Noah – Licht in einer verdorbenen Welt

Datum: Sonntag, 24. Mai 2020 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: 1. Mose 6-9

Noah lebte in einer verdorbenen Welt – die Menschen haben sich von Gott abgewandt. Doch Noah fand Gnade bei Gott. Er ging seinen Weg mit ihm, hört auf ihn und wurde so zu einem Licht in der damaligen Gesellschaft. Durch Jesus sind auch wir berufen und befähigt, als Lichter in einer verdorbenen Welt zu leben.


 

Auch heute nehmen wir uns Zeit, eine Person aus der Bibel kennenzulernen. Ich wollte dabei eine Person aus dem Buch 1. Mose mit einer kurzen und prägnanten Geschichte nehmen. Gelandet bin ich bei Noah. Als ich mich in seine Biographie vertiefte, merkte ich jedoch bald, dass man ihn keineswegs in Kürze beleuchten kann. Deshalb wollen wir uns heute einem Hauptaspekt aus Noahs Leben widmen.

Zuerst zoomen wir heraus und schauen, wo Noah eigentlich vorkommt. Seine Geschichte steht an einer Schwelle: Sie markiert den Übergang zwischen Urgeschichte – Schöpfung, Adam und Eva, sowie ihre Nachkommen – und den Vätererzählungen – Abraham und seine (näheren) Nachkommen.

Fokus von heute ist der Text aus 1. Mose 6,5-11:

«5 Der HERR sah, dass die Menschen voller Bosheit waren. Jede Stunde, jeden Tag ihres Lebens hatten sie nur eines im Sinn: Böses planen, Böses tun. 6 Der HERR war tieftraurig darüber und wünschte, er hätte die Menschen nie erschaffen. »Ich werde die Menschen, die ich gemacht habe, wieder vernichten!«, sagte er. »Ja, nicht nur die Menschen – auch die Tiere auf der Erde, von den größten bis zu den kleinsten, und ebenso die Vögel am Himmel. Es wäre besser gewesen, ich hätte sie erst gar nicht erschaffen. 8 Nur Noah fand Gnade beim HERRN. 9 Dies ist seine Geschichte: Noah war ein rechtschaffener Mensch – ganz im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen. Er ging seinen Weg mit Gott und hörte auf ihn. 10 Noah hatte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet. 11 Die übrige Menschheit aber war vollkommen verdorben, die Erde erfüllt von Gewalt.» (1Mose 6,5-11 HFA).

Eine verdorbene Welt

Noah lebte in einer verdorbenen Welt. Die Frage die sich nun stellt ist die: Inwiefern war sie verdorben? Im Text erkennen wir nur Silhouetten davon. In Matthäus 24,38 lesen wir dazu eine spannende Aussage: Es wird beschrieben, dass die Leute zur Zeit Noahs assen, tranken und heirateten.

Natürlich sind Essen, Trinken und Heiraten grundsätzlich keine verdorbenen Dinge. Das Problem war anders gelagert und geht auf den Sündenfall zurück: Die Menschen haben sich von Gott abgewandt. Und indem sie sich von ihm abwendeten, haben sie sich von der Quelle des Lebens abgeschnitten. Die Konsequenz daraus liegt auf der Hand – ohne Lebensquelle verderben die Menschen.

Ich bin froh, dass hier keine allzu konkreten Lebensweisen genannt werden. Es zeigt uns: Das Problem ist ein allgemeines Problem und somit auch heute noch hochaktuell.

Noah lebte mitten in dieser Welt. Ich denke, man kann sich das so vorstellen: Wenn wir mit einem Flugzeug durch die Nacht gleiten ist es meist sehr dunkel. Doch plötzlich leuchtet ein kleines Licht auf der Erde auf, das uns in seinen Bann zieht – so war Noah.

Die grosse Frage

Noah fand Gnade bei Gott. In Hebräer 11 lesen wir sogar, dass er durch den Glauben gerecht wurde und die Anerkennung Gottes fand. Durch ihn schenkte Gott der Menschheit einen Neuanfang und segnete sie.

Dies ist ein sehr krasser Kontrast: Auf der einen Seite sehen wir eine gesamte Gesellschaft, die Gott den Rücken zukehrt und verdirbt. Auf der anderen Seite begegnen wir Noah, der Gnade bei Gott fand und sein Leben radikal anders führte.

Wie war das möglich? Dem wollen wir heute etwas nachgehen.

Noah – Licht in einer verdorbenen Welt

Wie bereits angetönt war Noah kein selbstgerechter Mann. Er fand Gottes Gnade durch seinen Glauben. Während sich alle von Gott abwandten, wendete sich Noah Gott zu. «[…] Er ging seinen Weg mit Gott und hörte auf ihn.» (1Mose 6,9 HFA).

Noah lebte in einem Dialog mit Gott – daraus schöpft er. Er schaut auf Gott und lässt sich von ihm prägen. Obwohl er auf dem gleichen Boden wie alle anderen stand, lebte er in einer ganz anderen Realität, die von Gott geprägt war. Er wurde nicht hin und her gerissen, sondern war in Gott verankert. Auch erkannte er die Relationen zwischen ihm und Gott: Gott ist der Schöpfer, der alles geschaffen hat, was er kennt und noch vieles mehr. Noah war sein Geschöpf.

Dieser Dialog ist auch heute noch sehr essenziell – wenn nicht sogar noch von grösserer Brisanz. Wir werden von Unmengen an Informationen und Weltanschauungen überschwemmt und es ist herausfordernd, den richtigen Weg zu erwischen. Wenn wir unseren Lebensweg mit Gott beschreiten und auf ihn hören, wird er auch unsere Realitäten – wie wir die Welt sehen, wahrnehmen und darauf reagieren – formen.

Als Noah von Gott angeredet wird, ist das für ihn ein grosses Geschenk, Gottes Gnade und Segen in einem. Mein Schöpfer spricht mit mir! Er vertraute auf Gott. Er vertraute, dass eine Sintflut kommt, dass es eine Arche braucht und dass die Rettung dadurch funktioniert. Der Bau der Arche war somit mehr eine logische Konsequenz seines Weges mit Gott.

Im 2. Petrus 2 lesen wir, dass Noah zu einem Leben nach Gottes Willen aufruft. Wir wissen leider nicht, ob er dies durch Worte oder durch den Bau der Arche tat. Leider hatte er dabei – anders als Jona – wenig Erfolg. Die Menschen liefen weiter auf ihrem Weg ohne Gott.

Wie die Geschichte weitergeht ist bekannt. Die Flut kommt und Noah, seine Familie, sowie die Tiere in der Arche werden davon verschont. Noah und seine Nachkommen empfangen nach der Flut Gottes Segen und Gott schliesst einen Bund mit ihnen. An dieser Stelle möchte ich zwei Dinge noch speziell herausstreichen:

Erstens segnet Gott die Menschen trotz allen Irrwegen. Er reflektiert nach der Sintflut, kommt zum Schluss, dass ihre Herzen böse sind und segnet Noah und alle seine Nachkommen trotzdem. Welch grosse Gnade!

Zweitens schliesst Gott einen ersten Bund mit den Menschen. Dieser Bund war einseitig – nur Gott hatte dabei Verpflichtungen. Es ist Noah und auch uns somit unmöglich, aus diesem Bund herauszufallen.

Beide Aspekte zeigen, mit welcher Gnade und Güte Gott den Menschen begegnet, auch wenn sie sich von ihm abwenden.

Die Verse in Philipper 2,14-15 beschreiben Noah sehr passend: «Bei allem, was ihr tut, hütet euch vor Nörgeleien und Rechthaberei. Denn euer Leben soll hell und makellos sein. Dann werdet ihr als Gottes vorbildliche Kinder mitten in dieser verdorbenen und dunklen Welt leuchten wie Sterne in der Nacht.» (Philipper 2,14-15 HFA). Durch seinen Weg mit Gott wurde er zu einem Licht in einer verdorbenen Welt.

Verwandlung unseres Denkens

Noah war ein Vorschatten von Jesus. Jesus sagt von sich selbst, dass er das Licht der Welt ist. Er war makellos und durch ihn können wir Rettung erfahren. Noah baute aus Holz eine Arche, damit Rettung möglich war, Jesus hingegen lässt sich ans Holz hängen, damit wir gerettet werden können. Wer sein Leben Jesus anvertraut wird gerettet; wer Jesus nachfolgt findet Leben. Er wird nicht verderben.

Durch Jesus ist es auch uns möglich, mit Gott zu wandeln. Er schafft die Grundlage für die Aufforderung von Paulus: «Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an, sondern lasst euch von Gott verändern, damit euer ganzes Denken neu ausgerichtet wird. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt.» (Römer 12,2 HFA).

Wenn wir mit im unterwegs sind, wird er uns – und speziell auch unser Denken – verwandeln. Gott möchte eine neue Realität in uns schaffen, damit wir die Welt so wahrnehmen, wie sie wirklich ist und von ihm erschaffen wurde. Auch werden wird er uns die Relationen zwischen uns und ihm immer mehr erkennen lassen, wenn wir uns von ihm verwandeln lassen.

So wird es uns durch Jesus möglich, auf Gottes Wegen zu gehen. Wie in Philipper 2,14-15 beschrieben, werden wir durch ihn Lichter in einer verdorbenen Welt. Und damit geben wir Gott die Ehre – die Ehre, die ihm gebührt. Auch können Menschen, die ihn noch nicht kennen, ihn dadurch kennenlernen.