Himmel auf Erden

Datum: Sonntag, 28. August 2022 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Jesaja 11,6

Das Leben auf dieser Erde ist nicht nur von schönen Momenten geprägt. Es gibt zahlreiche Herausforderungen und Schwierigkeiten. Die Bibel skizziert hier eine andere Zukunft. Eine Zukunft, in der alles friedlich und gesund ist, eine Zukunft, in der kein Krieg und Tod herrscht. Dieses zukünftige Reich ist mit Jesus auf dieser Erde angebrochen. Allerdings erst unvollkommen und in einer Spannung von schon da und doch noch nicht da. Gleichwohl kann uns aber das angebrochene Gottesreich auf dieser Erde bereits jetzt neue Freiheiten und Perspektiven aufzeigen.


Letzen Donnerstag fand der Ausflug der Generation+ statt. Wir reisten gemeinsam in den Jura und tauchten dort in die Geschichte der Mennoniten ein. Ich freute mich sehr auf diesen Ausflug. Allerdings hatte ich seit dem Morgen an diesem Tag extreme Schmerzen im Nacken. Als wir also nun ca. 10 Minuten mit dem Bus unterwegs waren kam in mir ein grosser Wunsch hoch. Ich wünschte mir, dass der Tag endlich vorbei sei. Irgendwann nahm ich eine Schmerztablette und so war der Tag für mich aushaltbar. Schlussendlich war der Tag sogar sehr schön. Ja es war so schmerzfrei, dass ich wieder Energie zum Denken hatte und so stellte ich fest, dass meine Grosseltern väterlicherseits nur ca. 10 Kilometer Luftlinie entfernt aufgewachsen waren.

Himmel auf Erden ohne Leid, Tod und Übel

Schon seit jeher haben die Menschen das Gefühl, dass das ganze Leid und Krankheit auf dieser Erde nicht einfach so weitergehen kann. Der tiefe Wunsch, Leid, Sterben oder sonstige Schwierigkeiten hinter sich zu lassen, begleitet die Menschen. Daher erfinden die Menschen immer wieder neue Sachen, damit das Leben erträglicher, angenehmer und schöner wird. Diese erleichtern zwar das Leben, aber sie können leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Leben nicht nur Sonnenseiten kennt, sondern auch viele Schattenseiten.

Der Wunsch, dass die gesamte Welt in einen heilen Zustand gelangen kann, kommt nicht von ungefähr. Es ist der Wunsch des Menschen zurückzukehren in den Schöpfungszustand. In den Zustand, wo alles friedlich miteinander koexistierte. Ein Zustand, wo kein Leben durch Tod beendet wurde. Ein Leben ohne Sorgen um das Morgen. Der Prophet Jesaja sagt eine Zukunft voraus, welche zu utopisch, zu abwegig und schräg klingt. Eine Solche Zukunft lässt sich nicht vorstellen.

«Dann werden der Wolf und das Lamm einträchtig zusammenleben; der Leopard und die Ziege werden beieinander lagern. Kalb, Löwe und Mastvieh werden Freunde und ein kleiner Junge wird sie hüten. Kuh und Bär werden miteinander weiden. Ihre Jungen werden nebeneinander ruhen. Der Löwe wird Stroh fressen wie das Vieh. Der Säugling spielt am Schlupfloch der Otter. Ja, ein Kleinkind steckt seine Hand in eine Giftschlangenhöhle. Auf meinem ganzen heiligen Berg wird niemand mehr etwas Böses tun oder Unheil stiften, denn wie das Wasser das Meer füllt, so wird die Erde mit der Erkenntnis des Herrn erfüllt sein» (Jesaja 11,6-9 NLB). Wenn ich mir diese Szenen vorstelle, dann läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Umso mehr erschaudere ich, wenn ich mir mit dem Säugling am Schlangenloch meinen Sohn vorstelle. Diese Schilderungen sind zu weit weg von meinem ganzen Erleben. Doch eigentlich ist es nichts anderes als die Wiederherstellung der Schöpfung. Es ist Eden 2.0.

Der Mensch verlor diesen Zustand, weil er selbst Gott sein wollte. Seither ist alles auf der Erde vergänglich. Wir Menschen versuchen unserem Leben nun einen anderen Sinn zu geben. Wir versuchen uns selbst zu erlösen. Sei es durch Erfolg in Arbeit, Schule, Familie oder auf andere Art und Weise. Doch diese Last erdrückt uns Menschen förmlich. Wir schaffen es nicht unserem Leben langfristig Sinn zu geben. Durch Jesus Christus gab es einen Neuanfang. Gottes Reich bricht auf dieser Erde an. Vor 2000 Jahren begann die Wiederherstellung der Schöpfung.

In den ersten vier Büchern des Neuen Testaments, den vier Evangelien, ist beschrieben, wie Jesus in dieser Welt eingreift. Das Reich Gottes bricht auf dieser Erde an. Der Himmel auf Erden beginnt, und dies durch das Eingreifen Gottes in dieser Welt.

Jesus Christus vollbringt dort verschiedene Wunder, welche sich grob in drei grosse Kategorien einordnen lassen. Erstens vollbringt Jesus Christus Heilungswunder. Blinde können sehen, Lahme können gehen, Aussätzige werden geheilt. Menschen, welche von dämonischen Kräften beherrscht wurden, werden befreit. Zweitens durchbricht Jesus mit seinen Naturwundern die Naturgesetze. Wo vorher ein Sturm herrschte, da wird es ruhig. Die Sonne verfinstert sich tagsüber für ein paar Stunden. Fischer machen den Fischfang ihres Lebens. Die dritte Art von Wunder kombiniert die beiden vorherigen, es sind die Auferstehungswunder. Ein Mädchen, ein Junge und ein bereits wenige Tage toter Mann werden durch Jesus nach ihrem Tod wieder zum Leben erweckt. Doch auch Jesus Christus selbst stirbt und steht drei Tage später wieder auf von den Toten. Dadurch zeigt Jesus ein und für alle mal, dass wo das Reich Gottes anbricht, sogar der Tod überwunden wird. Wo das Himmelreich Gottes auf dieser Welt hineinbricht, da durchbricht es unsere Vorstellungskraft.

Himmel auf Erden – schon jetzt und doch noch nicht

Durch Jesus Christus hat der Himmel auf Erden begonnen, allerdings ist er noch nicht vollendet. Daher stehen Nachfolger von Jesus Christus immer auch in der Spannung von schon jetzt und doch noch nicht.

Schon jetzt:
Das Reich Gottes ist bereits sichtbar auf der Erde angebrochen. Dies ist zum einen am Leben von Jesus Christus deutlich erkennbar. Mit ihm kommt das Reich Gottes und in den Evangelien ist vieles davon zu lesen. Als Wunder bezeichnet man bis heute ein Ereignis, bei dem man sich das Zustandekommen nicht erklären kann. Doch an Wunder zu glauben ist heute verpönt. In unserem aufgeklärten Zeitalter wird jedes übernatürliche Eingreifen Gottes nicht als solches angesehen. Dennoch gibt es Dinge, welche sich die Naturwissenschaft, aber auch die Medizin nicht erklären können. Häufig wird den Menschen in früheren Zeiten vorgeworfen, dass sie naiv waren und es halt nicht besser wissen konnten. Doch auch zur Zeit des Neuen Testaments waren Wunder nichts Gewöhnliches. Sie versetzten auch damals Leute ins Staunen und wurden nicht von allen als solche akzeptiert. Da Wunder immer die uns umgebende und gewohnte Umwelt für einen Moment aus den Angeln heben, sind sie für uns Menschen schwer zu fassen.

Wird das «schon» gegenüber dem «noch nicht» zu stark betont, dann wird eine zu starke und einfache Lösung für Probleme in dieser Welt erwartet. Nachfolger von Jesus Christus, die das schon zu stark betonen, stehen oft fassungslos vor Leid und Tragödien, welche immer noch auf dieser Erde geschehen.

Doch noch nicht:
Viel einfacher fällt es uns Menschen wahrzunehmen, dass der Himmel auf Erden noch nicht in seiner ganzen Fülle auf der Erde vollendet wurde. Jesus Christus selbst bezeugt zwar, dass das Reich Gottes auf der Erde angefangen hat. Also die Wiederherstellung von der Schöpfung begonnen hat, allerdings macht er auch deutlich, dass das Himmelreich noch nicht in seiner ganzen Fülle da ist. Obwohl Jesus Wunder vollbrachte, so gab es auch zu seiner Zeit immer noch Kranke und Menschen starben. Die Naturgesetze werden zwar durch die Wunder überwunden, aber nicht einfach ausgehebelt.

Wird diese Sicht des «noch nicht» zu stark betont, dann legen Nachfolger von Jesus den Fokus zu stark auf die Unveränderbarkeit dieser Erde. Dies resultiert dann im Rückzug von dieser bösen Welt, in der sowieso nichts geändert werden kann.

Schon jetzt und doch noch nicht
Als Nachfolger von Jesus Christus gilt es diese Spannung auszuhalten. Gewisse Dinge lassen sich nicht erklären. Dies lässt sich an einer Wunderheilung von Jesus schön zeigen. «Scharen von kranken Menschen - Blinde, Gelähmte oder Verkrüppelte - lagen in den Hallen. Einer der Männer, die dort lagen, war seit achtunddreissig Jahren krank. […] Jesus sagt zu ihm: ‚Steh auf, nimm deine Matte und geh!‘ Im selben Augenblick war der Mann geheilt! Er rollte die Matte zusammen und begann umherzugehen. […]» (Johannes 5,3-9 NLB). Obwohl dort dutzende, ja vielleicht sogar hunderte kranker Menschen lagen, heilte Jesus bloss einen von ihnen. Weshalb sich Jesus gerade diesen aussuchte, wissen wir nicht und würde nur zu Spekulationen führen. Tatsache ist, dass Jesus diesen einen heilte, und die anderen alle liegen liess.

Als Nachfolger von Jesus Christus gilt es auf diesem Mittelweg zu laufen. Doch dieser Weg ist sehr spannungsgeladen, gerade wenn ein Lebensbereich nicht dem gewünschten Ideal entspricht. Ein unerfüllter Kinderwunsch. Ein Kind, welches in der Schule gemobbt wird. Eine Liebesbeziehung, die schmerzvolle Spuren hinterlässt. Der unerfüllte Wunsch nach einem Partner. Das Hadern mit der sexuellen Orientierung. Berufswünsche welche einem versperrt oder verweigert wurden.

Drei Freiheiten des Himmels auf Erden

Obwohl Nachfolger von Jesus Christus Anteil an diesem Himmel auf Erden haben, so ist die Erfüllung dessen leider noch unvollkommen. Erst mit dem zweiten Kommen von Jesus Christus wird sich das Reich Gottes wie wir es in Jesaja gesehen haben vollkommen entfalten. Doch wir müssen uns nicht einfach so vertrösten lassen. Haben Nachfolger in Zukunft Anteil daran, so gibt es bereits jetzt drei Freiheiten dieses Reiches, welche sich hier auf der Erde bereits entfalten. Das Zentrale Element ist die Auferstehung von Jesus Christus.

Freiheit von Angst vor Schuld und Scham
Etwas vom unangenehmsten für uns Menschen ist es, wenn wir beschuldigt oder beschämt werden. Wir können uns bei anderen Menschen verschulden oder von ihnen beschämt werden. Aber auch vor Gott stehen wir Menschen als Schuldige. Dadurch, dass wir selbst entscheiden wollen, was gut und richtig ist, stellen wir uns auf eine Stufe wie Gott. Doch das eigentliche Ziel des Menschen wäre es, Gott anzubeten und ihm alle Ehre zu geben, stattdessen wollen wir diese für uns allein.

Die Auferstehung von Jesus Christus ist ein Zeichen für das Gewissen aller Menschen, welche sagen, dass Jesus für sie am Kreuz gestorben ist und die volle Strafe für ihre Sünden bezahlt hat. Als Menschen hätten wir es nicht verdient einmal Anteil an diesem utopischen Reich wie es Jesaja beschreibt zu haben. Doch Jesus hat die Schuld bezahlt. Wir Menschen hätten es verdient zu sterben, aber Jesus hat bezahlt. So wie wir beim Einkauf eine Quittung als Beleg erhalten, dass wir die Lebensmittel rechtmässig erworben haben, so ist die Auferstehung der Beleg dafür, dass Jesus Christus die Schuld für alle seine Nachfolger bezahlt hat. In der Auferstehung sagt Jesus: Ich habe bezahlt, dies reicht aus.

Freiheit von Angst vor dem Tod
Die Schuld, welche auf uns Menschen lastet, hat ein tödliches Ende. Daher fürchten sich praktisch alle Menschen vor dem Tod. Am deutlichsten zeigt sich dies in den ganzen lebenserhaltenden Massnahmen, in welche bereits weit vor dem Spitalbesuch investiert wird. Ziel ist es, den Tod so weit wie möglich hinauszuschieben und zu verdrängen. Doch dem Tod kann kein Mensch entgehen. Allerdings haben Nachfolger von Jesus Christus durch die Auferstehung eine Quittung, die belegt, dass ihre Schuld bereits bezahlt wurde. «Da Gottes Kinder Menschen aus Fleisch und Blut sind, wurde auch Jesus als Mensch geboren. Denn nur so konnte er durch seinen Tod die Macht des Teufels brechen, der Macht über den Tod hatte. Nur so konnte er die befreien, die ihr Leben lang Sklaven ihrer Angst vor dem Tod waren» (Hebräer 2,14-15 NLB). Denn die Auferstehung von Jesus Christus ist nicht bloss eine Quittung, sondern auch eine Garantie für die eigene Auferstehung der Nachfolger von ihm.

Freiheit von anderen Mächten, die uns versklaven möchten
Auf dieser Welt stehen wir Menschen immer wieder in der Gefahr, dass wir uns von einem Ziel oder einer Sache stark einnehmen lassen. Diese Dinge können uns vermeintlich Sinn geben und nehmen uns daher teilweise gefangen. Ja, sie versklaven uns womöglich und wir können nicht mehr frei entscheiden. Solche möglichen Mächte können Anerkennung bei anderen Menschen, Reichtum, eine bestimmte Vorstellung der Zukunft, aber auch Pornografie und vieles anderes sein. Aber Jesus hat diese Mächte besiegt. «Er hat die Liste der Anklagen gegen uns gelöscht; er hat die Anklageschrift genommen und vernichtet, indem er sie ans Kreuz genagelt hat. Auf diese Weise hat Gott die Herrscher und Mächte dieser Welt entwaffnet. Er hat sie öffentlich blossgestellt, indem er durch Christus am Kreuz über sie triumphiert hat» (Kolosser 2,14-15 NLB). Dadurch sind Nachfolger von Jesus Christus frei von solchen Mächten und Gewalten. So können wir im Gebet diese Dinge zu Gott bringen und im Namen Jesus diese Dinge wegweisen. Vielleicht hilft es auch dies zu zweit zu tun. Es macht aber auch Sinn, die Dinge bei der Wurzel anzugehen, dies bspw. anhand des Kurses Leben in Freiheit, zu dem du dich immer noch anmelden kannst.

Das Leben auf dieser Erde ist nicht nur von schönen Momenten geprägt. Es gibt zahlreiche Herausforderungen und Schwierigkeiten. Die Bibel skizziert hier eine andere Zukunft. Eine Zukunft, in der alles friedlich und gesund ist, eine Zukunft, in der kein Krieg und Tod herrscht. Dieses zukünftige Reich ist mit Jesus auf dieser Erde angebrochen. Allerdings erst unvollkommen und in einer Spannung von schon da und doch noch nicht da. Gleichwohl kann uns aber das angebrochene Gottesreich auf dieser Erde bereits jetzt neue Freiheiten und Perspektiven aufzeigen. In Jesus Christus haben Nachfolger bereits jetzt Anteil an Gottes himmlischem Reich.

Mögliche Fragen für die Kleingruppe

Bibeltext lesen: Jesaja 11,6-9; Hebräer 2,14-15

  1. Wie klingt die von Jesaja beschriebene Zukunft für dich?
  2. Wie ordnest du persönlich die Wunder von Jesus Christus ein? Hast du ein Wunder, welches du am wenigsten einordnen kannst? Was fällt dir schwer zu glauben?
  3. Wie erlebst du den Himmel auf Erden bereits jetzt?
  4. Wo erlebst du die Spannung des noch nicht in deinem Leben?
  5. Verstehst du die drei Freiheiten des Himmels auf Erden? Kannst du diese wiedergeben? Mit welcher Freiheit haderst du am meisten?