiht, der verliert doch etwas und wer stirbt, der ist doch tot. Diese neuen Werte scheinen auf den ersten Blick nicht einleuchtend. Doch im Königreich Gottes gelten andere Gesetze. Ich nenne dies «the upside down kingdom», das auf den Kopf gestellte Königreich. Der Heilige Geist hilft uns, dass wir diese neuen Werte verstehen und in ihnen wachsen können. Ein kleines Beispiel zu den umgekehrten Werten: In dieser Welt muss man schön sein, super klug oder perfekt arbeiten, um geliebt zu werden. Man muss sich das „geliebt sein“ erarbeiten. Im Reich Gottes sind wir zuerst geliebt und erst aus dieser Liebe entspringt die Frucht.

Manchmal, wenn wir von Frucht bringen hören, haben wir gleich Stress: «Schon wieder wird von mir etwas verlangt, dass ich mein Leben lang noch nie geschafft habe.» Das Faszinierende am Christentum ist, dass es nicht um das Befolgen von Regeln aus eigener Kraft geht, sondern dass Gott uns hilft. Jesus hat den Weg vorbereitet und der Vater hat den Heiligen Geist gesandt, um uns dabei zu helfen. Wir lesen in der Schrift: «Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch ist dazu nicht fähig. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben» (Johannes 6,63 NGÜ). Jesus erklärte, dass seine Worte zusammen mit dem Heiligen Geist uns lebendig machen. Im Epheserbrief lesen wir, wie dieser Samen, der in unser Herz gesandt wird, uns verändert: «Denn was wir sind, ist Gottes Werk; er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist. Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen» (Epheser 2,10 NGÜ).  Wir müssen uns auf seine Kraft verlassen, unser Wille lässt uns im Stich und wir werden erschöpft sein. Wir dürfen unsere Frucht nicht ständig mit denen Anderer vergleichen, ansonsten laufen wir auch die Gefahr, entweder arrogant oder depressiv zu werden. Gott erwartet von uns nicht der oder die Beste zu sein, sondern unser Bestes zu geben. Er hat uns unterschiedlich geschaffen und uns verschiedene Aufgaben gegeben. Mit Seiner Hilfe schöpfen wir das uns gegebene Potenzial voll aus.

Zum Abschluss möchte ich zusammenfassen: Gott bringt sein Himmelreich durch unsere Herzen in diese Welt. Gott pflanzt einen Samen, eine neue DNA, in unsere Herzen, der wächst und die Königskultur in diese Welt bringt. Gott möchte seine Liebe durch uns zum Ausdruck bringen. In den nächsten Tagen können wir uns Gedanken machen, wie das aussehen könnte. Wir dürfen kreative Träumen wie Gott, durch uns, sein Königreich in diese Welt bringen will.

 

 

 

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Lukas 4,18-21

  1. In welchen Momenten möchte ich in eine andere Welt entfliehen? Bei Fehlern, Enttäuschungen, Ablehnung …
  2. Was wünschst Du, dass Gott in Dir verändern würde?
  3. Welche Tugend fällt Dir am einfachsten? Freude, Geduld, Grosszügigkeit …
  4. Mit welcher Tugend repräsentierst Du Gott am besten?
  5. Hast Du schon darüber nachgedacht (geträumt) wie Gott sein Königreich durch Dich in diese Welt bringen möchte?
  6. 10 Jahre nach Deinem Tod, wofür möchtest Du erinnert werden? Eine einzige Erinnerung.
  7. Falls unsere Kreativität im Himmel weitergeht, wie möchtest Du Gott durch Deine kreative Arbeit dienen/anbeten?