Juda – ein Schurke kehrt um
Sonntag, 3. Mai 2020

Juda – ein Schurke kehrt um

Prediger/in:
Passage: 1. Mose 38
Dienstart:

Juda ist massgeblich am Verkauf seines Bruders Josef nach Ägypten beteiligt. Anschliessend zieht er nach Kanaan hinab. Kanaan steht für die Liebe zu den Versuchungen der Welt. Nachdem er seine sexuellen Bedürfnisse an seiner verkleideten Schwiegertochter Tamar ausgelebt hat, wird er sich seiner Schuld bewusst und kehrt um. Jetzt ist er sogar bereit, sein Leben für seinen Bruder zu lassen.


Juda war ein Bruder von Joseph, der dafür gesorgt hat, dass dieser in die Sklaverei nach Ägypten verkauft wurde (1Mose 37,26f). Normalerweise konzentriert man sich in den folgenden vierzehn Kapiteln immer auf Joseph. Doch wie in guten Spielfilmen gibt es auch hier eine faszinierende Nebenrolle – Juda. Es könnte das Drehbuch einer aktuellen, nicht jugendfreien Soap sein.

Juda zieht hinab

«Es begab sich um diese Zeit, dass Juda hinabzog von seinen Brüdern und gesellte sich zu einem Mann aus Adullam, der hiess Hira» (1Mose 38,1 LU). Juda trennt sich von seinen zehn verbliebenen Brüdern und geht seinen eigenen Weg, hinab – nach Kanaan. Das ist nicht nur lokal, sondern auch geistlich zu verstehen. Kanaan ist ein Bild für die Anziehungskraft der weltlichen Versuchungen: das Verlangen, seine selbstsüchtigen Begierden zu befriedigen. Es geht um Hedonismus, der die unmittelbaren Genüsse sucht. Davon spricht Johannes: «Hört auf, diese Welt und das, was sie euch anbietet, zu lieben! Denn wer die Welt liebt, zeigt, dass die Liebe des Vaters nicht in ihm ist» (1Johannes 2,15).

«Und Juda sah dort die Tochter eines Kanaaniters, der hiess Schua, und nahm sie zur Frau. Und als er zu ihr einging, ward sie schwanger und gebar einen Sohn, den nannte er Ger. Und sie ward abermals schwanger und gebar einen Sohn, den nannte sie Onan. Sie gebar abermals einen Sohn, den nannte sie Schela […]» (V.2-5 LU). Die Bedeutungen der zwei Namen der erwähnten kanaanitschen Männer sind symptomatisch: Hira (Judas Freund; V.12) bedeutet Vornehmheit und Schua heisst Reichtum. Vornehmheit und Reichtum das sind zwei typische Vertreter dieser weltlichen Gilde. Juda geht seinen eigenen und zwar ziemlich gottlosen Weg. Er macht so alles, was man damals nicht tun sollte, und nimmt sich eine Frau aus dem falschen Volk. Dabei liegt doch auf Juda eine ganz andere Berufung. Sein Name bedeutet Lob Gottes und er sollte die Linie der Verheissung weiterführen. Juda sah, nahm und ging zu der Tochter Schuas ein. Das erinnert uns an Eva, die sah, nahm und ass (1Mose 3,6) – und – anstatt glücklich – frustriert wurde. Seine Frau gebar im Laufe der Zeit drei Söhne: Ger, Onan und Schela.

Irrungen und Wirrungen

«Und Juda gab seinem ersten Sohn Ger eine Frau, die hiess Tamar. Aber Ger missfiel dem HERRN, und der HERR liess ihn sterben» (V.6+7 LU). Ger war so böse, dass Gott ihn sterben liess. Er wollte nicht, dass sich die Linie seines Volkes über Ger weiterzog. Niemand kann langfristig ungestraft einen bösen Weg gehen. Das Geschehen wirft auch ein schlechtes Licht auf Juda. Dieser hat ihn nicht vor den Einflüssen der Kanaanäer bewahrt, sondern ihn in ein verwerfliches Leben abgleiten lassen.

Und so kommt Onan ins Spiel, der mit Tamar die Schwagerehe eingehen soll, was damals schon Gewohnheit war und später im Gesetz geregelt wurde (5Mose 25,5-10). Onan soll für Tamar sorgen und den Namen der Familie fortführen. Aber Onan wusste, dass die Kinder aus dieser Ehe nicht als seine eigenen gelten und das Erbe nicht ihm zufallen würde. Onan – auch bereits von der Habsucht durchtränkt, tut folgendes: «Onan aber wollte keinen Sohn zeugen, der nicht sein eigener Erbe war. Deshalb liess er jedes Mal, wenn er mit Tamar schlief, seinen Samen auf den Boden fliessen» (V.9 NL). Onan heiratet zwar seine Schwägerin und befriedigt gerne seine sexuelle Lust, aber er unterbricht den Geschlechtsverkehr jedes Mal vor der Ejakulation. In unserem Sprachgebrauch hat sich das Wort Onanieren als Synonym für Selbstbefriedigung etabliert. Ursprünglich meint es aber den Koitus Interruptus, eine Verhütungsmethode mit geringer Sicherheit. Onan ist einer wie viele – er befriedigt seine Lust auf egoistische Weise, ohne dabei Verantwortung zu übernehmen. Indem er die Linie seines Bruders aussterben lässt, begeht er eine Art Brudermord. Gott lässt auch Onan sterben.

Juda ist uneinsichtig und sieht kein eigenes Versagen. Im Gegenteil, er ortet das Problem bei Tamar. «Da sagte Juda zu seiner Schwiegertochter Tamar: ‘Kehre in dein Elternhaus zurück und bleib Witwe, bis mein Sohn Schela alt genug ist dich zu heiraten.’ Denn er befürchtete, dass Schela ebenfalls sterben würde wie seine beiden Brüder. Also kehrte Tamar in ihr Elternhaus zurück und wohnte dort» (V.11 NL). Eigentlich ist Juda für ihr Wohlergehen zuständig und auch dafür sorgen, dass sie wieder heiratet. Stattdessen schickt er sie zu ihrem Vater zurück. Juda vertraute Gott nicht und übernimmt keine Verantwortung. Er gab Tamar einen klugen Rat und vertagte das Problem auf später. Doch es kam zurück. Seine Schwäche und Falschheit holten ihn ein. Judas Frau starb. Nach der offiziellen Trauerzeit ging er in eine andere Stadt, um seine Schafe zu scheren. «Als Tamar mitgeteilt wurde, dass ihr Schwiegervater auf dem Weg zur Schafschur nach Timna war, zog sie ihre Witwenkleider aus und verhüllte sich mit einem Schleier. Dann setzte sie sich vor das Tor von Enajim, das auf dem Weg nach Timna liegt. Denn sie wusste, dass Schela inzwischen erwachsen war, sie ihm jedoch nicht zur Frau gegeben worden war» (V.13+14 NL). Tamar macht sie daran, die Sache in Ordnung zu bringen. Ihr war anscheinend mehr daran gelegen, die Linie Abrahams fortzusetzen, als Juda. Auf das Verlangen der körperlichen Triebe ist Verlass. Juda folgt seinem ungezügelten Sexualtrieb und schlief mit Tamar, ohne zu erkennen, wer sie war. Dies tat er offensichtlich aus einer spontanen Laune heraus. Er hatte nicht mal Geld bei sich. Als Bezahlung einigte er sich mit der Prostituierten auf ein Zicklein aus seiner Herde, das er ihr nachliefern wollte. Als Pfand musste Juda Siegelring mit der Schnur und den Stab zurücklassen. Diese Gegenstände weisen untrüglich auf Juda als ihren Besitzer hin und sie sind ein Zeichen dafür, dass Tamar es ist, die die Familie und das Erbe Judas erhält. Um seine körperliche Begierde schnell zu befriedigen, war Juda bereit, jegliches Pfand zu geben.

Schon am nächsten Tag sollte sein Freund Hira (Vornehmheit) das Zicklein ausliefern. Doch bei der Lieferadresse war nirgends eine Prostituierte zu finden. Drei Monate später hörte Juda, dass Tamar schwanger sei. Als Mann mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit bekam er einen Wutunfall und forderte, dass seine Schwiegertochter verbrannt würde, weil sie nicht treu geblieben war. Das Urteil sollte vollstreckt werden. Doch dann zahlte sich der brillante Schachzug Tamars aus. Juda wurde mit seiner eigenen Schuld konfrontiert. Die Prostituierte entpuppte sich als eigene Schwiegertochter.

Juda hat einst seinen Vater seinen Vater Jakob hinters Licht geführt. Dabei spielten ein Ziegenböckchen und ein Kleid eine Rolle: Josefs Gewand wurde in das Blut des Ziegenböckchens getaucht und Jakob erzählt, sein Sohn sei durch ein Raubtier ums Leben gekommen. Als Tamar Juda hinters Licht führt, spielen auch Kleider und ein Ziegenböckchen eine Rolle: Tamar verkleidet sich als Prostituierte und Juda bietet ihr ein Ziegenböckchen als Lohn an. Juda legte Jakob einst das Zeichen vor, welches den Tod Josefs beweisen sollte und bat seinen Vater, es sich genau anzuschauen. Tamar legt Juda nun das Zeichen vor, welches ihre Unschuld und seine Schuld beweist und bittet ihn, es sich genau anzuschauen. Gott führt Juda so, dass er seine Schuld erkennt.

Wir sollten ebenfalls aufmerksam sein, wenn wir uns über das Verhalten und die Schuld anderer Menschen empören. Es kann sehr gut sein, dass wir gerade darin von Gott unserer eigenen Schuld überführt werden.

Juda kehrt um

Bei Juda markiert dieses Erlebnis den Punkt seiner Umkehr. «Da erkannte es Juda und sprach: Sie ist gerechter als ich; denn ich habe sie nicht meinem Sohn Schela gegeben! Und er hatte hinfort keinen geschlechtlichen Umgang mehr mit ihr» (V.26 SCHL). Juda erkennt, dass Tamar richtig gehandelt hat und um den Fortbestand der Familie besorgt war. Er bekennt sich auch darin schuldig, dass er ihr seinen Sohn Schela als Ehemann vorenthalten hat. Wahrscheinlich ist auch ein Schuldeingeständnis vor Gott inbegriffen. Von hier aus entwickelt sich Juda zum wahren Anführer seiner Brüder. Gegen Ende der Josefs-Geschichte wird die Wandlung Judas offensichtlich. Als sein jüngster Bruder Benjamin wegen Diebstahls verhaftet werden soll, erbittet Juda dessen Freilassung: «Bitte, mein Herr, lassen Sie mich anstelle des Jungen als Sklaven für meinen Herrn hier bleiben und lassen Sie den Jungen mit seinen Brüdern zusammen heimkehren» (1Mose 44,33 NL). Die Wandlung von Juda ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie Gott ein Leben verändern kann. Der junge Juda ist selbstsüchtig, unehrlich und kaltherzig. Der ältere Juda handelt überlegt, selbstlos, verantwortungsbewusst und ist voller Mitgefühl. Der junge Juda liefert seinen Bruder ans Messer, der ältere Juda bürgt mit seinem eigenen Leben für seinen Bruder.

Übrigens gebar Tamar Zwillinge. Im Stammbaum von Jesus steht: «Juda war der Vater von Perez und Serach (ihre Mutter war Tamar). Perez war der Vater von Hezron […]» (Matthäus 1,3 NL). Nicht nur Juda, sondern sogar die Kanaaniterin Tamar hat im Stammbaum Jesu einen Platz gefunden!

 

Diese Geschichte zeigt den Triumph der Gnade. Aus der Hurerei wird ein heiliger Same geboren. Juda wurde der Stammvater der Juden, des Geschlechtes Davids und des Messias. Jesus wird sogar «Löwe Judas» genannt (Offenbarung 5,5). Gott erreicht sein Ziel durch alles menschliche Versagen hindurch. Christus, der sein Leben für dich hingegeben hat, kann auch dich zu einer Person machen, die ihr Leben für andere hingibt.

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: 1. Mose 38

  1. Für welchen Lebensstil steht Kanaan. Inwiefern bist du davon betroffen?
  2. Was hat sich Gott dabei gedacht, dass er Ger und Onan einfach sterben liess? Welche Botschaft steckt für uns darin?
  3. Onan und Juda wollten beim Sex nur ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen. Rede mit deinem Ehepartner darüber und wie es bei euch in der Ehe aussieht!
  4. Juda erlebte eine wundersame Wandlung. Worin zeigt sie sich?
  5. Heute wurde das Angebot für den Ausstieg aus der Pornografie vorgestellt. Wäre das etwas für dich?