Gewohnheiten Jesu | Reich Gottes

Datum: 28. Juni 2026 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Markus 1,15

Im Zentrum steht das Reich Gottes als Botschaft der Hoffnung, die Menschen zu einem Leben unter der Herrschaft Jesu einlädt. Diese Hoffnung verändert den Alltag von Jesusnachfolgern und schenkt eine neue Perspektive auf Schuld, Leid, Gerechtigkeit und Zukunft. Deshalb sind sie eingeladen, die gute Nachricht glaubwürdig, beziehungsorientiert und einladend mit anderen zu teilen und sie auf ihrem Weg zum Glauben zu begleiten.


Heute Morgen spreche ich mit euch über die Gewohnheit Jesu, das Reich Gottes zu verbreiten. Ich muss gestehen, dass ich mich mit dieser Predigt ungemein schwertat. Eigentlich erstaunlich, ist es doch der Kernauftrag der Jesusnachfolge.

Ich denke, vielen geht es bei diesem Thema genau gleich. Grundsätzlich teilen wir das Anliegen, das Reich Gottes zu verkündigen. Wir sehen die Notwendigkeit. Wir wünschen uns Veränderung. Aber wir wissen nicht, wo wir anfangen sollen. Meine Hoffnung ist, dass diese Predigt dir dabei helfen kann. Doch das Wichtigste zuerst: Wir müssen bei Jesus beginnen. Alles andere greift zu kurz.

Jesus und das Reich Gottes

Die Verkündigung des Reiches Gottes war wohl die wichtigste Gewohnheit Jesu! Alles andere, was er machte und tat, hat hier seinen Ursprung. Seinen Dienst beginnt er nach dem Markusevangelium wie folgt: «‚Jetzt ist die Zeit gekommen‘, verkündete er. ‚Das Reich Gottes ist nahe! Kehrt euch ab von euren Sünden und glaubt an diese gute Botschaft!‘»(Markus 1,15 NLB). Sünde bedeutet, etwas Gutes zum Besten zu machen. Bei der Botschaft des Reiches Gottes geht es nicht in erster Linie um die Frage: «Wie komme ich in den Himmel?», sondern darum, dass Gott König ist – im Himmel wie auf der Erde. Das Reich Gottes ist keine Lokalität, sondern bezeichnet Gottes Herrschaft. Bei Jesus bricht das Reich Gottes exemplarisch an und wird sichtbar. Das zeigt sich darin, dass Jesus den Tod besiegt, Kranke heilt und sogar der Schöpfung Einhalt gebietet.

Dieses Reich zeigt sich auch heute – in der Spannung des «Schon jetzt» und «Noch nicht». Manches ist bereits sichtbar, anderes noch nicht. Jesusnachfolger müssen als Kinder Gottes keine Verurteilung mehr fürchten. «Also gibt es jetzt für die, die zu Christus Jesus gehören, keine Verurteilung mehr» (Römer 8,1 NLB). Das Reich Gottes zeigt sich auf vielfältige Weise. Die sogenannten «Five Marks of Mission» der Anglikanischen Kirche zeigen, wie vielfältig sich die Ausbreitung des Reiches Gottes in der Praxis und im Leben Jesu ausdrückt:

  • Glauben finden und teilen (Verkündigung)
  • Nachfolge lernen und lehren (Jüngerschaft)
  • Menschen sehen und helfen (Diakonie)
  • Gerechtigkeit fördern und fordern (Fairness)
  • Schöpfung bewahren und gestalten (Umwelt)

Heute liegt der Fokus auf dem ersten Teil: Glauben finden und Glauben teilen. Es geht um Evangelisation, also um das Teilen der guten Nachricht. Doch weshalb sollte diese überhaupt weitergegeben werden? Das Reich Gottes ist eine Botschaft der Hoffnung, weil sie auf dem Sieg Jesu Christi beruht und dem Tod, dem Bösen und dem Leiden die letzte Macht nimmt. Wenn der Tod das letzte Wort hat, bleibt jede Hoffnung begrenzt. Jesusnachfolger sind berufen, Zeichen des Reiches Gottes zu sein. Dabei gilt es, den Weg der Mitte zu gehen – weder in Gesetzlichkeit noch in Beliebigkeit zu verfallen. Das gelingt durch die Kraft der Gnade. «Denn die Gnade Gottes, die allen Menschen Rettung bringt, ist sichtbar geworden. Sie bringt uns dazu, dem Leben ohne Gott und allen sündigen Leidenschaften den Rücken zu kehren. Jetzt, in dieser Welt, sollen wir besonnen, gerecht und voller Hingabe an Gott leben» (Titus 2,11–12 NLB). Die Botschaft des Reiches Gottes bedeutet für mich: «Ich bin sündhafter und schlechter, als ich es je für möglich gehalten hätte. Und zugleich bin ich angenommener und geliebter, als ich je zu hoffen gewagt hätte» (Timothy Keller).

Das «Warum» des Erzählens der guten Nachricht liegt in einem Herrschaftswechsel: weg von «Ich bin König» hin zu «Jesus ist König».

Von Hoffnung getrieben

Was unterscheidet Jesusnachfolger von Menschen, die diese Hoffnung nicht haben? Jesusnachfolger können grosszügig sein, weil ihre Sicherheit nicht vom Besitz abhängt. Sie können vergeben, weil Gott ihnen vergeben hat. Sie können leiden, ohne zu verzweifeln. Sie können für Gerechtigkeit eintreten, ohne zu glauben, die Welt allein retten zu müssen. Sie können dem Tod begegnen, ohne von ihm beherrscht zu werden. Jesusnachfolger erzählen von Jesus – nicht aus Angst oder Pflichtgefühl, sondern aus der Hoffnung heraus, dass sie die beste Botschaft weitergeben dürfen, die es gibt. «Bemüht euch daher um ein klares, nüchternes Denken und um Selbstbeherrschung. Setzt eure ganze Hoffnung auf die Gnade, die euch bei der Wiederkehr von Jesus Christus erwartet. Gehorcht Gott, weil ihr seine Kinder seid. Fallt nicht in eure alten, schlechten Gewohnheiten zurück. Damals wusstet ihr es nicht besser. Aber jetzt sollt ihr in allem, was ihr tut, heilig sein, genauso wie Gott, der euch berufen hat, heilig ist» (1. Petrus 1,13–15 NLB).

Wenn ich von etwas begeistert bin, dann wünsche ich mir, dass diese Begeisterung auch andere ansteckt. Doch es gibt unterschiedliche Arten, dies zu tun. Ich kann Menschen auf eine militante, besserwisserische oder bevormundende Weise begegnen. Gemäss einer aktuellen US-Studie sagen 62 % der Menschen, die keiner Kirche angehören, aber religiös interessiert sind, dass ihnen Religion eher aufgezwungen wurde, als dass sie ihnen als freie Wahl angeboten wurde. Deshalb sollten wir Menschen auf eine einladende, Freude weckende und vorlebende Weise in die Nachfolge Jesu einladen.

Menschen zu einem Leben mit Jesus einzuladen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Doch das Potenzial der guten Nachricht ist immens. Sie verändert Leben, denn Gott macht alles neu! Doch wie sieht diese gute Nachricht konkret aus? Hier gilt es, sprachfähig zu werden. Sehr bekannt sind die vier Punkte: Erstens: Gott liebt mich. Zweitens: Ich lebe getrennt von Gott. Drittens: Jesus gab alles für mich. Viertens: Will ich mit Jesus leben? Dieses Schema ist jedoch nicht immer zielführend, weil viele Menschen an einem ganz anderen Punkt ihrer Glaubensreise stehen.

Während meines Studiums lernte ich die sogenannte Engelskala kennen. Sie wurde von James Engel entwickelt und zeigt, dass Menschen an ganz unterschiedlichen Orten ihres geistlichen Weges stehen. Sie richtet den Blick auf den gesamten Weg des Glaubens und nicht nur auf die Entscheidung für oder gegen Jesus. Es gab eine Zeit, in der der christliche «Grundwasserspiegel» deutlich höher war. Deshalb konnte man im Gespräch an einem anderen Punkt ansetzen. Heute sind viele Menschen weiter von den Grundlagen des christlichen Glaubens entfernt. Deshalb braucht es mehr Zeit, mehr Beziehungen und mehr niederschwellige Begegnungen. Je nachdem, wo eine Person steht, sind unterschiedliche Schritte hilfreich. Deshalb veranstalten wir im Herbst einen Alphalive-Kurs. Dieser Glaubensgrundkurs richtet sich an Menschen, die bereits erste Berührungspunkte mit dem christlichen Glauben haben und sich auf einer geistlichen Suche befinden.

Das «Wie» der Evangelisation entspringt der erfahrenen Hoffnung.

Was nun?

Es läuft über Beziehung. In den allermeisten Fällen ist sie das A und O. Denn die entscheidende Frage lautet nicht: «Wie erkläre ich die vier Punkte möglichst richtig?», sondern: «Wie sieht die gute Nachricht für diese Person konkret aus?» Wie sieht die gute Nachricht für den Arbeitskollegen aus, der von allen gemieden wird? Für die Nachbarn, die sich ständig streiten? Für die Mitschülerin, die immer alles besser weiss? Für die alleinerziehende Mutter in deinem Bekanntenkreis? Für den Rentner aus der Nachbarschaft, den du jedes Mal beim Einkaufen triffst? Oder für … – füge einen Namen ein.

Ich möchte dir den Druck nehmen. Geschichten, wie Menschen zum Glauben kommen, sind fast immer Geschichten, an denen mehrere Personen beteiligt sind. Vor zehn Jahren war ich an einer Hochzeit. Ich sass an einem Tisch und kam mit jemandem ins Gespräch. Dabei stellte sich heraus, dass mindestens vier Personen an seinem Glaubensweg beteiligt waren: ein Schulfreund aus Kindheitstagen, die Braut selbst, ein Kollege aus der PH und schliesslich das Umfeld der Braut. Gott schreibt seine Geschichten selten nur mit einer Person.

Was können wir also tun, damit Menschen Jesus begegnen? Und was darf es uns kosten? Jesus kostete die Verbreitung des Reiches Gottes das Leben. Was darf sie mich kosten? Zeit? Beziehungen? Bequemlichkeit? Ansehen? Hingabe? Ausdauer? Geld? Anteilnahme? Freizeit?

Vielleicht sitzt du heute aber auch hier und merkst: Eigentlich ist es mir gar kein grosses Anliegen, dass andere Menschen Jesus kennenlernen. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Einladung. Frag dich neu, weshalb du dich für Jesus Christus entschieden hast. Denn die Grundlage, andere einzuladen, ist die Hoffnung, die du selbst erfahren hast. Wenn dir diese Hoffnung verloren gegangen ist oder du sie gar nie richtig kennengelernt hast, dann ist der Alphalive-Glaubensgrundkurs vielleicht genau das Richtige für dich.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Wenn wir anderen die gute Nachricht erzählen, dann sind nicht wir das handelnde Subjekt – sondern Gott selbst. Deshalb ist das Gebet entscheidend. Ich möchte dich herzlich einladen, regelmässig für Menschen zu beten, denen du eine Begegnung mit Gott wünschst. Denn was die gute Nachricht für einen Menschen gerade bedeutet, hängt davon ab, wo diese Person auf ihrem Weg mit Gott steht.

Das «Wer» der Evangelisation ist Gott selbst. Wir dürfen mitgehen, aber Gott handelt.

Zum Schluss dieser Predigt möchte ich dich zu diesem Herrschaftswechsel einladen: weg vom Reich des «Ich bin König» hin zum Reich des «Jesus ist König». In der seetal chile ist es Tradition, dass Täuflinge beim Auftauchen aus dem Wasser laut rufen: «Jesus ist Herr!» Das ist ein sichtbarer Ausdruck dieses Herrschaftswechsels. Dieser Herrschaftswechsel bedeutet, nicht länger etwas Gutes zum Besten zu machen. Ich möchte dich einladen, Gott zum Besten in deinem Leben zu machen – und das Gute einfach gut sein zu lassen.

Ich lade dich ein, dieses Gebet mit mir zu beten:
Lieber Gott, danke, dass du mich wundervoll gemacht hast, mich liebst und das Beste für mein Leben willst. Es tut mir leid, dass ich ohne dich gelebt habe. Jesus, bitte vergib mir alles, wo ich etwas Gutes zum Besten gemacht habe. Ich vertraue dir und bitte dich: Komm in mein Leben. Sei du der König meines Lebens! Sei mein Retter und mein bester Freund. Erfülle mich mit deinem Heiligen Geist und hilf mir, dir nachzufolgen und so zu leben, wie es dir gefällt. Amen.

Mögliche Fragen für die Kleingruppe

Bibeltext lesen: Markus 1,15 & Titus 2,11-12

  1. Was bedeutet für dich der Herrschaftswechsel von «Ich bin König» zu «Jesus ist König» ganz konkret im Alltag?
  2. Welche Aussage über das Reich Gottes oder die gute Nachricht hat dich besonders angesprochen oder neu herausgefordert? Weshalb?
  3. Kennst du Situationen, in denen du – bewusst oder unbewusst – entschieden hast, dass jemand wohl nie offen für Jesus sein wird? Was hat diese Haltung bei dir ausgelöst?
  4. Wie kann Hoffnung statt Angst oder Pflichtgefühl der Antrieb werden, mit anderen über den Glauben zu sprechen?
  5. Wer kommt dir in den Sinn, wenn du daran denkst, dass Gott Menschen oft durch Beziehungen und mehrere Personen begegnet? Wie könntest du für diese Person ein nächster Schritt sein?
  6. Was dürfte es dich kosten, Menschen auf ihrem Weg zu Jesus zu begleiten (Zeit, Bequemlichkeit, Ansehen, Geduld, Gebet oder etwas anderes)? Was fällt dir dabei am schwersten?
  7. Gebet: Für welche ein oder zwei Personen möchtest du in den kommenden Wochen bewusst beten, dass sie eine Begegnung mit Jesus erleben? Wie kann die Gruppe dich dabei unterstützen?