Saul – beGEISTert und entGEISTert

Datum: Sonntag, 31. Mai 2020 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: 1. Samuel 10; u. v. a. m.

Saul wurde als erster König über Israel gesalbt. Als Ausrüstung dazu kam der Geist Gottes über ihn. Er wurde beGEISTert. Der Geist bewirkte, dass er prophetisch redete, in einen anderen Menschen verwandelt und von Gott geführt wurde. Durch Ungehorsam Gott gegenüber wurde er entGEISTert, der HERR wandte sich von ihm ab, was letztlich in einem Suizid endete. Wir können viel aus dieser Geschichte für unser Leben mit dem Heiligen Geist lernen.


Ein Advokat (wörtlich der Herbeigerufene) ist ein Rechtsanwalt oder ein Fürsprecher. Das neutestamentliche Wort für den Heiligen Geist parakletos heisst ebenfalls der Herbeigerufene. An Pfingsten wurde der Geist Gottes herbeigerufen, um in den Menschen zu wohnen, die Jesus Christus vertrauen und mit ihm leben. Der Heilige Geist ist aber keine Erfindung des ersten Pfingstfestes in Apostelgeschichte 2, sondern war schon vorher Gast bei einzelnen Menschen.

Erwählt und beGEISTert

Zum Beispiel auf Saul. Das Volk Israel lebte seit ihrer Gründung durch Vater Abraham in einer Theokratie. Gott sprach direkt zu der jeweiligen Führungsperson. Nach Personen wie Mose und Josua waren dies die sogenannten Richter. Während dieser schwierigen Zeit wuchs bei den Israeliten der Wunsch nach einem König, so wie es ihre Nachbaren schon lange hatten. Gott – von dieser Idee nicht begeistert – gestand ihnen die Monarchie jedoch zu.

Gott erwählte Saul zum ersten König über Israel und sprach im richtigen Moment zu Samuel, seinem Priester und Propheten: «Das ist der Mann, den ich dir angekündigt habe! Er wird über mein Volk herrschen» (1Samuel 9,17 NL). «Dann nahm Samuel ein Fläschchen Öl und goss es über Sauls Kopf aus» (1Samuel 10,1 NL). Bei der Salbung zum König verheisst er ihm: «Zur gleichen Zeit wird der Geist des Herrn mit Macht über dich kommen» (V.6a NL).

Saul, von Gott erwählt, erhielt den Heiligen Geist. Dieser Ablauf ist bis heute gleichgeblieben. Erwählt und beGEISTert. Das Abenteuer «Leben mit Jesus» beginnt immer mit der Erwählung durch den himmlischen Vater (Johannes 6,44). Aus eigenen Stücken kann niemand zum Glauben am Jesus Christus finden. Und dann kommt das Geschenk der BeGEISTerung dazu: «Durch Christus habt auch ihr nun die Wahrheit gehört, die gute Botschaft, dass Gott euch rettet. Ihr habt an Christus geglaubt, und er hat euch mit dem Siegel seines Heiligen Geistes, den er vor langer Zeit zugesagt hat, als sein Eigentum bestätigt» (Epheser 1,13 NL).

GEISTgeführt und verändert

Wenn der Geist Gottes in die Wohnung bei einem Menschen einzieht, beginnt eine neue Ära: «Zur gleichen Zeit wird der Geist des Herrn mit Macht über dich kommen, und du wirst mit ihnen zusammen prophetisch reden. Du wirst in einen anderen Menschen verwandelt werden. Wenn diese Zeichen eingetreten sind, dann tu, was du für richtig hältst, denn Gott wird mit dir sein» (V.6+7 NL).

Von dem bunten Strauss der Auswirkungen des Heiligen Geistes sehen wir bei Saul derer dreien:

  • Prophetisch reden. Vielleicht wird es dir bei dieser Sache etwas unbehaglich. Das griechische Wort für Prophetie setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: pro und phémi. Phémi bedeutete sprechen, pro bedeutet vor. Zusammengesetzt könnte man also auch sagen: vorsprechen oder etwas nach vorne bringen. In der Schule wählt man einen Klassensprecher. Er kennt den Willen und die Meinung der Klasse und bringt das nach vorne. Er ist sozusagen der stellvertretende Redner. Derjenige, der vorspricht oder prophetisch redet. Zu Zeiten von Saul hätte der Klassensprecher vielleicht Klassenprophet geheissen. Prophetisch reden meint also, die Gedanken Gottes zu kennen und sie mitzuteilen. Diese Begabung hat grundsätzlich jeder Mensch, in dem der Heilige Geist wohnt. Laut Paulus ist die prophetische Gabe gültig und nützlich für die Kirche: «Die Liebe soll euer höchstes Ziel sein. Aber bemüht euch auch um die besonderen Gaben, die der Geist zuteilt, vor allem um die Gabe der Prophetie» (1Korinther 14,1 NL). Auch diese Gabe ist bei verschiedenen Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Bei uns ist eine Gruppe miteinander unterwegs, die bewusst mit dieser Gabe arbeitet und auch prophetisches Gebet anbietet.
  • Verwandlung in einen anderen Menschen. «[…] Wer mit Christus lebt, wird ein neuer Mensch. […] Dieses neue Leben kommt allein von Gott […]» (2Korinther 5,17+18 NL). Der himmlische Vater hat uns nicht nur erwählt, sondern verwandelt uns ebenso in andere Menschen. In welche Richtung diese Veränderung geschieht, sehen wir bei der Frucht des Geistes, die dieser in uns wachsen lässt: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (vgl. Galater 5,21+22). Gottes Geist verwandelt uns zu einem Wohlgeruch für unser Umfeld. Durch das Betrachten unseres Schöpfers werden wir in sein Bild verwandelt (vgl. 1Korinther 3,16-18). Unser Part ist es, ihn zu betrachten, der Part des Geistes ist es, uns zu verwandeln. Wir müssen zu Gott kommen, damit er an uns das tun kann, was wir selbst nicht können.
  • Geführt von Gott. Es ist so genial, wenn man im eigenen Leben die Führung durch Gott erlebt. Er, der den vollen Überblick hat und mich besser kennt als ich mich selbst. Der Heilige Geist verändert unsere Sinne in diese Richtung, dass wir immer mehr im Sinne Gottes denken und handeln. Deshalb konnte Samuel sagen: «Wenn diese Zeichen eingetreten sind, dann tu, was du für richtig hältst, denn Gott wird mit dir sein» (V.7 NL). Unser Urteilsvermögen wird sich im Laufe der Zeit immer mehr im Zentrum von Gottes Willen einpendeln, so dass es zu dieser pauschalen Zusage kommt. Der Zusammenhang zwischen dem Geist Gottes und der Führung im Leben zeigt uns auch Paulus auf: «Alle, die sich von Gottes Geist leiten lassen, sind seine Söhne und Töchter» (Römer 8,14 NGÜ). Die Welt wird immer komplexer, die Optionen wachsen exponentiell, wie wertvoll ist da ein sicherer Kompass. Dabei musst du nicht ängstlich sein und zaudern, sondern darfst mutig vorangehen, «denn Gott wird mit dir sein».

Ungehorsam und entGEISTert

Saul hatte als König über Israel einen Start nach Mass, er war beliebt und siegreich. Eigentlich hätte es keinen Grund gegeben, etwas zu ändern. Doch langsam schlich sich eigenmächtiges Handeln in seinen Alltag ein. Einmal war er zu ungeduldig und brachte Gott eigenhändig ein Opfer dar, obschon das Sache des Priesters war. Dann erfüllte er seinen Auftrag an den Amalekitern aus Angst vor dem Volk (1Samuel 15,24) nur halbherzig. Immer mehr duldete er «kleine Füchse in seinem Weinberg», die ihn letztlich verwüsteten. Da sagt Samuel zu ihm: «Weil du dich vom Wort des Herrn abgewandt hast, hat er sich nun auch von dir abgewandt; du wirst nicht länger König sein» (1Samuel 15,23 NL). Von da an geht es bergab mit Saul, er trachtet David nach dem Leben, verfällt dem Okkultismus in Sachen Totenbefragung und tötet sich am Ende selbst.

Wir können den Geist Gottes traurig machen, dämpfen und ersticken. «Achtet darauf, den Heiligen Geist nicht durch euer Verhalten zu betrüben. Denkt vielmehr daran, dass ihr sein Siegel tragt und dadurch die Gewissheit habt, dass der Tag der Erlösung kommen wird» (Epheser 4,30 NL). Diese Aussage zeigt, dass der Heilige Geist nicht aus dem Leben vertrieben werden wird. Christen tragen ja, wie Paulus erwähnt, «sein Siegel» auf den Tag der Erlösung. Der Geist Gottes ist eine Anzahlung auf das Leben in der unmittelbaren Gegenwart Gottes in der neuen Welt (Epheser 1,14). Wenn wir etwas kaufen oder eine Reise buchen, leisten wir als Garantie, dass das Geschäft in die Gänge kommt, eine Anzahlung. So schenkt uns Gott mit dem Heiligen Geist eine Garantie, dass die Herrlichkeit bei Gott unsere Zukunft ist.

Aber – die Wirksamkeit des Geistes kann massiv heruntergesetzt werden – wie ein Auto, das nicht mehr auf allen Zylindern fährt. Das geschieht dann, wenn wir anfangen, Dinge im Leben zu dulden, die nicht gut sind. Wenn wir Schuld im Geheimen bewahren, anstatt sie zu bekennen. Der Geist Gottes zieht sich in solchen Situationen zurück – nicht als beleidigte Leberwurst –, sondern als Gentlemen, der sich nicht aufdrängt.

In der Bibel wird die Lästerung des Heiligen Geistes als Sünde aufgeführt, die nicht vergeben werden kann. «Wer aber gegen den Heiligen Geist lästern wird, hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig» (Markus 3,29 NL). Indem die Schriftgelehrten Jesus anklagten, er würde Dämonen durch dämonische Kräfte austreiben, während er sie in Wirklichkeit durch die Kraft des Heiligen Geistes austrieb, nannten sie den Heiligen Geist praktisch einen Dämon. Das ist Lästerung wider den Heiligen Geist. Können Menschen diese Sünde heute noch begehen? Wohl nicht. Diese Sünde konnte nur begangen werden, solange Jesus auf der Erde Wunder tat. Weil er heute nicht mehr physisch anwesend ist und Dämonen austreibt, gibt es diese Möglichkeit der Lästerung des Heiligen Geistes nicht mehr. Menschen, die sich sorgen, die Sünde, die nicht vergeben werden kann, begangen zu haben, haben sie mit Sicherheit nicht begangen. Allein die Tatsache, dass sie sich Sorgen darüber machen, beweist, dass sie sich nicht der Lästerung des Heiligen Geistes schuldig gemacht haben. Alle Sünde kann vergeben werden – alle Sünde – vorausgesetzt, der Mensch nimmt die Vergebung an.

Wie du und ich. Nicht ganz! Wir leben nach Pfingsten. In Sachen Heiliger Geist leben wir nicht mehr in einer Besuchskultur, sondern in einer Wohnkultur. Der Geist Gottes verzieht sich nicht mehr, sondern bleibt. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu schauen, dass er sich wohlfühlt. Wie geht das? Paulus sagt: «Betrinkt euch nicht mit Wein; sonst ruiniert ihr damit euer Leben. Lasst euch stattdessen vom Heiligen Geist erfüllen» (Epheser 5,18 NL). Die Mittel dazu sind Lobpreis und Dankbarkeit. Tun wir das, bleiben wir beGEISTert und sind inspiriert. Auch in diesem Wort steckt der Spiritus Sanctus, der Heilige Geist.

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Apostelgeschichte 2

  1. Erwählt und beGEISTert – bist du das?
  2. Warum kam der Geist Gottes auf Saul? Was waren die Auswirkungen?
  3. Wie erlebst du die Anwesenheit des Heiligen Geistes in deinem Leben in den drei genannten Bereichen?
  4. Wir sollen uns andauernd vom Heiligen Geist erfüllen lassen. Wie erlebst Du das?
  5. Betet füreinander um mehr Fülle durch den Heiligen Geist!