Tue Gutes und schweige darüber

Datum: Sonntag, 29. August 2021 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Matthäus 6,1-4

Als Nachfolger von Jesus Christus sind wir aufgefordert Gutes zu tun. Dabei sollte es aber nicht darum gehen, dass wir gelobt werden. Die Liebe zu den Mitmenschen und Gott soll das tragende Motiv sein und in einem gebenden Lebensstil münden.


Seit einiger Zeit unterstütze ich eine Familie in Indien finanziell bei ihrem Lebensunterhalt. Als ich die Familie im Januar 2020 besuchte, ging ich davon aus, dass sie sich bei mir für meine Unterstützung bedankten. Also verbrachte ich die paar Tage bei ihnen und wartete auf ihr Merci. Doch nichts passierte. Im ersten Moment war ich beleidigt, da ich doch wollte, dass sie wussten, wer sie unter anderem finanziert. Doch plötzlich erkannte ich, dass es eigentlich toll ist, wenn sie nichts von meinen Finanzen wissen. Genau um diese Thematik geht es auch in der heutigen Predigt.

«Nehmt euch in Acht! Wenn ihr Gutes tut, dann tut es nicht öffentlich, nur damit ihr bewundert werdet. In diesem Fall dürft ihr nicht erwarten, von eurem Vater im Himmel belohnt zu werden. Wenn du einem Bedürftigen etwas gibst, posaune es nicht heraus, wie es die Heuchler tun, die in den Synagogen und auf den Strassen mit ihren Wohltaten angeben, nur um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen! Ich versichere euch: Das ist der einzige Lohn, den sie jemals dafür erhalten werden. Wenn du jemandem etwas gibst, dann sag deiner linken Hand nicht, was deine rechte tut. Gib in aller Stille, und dein Vater, der alle Geheimnisse kennt, wird dich dafür belohnen» (Matthäus 6,1-4 NLB).

Eigene Motive hinterfragen

Jesus Christus kritisiert hier eine gängige Praxis. Das Gute tun stand bei den Juden an der Tagesordnung. Doch dies taten sie nicht ganz freiwillig. Denn das barmherzige Handeln anderen gegenüber wurde eingefordert und war ein Gebot. Dieses Gebot heisst Zedeka. Die Juden sind verpflichtet anderen Menschen, obwohl sie ihnen nichts schulden, zu geben. Dies weil sie als Gottes ausgewähltes Volk so viel von ihm anvertraut bekommen haben, obwohl er ihnen nichts schuldet. Daher geschahen viele Spenden und gemeinnützigen Dinge nicht freiwillig, sondern aufgrund der Zedeka. Die religiösen Führer in dieser Zeit, die Pharisäer, mussten daher auch in diesem Bereich des religiösen Lebens als gutes Beispiel vorangehen.

So kam es nicht selten vor, dass diese Leute ihre guten Taten so vielen wie möglich zukommen lassen wollten, da sie dadurch als sehr gottesfürchtige Menschen galten. Daher liessen einige, sobald sie anfingen Geld oder Nahrungsmittel zu verteilen, die Posaunen blasen. Dies war zum einen ein Zeichen für die Bedürftigen, dass sie nun kommen konnten, zum anderen aber rief dies auch immer viele andere Schaulustige herbei, welche die guten Taten der Pharisäer beobachteten. Es wäre sicherlich falsch alle in denselben Topf zu werfen, aber bei vielen lag die Motivation sicherlich im richtigen Erfüllen der Zedeka.

Auch die Nachfolger von Jesus Christus waren aufgerufen Gutes zu tun. «Genauso lasst eure guten Taten leuchten vor den Menschen, damit alle sie sehen können und euren Vater im Himmel dafür rühmen» (Matthäus 5,16 NLB). Auch heute sind die Nachfolger Jesu noch dazu aufgerufen Gutes zu tun. Durch diese Taten wird auf Gott im Himmel verwiesen und ihm alle Ehre gemacht. So gehört es zum Leben eines Christen, dass er gute Taten tut. Diese beiden Bibelstellen scheinen sich auf den ersten Blick zu widersprechen. Auf der einen Seite soll nicht davon gesprochen und auf der anderen Seite gute Taten vollbracht werden, um auf Gott im Himmel hinzuweisen. Dies führt zu einer gewissen Spannung. Doch beim genaueren betrachten löst sich diese Spannung auf. Nicht nur stehen diese beiden Aussagen in der gleichen Predigt von Jesus Christus, sondern sie sprechen auch zwei unterschiedliche Dinge an. Zum einen geht es um die Beweggründe, zum anderen darum, dass Nachfolger von Jesus Christus durch ihre guten Taten erkannt werden. Gute Taten sollen untrennbar zum Leben dazugehören, aber nicht um dadurch selbst gelobt zu werden.

Ein Beispiel für ein falsches Motiv zum Geben sehen wir in der ersten Gemeinde. In der Apostelgeschichte 5,1-11 steht die Geschichte von Hananias und Saphira. Für mich ist diese Geschichte nach wie vor eine der seltsamsten Geschichten im gesamten Neuen Testament. In der ersten Gemeinde war es gang und gäbe, dass Gemeindeglieder einen Teil ihres Besitzes verkauften, um dadurch andern in der Gemeinde zu helfen. Dies war keine Bedingung, um zur Gemeinde zu gehören. Es stand auch nach einem Verkauf jedem frei, wie viel sie an die Gemeinde spenden wollten. Hananias und Saphira taten so, als hätten sie den gesamten Erlös an die Gemeinde gespendet. Doch dies war nicht so, sie behielten einen Teil für sich. Dafür wurden beide von Gott mit dem Tod bestraft, weil sie nicht die Wahrheit gesagt hatten. Ihnen ging es nicht primär darum Gutes zu tun, sondern sie wollten vor allen gut dastehen und geehrt werden. Ihr Motiv war eigennützig und nicht aus Liebe an Gott und dem Nächsten geprägt.

Von der Liebe getrieben

Wie lässt sich überprüfen, weshalb andere unterstützt werden? Wie lässt sich das innere Motiv überprüfen? An was orientiert sich denn dieses geben? Ich bin zutiefst überzeugt, dass alles was wir tun, von der Liebe getrieben werden soll! «Wenn ich alles, was ich besitze, den Armen geben und sogar meinen Körper opfern würde, damit ich geehrt würde, aber keine Liebe hätte, wäre alles wertlos» (1. Korinther 13,3 NLB). Auf die Liebe kommt es an. Alle anderen Motive scheinen vielleicht auf den ersten Blick auch nicht so schlecht. Doch beim genaueren Hinschauen zeigt sich, dass sich diese nicht wirklich um den Nächsten und sein Leid drehen, auch wenn die Beweggründe nicht so egozentrisch scheinen.

Viele Menschen engagieren sich in verschiedensten Dingen, sei es im Asylbereich, Nothilfe, Umweltschutz oder was es auch alles gibt. Sie tun dies sehr vorbildlich und bringen viel Zeit und Geld dafür ein. Dies ist sehr bewundernswert. Doch das Motiv muss auch hier nicht zwingend von der Liebe zu den Menschen getrieben werden. Oftmals erfolgt ein solches Engagement, weil man sich selbst dadurch besser fühlt. Doch der Aufruf von Jesus Christus, dass nicht einmal die linke Hand von der rechten wissen soll, was man tut, zeigt, dass das Motiv des «sich besser Fühlens» auch nicht gefragt ist.

Die Liebe soll uns treiben, um Gutes zu tun. Doch welche Liebe ist hier gemeint. Das Wort Liebe kann sehr vielseitig verstanden werden. Ich liebe meine Frau. Ich liebe aber auch Coca-Cola Zero und ich liebe Indien. Uns allen ist sofort klar, dass es sich hierbei nicht um die gleiche Qualität von Liebe handelt. Doch welche Liebe sollen wir an den Tag legen, wenn es darum geht anderen Gutes zu tun? Das Griechische kennt verschiedene Worte, welche im Deutschen alle mit Liebe übersetzt werden. Alle bedeuten zwar Liebe, aber setzen einen gewissen anderen Akzent. In 1. Korinther 13,3 steht für Liebe Agape. Agape bezeichnet die selbstlose Liebe. Die Liebe, welche bei der Liebe Gottes zu uns Menschen, der Nächstenliebe und der Feindesliebe, gemeint ist.

 

Diese Liebe soll das Motiv für unser Handlungen sein. Gott im Himmel ist uns dafür ein Vorbild. Er machte uns ein Geschenk voller Hingabe. «Gott hat nicht einmal seinen eigenen Sohn verschont, sondern hat ihn für uns alle gegeben. Und wenn Gott uns Christus gab, wird er uns mit ihm dann nicht auch alles andere schenken?» (Römer 8,32 NLB). Diejenigen, welche eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus haben, fordert dieser Vers heraus. Wie sehen wir unseren Besitz an? Als Verdienst oder als Geschenk? Wenn der Besitz als Verdienst angeschaut wird, dann ist auch klar, dass die Ehre für alles was der Mensch damit macht auch ihm zukommt.

Nachfolger von Jesus Christus die aber ihr Vermögen als Geschenk Gottes ansehen, können frei damit umgehen. Dann ist auch nicht wichtig, ob sie Anerkennung für ihre guten Taten bekommen. Denn aus Gnade wurde ihnen alles geschenkt und aus Liebe lassen sie andere an ihrem Besitz teilhaben. Dann ist auch keine Anerkennung mehr auf der Erde nötig, sondern es reicht zu wissen, dass Gott um diese Tat weiss. Doch dies bedeutet nicht, dass wir aufgrund unserer Taten gerettet sind. Dies sind wir allein aus Gnade, doch diese wiederum führt dazu, dass wir selbst gnädig handeln.

Geben als Lebensstil

Gemäss dem Jahresthema Metamorphose geht es auch beim Thema der guten Taten darum, dass wir verwandelt werden zu fröhlichen Gebern. «Jeder von euch muss selbst entscheiden, wie viel er geben möchte. Gebt jedoch nicht widerwillig oder unter Zwang, denn Gott liebt den Menschen, der gerne gibt» (2. Korinther 5,7 NLB). Nicht dass wir geben, weil wir geben müssen, sondern weil es uns Spass macht. Nicht aus falschen Motiven, sondern aus Liebe zum Nächsten und zu Gott. Hier stellt sich auch die Frage, wie wir uns diese Veränderung vorstellen. Wenn es darum geht Jesus Christus ähnlicher zu werden, dann wünsche ich mir oft, dass es von einem Moment auf den anderen geht. Klar dies ist auch möglich. Dennoch gilt auch bei einem Veränderungsprozess, was auch bspw. bei einem Studium gilt.

Ich habe insgesamt sechs Jahre studiert und dabei immer wieder Dinge repetiert. Wenn wir Dinge in unserem Leben ändern wollen, dann ist Zeit und Wiederholung meistens unabdingbar. So ist es auch beim heutigen Thema. Desto mehr wir einen grosszügigen Lebensstil üben, desto natürlicher wird es dann auch. Schon vor fünfhundert Jahren gab Martin Luther folgenden Ratschlag «Wer gutes tun will, muss es verschwenderisch tun!» (Martin Luther). Desto mehr gute Taten wir vollbringen, desto weniger fällt die einzelne Tat ins Gewicht und desto weniger sprechen wir darüber.

Tue Gutes und schweige darüber. Das ist die Aufforderung, welche aus der heutigen Predigt auch an dich geht. Es gilt sich dieser Herausforderung zu stellen. Für Jesus Christus spielt die Höhe des Betrages, welcher gegeben wird, dabei keine Rolle. Es geht primär um die innere Haltung desjenigen der gibt. «Während Jesus im Tempel war, sah er zu, wie die reichen Leute ihre Spenden in den Opferkasten legten. Da kam eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen ein. »Ich versichere euch«, sagte er, »diese arme Witwe hat mehr gegeben als alle anderen. Denn jene gaben nur einen Bruchteil von ihrem Überfluss, sie aber, arm wie sie ist, gab alles, was sie besass» (Lukas 21,1-4 NLB). Es geht um eine veränderte Einstellung gegenüber dem ganzen Besitz. Nicht um eine Verteufelung von Besitz, aber darum, den Besitz in das richtige Licht zu stellen.

Ich möchte diese Predigt schliessen mit einer Geschichte, welche Jesus Christus erzählt hat. Das Geben sollte für einen Nachfolger von Jesus so selbstverständlich werden, dass das Geben gar nicht mehr als solches empfunden wird. So werden vielleicht auch eines Tages einige aus unserer Mitte dazugehören, die von Gott mit der folgenden Begründung errettet werden.

 

 

 

«Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr gabt mir zu trinken. Ich war ein Fremder, und ihr habt mich in euer Haus eingeladen. Ich war nackt, und ihr habt mich gekleidet. Ich war krank, und ihr habt mich gepflegt. Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.´ Dann werden diese Gerechten fragen: `Herr, wann haben wir dich jemals hungrig gesehen und dir zu essen gegeben? Wann sahen wir dich durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann warst du ein Fremder und wir haben dir Gastfreundschaft erwiesen? Oder wann warst du nackt und wir haben dich gekleidet? Wann haben wir dich je krank oder im Gefängnis gesehen und haben dich besucht?´ Und der König wird ihnen entgegnen: `Ich versichere euch: Was ihr für einen der Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan!» (Matthäus 25,35-40 NLB).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppe

Bibeltext lesen: Matthäus 6,1-4; 1. Korinther 13,3

  1. Wo selbst erlebst du in deinem Leben die Spannung zwischen guten Taten vollbringen und nicht darüber zu sprechen?
  2. Was sind deine Motive zum Geben? Wo fällt es dir schwerer ohne Anerkennung Gutes zu tun?
  3. Sind deine Handlungen von der Liebe getrieben? Wie erlebst du die Liebe Gottes an und in deinem Leben? Wie kannst du lernen aus dieser Liebe heraus zu handeln?
  4. Siehst du deinen Besitz als Verdienst oder als Geschenk an? Wie zeigt sich dies in deinem Umgang damit?
  5. Ist dein Leben von einem grosszügigen Lebensstil geprägt? Was kannst du konkret tun, um so einen Lebensstil anzutrainieren.