Gewohnheiten Jesu | Bibellesen
Serie: Einfach. Leise. Gegenwärtig. | Bibeltext: Philipper 4,8
Bibellesen löst oft gemischte Gefühle aus – zwischen schlechtem Gewissen und echter Sehnsucht nach mehr. Jesus selbst war tief im Wort Gottes verwurzelt und lädt uns ein, darin Gott zu begegnen und uns von ihm prägen zu lassen. Es geht nicht um Leistung, sondern darum, Geschmack daran zu finden, einzutauchen, nachzusinnen und Gottes Stimme im Alltag Raum zu geben. Gleichzeitig fordert uns die Botschaft der Bibel heraus, ehrlich hinzuschauen – damit sie nicht nur gelesen, sondern gelebt wird.
Beim Austausch im Büro kamen wir darauf, dass das Bibellesen bei den Gewohnheiten Jesu nicht fehlen sollte. Ich war gleich begeistert. In diesem Zusammenhang erzählte ich von meinen Jungs, die gerne in der Bibel lesen. Damit ich euch und auch im Büro nichts Falsches erzähle, habe ich das gleich beim Mittagessen nach der Diskussion überprüft. Ich fragte: «Jungs, lest ihr gerne aus der Bibel?», und von beiden kam wie aus der Pistole geschossen: «Nein.»
Das Thema Bibellesen ist schnell mit einem schlechten Gewissen verbunden. Ich will dir keines machen. Mein Ziel ist es, dich mit der heutigen Predigt «gluschtig» zu machen auf mehr – so wie dich vielleicht der Honig am Finger «gluschtig» auf mehr gemacht hat.
Warum die Bibel lesen?
Hier folgen vier Punkte, weshalb es sich lohnt, als Jesusnachfolger die Bibel zu lesen:
Weil Jesus es tat!
In dieser Predigtserie fragen wir nach den Gewohnheiten Jesu – und das ist auch der Hauptgrund: Jesus ist als Sohn Gottes selbst darin fest verankert. Die Bibel, die Thora, war damals nur in der Synagoge zu finden. «Als er nach Nazareth kam, wo er seine Kindheit verbracht hatte, ging er wie gewohnt am Sabbat in die Synagoge und stand auf, um aus der Schrift vorzulesen» (Lukas 4,16 NLB). Zur Zeit Jesu wurde vieles nicht schriftlich, sondern mündlich weitergegeben. Die Menschen hatten grosse Teile der Heiligen Schrift verinnerlicht. Wenn Jesus über das Wort Gottes sprach, hinterliess dies Eindruck: «Sie sagten zueinander: War es uns nicht seltsam warm ums Herz, als er unterwegs mit uns sprach und uns die Schrift auslegte?» (Lukas 24,32 NLB).
Damit wir das tun können, was wir den Vater tun sehen!
Das Ziel der Jesusnachfolge ist es, so zu handeln, wie Jesus es tat. Doch Jesus selbst sagt: «Daraufhin erwiderte Jesus: ‚Ich versichere euch: Der Sohn kann nichts aus sich heraus tun. Er tut nur, was er den Vater tun sieht. Was immer der Vater tut, das tut auch der Sohn‘» (Johannes 5,19 NLB). Darum lohnt es sich, darin zu lesen: «Wenn ich die Bibel lese, erwische ich Gott auf frischer Tat» (unbekannt).
Weil wir Jesus vertrauen!
Wir glauben nicht an Jesus, weil wir der Bibel vertrauen, sondern wir vertrauen der Bibel, weil wir Jesus vertrauen. Darum vertrauen wir darauf, dass die Bibel wahr ist. Dann ist es nicht schwer, sondern: «[…] Die Gesetze des HERRN sind Wahrheit, jedes einzelne ist gerecht. Sie sind wertvoller als das feinste Gold und süsser als der beste Honig. Sie sind eine Mahnung an jeden, der sie hört, und wer ihnen gehorcht, den erwartet eine reiche Belohnung» (Psalm 19,10–12 NLB).
Weil Gottes Wort wirkmächtig ist!
Es gibt Worte, die etwas bewirken. Dies nennt man performative Sprache, beispielsweise Segensworte oder Worte bei einem Vertragsabschluss. Das Wort Gottes, die Bibel, ist ebenfalls ein solches wirkmächtiges Wort: «So ist es auch mit meinem Wort, das aus meinem Mund kommt. Es wird nicht ohne Frucht zurückkommen, sondern es tut, was ich will und richtet aus, wofür ich es gesandt habe» (Jesaja 55,11 NLB). Die Kirchengeschichte ist voller Beispiele, in denen Menschen durch das Lesen der Bibel auf gute Ideen kamen und ihrem Umfeld dienten.
Schlussendlich lesen wir die Bibel, weil wir uns mit guten Inhalten füllen wollen: «Und nun, liebe Freunde, lasst mich zum Schluss noch etwas sagen: Konzentriert euch auf das, was wahr und anständig und gerecht ist. Denkt über das nach, was rein und liebenswert und bewunderungswürdig ist, über Dinge, die Auszeichnung und Lob verdienen»(Philipper 4,8 NLB).
Wie die Bibel lesen?
Nun folgen vier Punkte, wie wir die Bibel lesen können.
Einfach lesen!
Die beste Übersetzung ist diejenige, die du liest! Während des Studiums wurde ich angefragt, die revidierte Hoffnung für Alle korrekturzulesen. Uns wurden jeweils Bücher zugeteilt. Ich bekam Matthäus, Markus und Lukas. Also las ich diese Bücher innerhalb von zwei Tagen. Dies ergab für mich eine komplett neue Sicht und ich sah den roten Faden durch diese Bücher. Anstatt zu lesen, kannst du die Bibel auch hören, bspw. mit der App YouVersion. Beginne das Lesen mit einer Einladung an Gott. So könnte dein Gebet lauten: Herr, zeige meinem Herz, was deinem Herz wichtig ist! Wenn du beim Lesen über etwas stolperst, was dich nervt, aufregt oder du anstössig findest, möchte ich dich ermutigen, es als Einladung des Heiligen Geistes zu sehen und dich näher damit auseinanderzusetzen.
Eintauchen!
Es lohnt sich, sich mit gewissen Texten tiefer auseinanderzusetzen. Denn die Bibel ist zwar für uns, aber nicht an uns geschrieben. Die Bibel wurde in eine andere Zeit und Kultur geschrieben. Es ist daher sinnvoll, sich mit einer gewissen Thematik oder auch der Zeit Jesu im Allgemeinen auseinanderzusetzen. Ich habe mich in letzter Zeit ein wenig mit der jüdischen Kultur zur Zeit Jesu auseinandergesetzt und war erschüttert über mein falsches Verständnis.
Meditieren!
Je nach deiner Prägung ist das Wort «Meditation» vorbelastet, bedeutet aber einfach Nachdenken oder Nachsinnen. Es meint die Praxis, sich einen Bibeltext einzuverleiben wie der Honig. Eintauchen, verinnerlichen, mehrmals lesen, aufsagen, hin und her wälzen. Bei einem guten Essen lohnt es sich, mehrmals zu kauen. Dies bewirkt eine bessere Nährstoffaufnahme, indem die Enzyme im Speichel beginnen, Kohlenhydrate aufzuspalten. Es hilft der Gewichtskontrolle. Denn es dauert 20 Minuten, bis das Gehirn das Sättigungsgefühl registriert. Die Aromen entfalten sich optimal und steigern das Geschmackserlebnis. Wenn wir das Gleiche mit einem Bibelwort tun, passiert dies: «Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!» (Psalm 34,9 LUT).
Verinnerlichen!
Eine weitere Auseinandersetzung kann sein, die Verse auswendig zu lernen. Doch weshalb sollte dies jemand machen? Damit sie dir niemand mehr nehmen kann! So erlebte ich dies anhand des Psalm 23 in einer brenzligen Situation. «Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln! […] Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. […] Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar» (Psalm 23 LUT).
Gefahren des Bibellesens?
Es gibt zwei Gefahren des Bibellesens, auf die ich kurz eingehen möchte.
Missinterpretation!
In Lukas 4 wird Jesus vom Teufel mit Bibelworten herausgefordert. Die Worte stimmen, sind aber aus dem Zusammenhang gerissen. Dies geschieht im Umgang mit der Bibel immer wieder! Nicht immer absichtlich, aber wir alle haben einen blinden Fleck. In der Geschichte sehen wir diese deutlicher: So wurden gewisse Handlungen mit der Botschaft der Bibel begründet: Kreuzzüge, Kolonisation, Sklaverei in den USA, Unterdrückung der Frau. Doch auch wir sind davor nicht gefeit. Wo ist heute dein blinder Fleck? In unserer Theologie, die von der westlichen Kultur geprägt ist, sehe ich folgende blinde Flecken: Sexualethik – Jesus ist viel konservativer, als wir glauben – und in unserem Umgang mit Besitz – Jesus ist viel radikaler, als gedacht.
Keine Früchte!
Eine weitere grosse Gefahr besteht darin, dass wir uns zwar mit der Bibel befassen, aber keine Früchte daraus entstehen. «Ihr forscht in der Schrift, weil ihr glaubt, dass sie euch das ewige Leben geben kann. Und gerade sie verweist auf mich! Dennoch weigert ihr euch, zu mir zu kommen, damit ich euch das ewige Leben schenken kann» (Johannes 5,39–40 NLB). Nur das Befassen mit der Bibel heisst nicht, dass wir so leben! Bei allen Gewohnheiten, die wir anschauen, ist das Ziel Jesus selbst. So auch hier!
Ziel des Bibellesen?
Das Ziel ist es, meine Liebesfähigkeit zu steigern, indem ich mir die Worte Gottes verinnerliche und sie lebe. «Ihr sollt den HERRN, euren Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit eurer ganzen Kraft lieben. Bewahrt die Gebote, die ich euch heute gebe, in eurem Herzen» (5. Mose 6,5–6 NLB). Es geht darum, unser Hirn so zu trainieren, dass es in Gefahr, Stress und Herausforderung anders reagiert und wir Versuchungen widerstehen können! Diese Woche bin ich auf Social Media auf ein Video gestossen. Dort wurden schlafende US-Soldaten hereingelegt. Während sie am Schlafen sind, ruft jemand Achtung – wisst ihr, was geschieht? Sie schrecken hoch und stehen in der Achtung-Stellung. So sehr verinnerlicht haben sie dies.
Die Auseinandersetzung mit der Bibel ist eine Einladung, mehr so zu denken, fühlen, sehen, reden und handeln wie Jesus. Folgende Dinge könnten für dich vielleicht dran sein: das Ritual des Bibellesens einplanen/einüben. Die Bibel einfach lesen und Gott bitten, dass er zu dir spricht. Oder auch mal in der Methode variieren. Alles mit dem Ziel, Jesus ähnlicher zu werden.
Mögliche Fragen für die Kleingruppe
Bibeltext lesen: Lukas 4,1-21
- Wo würdest du dich aktuell beim Bibellesen einordnen (z.B. regelmässig, sporadisch, kaum)? Was prägt deine aktuelle Praxis – eher Freude, Pflichtgefühl, Unsicherheit oder etwas anderes?
- Welcher der vier Gründe fürs Bibellesen (Jesus tat es, den Vater erkennen, Vertrauen, Wirkkraft) spricht dich im Moment am meisten an – und warum gerade dieser? Gibt es einen Punkt, der dich herausfordert oder dir vielleicht sogar Mühe macht?
- Wenn du auf die vier Arten des Bibellesens schaust (lesen, eintauchen, meditieren, verinnerlichen): Welche ist dir am nächsten – und welche fällt dir am schwersten? Woran liegt das konkret in deinem Alltag?
- Hast du schon einmal erlebt, dass ein Bibelvers dich konkret im Alltag getragen, verändert oder herausgefordert hat? Was ist damals passiert – und was hat es in dir ausgelöst?
- Die Predigt spricht von «blinden Flecken» und der Gefahr der Missinterpretation: Wo könnte es sein, dass deine Sicht auf die Bibel stark von deiner Prägung beeinflusst ist? Wie gehst du damit um, wenn dich ein Bibeltext irritiert oder herausfordert?
- «Keine Früchte» – wo erlebst du die Spannung zwischen Wissen und Leben? Was würde es konkret heissen, einen gelesenen Gedanken diese Woche wirklich umzusetzen?
- Was könnte ein ganz konkreter nächster Schritt für dich in dieser Woche sein? (z.B. feste Zeit einplanen, andere Methode ausprobieren, einen Vers auswendig lernen, bewusst Gott beim Lesen einladen).

