Suche Frieden
Sonntag, 27. Januar 2019

Suche Frieden

Prediger/in:
Passage: Psalm 34,15
Dienstart:

Suche Frieden und jage ihm nach! Der Friede ist doch eine Frucht des Geistes, der in unseren Herzen ist. Was gibt es da zu suchen und zu jagen?! Andrerseits ist uns bewusst, dass ein friedliches Zusammenleben uns nicht in den Schoss fällt. Doch für ein gemütliches Zuhause ist Frieden! Willkommen daheim bei unserer Spurensuche nach Frieden!


Friede ist gar nicht so einfach zu definieren. Viele sagen spontan: Friede ist das Gegenteil von Krieg. Aber ist das, was ein Krieg in einem Land nach einem Friedensschluss hinterlässt, Friede. Ich denke da an die zerbombten Städte in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Oder an die unzähligen, trauernden Familien nach beiden Weltkriegen; und eigentlich nach jedem Krieg.
Andere sagen: Friede ist das Gegenteil von Streit? Hast du nach einem deftigen Streit nur Freude am Frieden – oder sind da nicht noch Nachwehen, z.B. eine bodenlose Enttäuschung, dass es überhaupt zu dieser Streit kommen konnte. Oder lähmende Angst vor einer nächsten Auseinandersetzung?
Friede hat sich auch in eine saloppe Umgangssprache eingebürgert: «Das isch de Friede gsi,» – diese Schneeschuhwanderung durch die frisch verschneite Landschaft. «Das isch so friedlich gsi, mol zäme in Usgang gah» schwelgt ein Ehepaar.
Peace kann auf deinen Oberarm tätowiert sein; kann gross auf deinem T-Shirt stehen oder auf deinem Cap – aber du hast Zoff in der Bude, oder mit deinen Eltern und schimpfst über diese böse Welt. Peace steht auf deinem Kleber am Schulsack – aber du wäffelst trotzdem über deine Lehrer und Klassenkameraden!
Natürlich wird der Friede auch vielseitig besungen. Ich denke da an einen Song von Nicole zurück in den 80er-Jahren, der damals über 5 Monate an der Spitze der Charts stand: Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne… Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude, ein bisschen Wärme, das wünsch' ich mir. Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen… Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe…
Das ist typisch für uns Menschen, wir «bitzeln» gerne! Das ist wie an einem lukullischen Buffet. Wir möchten möglichst alles geniessen können, darum nur ein bisschen von allem! Wir geniessen gerne das ganze Leben mit all seinen verführerischen Häppchen. Nicole bekennt dann selbst: Ich weiss, meine Lieder die ändern nicht viel, ich bin nur ein Mädchen, das sagt, was es fühlt…

 

Suche Frieden und jage ihm nach…

Wir ahnen, dass mit dieser Aufforderung ein ganz besonderer Friede gemeint ist. Der göttliche Friede, der in der Bibel mit dem hebräischen Begriff Shalom oder dem griechischen Begriff eiréné wiedergegeben wird, bedeutet: unabhängig von allen Umständen – es geht mir gut, da ist eine Ruhe in meinem Herzen; ich habe genug; ich kann Gott in die Augen schauen; ich bin zu-Frieden.
Dieser göttliche Frieden fehlt uns seit dem Sündenfall. Wir sind von Kind auf Menschen, die nie genug haben. Ohne diesen Frieden von Gott sind wir ruhelos und unzufrieden; ziehen ständig über andere her, ärgern uns über andere usw. Und es geht uns zuerst um unser eigenes Wohlergehen und nicht um das Wohl der andern.

 

Der Friede Gottes in 3 verschiedenen Stufen von AT über NT bis zum endgültigen Frieden

1. Im Alten Testament galt der Friede Gottes seinem erwählten Volk

Gottes Friede war damals im Volk Gottes…
• Präsenz Gottes in der Stiftshütte oder später im Tempel; oder bei der Wüstenwanderung mit der Wolke oder in der Nacht die Feuerflamme.
• Dieser Friede gab Geborgenheit, z.B. für einen guten Schlaf (Psalm 4,9)
• Erlebt durch Gottes Schutz und Bewahrung.
• Im Erleben des Versöhnungstages, und den verschiedenen Festtagen
• Ein gutes Land zum Wohnen (Psalm 37, 11)
• Wenn der König gut war und tat, was recht ist, konnte das Volk wird in Frieden leben (Psalm 72,3)
• Wer auf Gott hörte und treu zu ihm stand, denen war der Friede sicher (Psalm 85,9).
• Der Friede war abhängig von der Erfüllung des Gesetzes (Psalm 119,165)
Das galt alles für Gottes Volk. Für die anderen Völker galt: «Für die Gottlosen gibt es keinen Frieden«, spricht mein Gott. Jesaja 57,21

 

2. Im Neuen Testament

Jesus brachte einen dreifachen Frieden auf diese Erde zu uns Menschen: >Friede zwischen Mensch und Gott, > Friede unter uns Menschen und den > Frieden mit dir selbst.
Jetzt ist der Friede Gottes uns so nah, dass er in uns lebt!
Jesus sagte bei seinen Abschiedsreden: Auch wenn ich nicht mehr da bin, wird doch der Friede bei euch bleiben. Ja, meinen Frieden gebe ich euch – einen Frieden, den euch niemand sonst auf der Welt geben kann. Johannes 14, 27
In den Gottes-Kindern ist er durch den Heiligen Geist präsent. Der Friede ist eine Frucht des Geistes in uns. Jesus ist der angekündigte Friedefürst. Als Fürst verfügt er über diese Frucht. Er kann sie durch uns verbreiten, weitergegeben, z.B. einfach durch unser Sein und unser Handeln; durch das was wir ausstrahlen und verbreiten. Dieser Friede in uns hat Einfluss auf unser ganzes Wesen mit Leib, Seele und Geist. Paulus verbindet ihn mit unserer Heiligung:
Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch. Er schütze euern Geist, eure Seele und euern Körper, damit sie unversehrt sind, wenn Jesus Christus, unser Herr, wiederkommt. 1. Thessalonicher 5,23
Dieser Prozess der Heiligung dauert an bis wir am Ziel des Glaubens sind. Wir reden noch vom Kampf des Glaubens. Wir sind immer noch, teilweise massiv angefochten. Wir leiden an Krankheitsleiden. Wir leiden trotz dieses göttlichen Friedens in uns noch unter Spannungen im zwischenmenschlichen Bereich, Knatsch in der Ehe, dicke Luft in der Familie, Mobbing am Arbeitsplatz. Leiden wegen unserem Versagen, unserem Eigenwillen, Kleinglauben – aber all das kann Gottes Friede in uns nicht bodigen.
Diesen tiefen Frieden erleben auch unsere verfolgten Glaubensgeschwister, davon bin ich überzeugt! Auch wenn sie in Gefängnissen sind oder in Arbeitslagern, durch das was sie ausstrahlen kommen sogar noch andere zum Glauben.
Wie der Apostel Petrus damals die Christen noch ermahnen musste, so haben wir es auch heute noch nötig. Er schreibt in seinem Brief und fordert uns auf: …ganz auf das gemeinsame Ziel auszurichten. Seid voller Mitgefühl, liebt einander als Glaubensgeschwister, geht barmherzig und zuvorkommend miteinander um! Vergeltet Böses nicht mit Bösem und Beschimpfungen nicht mit Beschimpfungen! Im Gegenteil: Segnet! 1. Petr. 3,8ff

 

Suche Frieden und jage ihm nach…
Das griechische Wort hier für suchen (zéteo) meint nicht nur dein Suchen nach der Brille oder dem Autoschlüssel! Es hat weit grössere Bedeutung: aufsuchen, untersuchen, erforschen, nachdenken, darüber «grübeln», Erwägungen anstellen, vermissen, begehren, wünschen, verlangen, fordern. Denk darüber nach, wie du dich in dieser gespannten Situation am Arbeitsplatz verhalten sollst. Grüble ein bisschen darüber, warum ihr im Hauskreis, in der Kleingruppe wieder in einer komischen Stimmung auseinander gegangen seid! Ich bin überzeugt, Jesus liebt solche Grübler! Den Frieden suchen heisst, du willst von ganzem Herzen dem Frieden in dir, Jesus in dir Raum geben und nicht der Wut im Bauch. Wo Verletzungen, Eifersucht, Neid, Enttäuschungen und anderes uns den inneren Frieden streitig machen, kannst du mit der Hilfe von Jesus das Gute in Erwägung ziehen!

Über die Liebe nachdenken!
Eigentlich fehlt in unserem Vers von Psalm 34, der erste Teil: «Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!» Vielleicht hättest du viel Grund richtig böse zu sein über jemanden, oder auch nicht. Egal ob deine Wut begründet oder unbegründet ist, tu das Gute. Trachte nach dem Guten. Ja, wir wissen alle, dass dies nicht einfach ist, Jesus den Vortritt zu geben in uns. Es wäre nur fatal, wenn wir resignieren: «Ich bin einfach mal schnell auf 180! Ich kann manchmal einfach nicht aufs Maul hocken und habe eine giftige Zunge. Ich bin halt empfindlich…»

Das Wort «jagen» kommt wirklich aus dem Jagdvokabular. Ich war noch nie an einer Jagd beteiligt, aber was ich über Jäger weiss ist, dass sie leidenschaftlich sind. Sie haben nur ein Ziel: Nicht mit leeren Händen nachhause zu gehen. Sie setzen sich ganz ein, sie sind konzentriert, schwitzen oder warten geduldig, geben nicht auf - und sind eine verschworene Gemeinschaft!
Vergiss es nicht: Der Friede Gottes liegt in dir, mach ihm Platz im Herz und im Kopf! Paulus ermutigt uns an Gottes Gnade festzuhalten: Der Gott des Friedens wird den Satan bald unter eure Füße zwingen und zertreten. Ich wünsche euch, dass die Gnade unseres Herrn Jesus Christus euch begleitet! Römer 16,20

Im idea spektrum vom 9. Januar sind 9 Personen gefragt worden, was ihnen diese Aufforderung von Psalm 34 bedeutet. Von den Antworten möchte ich gerne einige Sätze zitieren:
• Je mehr Platz der Held des Friedens, Jesus, in mir einnimmt, desto mehr habe ich den Frieden erjagt. (Ramona Keil)
• Ich strebe nicht danach, ohne Konflikte leben zu wollen. Ich will in Konfliktsituationen Friedensstifter werden. (Elisabeth Kunz)
• Ich will in den Beziehungen mit meinen Mitmenschen den Frieden aufmerksam, ehrlich und ausdauernd suchen. Das heisst, ehrlich über Beziehungen nachdenken; mutig auf andere zugehen, wenn Unausgesprochenes in der Luft liegt; nicht aufgeben wenn andere abweisend reagieren. (Christine Grogg)
• Ein Kantonsrat: Ich möchte meine politischen Gegner als Menschen achten, sie lieben und sie so sehen, wie sie Jesus Christus sieht: als Menschen, die er liebt und für die er in diese Welt gekommen ist, um sie zu retten. (Erich Vontobel)

 

3. Der Friede Gottes in seiner endgültigen Schönheit und Herrlichkeit

Doch auch diese neutestamentlich hohe Stufe des göttlichen Friedens von Gott, ist eine Zwischenstufe. Den Frieden Gottes werden wir in seiner endgültigem Schönheit und Herrlichkeit erst im Himmel erleben. Bis es soweit ist, müssen wir uns noch gedulden. Paulus beschreibt diesen Wartesaal in Römer 8,19: Ja, die gesamte Schöpfung wartet sehnsüchtig darauf, dass die Kinder Gottes in ihrer ganzen Herrlichkeit sichtbar werden.
In dieser Sehnsucht denken wir natürlich auch an die Zusagen der Offenbarung: kein Leid wir mehr sein, keine Tränen, keine Schmerzen, kein Tod – aber ebenso schön finde ich die Beschreibung dieser Zeit von Jesaja: Dann werden der Wolf und das Lamm einträchtig zusammenleben; der Leopard und die Ziege werden beieinander lagern. Kalb, Löwe und Mastvieh werden Freunde und ein kleiner Junge wird sie hüten. Kuh und Bär werden miteinander weiden. Ihre Jungen werden nebeneinander ruhen. Der Löwe wird Stroh fressen wie das Vieh. Der Säugling spielt am Schlupfloch der Otter. Ja, ein Kleinkind steckt seine Hand in eine Giftschlangenhöhle. Jesaja 11, 6

Freuen wir uns gemeinsam, über die knapp 50 Wochen dieses Jahr vor uns, die wir - so Gott will - haben, um im Frieden zu wachsen. Meinem persönlichen Glauben für euch alle und für uns als ganze Gemeinde möchte ich mit folgendem Vers Ausdruck geben: Ihr werdet Gottes Frieden erfahren, der grösser ist, als unser menschlicher Verstand es je begreifen kann. Sein Friede wird eure Herzen und Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahren. Philipper 4,7
Amen

 

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Psalm 34,15

1. Als Gläubige die im Zeitalter nach Christus leben sind wir vielseitig bevorteilt im Vergleich mit dem Volk Gottes vor Christus! Zählt einiges auf…
2. Was sind unsere Schwachstellen, die oft zu Unfrieden und Streit führen?
3. Wie hast du bisher konkret Frieden gesucht und nach Frieden gejagt in brenzligen Situationen?
4. Was stellt ihr euch vor unter einem Herzen voll Frieden von Gott?
5. Möchte jemand von euch von einer aktuellen Spannung in seinem zwischenmenschlichen Bereich erzählen? (ev. auch als Gebetsanliegen)
6. Wie machst du das? , «Böses» lassen und stattdessen «Gutes» tun?
7. Was nimmst du für dich persönlich mit von diesem Vers 15 aus Psalm 34?