In der Werkstatt des Töpfers

Datum: Sonntag, 22. August 2021 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Psalm 145,17

Wir sind verschieden gestrickt und doch alle  von Gott genial kreiert, egal ob Ausstellungsstück oder Nachttopf!


Wir sehen schon mehr als ein halbes Jahr immer wieder im Countdown und im Teaser einem Töpfer auf die Hände. Was löst das bei dir aus? Die einen bekommen Lust, auch mal so etwas zu probieren. Andere hingegen machen sich nicht gerne die Hände schmutzig. Wir hören zum Einstieg auf den Propheten Jesaja, der vor Gott über sein Volk sagt: «Herr, du bist unser Vater. Wir sind der Ton, du bist der Töpfer und wir sind das Werk deiner Hand» (Jesaja 64,7 NLB).

Das Bild von Gott als Töpfer kommt in der Bibel im Alten und im Neuen Testament vor. Damals war das Töpfern natürlich ein alltägliches Bild. Die Menschen lebten mit selbst hergestellten Tongefässen. Da drin wurde gekocht, aufbewahrt, serviert, daraus gegessen und getrunken… Und wenn wir im Schöpfungsbericht nachlesen, wie Gott die Menschen schuf, verstehen wir, dass dieses Bild vom Töpfer sehr gut zu Gott passt: «Da formte Gott, der Herr, aus der Erde den Menschen und blies ihm den Atem des Lebens in die Nase» (1. Mose 2,7 NLB).

Keiner ist so wie DU!

Ich weiss nicht, ob sich Gott, als er Adam schuf, dabei die Hände schmutzig gemacht hat. Aber es ist offensichtlich, dass es seine Idee und seine Kreation war, uns Menschen so zu schaffen. Und nun staunen wir, dass der Prophet Jesaja lange Zeit nach der Schöpfung schreibt:  Wir sind das Werk von Gottes Hand. Du und ich, wir alle sind von ihm geformt und ins Leben gerufen. Ich möchte gerne mit euch einen Ausschnitt aus diesen Töpfervideos anschauen mit dieser ganz persönlichen Formulierung des Wortes von Jesaja: «Ich bin der Ton, du Gott, bist der Töpfer. Ich bin das Werk deiner Hand».

Gott hat mit dir ein Unikat geschaffen. Es gibt keinen Menschen auf dieser Erde, der genauso ist wie du, und das wird so bleiben auch wenn du gestorben bist, ein Duplikat von dir wird es nie geben. Töpfern ist Kunst. Ich schaue gerne zu, aber ich würde es mir selbst nie zutrauen, etwas Schönes oder Brauchbares zustande zu bringen! Gott hat aus uns Menschen ein Kunstwerk gemacht. Wir sind das Werk seiner Hand! Jetzt kann ich mir vorstellen, dass aufmerksame Zuhörer unruhig werden!

Was ist, wenn jemand mit einer Behinderung auf die Welt kommt: Meine Schwägerin kam mit Trisomie 21 auf die Welt und dazu noch leicht autistisch. Sie war zwar lange Zeit ein Sonnenschein für die ganze Familie – und doch eine riesen Aufgabe und Herausforderung! Oder ich denke an Nick Vujicic, der ohne Arme und Beine auf die Welt kam – denk dir mal auf deinem Stuhl Arme und Beine weg; stell dir vor du müsstest so leben! Nick wurde Christ und spricht heute international über seine Behinderung, seinen Glauben an Jesus Christus und seine Hoffnung! Über eine Milliarde Menschen leben auf dieser Welt mit einer Behinderung. Gemessen an der Weltbevölkerung sind das 15 Prozent.

Es ist mir bewusst: Es steht nicht in unserer Kompetenz zu fragen: Warum? Jesaja meint dazu: «Wehe dem, der seinen Schöpfer anklagt! Er ist doch in Gottes Augen nicht mehr als ein Tonkrug unter vielen anderen. Fragt denn ein Tonklumpen den Töpfer: »Was tust du da mit mir?« Oder macht er sich lustig und sagt: Mein Meister hat zwei linke Hände?» (Jesaja 45,9 Hfa). Es gibt aber auch nichtbehinderte Menschen, die Fragen hervorrufen: z.B. Hitler? Oder aktuell die Brandstifter der verheerenden Waldbrände im südlichen Europa! Sind das geniale Typen? Oder die Taliban, die jetzt ganz Afghanistan unter ihre Nägel reissen? Nach dem Sündenfall läuft unter uns Menschen vieles schief auf dieser Welt, das haben wir Tag für Tag auf dem Bildschirm vor unsern Augen!

Gott ist unser Töpfer

Bei Jesaja sah es übrigens auch nicht besser aus. Bevor er sagt «Du bist unser Vater… du der Töpfer, wir der Ton… wir sind das Werk deiner Hand» tönt es ganz anders: «Wir sind alle wie Unreine geworden. Unsere gerechten Taten sind nicht besser als ein blutverschmiertes Kleid. Wie Blätter welken wir alle, und durch unsere Sünden verwehen wir wie der Wind. Doch niemand rief deinen Namen an und keiner raffte sich auf, an dir festzuhalten. Denn du hast dich vor uns verborgen; deshalb wurden wir im Griff unserer Sünde weich wie Wachs» (Jesaja 64,5-6 NLB). Das kennen wir! Wir haben schon alle warmen Wachs durch die Finger gedrückt! Das ist ähnlich wie Bastelton!

Wenn wir in den Klauen der Sünde wie warmer Kerzenwachs sind und die Sünde mit uns basteln kann, was sie will, dann steht es nicht gut um uns! Aber Jesaja klammert sich nach seiner Situationsanalyse stellvertretend für das Volk Gottes an Gott fest: «Und doch, Herr, bist du unser Vater. Wir sind der Ton, du bist der Töpfer und wir sind das Werk deiner Hand!» Jesaja will es mit seinem ganzen Volk nicht, und wir wollen es auch nicht: in den Klauen der Sünde leben. Jesus ist der Erlöser; kann uns davon befreien! Es ist gut,  Busse zu tun kann und sich von Schuld befreit neu in Gottes Hand zu geben.

Der Prophet Jeremia bekam eines Tages von Gott folgenden Befehl: «Geh zu der Werkstatt des Töpfers hinunter. Ich will dir dort etwas sagen» (Jeremia 18,2 NLB). Folgsam wie er ist, geht Jeremia zum Töpfer und schaut ihm auf die Finger. Wenn der Töpfer mit seinem Produkt nicht ganz zufrieden ist, knetet er den Ton wieder und fängt wieder vorne an mit Formen. Er arbeitet daran, bis das Objekt genauso aussieht, wie er es haben will. Da sagte Gott zu Jeremia Folgendes: «Warum sollte ich es mit meinem Volk nicht genauso machen können wie dieser Töpfer?» Ich denke, wir alle sind «Secondhand-Christen», weil der himmlische Vater nach unserer Neuschöpfung uns mindestens ein zweites Mal in seinen Händen kneten und neu formen muss, bis wir so sind, wie er es sich vorgestellt hat!

«Ihr aber sollt vollkommen sein, so wie euer Vater im Himmel vollkommen ist»; zu diesem Satz aus der Bergpredigt Jesu hat Matthias in der Predigt letzten Sonntag einen wichtig Satz gesagt, den ich an diesem Punkt gerne wiederhole: «Der Mensch ist vollkommen, wenn er den Zweck verwirklicht, für den er (von Gott) geschaffen wurde!» Das ist die Verwandlung, bei der Gott an uns dran ist.

Was ist gerecht und was ist ungerecht?

Gott gestaltet aber seine Kinder sehr unterschiedlich, weil wir ganz verschiedene Aufgaben haben. Doch wir stellen uns gerne einen «Einheitstopf» von einem Christ vor! Ein Topf von Gott, dem Töpfer, sieht so aus und wenn du nicht so daherkommst, stimmt etwas bei dir nicht! Wie eine Einheits-Bibelübersetzung sollte es doch einen Einheits-Christen geben. Oder ich könnte auch sagen: Von der «seetal chile-Raupe» gibt es doch die Schmetterlinge und nicht andere! Nein! Gott ist aber viel kreativer.

 

Das beweist er uns gerade mit den Schmetterlingen. Zurzeit kennt man auf der Welt mehr als 180‘000 Arten von Schmetterlingen und jährlich werden ca. 700 weitere Arten entdeckt. Gott hat nie aufgehört, Neues zu kreieren! Auch heute noch schafft er neue Menschen: «Wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen; etwas ganz Neues hat begonnen!» (2. Korinther 5,17 NGÜ)

Gott hat als Schöpfer die Freiheit, mal eine wunderschöne Fruchtschale zu formen und das andere Mal auch einen Nachttopf. Wie kommst du dir vor? Als wunderschönes Windlicht oder als schlichter Suppentopf? «Warum macht uns Gott nicht alle gleich schön, das ist doch ungerecht!» Paulus nimmt dieses heikle Thema auf im Römerbrief. Zuerst erwähnt er Rebekka, die Frau des Stammvaters Isaak, die Zwillinge erwartet, und erzählt wie Gott zu ihr sagt: «Der Ältere wird sich dem Jüngeren unterordnen müssen» (1. Mose 25,23 NLB).

In einer Kultur in der der Erstgeborene eine so bevorzugte Stellung hat, war das doch ein Affront! Paulus erwähnt noch eine andere Stelle aus dem Buch Maleachi, wo Gott über diese Zwillingsbrüder sagt: «Jakob habe ich meine Liebe zugewandt, aber Esau habe ich von mir gestoßen» (Maleachi 1, 2-3 NLB). Regt sich da nicht ein Aufschrei in uns: «Gott, das kannst du doch nicht machen! Das ist gegen jede Regel der Erziehung! So brutal bist du doch nicht.»

Paulus hat unser verblüfftes Reklamieren erwartet und meint dazu: «So? Was bildest du dir ein? Du bist ein Mensch und willst anfangen, mit Gott zu streiten? Sagt etwa ein Gefäß zu dem, der es geformt hat: »Warum hast du mich so gemacht wie ich bin?«  Hat der Töpfer nicht das Recht, über den Ton zu verfügen und aus ein und derselben Masse zwei verschiedene Gefäße zu machen – eines für einen ehrenvollen Zweck (Ausstellungsstück) und eines für einen weniger ehrenvollen Zweck (Nachttopf)?» (Römer 9,20-21 NGÜ).

Wer bist du, dass du entscheiden willst, was gerecht ist, und was ungerecht? Wir merken schnell, dass wir bei anderen biblischen Bildern auch gerne vergleichen: z.B. beim Leib Christi, der unzählige verschiedene Bestandteile hat! Du möchtest gerne eine Lippe sein, die beim Sprechen hilft, oder mindestens ein Lungenflügel, aber nicht ein Zehennagel! Jesus beschreibt sich als guter Hirte, aber du hast vielleicht den Eindruck, er könnte für dich ein besserer Hirte sein! Jesus hat unzählige Menschen von ihren Krankheiten geheilt - warum heilt er mich nicht!

Ich habe fest den Eindruck, ein Mensch muss zuerst Gott kennengelernt haben und Ja für IHN haben, bevor er Ja sagen kann zu sich selbst zu dem wie er ist. Er muss zuerst die Gnade Gottes an sich selbst erlebt haben, bevor er gnädiger mit Gott und andern Menschen umgehen kann. Er muss selbst von Gott gerecht gesprochen werden, bevor er die Gerechtigkeit Gottes anerkennen kann. Durch den Opfertod von Jesu können wir zu dieser Gerechtigkeit finden! «Da wir nun durch den Glauben von Gott für gerecht erklärt worden sind, haben wir Frieden mit Gott durch das, was Jesus, unser Herr, für uns tat» (Römer 5,1 NLB). Mit diesem Frieden im Herzen teile ich persönlich das Zeugnis von David, der in Psalm 145 sagt: «Der Herr ist gerecht in allem, was er tut, ein Gott, auf den man sich verlassen kann»( Psalm 145,17 NLB).

Amen.

 

 

 

Die Fragen für die Kleingruppen findest du auf der Rückseite ;)

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Jesaja 45, 9-12 und Jeremia 18,1-10

  1. War schon jemand von euch in einem Töpferkurs? (Wenn ja, was sind deine Erfahrungen, Eindrücke?)
  2. Was denkst du, was hat Gott gedacht, als er dich schuf? Erkennst du an dir Gottes Hand, sein Gestalten?
  3. Erzählt einander von euren Gaben und Qualitäten, die Gott in euch gelegt hat (Das braucht vielleicht ein bisschen Überwindung, tut aber gut!)
  4. In welcher Situation oder von welchen Begebenheiten hattest du auch schon den Eindruck, Gott sei ungerecht?
  5. Gibt es Enttäuschungen, über die du nicht hinweg kommst? Hast du die Freiheit, davon zu berichten?
  6. Was hilft uns am meisten, um Gott in seiner Souveränität stehen zu lassen?