Hoffnungsvoll bitten, suchen, anklopfen

Datum: Sonntag, 17. Oktober 2021 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Matthäus 7,7-11

Bitte – Erhalte, Suche – Finde, Klopfe an – dir wird aufgetan. So simpel beschreibt uns Jesus das Gebetsleben. Leider deckt sich diese Aussage nur wenig mit unserer Erfahrung. Wie oft bitten, suchen, klopfen wir an, doch es erfolgt keine Reaktion. Dies liegt daran, dass wir meistens zu Ich fixiert beten. Unser Vater im Himmel will uns Gutes tun und weiss genau, was uns gut tut. Doch zuerst müssen wir erkennen, worum wir bitten, suchen und anklopfen sollen. Es geht nicht primär darum, dass unsere irdischen Träume erfüllt werden, sondern darum mit Gott in eine Beziehung zu treten, ihn um seine Nähe zu bitten, ihn zu suchen und an seine Türe zu klopfen.


Oftmals gehen uns Dinge verloren, doch leider ist nicht jede Suche erfolgreich. Jesus macht in der Bergpredigt eine Aussage, welche eigentlich jede Suche erfolgreich machen sollte, sobald wir zu Gott beten. Um diese Bibelstelle soll es in der heutigen Predigt gehen.

Rückhaltlos vor Gott kommen

«Bittet, und ihr werdet erhalten. Sucht, und ihr werdet finden. Klopft an, und die Tür wird euch geöffnet werden» (Matthäus 7,7 NLB). Wenn Jesus hier vom Gebet, also vom Reden mit Gott, spricht und welche Auswirkungen es haben kann, dann klingt dies ziemlich einfach. Bitte und du wirst erhalten. Suche und du wirst finden. Klopfe an und dir wird eine Türe geöffnet. Dies tönt zu schön, um wahr zu sein. Wenn dies wirklich so ist, dann sind alle Probleme, Nöte, Sorgen und Ängste dahin. Kaum habe ich Sorgen, dann bitte ich Gott und Zack, das Problem löst sich in Luft auf. Sollte ich jemals wieder etwas verlieren oder auf der Suche sein nach etwas - Zack, dann werde ich es finden. Und wenn ich mal irgendwo spät unterwegs bin und eine Möglichkeit zum Übernachten suche, dann brauche ich bloss an eine Tür zu klopfen, natürlich von demjenigen Haus, welches mir am besten gefällt und ich werde unverzüglich reingelassen und mir wird ein Bett angeboten. Dies klingt zu schön, um wahr zu sein. Ich denke, dass dies auch für die Zuhörer von Jesus so klang. So einfach?

Doch Jesus verstärkt seine Aussage noch mehr, anstatt sie wie wir wohl erwarten würden abzuschwächen. «Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet» (Matthäus 7,8 NGÜ). In der ersten Zusage in Vers sieben sollen wir jeweils aktiv bitten, suchen und anklopfen und wir werden erhalten, finden und uns wird geöffnet. Also wir tun etwas aktiv und das Ergebnis erhalten wir ohne unser zutun. Ganz anders in der Äusserung von Jesus in Vers acht. Wer aktiv bittet, aktiv sucht und aktiv anklopft, der erhält, findet und dem wird geöffnet. Das Gebet wie es hier von Jesus beschrieben wird, hat aktive Auswirkungen und ein klares Ergebnis. Jesus fordert uns hier intensiv zum Gebet auf. Zum Gebet das hoffnungsvoll ist und etwas bewirkt. Nachfolger von Jesus haben ihn ihm nicht nur einen guten Freund, sondern in Gott auch einen himmlischen Vater. Der Adressat solcher hoffnungsvollen Gebete ist Gott, der himmlische Vater.

Michael Herbst führt in seiner Predigt über diese Bibelstelle zwei Punkte an, in welche Richtung ein Gebet zu Gott gehen kann. Zum einen ist dies um geistliche Weite, zum anderen um Veränderung. Bitten, suchen und klopfen Nachfolger von Jesus bei ihrem himmlischen Vater an, dann weitet dies die Sicht. In dem zu Gott gebetet wird, wird zwar aktiv um Dinge gebeten, welche selbst fehlen, aber es hebt den Blick hin zu Gott. Gleich wie ein Kind mit allem was es beschäftigt zu seinem Vater geht, so können Kinder Gottes zu ihrem Vater gehen und ihn um alles bitten. Wird zu Gott gebeten, dann verändert dies auch vieles. Einerseits verändert es die Sicht auf gewisse Dinge, andererseits kann es auch den Blick für andere weiten. Wenn im Gebet nicht nur eigene Nöte zu Gott gebracht werden, sondern auch Anliegen von anderen Menschen, dann weitet dies die eigene Sicht und verändert die Wahrnehmung für andere Menschen.

Um Nachfolger von Jesus in Erinnerung zu rufen, wie gut es der himmlische Vater mit ihnen meint, weist Jesus auf die Beziehung von Eltern zu ihren Kindern hin. «Ihr Eltern - wenn euch eure Kinder um ein Stück Brot bitten, gebt ihr ihnen dann stattdessen einen Stein? Oder wenn sie euch um einen Fisch bitten, gebt ihr ihnen eine Schlange? Natürlich nicht! Wenn ihr, die ihr Sünder seid, wisst, wie man seinen Kindern Gutes tut, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen, die ihn darum bitten, Gutes tun» (Matthäus 7,9-11 NLB). Eltern sind darum besorgt, ihren Kindern das Nötigste zu geben. Brot und Fisch waren zu dieser Zeit Grundnahrungsmittel. Wenn also Kinder ihre Eltern um Essen bitten, dann werden sie ihnen nicht mit unnötiger Härte begegnen, für diese der Stein stehen kann. Ja Eltern werden ihre Kinder auch nicht irgendwelchen Gefahren aussetzen. Sie behüten und beschützen sie und geben ihnen keine Schlange, welche giftig sein könnte. Jesus seine Schlussfolgerung führt dazu, dass der himmlische Vater noch viel liebevoller und umsichtiger mit seinen Kindern umgeht, als wir Menschen dies können. Gelingt es uns nicht immer richtig zu handeln, so ist aber dennoch meistens der Grundtenor positiv. Doch Gott als der himmlische Vater will immer das Beste für seine Kinder (Römer 8,28).

Die (andere) Antwort Gottes

Wenn wir die Worte von Jesus hören, dann fällt es trotz des ganzen Optimismus in der Aussage schwer, dies wirklich zu glauben. Denn die Erfahrung zeigt doch eher das Schweigen Gottes. Gott ist kein Wunschautomat. Es wird zu Gott gebetet, ja vielleicht sogar geschrien, doch er antwortet leider nicht. Dies kann dazu führen, dass man sich von Gott abwendet. Denn wie kann Jesus solche Aussagen machen und sagen, dass der himmlische Vater denen die ihn darum bitten Gutes tut, wenn sich dies überhaupt nicht mit der Lebens- und Erfahrungswelt deckt?

Diese Sichtweise kommt vor allem daher, dass das Hören Gottes nur auf das konkrete in Erfüllung gehen eines Wunsches beschränkt wird. Alles andere wird als böses handeln deklariert. Sei dies, ob der Wunsch anders in Erfüllung geht oder eben gar nicht. Oftmals wird eine Gebetserhörung, insbesondere wenn sie anders ausfällt als erwartet, nicht als solche wahrgenommen. Der Fokus liegt meistens nur auf dem was von Gott nicht erhört wird. Was er dagegen alles positives tut, wird nicht wahrgenommen. Der bereits verstorbene Erzbischof der Church of England, William Temple, fasste dies wie folgt zusammen: «Wenn ich bete, passiert zufällig dieses oder jenes; wenn ich aufhöre zu beten, passiert zufällig nichts mehr.» Gleich wie Eltern genau wissen, was ihre Kinder brauchen, so weiss auch unser himmlischer Vater genau was wir brauchen. Wenn Gott anders als erwartet auf ein Gebet antwortet, dann weil dies für uns besser ist, als wenn er unseren Wunsch erfüllen würde.

Das andere Erfüllen unseres Wunsches stellt noch nicht so eine grosse Hürde dar. Doch das nicht in Erfüllung gehen erschüttert unser Gottvertrauen. Es lässt uns an einem guten Gott zweifeln. Besonders dann, wenn wir persönlich stark betroffen sind. Im August 2017 erhielt ich ein Telefonat von einem Freund. Freudig nahm ich ab, doch was er mir zu sagen hatte, entzog mir den Boden unter den Füssen. Er teilte mir mit, dass sein WG-Kollege, einer meiner besten Freunde, im Urlaub in den USA bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Diese Nachricht versetzte mich in Schockstarre. Ich war zutiefst betroffen und traurig. In dieser Situation schrie ich zu Gott im Gebet. Ich klagte ihn an. Ich hämmerte an seine Türe und erhoffte mir, dass er doch machen könne, dass diese Nachricht nicht stimmt. Ich bat Gott mir das Warum zu erklären. Doch dies blieb bis heute aus. Bis heute ist mir schleierhaft, weshalb mein Kollege mit 24 Jahren verstorben ist. Viele Erklärungen münden im leeren. Obwohl dies so ist, bin ich aber auch überzeugt, dass Gott auch mal ein Nein sagen kann. Dieses Nein ist aber nicht weniger liebevoll als ein Ja. Diese Spannung gilt es auszuhalten. Für mich war der Verlust extrem schwer, aber ich merke auch, wie sich mein Leben seit daher verändert hat. Bei mir fand ein Perspektivenwechsel statt. Im Rückblick konnte ich auch durch den Schmerz hindurch das erkennen, wovon im Römerbrief geschrieben steht: «Und wir wissen, dass für die, die Gott lieben und nach seinem Willen zu ihm gehören, alles zum Guten führt» (Römer 8,28 NLB).

Wenn unser Bitten, Suchen und Anklopfen nicht in Erfüllung geht, dann lässt uns dies mit offenen Fragen und oftmals auch verletzt zurück. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir für das falsche bitten. Michael Herbst formuliert dies wundervoll in seiner Predigt zu dieser Stelle. «Ich versuche es einmal so: Das Versprechen, das Jesus abgibt, gilt nicht für alles, was wir von Gott erwarten! Wenn wir aber Gott selbst suchen, dann sollen wir ihn finden. Wenn wir ihn um seine Nähe bitten, bitten wir niemals vergebens. Wenn wir vielleicht zaghaft und zum ersten Mal an seine Tür klopfen, dann bleibt sie uns nicht versperrt. Gott öffnet die Tür und wir schauen in ein strahlendes Gesicht. Gott schaut uns an und lachend ruft er uns zu: Toll, das du kommst! Herzlich willkommen! Lass uns schauen, was ich Gutes für dich tun kann.»

Nochmals auf Anfang

Damit wir diese Aufforderung zum Gebet verstehen, muss das Vater Unser im Hinterkopf behalten werden. Dies schwingt immer irgendwo mit. Bei so schwierigen Themen besonders. Daher beten wir zu unserem Vater im Himmel, dass sein Wille geschehe, nicht mein Wille. Jesus hat dieses Gebet in der gleichen Rede eingeführt. Auch im Lukasevangelium ist diese Rede vom Bitten aufgeführt. Doch anstatt bloss von einer guten Tat zu sprechen, wird diese personifiziert. «Wenn aber selbst ihr sündigen Menschen wisst, wie ihr euren Kindern Gutes tun könnt, wie viel eher wird euer Vater im Himmel denen, die ihn bitten, den Heiligen Geist schenken» (Lukas 11,13 NLB). Der Heilige Geist ist das Gute in Person. Er ist der Helfer, Tröster, Stellvertreter. Gott als liebender Vater nimmt uns nicht einfach aus einer Situation heraus oder lässt uns in ihr allein, sondern er stellt uns den Heiligen Geist an die Seite. Fällt uns dieser Perspektivwechsel schwer, dann können wir mit Charles Haddon Spurgeon folgendes Gebet beten. «Herr, ich möchte mehr an Dich denken, als an mein eigenes Gebet; mehr an Deinen Sohn, als an meinen eigenen Glauben; mehr an Deinen Heiligen Geist, als an alle übrigen guten Gaben.»

Gott begegnet uns als liebender Vater. Ein solcher will nur das Beste für seine Kinder. Doch dies beinhaltet auch, dass er seinen Kindern gewisse Dinge vorenthält. Er beschützt sie vor gewissen Dingen und andere Dinge lässt er ihnen widerfahren, damit sie daraus lernen. Ein liebender Vater ist nicht lieblos, indem er seinen Kindern Grenzen setzt. Nein, er zeigt dadurch sogar seine Liebe zu den Kindern. Dennoch nimmt er aber auch nicht jede Hürde aus dem Weg, denn die Kinder werden ansonsten nicht zu mündigen Menschen. Genauso ist auch Gott.

In einer Geschichte welche Jesus erzählt, kommt die Seite des liebenden Vaters besonders zum Vorschein. Es ist das Gleichnis des verlorenen Sohnes (Lukas 15,11-32). Diese Geschichte zeigt uns viel der Gottesperspektive und kann eine Hilfe sein, die irdische Perspektive zu verlassen. Ein junger Mann will gerne etwas von der Welt sehen und bekommt daher von seinem Vater einen Erbvorbezug. Mit dem Geld verschwindet er und verprasst alles. Nachdem das Geld weg ist, sind es auch seine Freunde. Daher sucht er sich eine Arbeit und wird als Tagelöhner fündig. Dort verdient er so wenig, dass er sich kaum am Leben halten kann. In dieser Situation erinnert er sich an seinen gütigen Vater, welcher sogar die schlechtausgebildetsten Arbeiter gut behandelt. Daher fällt er den Entschluss zu ihm zurückzukehren. Er will bei seinem Vater als Arbeiter anheuern. So macht er sich auf den Weg, um an die Türe seines Vaters zu klopfen. Für unser heutiges Predigtthema ist die Rektion des Vaters sehr spannend.

«So kehrte er zu seinem Vater nach Hause zurück. Er war noch weit entfernt, als sein Vater ihn kommen sah. Voller Liebe und Mitleid lief er seinem Sohn entgegen, schloss ihn in die Arme und küsste ihn» (Lukas 15,20 NLB). Sein Vater sieht ihn von weitem. Er verschliesst nicht seine Türen oder schickte jemanden um ihn wegzuweisen. Nein er rennt seinem Sohn mit offenen Armen entgegen. In der damaligen Kultur war rennen für einen Vater nicht angebracht. Schon gar nicht für jemanden, der Besitz hat. Gerannt sind nur Kinder oder Arbeiter. Dadurch stellt er sich auf eine Ebene mit seinem verarmten Sohn. Der Vater empfängt ihn als liebenden Vater und heisst ihn Willkommen.

Dieser liebende Vater ist der gleiche, von dem Jesus zu Beginn gesprochen hat. Er möchte dir Gutes tun. Auch wenn dies deine Vorstellung sprengt. Dieser Vater im Himmel wartet auf dich. Darauf, dass du ihn bittest, suchst und an seiner Tür anklopfst. Was hindert dich daran?

Mögliche Fragen für die Kleingruppe

Bibeltext lesen: Matthäus 7,7-11

  1. Wie sieht es in deinem Leben mit bitten, suchen und anklopfen bei Gott aus?
  2. Wo hat dich Gott enttäuscht, weil er nicht wie erhofft gehandelt hat?
  3. Wie hast du das Wirken Gottes in deinem Leben bereits erlebt? Wo ist es noch viel besser herausgekommen, als du es dir erbeten hast?
  4. Was hindert dich daran Gott zu bitten, zu suchen und an seiner Tür anzuklopfen?
  5. Ist es bei dir dran, ganz neu bei Gott anzuklopfen und ihn in dein Leben zu lassen?