Und dann beten wir an…
Sonntag, 30. Dezember 2018

Und dann beten wir an…

Prediger/in:
Passage: Matthäus 6,13b
Dienstart:

Ganz am Ende des Gebets Unser Vater geht es in die Anbetung über. «Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.» Das ist nicht nur in diesem Gebet so, sondern an ganz vielen anderen Stellen in der Bibel auch - und könnte zu einer Lebensgewohnheit werden.


Heute ist der 30. Dezember. Wenn du noch offene Neujahrsvorsätze vom letzten Januar hast, stehen noch etwa 30 Stunden zur Verfügung. Falls dein Vorsatz hiess, Sachen nicht mehr auf die lange Bank zu schieben, ist es etwas spät.

Heute ist der 30. Dezember. Hast du jemals darüber nachgedacht, was das Wort Dezember bedeutet? Vermutlich nicht. Ich weiss, ich verbringe viel zu viel Zeit damit, über solche Dinge nachzudenken. Dezember kommt aus dem Lateinisch ‘decumo-mensris’ und bedeutet ungefähr 'des zehnten Monats'. Und da Dezember der zwölfte Monat ist, ist das durchaus sinnvoll. Aber nicht.

Wie so viele Dinge haben wir den alten Römern für unseren Kalender zu bedanken. Ursprünglich war März (Mensis Martius) der erste Monat. In März wurden Proconsulen eingesetzt und Legionen rückten aus. Damals hatte das Jahr nur zehn Monate und es gab keine Wintermonate. Das wäre sicherlich interessant, obwohl ich bezweifle, dass zwischen Dezember und März nur Sportferien stattgefunden haben. Ich weiss auch nicht, wie Geburtstage zwischen dem 31. Dezember und 1. März behandelt waren.

Im Lauf der Zeit waren Januar und Februar hinzugefügt und Januar wurde der erste Monat. Aber bis heute heisst der 12. Monat immer noch ‘des zehnten Monats’. Wie der gallische Philosoph Obelix sagt, „Die spinnen, die Römer!

Was auch immer die Monate heissen, es gibt gute Gründe, übermorgen zu feiern und vor allem Gott zu preisen. Wir lesen folgendes im Lukasevangelium Kapitel 2:

«Als das Kind acht Tage später beschnitten wurde, gab man ihm den Namen Jesus - so wie der Engel ihn schon genannt hatte, bevor Maria schwanger wurde» (Lukas 2,21; NL).

Für die Juden hatten der Name und die Namensgebung eine grosse Bedeutung für das Leben eines Kindes. Es war wie eine Prophezeiung über ihn. Am achten Tag nach seiner Geburt brachten Josef und Maria ihr neugeborenes Kind in den Tempel. Dort wurde er beschnitten nach dem Gesetz. Und dort wurde sein Name ausgesprochen: Jesus – auf Hebräisch Jeshua. Jeshua heisst «Jahwe rettet». Wir können auch Jahwe übersetzen mit «ich bin, der ich bin» oder «ich werde sein, wer ich sein werde» oder «ich bin da». Dieser Jahwe rettet. Und das war der Name, das war die Bestimmung, und das war das Leben von Jesus von Nazareth.

Wie ich das rechne, wäre der 1. Januar der achte Tag nach Weihnachten. Am 1. Januar war das Evangelium mit einem Namen ausgerufen. Das Anno Domini, das Jahr unseres Herrn wurde proklamiert und ein neu Zeitalter fing an. Anstatt eines Grunds zum Saufen ist der 1. Januar ein Grund unser Gott zu danken und loben und zu preisen – ihn anzubeten.

Anbetung ist das Thema für heute Morgen. Damit schliessen wir unser Jahresthema und Predigtreihe über das Unser Vater Gebet ab. Heute geht es um Anbetung - mit einem Blick zurück und einem Blick nach vorne. Wir werden einige Bibeltexte miteinander anschauen.

Die Doxologie des Unser Vaters

«Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.»

Was machen wir nach einem Theaterstück oder ein Konzert oder Sportsereignis? Wenn es uns gefallen hat, ist es üblich, dass wir zum Beispiel die Hände zusammenklatschen. Das Handklatschen ist Ausdruck unseres Dankes und unserer Wertschätzung. Vielleicht machen wir andere Dinge: Genau was und wie hängt viel von unserer Persönlichkeit und Kultur ab.

Was machen wir nach einem Gebet? Ich denke, es ist ähnlich. Nicht mit dem Klatschen (aber warum nicht eigentlich), sondern dass vieles von unserer Persönlichkeit, Gewohnheit, und Kultur abhängt. Am Schluss sagen wir oft «Amen» – das aramäische Wort für «so sei es» («et voila» auf Bärndütsch). Ich brauche Amen auch aber manchmal frage ich mich warum. Verwenden wir Amen wie ein Zauberwort, oder wie ein Sendbutton für ein E-Mail oder Textnachricht? Oder ist Amen ein Signalwort, dass Gott uns nachher nicht mehr zuhören muss? In der Bibel und in altchristlichen Liturgien kommt es öfters vor, dass ein Gebet mit Lobpreis oder Anbetung aufhört. Ich finde es sowieso interessant, wie eng die deutsche Worte Gebet und Anbetung verwandt sind. Beide stammen von dem Wort Bitten und die Worte zeigen uns, dass Gebet und Anbetung weniger mit dem, was wir bringen, zu tun haben als mit dem, was wir erhalten wollen. Macht das Sinn?

Der letzte Abschnitt des Unser Vaters, den wir heute Morgen anschauen, wird die Doxologie bezeichnet. Das Wort Doxologie besteht aus zwei griechischen Wörtern: Doxa und Logia. Doxa bedeutet ‘Glaube’ oder ‘Meinung’ und ist die Wurzel der Wörter ‘orthodox’ und ‘Paradox’. Doxa wird auch verwendet um das Hebräische kavod (בוד) oder ‘Herrlichkeit’ zu übersetzen. Logia bedeutet einen verbalen oder schriftlichen Ausdruck. Eine Doxologie ist also ein Wort über die Herrlichkeit oder ein Wort, das die Herrlichkeit von etwas ausdrückt. Eine Doxologie ist ein Ausdruck von Lob und Verherrlichung - ein Ausdruck der Anbetung.

Die Doxologie des Unser Vaters ist der einzige Teil des Gebets, der nicht direkt in Matthäus 6 zu finden ist. Es stimmt völlig mit der Theologie und dem Tenor des restlichen Gebets überein, aber es ist kein Teil unserer kanonischen Schrift. Wie Bernhard letzten Sonntag erwähnt hat, haben Christen sehr früh dieses Wort der Anbetung gebraucht. Es gibt Manuskripten aus dem 2. Jahrhundert mit der Doxologie als Teil des Unser Vaters.

Die Doxologie unterstreicht die Bedeutung des Himmelreiches für Jesus: Dein ist das Reich, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Wenn wir das Unser Vater wahrnehmen und ausleben, bringen wir das Himmelreich in und um uns herum. Es ist ein Reich wo wir Gott ehren. Es ist ein Reich, wo Gottes Wille an erster Stelle steht. Es ist ein Reich, wo wir Gottes Fürsorge erwarten und vertrauen. Es ist ein Reich, wo Gnade und Vergebung herrschen. Es ist ein Reich der Klarheit, in dem wir erkennen, dass mehr passiert als nur das, was wir mit den Augen sehen können. Es ist ein Reich, das unsere totale Treue und unsere vollständige Abhängigkeit erfordert.

Lebe ich so ein Leben des Himmelreiches? Nein, ich falle immer wieder. Und immer wieder lande ich in der liebevollen und vergebenden Umarmung meines Vaters und deines Vaters – meines Königs und deines. Ihm gehört alle Ehre. Amen.

Eine Doxologie Davids

Die Theologie des Himmelreichs und die Sprache der Doxologie, sind im Neuen Testament nicht neu. Sie sind auch in der Anbetung von König David zu finden. Wir lesen den folgenden Text in dem Buch 1. Chronik 29. David hatte das Volk Israel aufgerufen, um Geld und Schätze für den Bau des Tempels zu sammeln. Das Volk ist zusammengekommen und hat eine riesige Menge gebracht. Das Volk jubelte über die Freigebigkeit und David betete seinen Gott an.

«Dann lobte David den Herrn vor allen Versammelten: ‘Herr, Gott unseres Stammvaters Israel, gepriesen seist du für immer und ewig! Dein, Herr, sind Grösse, Macht, Herrlichkeit, Ruhm und Hoheit. Alles im Himmel und auf der Erde gehört dir; dein ist das Reich, Herr. Wir beten dich an als den Herrn über alles. Reichtum und Ehre kommen allein von dir, denn du bist Herr über alles. Macht und Stärke verleihst du dem, den du gross und mächtig machen willst. Gott, wir danken dir und preisen deinen herrlichen Namen’» (1. Chronik 29,10-13; NL).

Hast du die Ähnlichkeiten gemerkt? David verwendet die Sprache unserer Doxologie in seinem Anbetungsgebet. «Dein ist das Reich, Herr.» «Dein, Herr, ist die Macht.» «Dein, Herr, ist die Herrlichkeit.» «Gepriesen seist du für immer und ewig!» Wahrscheinlich waren die ersten Christen mit diesem Text sehr vertraut, Jesus war es auf jeden Fall. Das anbetende Herz Davids prägt uns bis heute.

Eine Doxologie von Paulus

«Ehre und Ruhm gehören Gott allein, dem ewigen König, dem Unsichtbaren, der nie stirbt und der allein Gott ist, in alle Ewigkeit. Amen.» (1. Timotheus 1,17; NL).

Das Neue Testament ist erfüllt von Doxologien. Da der Apostel Paulus einen grossen Teil des Neuen Testaments geschrieben hat, kommen viele Doxologien von ihm. Ein Beispiel ist dieses aus dem 1. Timotheus. Ich kann mir vorstellen, dass während Paulus seine Briefe schrieb und über das erstaunliche Evangelium und unseren wunderbaren Gott nachdachte, wurde er überwältigt und mit Lob und Anbetung erfüllt. Für einen Freund von mir ist es auch so, wenn er über Gott redet.

In diesem Beispiel hat Paulus gerade seinen Dank für Gottes Gnade und den Ruf auf seinem Leben ausgedrückt. Wahrscheinlich hat er geweint, als er diese Doxologie schrieb.

Kennen wir diese Fülle von Emotionen und Dankbarkeit? Ich wünsche mir persönlich viel mehr davon. Wie tief ist die Wahrheit des Evangeliums in unserem Herzen gewachsen? Eine Doxologie ist kein Bekenntnis, es ist eine Leidenschaft.

Übrigens braucht auch Paulus ‘Amen’; es ist biblisch.

Doxologien in der Offenbarung

Zum Schluss möchte ich die Doxologien im Buch der Offenbarung betrachten.

Vielleicht hast du dich gefragt, warum wir heute Morgen den Trailer vom letzten Jahr hatten. Vielleicht hast du das gar nicht gemerkt und das ist völlig in Ordnung. Ich merke auch nicht alles, zum Beispiel neue Frisuren, Schuhe, Brillen, Geburtstage. Für mich ist es cool, wenn du es nicht gemerkt hast. Wir haben heute Morgen bewusst den Trailer vom letzten Jahr gezeigt. Letztes Jahr war unser Thema ‘Weitsicht’ und wir haben eine Predigtreise durch das Buch der Offenbarung gemacht. Heute versuche ich die letzte 2 Jahren zusammenzubringen. Im Februar ist es 24 Jahre her, seit ich in die Schweiz kam, um ein Bärnermeitschi zu heiraten. Ich fühle mich wohl in meiner Wahlheimat, ausser wenn es Hochnebel gibt. Ich bin nicht besonders lichtempfindlich, aber ich fühle mich recht desorientiert, wenn ich meine Umgebung nicht sehen kann. Während der Sportferien das Jahr waren wir in Sörenberg. Ich nahm die Gondelbahn nach Brienzer Rothorn und fand mich völlig im grauen Nebel. Freude herrscht! Plötzlich gab es ein helles Licht und ein viereckiges Fenster durchbrach die Nebelwand. Durch das Fenster konnte ich den blauen Himmel, die Berge und den Brienzersee sehen. Sie waren immer dort. Ich habe sie einfach nicht wahrgenommen wegen der Nebelwand. Ich brauchte ein Fenster.

So ein Fenster ist das Buch der Offenbarung und diese Erkenntnis, die ich auf dem Berggipfel hatte, war 2017 unser Thema. Wir leben oft umgeben von geistlichem Nebel und erkennen nicht, was um uns geht. Gottes Wort und seine Offenbarung zeigt uns was wahr ist. Und was finden wir im Buch der Offenbarung? Doxologie und Anbetung:

«In der Mitte und um den Thron stehen vier lebendige Wesen, voller Augen vorne und hinten. Das erste dieser lebendigen Wesen sieht aus wie ein Löwe, das zweite wie ein junger Stier. Das dritte lebendige Wesen hat ein Gesicht wie ein Mensch und das vierte gleicht einem fliegenden Adler. Jedes dieser lebendigen Wesen hat sechs Flügel, die innen und außen voller Augen waren. Tag für Tag und Nacht für Nacht hören sie nicht auf zu rufen: ‘Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott, der Allmächtige, der immer war, der ist und der noch kommen wird.’» (Offenbarung 4,6-8; NL).

«Immer wenn die lebendigen Wesen dem, der auf dem Thron sitzt und in alle Ewigkeit lebt, Herrlichkeit und Ehre und Dank bringen, fallen die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Thron sitzt, und beten den an, der in alle Ewigkeit lebt. Und sie legen ihre Kronen vor den Thron und sagen: ‘Du bist würdig, unser Herr und Gott, Herrlichkeit und Ehre und Macht entgegenzunehmen. Denn du hast alle Dinge geschaffen; weil du es wolltest, sind sie da und wurden sie geschaffen.’» (Offenbarung 4,9-11; NL).

«Dann sah ich wieder Tausende und Abertausende von Engeln um den Thron und um die lebendigen Wesen und die Ältesten und hörte ihr Singen. Und sie sangen in einem gewaltigen Chor: ‘Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist. Es ist würdig, Macht und Reichtum entgegenzunehmen und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lob.’» (Offenbarung 5,11-12; NL).

«Und dann hörte ich, wie alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und im Meer sangen: ‘Lob und Ehre und Herrlichkeit und Macht stehen dem zu, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm für immer und ewig.’ Und die vier lebendigen Wesen sagten: ‘Amen!’ Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten an» (Offenbarung 5,13-14; NL).

«Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und die vier lebendigen Wesen. Und sie fielen vor dem Thron nieder und beteten Gott an. Sie riefen: ‘Amen! Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank und Ehre und Macht und Stärke gehören unserem Gott für immer und ewig. Amen!’» (Offenbarung 7,11-12; NL).

Zum Schluss

Das Unser Vater ist ein Abenteuer. Es ist das bekannteste Gebet auf der ganzen Erde und hat die Menschheit schon seit zwei Millennien begleitet. Dieses Gebet ist ein Beispiel dafür, wie wir beten können. Und doch ist es sehr viel mehr. Das Unser Vater zeigt uns wie wir das Himmelreich leben. Es zeigt uns wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen. Es zeigt uns wie wir mit uns selbst umgehen. Und es zeigt uns wie wir mit unserem Gott umgehen.

Das Gebet weist uns auf das Evangelium und den Vater des Evangeliums hin. Er ist der Vater, der uns alles gegeben hat, was wir haben. Er ist der Vater, der uns erlaubt, ihm den Rücken zu kehren und wegzugehen. Er ist der Vater, der sich sehnt, uns zu willkommen und nach Hause zu bringen. Er ist der Vater, der alles gab damit wir zu ihm kommen dürfen. Es war seine Idee, sein Sohn als Kind in dieser Welt zu senden. Es war seine Idee, dass Jesus unsere Schuld auf sich nahm und für uns am Kreuz starb. Er ist der Vater, dessen Umarmung uns wiederherstellt und rein macht.

Ich möchte dich und uns alle ermutigen, 2019 zum Jahr unseres Herrn (Anno Domini) zu machen. Zu Gott und seiner Umarmung zu kommen und dort zu leben. Ich möchte dich und uns alle ermutigen, 2019 ein Jahr des Gebets und der Anbetung zu machen. Amen.