Eva – Sehnsucht nach Glück
Sonntag, 26. April 2020

Eva – Sehnsucht nach Glück

Prediger/in:
Passage: 1. Mose 3,6+7
Dienstart:

Eva wurde im Garten Eden von der Schlange auf drei Ebenen versucht: Habgier, Geiz und Protz. Es sind die gleichen Versuchungen, die uns heute noch begegnen und scheinbar die treffende Antwort auf unsere Sehnsucht nach Glück sind. Das Resultat ist letztlich Scham und Defizit. Glücklich werden Menschen nicht durch äussere Dinge, sondern in der Liebe zu Gott und im Dasein für andere Menschen.


Hans hatte seinem Chef sieben Jahre treu gedient und erhielt als Lohn einen Klumpen Gold, der so gross war wie sein Kopf. Auf dem Weg nach Hause tauschte er das Gold gegen ein Pferd ein, dann das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, anschliessend das Schwein gegen eine Gans und die Gans gegen einen Wetzstein. Nachdem der Wetzstein aus Versehen in einem Brunnen versank, dankte er Gott: «Ich bin der glücklichste Mensch auf der Welt», rief er und wanderte mit leichtem Herzen und frei von aller Last nach Haus zu seiner Mutter. Obwohl Hans immer weniger hatte, wurde er immer glücklicher. Inwiefern hat diese Parabel einen wahren Kern?

Süsse Versuchung

Vielen Menschen geht es darum, glücklich zu sein, einen inneren Frieden zu empfinden, gelassen und heiter zu sein. Doch nicht minder glauben viele, ihr Glück in einem Aussen definieren zu müssen. Sie meinen, wenn sie Erfolg hätten, wären sie auch glücklich. Mit diesem Mindset versehen stand Eva ganz zu Beginn der Menschheitsgeschichte vor dem verbotenen Baum: «Die Frau sah: Die Früchte waren so frisch, lecker und verlockend – und sie würden sie klug machen! Also nahm sie eine Frucht, biss hinein und gab auch ihrem Mann davon. Da ass auch er von der Frucht» (1Mose 3,6 NL). Alles beginnt mit den Augen. Eva sieht etwas, dass ästhetisch schön ist, köstlich schmeckt und erst noch klug macht. Alles Dinge, die Glück versprechen: Gaumenfreude, sinnliches Vergnügen und Status. Hier begegnen wir einem Prinzip, das bis heute funktioniert.

Ein paar tausend Jahre später sollte Johannes schreiben: «Denn die Welt kennt nur das Verlangen nach körperlicher Befriedigung, die Gier nach allem, was unsere Augen sehen, und den Stolz auf unseren Besitz. Dies alles ist nicht vom Vater, sondern kommt von der Welt» (1Johannes 2,16 NL).

  • Verlangen nach körperlicher Befriedigung (Habgier): Hier geht es um die Lust, physische Bedürfnisse zu stillen, die Lust an sinnlicher Vergnügung. Solche Begierde kennzeichnet auch die Sexualität, ist aber nicht auf diese beschränkt. Es geht um ein Haben- und Geniessenwollen, das auf sich selbst ausgerichtet ist. Der Werbespot von Milka «Die süsseste Versuchung seit es Schokolade gibt» passt zu diesem Bereich.
  • Die Gier nach allem, was unsere Augen sehen (Geiz): Das meint die Lust, materielle Güter zu besitzen und anzuhäufen. Wir sehen die schönen Kleider im Katalog, das E-Bike des Nachbarn, das schöne Haus oder der viel gefühlvollere Mann der Kollegin.
  • Der Stolz auf unseren Besitz (Protz): Wir beschäftigen uns mit eigenem Status und wollen mehr sein. Instagramm ist institutionalisiert diese Versuchung geradezu. Alle stellen sich top dar und zeigen ihren Besitz und ihr Können.

Als die Schlange Eva versuchte, tat sie es in diesen drei Bereichen. Auch als der Teufel Jesus in der Wüste versuchte, zielten seine Angriffe auf diese drei Gebiete.

Schon im 5. Jahrhundert v. Chr. gab es bei den Philosophen eine Minderheit, die sogenannten Hedonisten. Sie vertrat die Meinung, dass ein gutes Leben aus dem Konsum möglichst vieler unmittelbarer Genüsse bestehe. Das Wort hedonistisch bedeutet Freude, Vergnügen, Lust, Genuss, sinnliche Begierde. Die meisten Philosophen vertraten den Standpunkt, dass unmittelbare Genüsse nieder, dekadent, ja tierisch seien. Was ein gutes Leben ausmache, seien vor allem die sogenannten höheren Freuden. Nur ein ehrenhaftes bzw. tugendhaftes Leben sein ein gutes Leben.

Bittere Enttäuschung

Eva jedenfalls versprach sie sich viel von dem Genuss der Frucht. Wie du und ich. Doch es kam anders: «In diesem Augenblick wurden den beiden die Augen geöffnet und sie bemerkten auf einmal, dass sie nackt waren. Deshalb flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze» (1Mose 3,7 NL). Spannend! Die Versuchung funktionierte über die Augen («Die Frau sah»). Aber erst hier wurden Adam und Eva die Augen geöffnet. Und was sie sahen, war frustrierend: Scham, Defizit und Aufwand. Anstatt glücklicher wurde ihr Leben schwerer und mühsamer.

In einem Artikel über Glücksforschung habe ich gelesen, dass es ausgehend vom Glücksgehalt des Blutes, dem Serotoninspiegel, nur wenig äussere Ereignisse gibt, die den Pegel über einen längeren Zeitraum reduzieren oder anheben können. Man kann einen Fuss verlieren, die Nachricht erhalten, dass man unfruchtbar ist, oder zusehen müssen, wie das Haus abbrennt. Der Serotoninspiegel sinkt durch derartige Schicksalsschläge spontan ab, sechs Monate später ist man aber wieder so glücklich oder unglücklich wie vorher. Ähnlich verhält es sich, wenn man sich ein noch grösseres Haus oder ein teureres Auto kauft. Dan Gilbert nennt dies das psychologische Immunsystem.

Wahres Glück

Forscher hatten herausgefunden, dass es andere Dinge sind, die für das Empfinden von Glück entscheidend sind. Eine der wichtigsten Ursachen soll eine gute Ehe sein. Apropos Ehe; die Bibel sagt etwas ganz Ähnliches, auch wenn sie die Ehe nicht auf die Gemeinschaft von Mann und Frau bezieht. Aber auch hier geht es um eine stabile, dauerhafte Beziehung: «Glücklich sind diejenigen, die zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen sind» (Offenbarung 19,9 NL). Wer ist denn zu diesem Hochzeitsmahl eingeladen? In der Fortsetzung des oben zitierten Johannesbriefstelle heisst es: «Doch diese Welt vergeht mit all ihren Verlockungen. Aber wer den Willen Gottes tut, wird in Ewigkeit leben» (1Johannes 2,17 NL). Zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen sein und in Ewigkeit leben sind Synonyme. Die Bedingung ist, dass wir den Willen Gottes tun, bei dem es letztlich darum geht, in einer persönlichen Beziehung mit Jesus, dem Lamm Gottes, zu leben.

Dieses Miteinander mit Gott macht dauerhaft glücklich. Gott und der Mensch – das passt zusammen wie ein Gefäss und dessen Deckel. Blaise Pascal sprach von einem gottförmigen Vakuum im Menschen, eine Sehnsucht, ein Verlangen, das nur durch Gott gefüllt werden kann. Alles, was einem auch weggenommen werden kann, sind keine Glücksfaktoren. Das hatte der gute Hans im Glück richtig erkannt. Glück ist nicht durch Abhängigkeiten von äusseren Dingen zu erreichen. Glück bedeutet einen inneren Zustand. Wenn ich im Einklang bin mit Gott und – als Folge davon – mit mir selbst, dann bin ich glücklich. Und wenn mein Leben zum Segen wird für andere, fühle ich mich glücklich. Nicht in dem ich um mich selbst und meine Bedürfnisse kreise, werde ich glücklich, sondern wenn ich anderen Menschen diene und in ihnen Leben wecke.

Genau davon spricht Paulus, wenn ihr in einem Text, wo er über alle seine Entbehrungen spricht, folgendes sagt: «Unser Herz ist voll Leid, und doch erleben wir ständig neue Freude. Wir sind arm, aber wir machen andere reich. Wir besitzen nichts und haben doch alles» (2Korinther 6,10 NL). Das tönt absurd: Wie kann jemand, der das Herz voller Leid hat und nichts besitzt, doch ständig neue Freude haben – also glücklich sein? Indem sie oder er andere reich macht! Davon redet auch David: «Glücklich zu preisen ist, wer anderen Menschen in Not zur Seite steht!» (Psalm 41,2 NGÜ).

Wie genussvoll sind folgende Aktivitäten für dich? Vergib Werte zwischen 0 (kein Genuss) und 10 (höchster Genuss): Deine Lieblingsschokolade, im Krieg für dein Vaterland kämpfen, eine hilfsbedürftige Person begleiten, deinem Hobby frönen, Kinder grossziehen, kirchenfernen Menschen von Jesus erzählen, die Erderwärmung stoppen, Sex, Fussball-WM schauen, einer Person aus der Risikogruppe besuchen, Wellnessurlaub in der Karibik. Die meisten Menschen bewerten Sex, Schokolade, Fussball-WM und Wellness mit 9 oder 10, während das Grossziehen von Kindern bei 2 oder 3 zu finden ist. Anschlussfrage: Wie sinnvoll sind die oben genannten Aktivitäten ihrer Meinung nach? Vergib wieder Werte zwischen 0 und 10. Bei den meisten Menschen sieht die Reihenfolge nun ganz anders aus. Hmmm. Was zählt nun wirklich? Welche Aktivitäten machen ein glückliches Leben aus – die «genussvollen» oder die «sinnvollen»? Ein Harvard-Psychologe gibt auf bemerkenswert krasse Art eine Antwort: «Der Nazi-Kriegsverbrecher, der am argentinischen Strand in der Sonne badet, ist nicht wirklich glücklich, während der fromme Missionar, der soeben von Kannibalen bei lebendigem Leib verspeist wird, glücklich ist.»

Gesegnet, um ein Segen zu sein. Ein Mensch, der sein Vakuum mit Gott gefüllt hat, hat den Sinn des Lebens gefunden. Daraus kann er ein sinnvolles Leben führen und für andere Menschen zum Segen werden. Welchem Menschen in Not könntest du in der kommenden Woche zur Seite stehen? Tue es nicht aus egoistischen Gründen, weil du dein Glück suchst. Tue es aus Liebe und das Glück wird dich finden!

 

Jakobus fasst in seinem Brief die heutige Predigt treffend zusammen: «Glücklich ist, wer die Prüfungen des Glaubens geduldig erträgt. Wenn er sich bewährt hat, wird er das ewige Leben empfangen, das Gott denen versprochen hat, die ihn lieben» (Jakobus 1,12 NL). Wie Eva werden wir vielen Versuchungen begegnen. Glauben wir niemals, wenn uns das grosse Glück durch äussere Dinge oder Prestige vorgegaukelt wird. Stattdessen kannst du sagen: «Lüge, du bist entlarvt!» Glücklich wird jeder Mensch in der Liebe zu Gott und im Dasein für andere Menschen. Darauf lohnt es sich, den Fokus zu legen!

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: 1. Mose 3,1-7

  1. Die Schlange versuchte Eva in den Bereichen ästhetische Schönheit, deliziöser Geschmack und höherer Status durch Klugheit. Wo erlebst du entsprechende Versuchungen?
  2. Welche Wahrheiten verstecken sich in der Geschichte vom Hans im Glück?
  3. Glaubst du daran, dass die «sinnvollen» Dinge mehr Glück verursachen als die «genussvollen»? Was bedeutet das?
  4. Wirst du beim «Hochzeitsmahl des Lammes» (Offenbarung 19,9) eingeladen sein? Auf was gründet deine Antwort?
  5. Welchem Menschen in Not könntest du in der kommenden Woche zur Seite stehen?