Wie du und ich co-inkludiert sind in Jesus

Datum: Sonntag, 22. November 2020 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Römer 12,2

Gott hat uns durch Jesus einen neuen Bund angeboten. Anhand von Hebräer 3 und 5 möchte ich darauf eingehen, was die Gedanken des Vaters über uns sind und was es für uns als Christen, als Nachfolger und Nachahmer von Jesus, bedeutet. Ich möchte darüber reden, wie sehr wir in Jesus co-inkludiert sind und zu seiner Familie gehören und was es bedeutet, als sein Nachfolger erwachsen zu werden.


Vor einigen Monaten ging ich einen Prozess durch, wo ich hinterfragt habe, was eigentlich wahr ist. Mehrere Aussagen haben kundig gemacht, dass gewisse Lehren, denen ich folgte - Bibelübersetzungen, was beides mit Grundüberzeugungen verknüpft ist - schlecht und verkehrt und okkult und an der Wahrheit vorbei sind. Ich habe mich stark hinterfragt, ob dass, was ich für gut befunden habe, doch falsch ist. Ich habe aufgehört, die Bibel zu lesen, mir Lehren und Predigten anzuschauen. Für einige Tage war meine Stille Zeit nur Zeit mit Jesus. Als ich einmal joggen war, sprach er zu mir und sagte: «Erinnerst du dich, was ich gesagt habe? Ich bin der Weg, die WAHRHEIT und das Leben.» Da wurde es mir klarer: Es ist nicht wichtig, welche Predigten ich mir anhöre und welche Bibelübersetzungen ich lese. Wichtig ist, dass ich Jesus folge, denn er ist die Wahrheit. Mir ist sehr stark bewusst geworden, wie wichtig es ist, in allem was wir tun, Jesus als Ziel zu haben.

Das Ziel beim Bibel lesen ist es, Jesus näher kennen zu lernen. Das Ziel beim Worship ist es, ihn anzubeten, nicht eine möglichst reibungsfreie Show abzuliefern. Das Ziel in der Gemeinde ist es, als Gemeinschaft ein Fest für ihn zu feiern. In irgend einer Weise muss ich also fähig werden zu prüfen. Zu prüfen, ob zum Beispiel diese Predigt gut oder schlecht ist oder diese Bibelübersetzung okay ist. Das heisst, dass es zu einem Wachstum kommen muss. Damit wir fähig sind zu prüfen, müssen wir erst mündig werden und darüber möchte ich heute reden. Ich möchte nicht im Geringsten den Eindruck erwecken, dass ich das Ziel «mündig sein» erreicht habe. Vielmehr strebe ich in diese Richtung und ich möchte euch einen Teil meines Prozesses weitergeben.

Gottes Tempel, Teilhabe an der himmlischen Welt

In diesem Prozess hat es sich immer mehr heraus gestellt, dass es mindestens zwei konkrete Schritte benötigt.


Eine Realisierung, was unser Zustand ist. Gott hat durch Jesus einen neuen Bund vorgestellt, den er uns anbietet. Es ist ein revolutionäres neues Ding das sich massgebend von vorherigen Zuständen unterscheidet. Es geht von «Du musst das machen und diese Gesetze einhalten» über zu «meine Gnade ist alles, was du brauchst». Es ist etwas Neues.
Aktive Schritte unternehmen. Ein aktives darauf zugehen und es annehmen. Geh darauf zu und nimm es bewusst an.

Ich möchte heute einen kleinen Fakt des neuen Bundes beleuchten. Eine Predigt reicht nicht, um über den neuen Bund zu sprechen und ich selbst befasse mich noch nicht lange damit. Ich möchte einen kleinen Fakt anhand von Hebräer 3 beleuchten, der für den ersten Schritt von grosser Bedeutung ist. Am Schluss gehen wir weiter zu Hebräer 5. Bevor wir eintauchen, etwas Vorgeschichte: Das Kapitel 2 vom Hebräerbrief handelt davon, wie Jesus die Versuchung der gesamten Menschheit und den Tod selbst durchlitten hat und sich somit als Repräsentant mit sofortiger Wirkung qualifizierte. Dies ist wichtig für das Verständnis beim Kapitel 3: «Richtet daher eure ganze Aufmerksamkeit auf Jesus, liebe Geschwister! Auch ihr gehört ja zu denen, die geheiligt und zur Teilhabe an der himmlischen Welt berufen sind. Seht auf ihn, den wahren Apostel und Hohenpriester, zu dem wir uns bekennen, … » (Hebräer 3,1 NGÜ).

Was haben wir gelesen? Auch ihr gehört zu denen, die geheiligt und zur Teilhabe an der himmlischen Welt berufen sind! Jesus ist der Repräsentant der Menschheit. Weil er als Gottes Sohn alles durchgemacht hat, was du jemals durchmachen kannst und ultimativ sein Leben als Rechnungs-Begleicher für dein Leben hingab, hast du nun die Möglichkeit, in seinem Leben co-inkludiert zu sein. Du bist geheiligt und bist dazu berufen, an der himmlischen Welt teilzuhaben. Weil du im Leben von Jesus inkludiert bist, bist du in diesem Kontext schuldlos. Du bist Teil seiner himmlischen Identität. Dazu gibt es im Epheserbrief zwei Verse, die das gut ausdrücken:

«Zusammen mit Jesus Christus hat er uns vom Tod auferweckt, und zusammen mit ihm hat er uns schon jetzt einen Platz in der himmlischen Welt gegeben, weil wir mit Jesus Christus verbunden sind» (Epheser 2,6 NGÜ). Eine wichtige Betonung ist hier auf dem «schon jetzt». Es ist nicht etwas, was noch kommt, worauf wir hoffen, dass es kommt. Es ist genau hier und jetzt möglich, weil Jesus dir ein neues Leben gibt. Jedoch beinhaltet es ein konkretes Handeln deinerseits: «Zieht das neue Leben an, wie ihr neue Kleider anzieht. Ihr seid nun zu neuen Menschen geworden, die Gott selbst nach seinem Bild geschaffen hat. Jeder soll erkennen, dass ihr jetzt zu Gott gehört und so lebt, wie es ihm gefällt» (Epheser 4,24 HFA).

Du musst dieses neue Leben bewusst annehmen. Mir gefällt die Analogie mit den Kleidern. Manchmal fühlen sich neue Kleider zu Beginn etwas fremd und unpassend an. Doch, wenn du erkennst, dass du in den Tod und die Auferstehung von Jesus co-inkludiert bist, erkennst du deine Schuldlosigkeit in diesem Kontext. Du bist geheiligt und dazu berufen, an der himmlischen Welt teilzuhaben. 

Vom Prophetischen Modell zur heutigen Realität

Lasst uns beim Hebräerbrief weiterlesen. Es gibt noch weitere Fakten, die auf den heutigen Zustand des neuen Bundes hinweisen. «… und haltet euch vor Augen, wie treu er dem dient, der ihn eingesetzt hat! Er ist darin wie Mose vergleichbar, von dem die Schrift sagt, dass er sich in Gottes ganzem Haus als treu erwies. Mose allerdings gehörte selbst zu diesem Haus, während Jesus dessen Erbauer ist. (Schliesslich hat jedes Haus einen Erbauer, und der, der alles erschaffen hat ist Gott.) Und weil nicht dem Haus, sondern seinem Erbauer die eigentliche Ehre zukommt, ist auch die Ehre und Herrlichkeit Jesu grösser als die von Mose. Wenn Mose, wie es in jener Schriftstelle heisst, sich in Gottes ganzem Haus als treu erwies, bezieht sich das auf seinen Dienst als Verwalter - einen Dienst, der über ihn selbst und seine Zeit hinauswies auf Gottes Reden durch Christus» (Hebräer 3,2-5 GNÜ).

Kannst du dich an die Geschichte von Mose und den Israeliten in der Wüste erinnern? Gott gab Mose einen sehr detaillierten Auftrag, ein heiliges Zelt zu bauen. Mose führte alles genau nach Plan aus. Im Bezug auf dieses Kapitel ist Mose das prophetische Modell. Es zeigt, was Gott über seinen Tempel denkt und wie viel Aufwand und Liebe er fürs Detail reinsteckte. Es wird verglichen, dass Mose der Erbauer des Hauses sei und Jesus der Verwalter. «Christus hingegen beweist seine Treue als Gottes Sohn und somit als der Herr über Gottes Haus. Dieses Haus sind wir - vorausgesetzt, wir halten voll Zuversicht an der Hoffnung fest, die Gott an uns gegeben hat und die uns mit Freude und Stolz erfüllt» (Hebräer 3,6 NGÜ). 

Jesus ist für seinen eigenen Haushalt verantwortlich, nicht als Diener, sondern als Sohn. Diese Verse aus Hebräer 3 zeigen uns auf, wie sehr wir ein Teil dieser Familie sind. Wir sind nicht eine Rolle am Spielen, oder in einer Ankleideprobe für das Hauptspiel. Es ist nicht ein Event, das in der Zukunft stattfindet. Es ist jetzt! Wir haben einen Platz in der himmlischen Welt. Wir haben eine königliche Identität hier auf der Erde. Du bist der Tempel von Gott, sein Haus. Du bist seine Adresse hier auf der Erde.

Einer der Unterschiede, die der neue Bund mit sich bringt ist, dass wir nicht mehr in prophetisch Figuren und Analogien sprechen. Wo früher der Heilige Geist ab und zu auf auserwählten Personen war, lebt er heute hier auf der Welt in dir. Viele Prophetien im alten Testament deuteten auf die kommende Zeit hin, in welcher der Messias kommt. Was früher über Generationen für lange Zeit ersehnt wurde, ist heute in voller Frucht Realität. Dies erfüllt uns. Erfüllt mit Selbstvertrauen, Freude und Stolz. 

Lasst euch verwandeln

Ich habe während diesem Prozess nicht nur einiges über den neuen Bund gelernt, was sich vermutlich noch über eine lange Zeit weiterziehen wird. Mir ist auch bewusst geworden, wie sehr ich noch im alten Bund unterwegs bin. Ich habe krampfhaft etwas gesucht, was schon längst Realität im Leben ist. Ich habe den lebendigen Gott gesucht, das Wirken des Heiligen Geistes, Manifestationen wie Heilungen, Prophetien und Zungenreden, wie sie in der Bibel beschrieben sind. All das habe ich mit dem Mindset des alten Bundes gesucht: Ich muss mehr suchen, mehr leisten, mehr tun, mehr zur Gemeinde gehen, mehr gutes tun, mehr ein Vorbild für andere sein... Der gemeinsame Nenner ist hier Leistung. Es ist das alte «Ich-mache-es-selbst-Gesetz.» Je mehr du tust, desto mehr erhältst du. Dabei hat Jesus durch seinen Dienst auf der Erde das alte Gesetzt ins Lächerliche gezogen, weil er Gnade einführte. Im Römerbrief fand ich einen kleinen Hinweis, wie wir uns dieser neuen Realität bewusst werden können. «Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist» (Römer 12,2 SCHL2000).

Ich habe bewusst diese Übersetzung gewählt, weil es sehr gut steht: «Lasst euch verwandeln». In anderen Übersetzungen steht teilweise, dass wir lernen sollen, in einer neuen Weise zu denken. Dies impliziert, dass wir durch krampfhaftes reinstopfen in den Kopf zu dieser Verwandlung kommen. Doch, es heisst, dass wir uns verwandeln lassen sollen. Es bedeutet unser Herz auf Jesus auszurichten, eine Freundschaft mit ihm einzugehen. Alles, was Gott durch uns machen möchte, jede Offenbarung, die er uns gibt, kommt niemals aus Leistung unsererseits, sondern immer aus einer Freundschaft mit ihm.

Von Milch zur fester Nahrung

Ich glaube, dass es nach einer gewissen Anfangszeit, wo wir Jesus kennen lernen, zu einem Wachstum kommen muss. Im Hebräer 5 steht ein gutes Bild fürs Erwachsenwerden. Es ist eine Analogie, dass man als frischer Nachfolger von Jesus wie ein kleines Kind ist, das mit Milch ernährt wird. Man lernt die grundlegenden Aspekte des Evangeliums. Mit der Zeit wächst man und man muss zu fester Nahrung übergehen. Warum ist das so wichtig? «Wer nur Milch verträgt, ist ein keines Kind und versteht nicht, was die Erwachsenen reden. Ein Erwachsener kann feste Nahrung zu sich nehmen. Nur wer seine Urteilsfähigkeit geschult hat, kann zwischen gut und böse unterscheiden» (Hebräer 5,13-14 HFA).

 

Wir müssen uns durch die Erneuerung unseres Sinnes verwandeln lassen, damit unsere Urteilsfähigkeit geschult werden kann. Wir waren nie dazu berufen, zur Gemeinde zu gehen. Wir sind dazu berufen, die Gemeinde zu sein. Wir sind nicht dazu berufen, eine coole Zeit in unserer Kirche zu haben. Die Kirche ist ein Ort, wo wir genährt und gestärkt werden, um unserem Auftrag nach zu gehen, welchen Jesus uns gegeben hat. Vielleicht fühlt es sich im ersten Moment etwas komisch an, von Milch zu fester Nahrung überzugehen. Doch wir sind dazu berufen, ein Teil seiner himmlischen Identität zu sein, als Königskinder hier auf der Erde Einfluss zu nehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Römer 12,2

  1. Was ist dir von der Predigt geblieben?
  2. Hast du dir schon mal Gedanken gemacht, welche Bedeutung der neue Bund für dein
    Leben hat?
  3. Lebst du im neuen Bund?
  4. Was sind deine Gedanken zum geistigen Erwachsen werden?