Gideon – durch Zerbrechen zum Sieg

Datum: Sonntag, 29. November 2020 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Richter 7, 2. Korinther 4,6-11

Gideon legt zweimal das Vlies aus und erfährt die Bestätigung, dass Gott ihm den Sieg gegen Midian geben will. Sein Heer besteht aus 32'000 Männer, die aber auf 300 reduziert werden. Gott will nicht, dass sich die Israeliten damit brüsten, dass sie sich aus eigener Kraft gerettet hätten. In der Schlacht spielen Posaunen, Tonkrüge und Fackeln eine Rolle. Damit wird dargestellt, dass Gott in der Mitte seines Volkes war. Der Sieg wurde nur durch Ihn errungen. Die Predigt gibt starke Hinweise, wie wir in unserem Alltag Gottes Siege erleben können.


Ich kenne mich bei Strategiespielen im Computer nicht aus, doch ich habe mich informiert. Wir hören in die Gedankenwelt eines Gamers hinein: So, das müsste jetzt doch wirklich reichen. Da kann nichts mehr schiefgehen. 56 Ritter, 72 Bogenschützen, 5 Katapulte, 3 Drachen, 17 berittene Wildschweine, 10 Erzpriester und immerhin 520 Bauern. Schlachtaufstellung passt. Lager des Feindes ausgespäht. Taktik ist bombensicher. Man rüstet seine Armee so weit auf, bis man sich absolut unschlagbar und sicher fühlt. Meistens ist man dann 10:1 überlegen, was die Truppenstärke angeht. Im Nachhinein ist man enttäuscht, dass der Gegner so schwach war. Ein weiterer negativer Aspekt dieser Taktik ist die benötigte Zeit. Es dauert, bis man seine Armee soweit herangezüchtet hat.

Mir fällt auf, dass ich diese Taktik oft auch im normalen Leben praktiziere. Ich möchte gerne gut vorbereitet sein und mir sicher sein, bei dem, was ich tue. Dabei versuche ich Situationen zu vermeiden, in denen ich mich vielleicht blamieren könnte. Jeder Mensch hat so seine Dinge, auf die er sich im Leben verlässt, auf die er seine Selbstsicherheit, Zuversicht und seinen Mut aufbaut. Das kann die Körperkraft, der messerscharfe Verstand, das sichere und gewinnende Auftreten, die gesundheitliche Robustheit oder Charme und Humor sein.

Bei Gideon fällt in einer Spannungssituation das weg, worauf er sich gerne verlassen hätte. Das geschieht nicht zufällig oder durch einen Schicksalsschlag - nein, Gott nimmt ihm diese Sicherheit ganz bewusst weg.

Das zu zahlreiche Heer

Das Heer von Midian vereinte sich mit anderen Kriegslustigen zu einem Bündnis gegen Israel. «Da kam der Geist des Herrn über Gideon. Mit einem Widderhorn rief er zu den Waffen» (Richter 6,34 NL). Der Kampf zwischen Gideon und den Midianitern steht unmittelbar bevor. Die zwei Lager sind wenige Kilometer voneinander entfernt. Um sicher sein, dass Gott Israel durch ihn retten will, fordert Gideon nochmals ein Zeichen. Er legt ein Vlies aus und Gott bestätigt eindrücklich. Dann ging es los: «Jerubbaal - das ist Gideon - und seine Leute brachen früh am Morgen auf [...]» (Richter 7,1 NL). Gideon wird hier im Andenken an seine Treue, in der er den Götzendienst vernichtet hatte, Jerubbaal genannt. Zusammen mit 32'000 Kriegern machte er sich früh auf. Das war ein Zeichen seiner geistlichen Energie. Gemeinsam lagerten sie sich an der Quelle Harod. Dieser Name bedeutet «Angst» oder «Schrecken». Ihnen gegenüber befanden sich unzählige Feinde (V.12).

Trotzdem spricht der HERR zu Gideon: «Du hast zu viele Leute bei dir. Wenn ich dir so den Sieg über Midian schenken würde, könnten sich die Israeliten vor mir damit brüsten, dass sie sich aus eigener Kraft gerettet hätten» (V.2 NL). Obwohl der Gegner ein mehrfach zahlreicheres Heer besass, brauchte es eine Reduktion. Es soll deutlich sichtbar werden, dass sich Israel nicht aus eigener Kraft gerettet hat. «Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!» (1Korinther 1,31 Lut).

Die notwendige Reduktion

Was nun folgt ist eine zweistufige Reduktion:

  • Alle Feiglinge nach Hause: Gott wies Gideon an, die Soldaten, die sich fürchteten und mutlos waren, nach Hause zu entlassen, damit sie die anderen mit ihrer Angst nicht beeinflussten. Darauf kehrten 22'000 zu ihren Familien zurück. Nur 10'000 blieben übrig. Dies war eine Umsetzung des vierten Artikels aus dem Kriegsgesetz (5Mose 20,8).
  • Alle Bequemen nach Hause: Gott «läutert» nun die Übriggebliebenen, indem Er sie zum Wasser führt. Nur wer sich in Eile erfrischt, anstatt bequem seinen Durst zu stillen, war für den Kampf qualifiziert. «Nur 300 Männer schlürften das Wasser aus ihren Händen. Alle anderen knieten sich hin, um zu trinken» (Richter 7,6 NL). Gideon nahm nur die Soldaten mit, die im Gehen Wasser mit der Zunge geleckt hatten. Im oben erwähnten Kriegsgesetz gab es eine ähnliche Anordnung: Die Beschäftigungen des Lebens, ein Haus bauen, einen Weinberg pflanzen und sich mit einer Frau verloben waren ein Hindernis dafür, in den Kampf zu ziehen (5Mose 20,5-7). Die 300 Männer waren bereit, für eine einzige Sache alles aufzugeben (vgl. Philipper 3,8.13.14). Sie verloren sich nicht in irdischen Dingen und machten es sich auf der Erde nicht bequem. Vom Herrn Jesus wird prophetisch gesagt: «Er selbst aber wird sich unterwegs am Bach erfrischen, darum wird er siegen» (Psalm 110,7 NL). Entschlossen ging Er nach Jerusalem hinauf, um den grössten Kampf gegen den Widersacher auszufechten.

Von den 32'000 bleiben also 300 mutige und entschlossene Männer übrig - das sind weniger als 1%. Hier wird deutlich, dass es bei den Kämpfen des Reiches Gottes nicht auf Zahlen oder auf Macht ankommt. Es kommt auf den Herrn selbst an. «Nicht durch Gewalt und Kraft wird es geschehen, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr, der Allmächtige» (Sacharja 4,6 NL). Es ist belanglos, ob Gideon 30000 oder 3000 oder nur 3 Mann hat. Wichtig ist nur, dass bei den Dreien der lebendige Herr ist. Ein Mensch mit dem Herrn ist immer in der Überzahl. Deshalb sollten wir nicht zählen, sondern nur dafür Sorge tragen, dass der HERR mit uns ist und wir mit Ihm sind.

Gott handelt auch heute noch so, dass er gerade das Schwache erwählt, damit sich niemand vor ihm rühme. Nur in seiner Kraft können wir stark sein. Deshalb sagte Er zu Paulus: «Meine Gnade ist alles, was du brauchst. Meine Kraft zeigt sich in deiner Schwäche. Und nun bin ich zufrieden mit meiner Schwäche, damit die Kraft von Christus durch mich wirken kann» (2Korinther 12,9 NL). Das Leben von Jesus auf dieser Erde war von Vollmacht und Kraft geprägt (Lukas 4,36). Vollmacht und Kraft - das ist die Bedingung für ein siegreiches Leben. Beides gehört zur Ausrüstung eines jeden Nachfolgers von Jesus. Wenn du mit Jesus lebst, hast du Vollmacht und Kraft.

Wenn ein Auto auf dem Parkplatz steht, nützt der eingebaute Turbo nicht viel. Doch wenn man Gas gibt und der Turbo einschaltet, geht die Post ab. Genauso müssen wir uns in Bewegung setzen, um Vollmacht und Kraft zu erfahren. Oft fühlt man sich im Voraus eher ängstlich oder mutlos. Doch wenn wir dennoch im Namen Gottes unsere Herausforderungen anpacken, wird der Turbo gezündet.

Beispiele: Ein anstehendes Gespräch suchen, Dinge im Leben anpacken, eine Aufgabe übernehmen, aus einer destruktiven Beziehung aussteigen, am Arbeitsplatz klar Stellung beziehen, mutig für Kranke beten, Salz und Licht sein in der Nachbarschaft, etc.

Wenn wir - wie im Computerspiel - zuerst eine eigene Armee aufbauen wollen, geht es zu lange und das Leben ist langweilig!

Der erfolgreiche Kampf

Nach der radikalen Reduktion des Heeres spricht der HERR zu Gideon: «Steh auf! Steig hinab zum Lager der Midianiter, denn ich schenke dir den Sieg über sie! Wenn du jedoch Angst hast sie anzugreifen, dann geh mit deinem Knecht Pura ins Lager hinunter» (V.9+10 NL). So fürsorglich! Gott begegnet der Angst von Gideon. Zusammen mit Pura schleicht er sich ins Lager der Midianiter und bekommt gerade mit, wie ein Mann seinem Kameraden einen Traum von einem Laib Gerstenbrot erzählt, das ins midianitische Lager rollte und ein Zelt völlig zerstörte. Der Kamerad antwortet: «Dein Traum kann nur eines bedeuten: Gott hat Gideon, dem Sohn von Joasch, dem Israeliten, den Sieg über Midian und die verbündeten Heere gegeben!» (V.14 NL).

Offensichtlich ist Gideon im Vertrauen zu Gott nun durchgebrochen: «Als Gideon den Traum und seine Deutung hörte, warf er sich vor Gott nieder und dankte ihm. Dann kehrte er ins israelitische Lager zurück und rief: ‘Steht auf! Der Herr hat euch den Sieg über die Midianiter geschenkt!’» (V.15 NL). Noch bevor er in den Kampf steigt, betet er Gott an und dankt ihm. Das ist ein wichtiges geistliches Prinzip. Wir dürfen die Verheissungen anbetend und dankend annehmen, noch bevor wir das Resultat sehen. Jesus sagt: «Alles, was ihr im Gebet erbittet - glaubt, dass ihr es bekommen habt, und ihr werdet es erhalten» (Markus 11,24 NL). Gerade letzten Sonntag erzählte mir jemand, wie sie in einer körperlichen Beschwerde nicht mehr gebittet, sondern nur noch gedankt hat. Und - Gott hat eindrücklich eingegriffen.

Jeder bekam eine Posaune, einen leeren Krug und eine Fackel im Krug. Das ist das Bild des vollständigen Zeugnisses, das Gott uns für den Kampf gegen Satan und die Welt anvertraut. Die Posaune spricht vom Wort Gottes und wurde hier benutzt, um in den Kampf zu ziehen. Die Krüge, die wahrscheinlich die Lebensmittel des Volkes enthalten hatten, waren nun leer (V.8.16). Diese wertlosen Gefässe aus Ton sollten nun zerschlagen werden. Sie sind ein Bild der menschlichen Natur, die vor dem Werk Gottes verschwinden muss. Allerdings enthielten die Krüge das dritte Element des Zeugnisses Gottes, nämlich die Fackeln, die das göttliche Licht darstellen. Wenn der Krug zerbrochen wird, strahlt das Licht hervor.

Gideons Strategie sah vor, dass jeder Kämpfer auf ihn schauen und ihn nachahmen soll (V.17). Die Anwendung für uns ist ebenso einfach wie wichtig: Wir sollen im Glauben auf Christus blicken, vor allem wenn wir im geistlichen Kampf stehen. Der Sieg würde durch den einfachen Ruf errungen: «Für den HERRN und für Gideon!» (V.18 NL). Nachdem sie die Krüge zerschmettert hatten, trugen die Soldaten nur noch ihre Fackel in der linken und ihre Posaune in der rechten Hand. Dabei stiessen sie den Siegesschrei aus (V.19f). So verschwindet die menschliche Schwachheit für den, der die «Waffen des Lichts» angezogen hat und die «Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken» trägt (Römer 13,12; 2Korinther 6,7).

In 2. Korinther 4 findet sich die Analogie zu dieser Geschichte: Paulus beschreibt, dass das Licht «der Glanz der Herrlichkeit Gottes ist, die uns im Angesicht von Jesus Christus sichtbar wird» (V.6 NL). Genauso wie die Fackeln sich vor dem Kampf in den Krügen befanden, so tragen wir diesen Schatz in irdenen Gefässen: «Wir allerdings sind für diesen kostbaren Schatz, der uns anvertraut ist, nur wie zerbrechliche Gefässe, denn es soll deutlich werden, dass die alles überragende Kraft, die in unserem Leben wirksam ist, Gottes Kraft ist und nicht aus uns selbst kommt» (V.7 NGÜ). Dann wird es sehr konkret: «Du und ich, wir sind ein Gefäss, in dem das Licht Gottes brennt. Das Gefäss muss zerbrochen werden. Durch das Leiden erfahren wir am eigenen Leib ständig den Tod von Christus, damit auch sein Leben an unserem Körper sichtbar wird» (V.10 NL). Am Beispiel von Paulus sehen wir, dass ein solcher Zerbruch durch Bedrängnis, Ausweglosigkeit, Verfolgung und in Situationen, in denen wir niedergeworfen werden, geschieht (V. 8f). Manchmal muss Gott unseren Körper «zerbrechen», um sich in unserem Leben zu verherrlichen.

 

Gideon demonstrierte also mit dem Zerbrechen der Krüge, den brennenden Fackeln und den Posaunen, dass er völlig auf Gottes Kraft vertraut, der in unserer Schwachheit stark ist. So nur ist das zu erklären, was nun passiert: Die Feinde zerstörten sich gegenseitig (V.22). Der Sieg wurde nur durch Gott errungen. Diese Strategie führt auch in deinem Leben zum Sieg. Wenn du Jesus Christus in dein Leben aufgenommen hast, dann brennt das Licht in dir. Wir dürfen Zerbruch und Schwäche zulassen, mutig angreifen und dann erfahren, dass der Sieg nur durch Gott errungen wird.

 

 

 

 

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Richter 7; 2. Korinther 4,7-11

  1. Warum wollte Gott nicht, dass Israel den Sieg sich selbst zuschrieb (V.2)? Was wäre daran so schlecht?
  2. Warum war das Volk, das bei Gideon war, zu zahlreich, um gegen Midian zu kämpfen (V.2)? Was können wir daraus lernen (vgl. 1. Korinther 1,26–29; 2. Korinther 12,9)?
  3. Im Kampf gegen Midian gab es ursprünglich 32'000 Krieger, am Ende waren es nur noch 300. Anhand welcher Kriterien wurden die Kriegsleute ausgewählt?
  4. Paulus spricht davon, dass wir «diesen Schatz in irdenen Gefässen» haben (2. Korinther 4,7). Was bedeutet das? Was bedeutet es, wenn dieses Gefäss zerbrochen wird?
  5. Was für Feinde erlebst du aktuell in deinem Leben? Mit welcher Taktik willst du sie angreifen?