Verschiedenheit in extremis!

Datum: Sonntag, 2. Juni 2019 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Lukas 18,9-14 und 21,1-4
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Wie verschieden sind wir doch! Willkommen daheim! Das tönt nach einem angenehmen Zuhause. Das tönt nach Familie. Jetzt mal ehrlich! Nehmen wir damit den Mund nicht etwas zu voll, wenn es uns mal so richtig bewusst wird, wie verschieden wir sind? Jesus hat damals, als er bei uns auf dieser Erde war, auch in Gemeinden hineingeschaut. Immer wieder. Das war nicht in Kirchen, das war im Tempel, dort wo der Gottesdienst stattfand. 


Ganz herzlich begrüsse ich euch zu unserem Gottesdienst! «Willkommen daheim» – mit diesem Zuspruch begrüsse ich die Wachen unter uns, und die, die noch etwas müde sind. Die Humorvollen, die weniger Lustigen, die Unternehmungslustigen, die «Stubehöckler», die Mutigen, die Ängstlichen, die Jungen, die Nicht-mehr-so Jungen, die Sportinteressierten, die Leseratten, die Gamer, die Hobbygärtner, die Jogger, die Blogger, die Geschminkten, die «Gebotoxten», die 6päckler… ich könnte noch lange aufzählen!

Wie verschieden sind wir doch! Willkommen daheim! Das tönt nach einem angenehmen Zuhause. Das tönt nach Familie. Jetzt mal ehrlich! Nehmen wir damit den Mund nicht etwas zu voll, wenn es uns mal so richtig bewusst wird, wie verschieden wir sind? Jesus hat damals, als er bei uns auf dieser Erde war, auch in Gemeinden hineingeschaut. Immer wieder. Das war nicht in Kirchen, das war im Tempel, dort wo der Gottesdienst stattfand. Was er dort sah, möchte ich in zwei Berichten festhalten:

1. Geschichte: Der Pharisäer und der Zöllner

«Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die anderen, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden» (Lukas 18,9-14 LU).

2. Geschichte: Das Opfer der armen Witwe

«Er blickte aber auf und sah, wie die Reichen ihre Gaben in den Gotteskasten einlegten. Er sah aber eine arme Witwe, die legte dort zwei Scherflein* ein. Und er sprach: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt. Denn diese alle haben etwas von ihrem Überfluss zu den Gaben eingelegt; sie aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie zum Leben hatte» (Lukas 21,1-4 LU). *Wert eines 1-Räpplers; kleinste hellenische Kupfermünzen.

Beide Geschichten beleuchten Extrempositionen: In der ersten Geschichte steht am einen Ende ein selbstgerechter Pharisäer, am anderen Ende steht ein schuldbewusster Zöllner, der vor Scham am liebsten in den Boden verkriechen würde. In der zweiten Geschichte sind es reiche, grosszügige Spender, die einer mausarmen Witwe gegenüber stehen, die ihre letzte Einräppler in den Opferkasten wirft. In beiden Geschichte macht Jesus einen Vergleich, den eigentlich nur er machen kann und zwar weil:

  • er alle unsere Gebete, die wir an Gott richten, kennt.
  • nur er in die Herzen und ins Portemonnaie von allen sieht.

Schon damals waren die Leute, die im Gotteshaus anzutreffen waren extrem verschieden. Jesus hat dem stolzen Pharisäer einiges entgegen zu setzen: «So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht» (Matthäus 20,26-27 LU). Da wäre noch ein zweites Wort von Jesus diesem Thema:«Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden» (Lukas 14,11 NGÜ). In der Bergpredigt sagt Jesus, wir sollen aufhören, andere zu verurteilen. Wir sollen nicht vergessen, dass andere uns so behandeln werden, wie wir sie behandeln.Wir sollen doch aufhören, uns über den Splitter im Auge des Nächsten aufzuregen, wenn wir selbst einen Balken im Auge haben. Beschäftigen wir uns doch besser zunächst mit dem eigenen Dreck in den Augen! Jesus beobachtete eines Tages im Tempel auch das Spendenverhalten von vielen reichen Leuten und einer mausarmen Witwe. Was sagt Jesus dazu? Alles Geben soll diskret geschehen. Wir sollen es nicht ausposaunen und an die grosse Glocke hängen, nur um von anderen bewundert zu werden. Dann hätten wir den Lohn schon empfangen. Nein: «Was du gibst, soll verborgen bleiben. Dann wird dein Vater, der ins Verborgene sieht, dich belohnen» (Matthäus 6,4 NGÜ). Das ist eine gute Regel in der Gemeinde, dass weder der Prediger, noch die Gemeindeleitung weiss, wer wie viel spendet, sondern der Kassier allein. Im gleichen Kapitel sagt Jesus auch, dass wir keine Schätze anhäufen sollen von Vergänglichem, sondern Schätze sammeln im Himmel. Denn dort wo unser Schatz ist, ist auch unser Herz. Du merkst wo dein Herz ist, wenn du dich fragst, was in deiner Gedankenwelt am meisten vorkommt. Ich bin überzeugt, dass diese beiden Geschichten zu jederzeit höchst aktuell sind, nicht nur wegen den Themen die sie ansprechen, sondern weil uns bewusst wird, dass auch in unserer Gemeinde viele Gegensätze Zuhause sind!

Gegensätze sind herausfordernd

Das macht unser Miteinander höchst interessant und spannend, aber auch herausfordernd.

  • Die einen sind treue und regelmässige Beter, die andern Gelegenheitsbeter
  • Die einen sind verlässliche und vielseitige Mitarbeiter, die anderen können nicht oder wollen nicht mitanpacken
  • Die einen nehmen sich nach dem Gottesdienst Zeit für Begegnungen, die anderen verschwinden möglichst schnell
  • Die einen schätzen den Wert einer Kleingruppe, die anderen glauben gerne solo
  • Die einen reden frömmer als die anderen

Wie schaffen wir es, als so unterschiedliche Menschen ein heimeliges Zuhause zu schaffen als seetal chile?

Jesus ist zuständig für die Einheit

Das Erste und Grösste ist, dass Jesus sich als zuständig einstuft, dass diese Einheit zustande kommt. Bevor er diese Welt verlassen hat, hat er für alle die schon gläubig sind und noch zum Glauben kommen werden, gebetet:«Ich bete für sie alle, dass sie eins sind, so wie du und ich eins sind, Vater - damit sie in uns eins sind, so wie du in mir bist und ich in dir bin, und die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen die Herrlichkeit geschenkt, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind - ich in ihnen und du in mir, damit sie alle zur Einheit vollendet werden. Dann wird die Welt wissen, dass du mich gesandt hast, und wird begreifen, dass du sie liebst, wie du mich liebst» (Johannes 17,21-23 NL). Ich glaube, dass der himmlische Vater das Gebet seines Sohnes Jesus Christus erhört hat. Ist diese Tatsache nicht umwerfend? Egal wie verschieden wir sind, Einheit, Verbundenheit und gegenseitige Liebe ist möglich durch Jesus Christus. Dieses Eins Sein ist nicht abhängig von dem was du bist und hast, oder von dem was du nicht bist und nicht hast, sondern diese Einheit wird uns von Jesus geschenkt, wenn wir unser Leben unter seine Herrschaft stellen. Sein Geschenk hat übernatürliche Qualität, denn Jesus will mit uns und unter uns die gleiche Einheit wie diejenige, die er mit seinem himmlischen Vater hat. Es ist Jesus auch bewusst, dass die vollendete Einheit erst im Himmel erreicht werden wird. Aber die Einheit mit Jesus, die uns bereits geschenkt ist, hat schon hier Herrlichkeitsqualität. Das ist das Beste vom Besten! Jesus hat damit ein grosses Anliegen: Dass die Welt an uns Jesus erkennt, den der himmlische Vater für sie auf diese Welt gesandt hat. Dass die Welt an uns erkennt, wie sehr Gott uns und sie liebt.

Das alles tönt so schön, aber warum ist es für dich manchmal so schwierig mit gewissen Leuten, mit denen du deinen Glauben teilst? Wo ist denn dieses Geschenk der Einheit? Man kann verschiedene Meinungen, verschiedene Lebensstile und verschiedene Glaubensstile auch verschieden angehen: Du kannst dir etwas einbilden auf deine Erkenntnis und deine Meinung; du kannst dir etwas einbilden auf deinen Lebens- und Glaubensstil, oder: Du kannst den Nächsten neben dir in seiner Andersartigkeit, mit seiner anderen Erkenntnis sogar trotz seinen Unarten schätzen und lieben. Seid ihr manchmal auch so unmöglich wie ich, aber Jesus liebt mich trotzdem?! Hermann Bezzel hat christliche Gemeinschaft so beschrieben: «Christen tragen einander, auch wenn es unerträglich scheint, verstehen einander, wenn es kaum noch zu verstehen ist; lieben einander, weil sie miteinander leiden und beten füreinander, bis sie einander lieben». Kannst du das auch so sehen? Hast du Mühe mit dem «Müller», der auch in eure Kleingruppe kommt? Kommst du nicht gerne in den Gottesdienst, weil du dann vielleicht der «Meieri» begegnest? Bete doch mal, bis du den Müller und die «Meieri» liebst! Nicht einfach bis du sie getrost links liegen lassen kannst!

Welche Signale sendest du aus?

Das erwartet ja niemand, dass du bei dieser Gemeindegrösse mit allen Beziehung pflegst und zu allen einen guten Draht hast. Aber es ist entscheidend, welche Signale du aussendest. Wenn du das Signal aussendest: «Du bist mir eigentlich gleichgültig», dann ist das nicht nur fatal und völlig daneben, sondern einfach nicht im Stil von Jesus, der mit seiner Liebe in dir wohnt. Lebe doch mehr mit dem und aus dem was du hast in Jesus Christus! Ich habe vor kurzem in einem Status folgenden Spruch gelesen: «Jeder Mensch hat drei Leben. Ein privates, ein öffentliches und eins, das sich andere ausdenken». Wie denkst du über andere hier in der Gemeinde? Für uns Christen gilt: Wir sollten uns mehr prüfen, wie wir über andere denken. Wir sollten weniger über andere reden. Aber wir sollten viel mehr mit anderen reden und andere von ganzem Herzen lieben. Das wäre der Lebensstil von einem guten Zuhause!

Unser Beitrag

Was wäre von unserer Seite noch beizutragen für ein gutes Miteinander? Jesus gibt uns in der Bergpredigt noch einen Tipp in den Seligpreisungen:«Glücklich sind die, die sich um Frieden bemühen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden» (Matthäus 5,9 NL). Einige Verse später beschreibt Jesus, wie wichtig es für uns ist einander zu vergeben. Das ist sogar überlebenswichtig für uns, wenn Jesus sagt:«Wenn ihr denen vergebt, die euch Böses angetan haben, wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben. Wenn ihr euch aber weigert, anderen zu vergeben, wird euer Vater euch auch nicht vergeben» (Matthäus 6,14-15 NL). Die Vergebung von Jesus, die wir erleben, macht es uns einfach! Sind wir nicht alle froh und dankbar, wenn wir nicht Altlasten umherschleppen müssen! Die Gemeinde ist ein Leib. Christus ist das Haupt, und alle Christen sind Glieder. Kein Glied hängt in der Luft. Auch was dir so nah ist wie die Socken – es sind keine Glieder. Glieder sind nur die Bestandteile deines lebendigen Organismus. Alle Teile von einem Körper sind wertvoll! Aber es sind nicht alle gleich! Sie sind so verschieden wie wir hier drin im Saal – und das ist gut so! Ein Miteinander als Christen wie Jesus es uns von seinem himmlischen Vater erbeten hat, wird uns alle begeistern – und zudem macht es uns in der Öffentlichkeit glaubwürdig! Willkommen Daheim! Amen.

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Lukas 18,9-14 und 21,1-4

  1. Welche Gegensätze würde Jesus heute einander gegenüberstellen?
  2. Was fordert dich am meisten heraus am Zitat von H.Bezzel:«Christen tragen einander, auch wenn es unerträglich scheint, verstehen einander, wenn es kaum noch zu verstehen ist; lieben einander, weil sie miteinander leiden und beten füreinander, bis sie einander lieben».
  3. Was bedeutet für dich, positive Signale auszusenden ganz praktisch?
  4. Wie kann die Einheit und die Liebe, die Jesus uns schenkt von uns besser weiterfliessen?
  5. Zählt noch mehr auf, was unser Beitrag zur Einheit in der Gemeinde sein könnte!