Gott erkennen – und zur Ruhe finden
Serie: Einfach. Leise. Gegenwärtig. | Bibeltext: Psalm 46
Oft erleben wir in der Stille Gottes Offenbarung als allmächtigen und liebenden Gott. In der Gemeinschaft mit ihm erkennen wir immer mehr seine Grösse und Kraft und werden uns bewusst, was er uns in seiner Liebe geschenkt hat. Die Erkenntnis seiner Kraft an unserer Seite, die wir durch den neuen Bund haben, schenkt uns Ruhe und Kraft.
Als Jüngling war ich sehr aktiv – ich ging Gleitschirm fliegen, fuhr Motorrad und besuchte gerne Feste. Gleichzeitig spielte ich in zwei Musikgesellschaften und hatte bis zu vier Proben pro Woche. Nach den Proben ging ich regelmässig noch mit ins Restaurant, sodass ich oft erst um zwölf Uhr oder später ins Bett kam. Weil ich für meine Arbeit bereits um vier Uhr morgens aufstehen musste, war ich häufig so müde, dass ich zeitweise bis zu sechs Wecker brauchte, um überhaupt aus dem Bett zu kommen.
Glücklicherweise kam eine Wende: Vor 30 Jahren reiste ich zum ersten Mal nach Kanada, um dort zu arbeiten. Die Umgebung war völlig anders – die nächste Stadt weit entfernt, keine Musikgesellschaften, kaum Ablenkung, kein Fernseher und kein Handy – und das alles noch vor dem Zeitalter des Internets. Plötzlich hatte ich genügend Ruhe und Zeit, um zu lesen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Ich las Bücher, die ich schon lange lesen wollte, und etwas später öffnete ich auch die Bibel. Ich sehnte mich danach von Gott zu hören und ihn näher kennenzulernen.
In dieser Zeit der Stille offenbarte sich Gott mir, und ich lernte ihn persönlich kennen. Aus diesem Grund freue ich mich ganz besonders über den Jahresvers der seetal chile. Die Aussage dieses Verses wurde für mich Realität.
Gottes Offenbarung erkennen
«Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!» (Psalm 46,11a LUT).
Still zu sein hilft uns, Gott zu erkennen und seine Offenbarung wahrzunehmen. In der Stille wird uns bewusst, dass Gott sich uns bereits offenbart hat, und gerade im Ruhigwerden können wir dies tiefer begreifen. Für Gläubige bedeutet diese Stille, die Gegenwart Gottes zu erleben – und genau in dieser Gegenwart wird seine Offenbarung klar und erfahrbar.
Die Aussage dieses Verses ist eine Aufforderung, still zu werden, damit wir Gott erkennen können, wie er sich offenbart.
Pastor Matthias hat es bereits erwähnt: Wir wollen diese Stille nicht als ein neues Gesetz verstehen, sondern wir suchen sie aus einer tiefen Sehnsucht nach Gott. Unsere Sehnsucht soll seiner Gegenwart gelten. Denn Gottes Gegenwart ist die Krönung – sie überragt alles, was wir sonst empfangen können.
Wir haben die Möglichkeit, Gottes Gegenwart zu erleben, doch wir leben in einer Welt, in der sofortige, kurzfristige Vergnügungen allgegenwärtig sind. Die Versuchung ist gross – überall gibt es «Zucker», unzählige Möglichkeiten, sich ablenken zu lassen. Viel zu oft entscheiden wir uns für Fast Food, eine schnelle, oberflächliche Befriedigung, statt für eine nährende «Mahlzeit», die wirklich Leben schenkt.
In der Stille, in der «Wüste», können wir den Fokus wieder auf das Wesentliche richten. Denn wie das Sprichwort sagt: Vor lauter Wald sieht man die Bäume nicht – erst im Innehalten wird der Blick klar für das, was wirklich zählt. Gottes Offenbarung ist das grösste Geschenk, das wir haben können, Schluss und Punkt. An diesem wichtigsten Punkt könnte ich die Predigt beenden. Doch ich möchte heute einen Schritt weitergehen. Das grosse Geschenk der Stille – Gottes Offenbarung zu erkennen – hat einen sehr wichtigen Folgeeffekt, den wir im Alltag gut gebrauchen können. Und genau auf diesen Nebeneffekt möchte ich heute näher eingehen.
Gottes Erkenntnis gibt uns Kraft
Der Vers der Stille steht im Zusammenhang mit Psalm 46. Der Psalm beginnt wie folgt: «Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den grossen Nöten, die uns getroffen haben» (Psalm 46,2 LUT).
Der Hintergrund dieses Psalms ist Gottes Rettung vor den Assyrern. Die Assyrer waren nicht einfach ein paar dahergelaufene Krieger, sondern eine Weltmacht mit einer hochentwickelten und gut organisierten Armee, die für ihre Grausamkeit berüchtigt war. Sie verbreiteten gezielt Angst, um ihre Gegner einzuschüchtern und Widerstand im Keim zu ersticken.
Der Verfasser des Psalms erlebte Gottes Eingreifen in einer Zeit grosser Bedrängnis. Er kennt Gott, er hat ihn erfahren – und gerade deshalb kann er schreiben: «Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken» (Psalm 46,3 LUT).
Gott hat sich ihm und den Israeliten offenbart. Sie haben Ihn als starken Partner kennengelernt und können deshalb voller Vertrauen leben. Weil sie Gott kennen können sie im Vertrauen leben.
Später im Psalm wird es bei Vers fünf richtig spannend: «Ein Strom, von vielen Bächen gespeist, erfreut die Stadt Gottes, den heiligen Ort, an dem der Höchste wohnt» (Psalm 46,5 NGÜ).
Dieser Strom, dieses lebendige Wasser, begegnet uns an vielen Stellen im Wort Gottes. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel. Für die Israeliten hatte dieses Bild eine besonders tiefe Bedeutung: In einem Land, das extrem trocken ist, versteht man die lebensspendende Kraft von Wasser sehr gut.
In der Stadt Gottes, dort wo der Höchste wohnt, gibt es dieses lebendige Wasser – und alles wird erfüllt von Leben.
Dieser Vers gilt auch uns heute: Wenn wir ausgelaugt, kraftlos und innerlich trocken sind, dürfen wir zu Gott kommen. In seiner Gegenwart werden wir wieder lebendig.
Interessant ist, dass dieses lebendige Wasser auch in Offenbarung Kapitel 22 wieder auftaucht.
«Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes, mitten auf ihrer Strasse und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens» (Offenbarung 22,1-2 LUT).
Auch hier wieder das Bild das vom lebensbringenden Wasser, das von Gott kommt.
Johannes der Autor dieser Offenbarung verkündigte das Evangelium mit grosser Autorität, viele Menschen begannen durch seinen Dienst an Jesus zu glauben. Um seine missionarische Tätigkeit zu unterbinden, wurde er auf die römische Strafkolonie Patmos verbannt – mit dem Ziel, ihn zu isolieren und seinen Einfluss zum Schweigen zu bringen.
Doch Gott gebrauchte gerade diese Zeit der Stille. Auf Patmos offenbarte sich Gott Johannes in einer einzigartigen Weise und schenkte ihm einen tiefen Einblick in die Zukunft. In der Stille begegnete Gott Johannes. Was der Feind als Strafe und Einschränkung geplant hatte, verwandelte Gott in etwas viel Grösseres: Johannes’ Dienst wurde nicht kleiner, sondern grösser – und wir haben durch ihn eine weitere, gewaltige Offenbarung Gottes erhalten.
Eine Offenbarung die Hoffnung bringt
Wir wollen – wie Johannes – still werden. Wir wollen Gottes Grösse und seine Liebe zu uns immer tiefer begreifen. Denn oft ist es gerade in der Stille mit Gott, dass wir seine Offenbarung wirklich erkennen. Wir lesen zwar vieles in der Bibel und verstehen es mit dem Verstand. Doch etwas viel Wertvolleres geschieht, wenn wir Gottes Offenbarung erkennen – wenn sie unser Herz trifft, uns verändert und lebendig wird. Und genau um diese Art von Erkenntnis geht es im folgenden Vers: «Weil wir nun also eine so grosse Hoffnung haben, treten wir frei und unerschrocken auf» (2. Korinther 3,12 NGÜ).
Weil wir diese Hoffnung haben können wir frei und unerschrocken auftreten.
Die Hoffnung, von der Paulus schreibt, ist die Hoffnung des neuen Bundes – die Hoffnung, die aus dem vollbrachten Werk Jesu Christi entsteht. Der Kontext dieses Verses zeigt den starken Kontrast zwischen dem alten und dem neuen Bund. Der alte Bund war zwar herrlich, doch seine Herrlichkeit führte letztlich zur Verdammnis, weil kein Mensch das Gesetz vollkommen erfüllen konnte. Das Gesetz zeigte Gottes Massstab, aber es konnte das menschliche Herz nicht verändern. Der neue Bund, gegründet auf Jesus Christus, bringt Gerechtigkeit, Freiheit und eine bleibende Herrlichkeit.
Wie erhalten wir die Hoffnung? Die Hoffnung kommt aus der Erkenntnis (Offenbarung) Gottes!
Gott hat sich durch Jesus bei uns Menschen offenbart. Wenn wir unsere Sünde bekennen und erkennen das wir Vergebung durch Jesus brauchen, werden wir in den neuen Bund aufgenommen. Der neue Bund, unsere Hoffnung, bringt Vergebung und nicht Verurteilung, gibt uns die Kraft durch den geschenkten Heiligen Geist und die Freiheit ein Gott gefällig zu Leben.
Die Auswirkung der Erkenntnis unserer Hoffnung
Weil wir diese Hoffnung haben, treten wir unerschrocken auf.
Das griechische Wort παρρησία, das hier mit «unerschrocken» übersetzt wird, bedeutet: Vertrauen, Zuversicht, Freiheit, Mut und Entschlossenheit.
Wenn wir Gott kennen und seine Offenbarung erkennen, dann erfüllt uns genau diese Haltung: Wir können mit Vertrauen und Zuversicht leben – mutig, frei und entschlossen.
Abschluss & Anwendung:
In der Stille hat Mose die Offenbarung Gottes empfangen – die Zehn Weisungen, die sein Volk leiten sollten. In der Stille hat Jesus die Gegenwart des Vaters gesucht, um seinen Willen zu erkennen und gestärkt weiterzugehen. In der Stille hat Johannes die Offenbarung erhalten, die uns einen Blick in Gottes Zukunft schenkt.
Wir sehnen uns nach Gott, darum suchen auch wir die Stille um Gott näher kennenzulernen.
«Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!» (Psalm 46,11a LUT) weil wir Gott kennen, können wir aus dem tiefsten heraus sagen «Gott ist unsre Zuversicht und Stärke» (Psalm 46,2 LUT).
«In der Ruhe liegt die Kraft» ein bekanntes Sprichwort welches eine Wahrheit ausdrückt. In der heutigen Predigt möchte ich den Gedanken mit der folgenden Aussage ein Stück weiterführen «In der Kraft liegt die Ruhe.»
Wenn wir seine Liebe für uns und seine Allmacht bewusst werden können wir ruhig werden. Mit Gott, einem mächtigen Partner an unserer Seite strotzen wir voll Zuversicht.
Wenn wir Gott und seine Kraft erkennen können wir ruhig sein; ja ruhig sein in dir.
Mögliche Fragen für die Kleingruppe
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Oft gibt es ein Auf und Ab im Verlangen, Zeit mit Gott zu verbringen. In welcher Phase befindest du dich momentan?
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Wann fühlst du dich besonders nah bei Gott?
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Was ist der Unterschied zwischen still sein, Gebet und Bibellesen?
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Gott in der Stille erfahren, erlebst du das oft?
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Ist Stille eine Disziplin die dir leichtfällt? Wenn nicht, warum nicht?
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Kannst du dir vorstellen, eine Woche ganz mit dir selbst und mit Gott zu sein – ohne Ablenkung, nur mit Stille und deinen Gedanken?
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Denkst du, dass Gottes zu erkennen hilft, ruhig und zuversichtlich zu sein?
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Was ist die Hoffnung beschrieben in 2. Korinther 3,12? Hilft dir diese Hoffnung, mutig oder ruhig zu sein?

