Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah!
Dienstag, 25. Dezember 2018

Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah!

Prediger/in:
Passage: Lukas 1,26-28; Matthäus 1,18-25
Dienstart:

Ohne persönliche Gottesbegegnung bleibt Weihnachten nur ein Märchen und der persönliche Glaube fad und unattraktiv. Um dies zu ändern, wurde Gott in der Person von Jesus Mensch und machte sich berührbar, sichtbar, hörbar und erfahrbar. Durch eine Gottesbegegnung wird aus Advent ein Adventure!


Wenn man das Wort Advent mit den drei Buchstaben u-r-e verlängert, heisst es Adventure (Abenteuer). Unser Jahresthema heisst «Abentüür Gebät». Das Gebet wird dann zu einem Abenteuer, wenn es zu einer Gottesbegegnung kommt, was ja auch der tiefste Sinn des Gebets ist. Ohne persönliche Gottesbegegnung bleibt Weihnachten nur ein Märchen.

Weihnachten weckt in vielen die Sehnsucht nach Ruhe. Um endlich ohne Alltagsstress Gott begegnen zu können. Doch weisst du was? Gott möchte dir im Alltagsstress begegnen. Auch die Original-Weihnachten hatte wenig von «Goldner Knabe im lockigen Haar», es war absoluter Stress: Volkszählung, Wanderung zum Geburtsort – und dann anschliessend Tötung aller Kinder unter zwei Jahren. Fest steht: Das «Heilige Paar» war gar nicht entspannt, so wie es andere Eltern vor der Geburt ihres ersten Kindes auch nicht sind.

Bis zur Original-Weihnachten war Gott für sein Volk der Ferne, der Unantastbare, der Heilige. Das ändert sich nun vollständig. In Jesus Christus kommt Gott uns nahe und bietet viel Kontaktfläche. An Weihnachten macht sich Gott sichtbar, riechbar, tastbar und hörbar. Jesus ist das Bild des unsichtbaren Gottes, eine Einladung zur Begegnung. Eine Begegnung mit ihm macht Advent zu Adventure!

An Weihnachten geht es nicht darum, dem Trubel zu entfliehen, um Ruhe zu bekommen. Sondern mitten im Trubel zur Ruhe zu kommen und Gott zu begegnen.

Maria

Man würde denken, dass Maria und Josef den Hauptgewinn aller Zeiten gezogen hätten, die Eltern des Messias zu sein. Doch damals bedeutete eine voreheliche Schwangerschaft für die Frau enorme Schmach, Ausgrenzung und im schlimmsten Fall keinen Lebensunterhalt. Eine grosse Ungewissheit war zudem Joseph. Wie wird er auf diese Hiobsbotschaft reagieren? Auch für ihn wird es eng. Wenn er sagt, dass er der Vater sei, dann lügt er. Wenn er seine Vaterschaft bestreitet, muss Maria dem jüdischen Gesetz zufolge gesteinigt werden (5Mose 22,21). Die Tatsache einer plötzlichen Schwangerschaft war in ihrem jüdischen Umfeld lebensgefährlich. Maria stand also eine harte Zeit und viel Leid bevor. Deshalb ruft der Engel ihr «Fürchte dich nicht» zu und lässt sie das Kind Jesus nennen. Das hebräische Wort Jeschua bedeutet «Gott rettet», und das war genau die Botschaft, die sie in dieser Lage dringend brauchte. Weihnachten bedeutet, dass Gott dich rettet!

Nach dieser Gottesbegegnung ist Maria bereit, sich der Herausforderung zu stellen. «Maria antwortete: ‘Ich bin die Dienerin des Herrn und beuge mich seinem Willen. Möge alles, was du gesagt hast, wahr werden und mir geschehen.’» (Lukas 1,38).

Vielleicht gibt es in deinem Leben auch so eine Sache, die dir die Hoffnung an einer guten Zukunft nehmen will. Vielleicht ist es eine lebensverändernde Krise. Sie erscheint vielleicht aufgrund einer Scheidung, des Verlustes des Arbeitsplatzes, des Todes eines engen Freundes oder Familienmitglieds, einer Krebsdiagnose, einer enttäuschenden Gemeindeerfahrung, eines zerbrochenen Traumes, einer Trockenheit oder sinkenden Begeisterung in der Beziehung mit Gott. In solchen Engpässen brauchen wir eine Begegnung mit Jeschua, der rettet und sagt: «Fürchte dich nicht!»

Josef

Folgender Witz dürfte die Gemütslage von Josef ein klein wenig abbilden: Josef und Maria sind auf der Suche nach einer Herberge. Leicht genervt klopft Josef an die zwölfte Tür. Der Wirt öffnet und Josef fragt: «Habt Ihr Quartier für meine Frau und mich?» Wirt: «Nein, alles ausgebucht.» Josef: «Aber seht doch, meine Frau ist hochschwanger!» Wirt: «Dafür kann ich doch nichts…» Josef ist empört: «Ich doch auch nicht!»

Josef wird gewaltig herausgefordert. Sicher ist ihm die Story vom Engelbesuch zunächst wie ein Märchen vorgekommen. Auch für die Menschen um ihn herum gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder lügt Maria oder beide lügen. Da er seine Verlobte nicht beschämen wollte, gedachte er, sie heimlich zu verlassen (Matthäus 1,19). Josef benötigte eine eigene Gottesbegegnung, und die bekam er auch. In Matthäus 1,20-23 erklärt ihm der Engel, dass Jesus die Erfüllung der alten Prophezeiung vom Immanuel sein würde, das bedeutet «Gott mit uns». Nach dieser Botschaft war Josef bereit, seine schwangere Frau von ganzem Herzen zu sich zu nehmen. Erst nachdem beide Eltern persönlich Gottes Zuspruch erfahren hatten, konnte das Wunder von Weihnachten weitergehen.

Vielleicht befindest du dich im Moment auch in einer unüberschaubaren Situation oder einer Sackgasse. «Gott mit uns» wird auch dich sicher und zuverlässig durch solche Zeiten navigieren. Durch die Begegnung mit Jesus Christus wird er zu Immanuel zu «Gott in dir». Das brauchen wir, um mit klarem Kopf und mutigen Schritten unser Leben zu meistern.

Hirten

Die Hirtenfelder bei Bethlehem spielen bis heute eine zentrale Rolle bei den Weihnachtsfeierlichkeiten im Heiligen Land. Unzählige Touristen haben diese Felder zwischen Bethlehem und Jerusalem besucht. Der Kirchenhistoriker Eusebius sieht eine Verbindung zwischen ihnen und einer einzigartigen biblischen Stätte, genannt Migdal Eder, zu Deutsch ‘Herdenturm’. Dieses Gebiet am Stadtrand von Bethlehem finden wir auch in den Schriften des Talmuds. Dort heisst es, dass alles Vieh in der Umgebung Jerusalems «bis nach Migdal Eder» als heilig und geweiht angesehen wurde und nur zur Opferung im Tempel genutzt werden konnte, insbesondere für die Friedens- und Passahopfer.

Das bedeutet, dass die Hirten auf den Feldern von Bethlehem keine gewöhnlichen Hirten waren, sondern dem Opfersystem des Tempels dienten. Diese Männer dienten im Kontext des mosaischen Bundes, einem Vorschatten des Neuen Bundes. Genau diese Männer wurden nun mit der Realität des ewigen Lichtes konfrontiert, auf dessen Kommen ihr Dienst seit Jahrhunderten hingewiesen hatte. Es war tatsächlich die Verkündigung einer neuen Ära der Errettung!

Schon Prophet Micha hat sich ein paar Jahrhundert vorher auf Migdal Eder bezogen: «Und du, Turm der Herde, du Feste der Tochter Zion, zu dir wird kommen und wiederkehren die frühere Herrschaft, das Königtum der Tochter Jerusalem» (Micha 4,8; Lut). Auf Grundlage dieser Prophetie schlossen bekannte jüdische Gelehrte in der Midrasch, dass es unter allen Orten in Israel Migdal Eder sein würde, von dem aus die Ankunft des Messias zuerst verkündet würde.

Daher handelte es sich nicht nur um eine Verkündigung der guten Nachricht gegenüber einfachen Hirten, als die Engel auf den Hirtenfeldern bei Bethlehem erschienen. Es war ein gewaltiges prophetisches Zeichen für ganz Israel. Die Nachricht dieser Nacht muss sich wie ein Lauffeuer in den umliegenden Dörfern verbreitet haben.

Es war die erste Verkündigung des euangelion, der guten Nachricht des Erlösungswerkes Jesu Christi. Es ist bemerkenswert, dass diese erste Verkündigung gegenüber Israeliten ausserhalb der Familie Jesu nicht an die religiösen oder politischen Führer Israels gerichtet war, sondern an die Hirten, die ihre Herden hüteten.

Für die Hirten stellte Jesus, der durch seinen Tod das Opfersystem des Tempels ersetzen wird, eine grosse wirtschaftliche Herausforderung dar. Es standen viele Arbeitsplätze auf dem Spiel und rief die Hirten-Gewerkschaft auf den Plan. Um ihre Zukunftsängste einordnen und weglegen zu können, brauchten sie eine persönliche Gottesbegegnung. Und eine solche wurde ihnen geschenkt: «Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen» (Lukas 2,10-12; Lut).

Magier

Die Magier stammten aus einer Kaste von Priestern und weisen Männer unter den Medern, Perser und Babylonier, deren Lehre vorwiegend der Astronomie, Astrologie und Zauberei galt. Allein aufgrund einer Sternkonstellation nahmen sie zusammen mit ihrem Hofstaat eine Reise von über 1100 km auf sich, um dem neuen König zu begegnen. Ganz sicher schwang bei diesen Gelehrten auch viel Unsicherheit mit. Zuerst gelangten sie prompt an den falschen König, an Herodes. Dieser – obwohl verängstigt – konnte ihnen auf ihrer Suche entscheidend weiterhelfen. Schliesslich begegneten sie einem Kleinkind in einem Haus (Matthäus 2,11 – nicht mehr an der Futterkrippe) statt einem Königskind mit Hofstaat.

Und dann steht: «Als es Zeit war, wieder aufzubrechen, zogen sie jedoch auf einem anderen Weg in ihre Heimat zurück, denn Gott hatte sie in einem Traum davor gewarnt, zu Herodes zurückzukehren» (Matthäus 2,12).

Die Begegnung mit Jesus veränderte die Magier, so dass sie anschliessend einen anderen Weg gingen. Ich bin überzeugt, dass dies nicht nur eine geografische Bedeutung, sondern auch eine innere hat. Begegnungen mit Gott lassen uns neue Wege gehen. Und was wir ebenfalls von den Magiern lernen können, ist, dass der Weg zu einer Gottesbegegnung manchmal lang und anstrengend sein kann. Nehmen wir alle Indizien, die wir finden, und suchen diesen König! Selbst wenn es lange dauert, geben wir nicht auf. Auf keinen Fall wollen wir uns damit zufriedengeben, Gott nur vom Hörensagen zu kennen. Aus dem «Glashaus» können wir Gott nicht erkennen. Deshalb sagt Jesus: «Wer den Willen Gottes tun will, wird erkennen, ob meine Lehre von Gott kommt oder ob ich aus mir selbst heraus rede» (Johannes 7,17).

Herodes war einer, der nur vom Hörensagen über den neugeborenen König wusste. Während seines Ausfragens der Magier, hatte Herodes sich den exakten Zeitpunkt geben lassen, wann der Stern erschienen sei (Matthäus 2,7). Dadurch wusste er das Alter von Jesus. Wenn Jesus genau dann geboren wurde, als der Stern im Osten erschienen ist, konnte Jesus maximal zwei Jahre alt sein. Deshalb erliess er aus Angst vor neuer Konkurrenz den Befehl zu einem Genozid. Alle bis zu zwei Jahre alten Knaben mussten getötet werden. «Herodes war ausser sich vor Zorn, als er erfuhr, dass die Sterndeuter ihn hintergangen hatten. Er schickte Soldaten aus, die in Bethlehem und der ganzen Umgebung alle Jungen im Alter von zwei Jahren und jünger umbringen sollten. Denn die weisen Männer hatten ihm erzählt, dass sie den Stern vor etwa zwei Jahren zum ersten Mal gesehen hatten» (Matthäus 2,16).

Die Magier und Herodes trafen ihre Entscheidungen aufgrund der gleichen Indizien. Jesus nur vom Hörensagen zu kennen, kann bisweilen bizarre Züge annehmen, ja sogar Fanatismus zur Folge haben. Nicht selten werden Menschen, die aus kirchlichem Kontext kommen, aber ohne persönliche Begegnung mit Gott geblieben sind, zu sarkastischen Spöttern. Das war übrigens auch der Unterschied von Hiob zu seinen Freunden. Eindrücklich ist, dass Hiob in der Tiefe seines Leidens 58 Mal seinen Gott persönlich anspricht. Das ist der Schlüssel in dunklen Zeiten. Die Freunde Hiobs reden lediglich ‘über’ Gott.

Herodes handelte aus Angst vor Konkurrenz und dadurch nicht mehr selbst bestimmen zu können. Unser unglaublicher Drang nach Selbstbestimmung ist ein grosses Hindernis für eine Gottesbegegnung. In einem Gleichnis sandte das Volk eine Abordnung los, um dem König (Jesus) zu sagen: «Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!» (Lukas 19,14; Lut). Diese Haltung kann eine Gottesbegegnung verhindern und fatale Auswirkungen haben.

Ohne persönliche Gottesbegegnung bleibt Weihnachten nur ein Märchen und der persönliche Glaube fad und überhaupt nicht anziehen. Damit dies nicht so sein muss, wurde Jesus Mensch.

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude;

heut wie am Anfang steht huldvoll er da.

Gottheit und Menschheit vereinen sich beide;

Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah!

Himmel und Erde, erzählt's allen Leuten:

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden!