Eine aussergewöhnliche Liebe

Datum: Sonntag, 16. Mai 2021 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Matthäus 26,6-13

Wo will mich Jesus einen Schritt weiterbringen? Wo will er mich ermutigen, im Blick auf ihn und sein Reich etwas zu machen, was ich noch nie gemacht habe! Ist bei mir ein Schritt im Glauben und der aussergewöhnlichen Liebe dran?


Wir waren vor 10 Tagen zu einem Geburtstag eingeladen. Auf einer schönen Sonnenterrasse mit Bergblick miteinander anstossen – herrlich! Eine Frau ist dabei, die in wenigen Tagen mit ihrem Partner aufbricht zu einem dreimonatigen Segeltörn. Ein Ehepaar berichtet von ihren Reiseplänen mit dem Wohnmobil. Das andere Paar schwärmt von ihrer Wohnlage am Vierwaldstättersee… und wir wurden immer kleiner! Vor wenigen Tagen geriet ich auf einem Parkplatz an eine Männerrunde mit ihren Motorrädern – jeder ausgerüstet mit einem Prachtsschlitten im Stil von einer BMW K 1600 GT! Alles Motorräder, für die man zum gleichen Preis ein tolles Auto hätte kaufen können. Wie geht es euch, wenn ihr so vorgeführt werdet?

Behalten Sie diese Fragen im Hinterkopf, wenn wir nun zu einer Männerrunde in der Bibel wechseln. Sie sind zu einem Essen eingeladen. Sie führen angeregte Gespräche und unterhalten sich mit dem Gastgeber Simon, den Jesus von Aussatz geheilt hat. Dann passiert es: Plötzlich kommt eine Frau hinzu, kramt aus ihrer Tasche ein Glas hervor mit kostbarem Salböl und sie beginnt Jesus zu salben. Aus dem offenen Gespräch der Männer wird nun ein Tuscheln hinter vorgehaltener Hand. «Das ist doch eine Vergeudung sondergleichen! Dieses Öl hätte man gut verkaufen können. Dann könnte man das Geld doch einsetzen für arme Leute.»

Als Jesus bewusst wird, was die da brummeln, spricht er die Männer an: «'Warum macht ihr es der Frau so schwer?', sagte er zu ihnen. 'Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Arme wird es immer bei euch geben. Mich aber habt ihr nicht mehr lange bei euch. Indem sie dieses Salböl über mich gegossen hat, hat sie meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt. Ich sage euch: Überall in der Welt, wo man das Evangelium verkünden wird, wird man sich auch an sie erinnern und von dem reden, was sie getan hat'» (Matthäus 26,10-13 NGÜ).

Eine mutige Frau: Sie wagt es, in diese Männerrunde einzudringen um etwas zu tun, was sie noch nie gemacht hat. Das war für sie bestimmt nicht so einfach. Sie springt über ihren eigenen Schatten. Sie lebt eine Freiheit im Umgang mit diesem kostbaren Öl die verblüfft. Was damals den Wert eines Jahresgehalts war, lässt sie an dem einen Abend springen.  Motiv: Liebe zu ihrem Meister! Es ist, als hätte diese Frau gespürt, dass dies vor der Kreuzigung Jesu die letzte Gelegenheit für sie ist, aus Liebe ein Zeichen der Dankbarkeit zu setzen. Für sie war es das Grösste im Leben, Jesus kennen zu lernen. Durch den Glauben hat sie eine enge Beziehung zu Jesus bekommen. Sie ist eine begeisterte Jüngerin. Erfüllt von ihrer grossen Liebe zu Jesus wagt sie einen mutigen Schritt. Warum macht sie das? Ihre grosse Liebe zu Gott und Jesus drängt sie innerlich dazu.

Paulus bringt es für uns auf den Punkt, wenn er im 2. Korintherbrief schreibt: «Was immer wir tun, tun wir, weil die Liebe Christi uns bewegt» (2. Korinther 5,14 NLB). Das sollten wir uns alle auf die Fahne schreiben, persönlich und als Gemeinde. Was immer wir anpacken und bewegen im Reich Gottes, tun wir, weil die Liebe Gottes und dazu bewegt! Was dann entsteht, kann so sein wie das, was die gutbetuchte Frau hier getan hat; oder auch wie das, was die arme Witwe getan hat, die ihre letzten beiden Münzen in den Opferkasten im Tempel gelegt hat. Beide haben aus grosser Liebe zu Christus gehandelt. Die eine mit zwei Fünfräpplern, die andere mit einigen Zehntausendern. Die anwesenden, gläubigen Männer hier bei diesem Bankett, haben die grosszügige  Frau nicht verstanden.

Es gibt Christen, die haben es am liebsten ruhig; nur nicht auffallen, am liebsten wie gewohnt, am liebsten so wie immer. Sie haben ihren Job in der Gemeinde; sie tragen finanziell mit, sind regelmässig im Gottesdienst… Ihr Glaube und ihre Liebe zu Jesus klebt an Schienen. Was sie tun und lassen ist fromm genormt. Das gibt ihnen Sicherheit und ein gutes Gefühl. Ich will damit nicht sagen, dass das falsch ist! Denn entscheidend ist nicht was wir tun, aber wie wir es tun! Steht es unter dem Motto «Alles was wir tun, tun wir, weil die Liebe Christi uns bewegt»?! Oder sind andere Motive dahinter. Die Frage aber ist vielmehr, ob Jesus mit meiner Zeit und meinem Engagement auch mal etwas Aussergewöhnliches einfädeln könnte? Kann er mit dir über deinen Schatten springen? Oder sagst du: «Nein lieber nicht! Ich bin jetzt gut drauf in meinem Leben und Glauben! Bitte nichts ändern!» Hätten Christen, die so denken, zurzeit Jesu gelebt, wären sie als Jünger immer noch beim Fischen oder im Zollhäuschen, weil man den Job nicht aufgibt. Die bittende Witwe wäre nicht zu ihrem Recht gekommen, denn man kann ja nicht so aufdringlich sein. Der Gelähmte hätte keine vier Helfer gefunden, die ihn auf abenteuerliche Weise Jesus vor die Füsse gelegt haben. Der Blinde von Jericho wäre blind geblieben, weil man nicht so schreit auf der Strasse! Die Tochter des Jairus wäre beerdigt worden, denn wer glaubt schon, dass Jesus Tote auferwecken kann! Auf diese Weise könnten wir jetzt nicht nur das Neue, sondern auch das Alte Testament und auch die Neuzeit durchstöbern und uns fragen: Was alles wäre nicht passiert im Reich Gottes, wenn nicht glaubenserfüllte Menschen aus Liebe zu Jesus immer wieder etwas mutig gewagt hätten; Grenzen gesprengt, Ungewohntes angepackt und im Glauben Erstaunliches angegangen wären.

Vielleicht möchte Gott dich schon lange herausfordern zu etwas Aussergewöhnlichem?!  Woran erkennt man Christen? Am Autoaufkleber? Am Gottesdienstbesuch? Am frommen Reden? Nein. Vielmehr an ihrer Freiheit, in der Liebe zu Jesus aufs Ganze zu gehen, mit allem was sie sind und haben. Sie sind in Jesus verliebt – was macht man nicht alles, wenn man verliebt ist! Ich freue mich, zu einer Gemeinde zu gehören, in der Leute aus einer aussergewöhnlichen Liebe zu Jesus mal etwas wagen, was sie noch nie gemacht haben; zum Beispiel mit Jemandem über Jesus reden; in einer Gruppe laut beten; einen biblischen Jahreskurs zu absolvieren; sich in der Gemeinde dort einzusetzen, wo’s am Nötigsten ist; den Sprung ins Ausland zu wagen, zum Beispiel nach Tadschikistan; einen Kurzeinsatz zu wagen bei einem Hilfswerk... Andere haben mit Begeisterung für das Reich Gottes mal tief ins Portemonnaie gegriffen. Und ich kann nur sagen, all diese Beispiele stecken an. Sie sind ermutigend und fordern uns als ganze Gemeinde heraus, immer wieder mal aufs Ganze zu gehen. Das kannst du nicht aus dir selbst. Du brauchst die Leitung vom Heiligen Geist, weil er das Wollen und Vollbringen schenkt und er die Aufgaben verteilt.

Im 1. Korintherbrief heisst es: «Dies alles bewirkt aber ein und derselbe Heilige Geist, indem er diese Gaben zuteilt und allein entscheidet, welche Gabe jeder Einzelne erhält» (1. Korinther 12,11 NLB). Gott kann dir auch mal etwas zutrauen, was deine Grenzen sprengt! Er verändert dich, indem er dir neue Aufgaben gibt und dazu auch die Fähigkeiten schenkt. Ich wünsche mir sehr, dass sich hier in der Seetal-Chile die Liebe zu Gott weiter aktiv outet. Das ist nicht immer leicht. Da kann es auch Kritik geben, so wie hier in der Geschichte.

«Die Jünger waren sehr aufgebracht, als sie das sahen. 'Was für eine Geldverschwendung', ärgerten sie sich. 'Sie hätte es lieber für viel Geld verkaufen und den Erlös den Armen geben sollen.'» (Matthäus 26,8-9 NLB). Was bei den Jüngern wie Liebe zu den Armen aussieht ist keine Liebe. Das Geld reut sie, weil es ungewöhnlich viel ist. Jesus korrigiert die motzenden Jünger: «Sie hat ein gutes Werk getan! Sie liegt völlig richtig. Arme habt ihr immer um die Ohren. Für sie zu sorgen gehört zu eurer Kernaufgabe. Das ist Dauerauftrag, aber mich habt ihr nicht allezeit bei euch.» Jesus sagt: «Was betrübt ihr diese Frau?» Und im Grundtext: «Was macht ihr diese Frau müde?!» Es gab mal eine Zeit, da sagte man sich nicht: «Oh, du gibst mir auf die Nerven!», sondern «Du machst mich müde…»! Kritik nimmt einem jegliche Freude an der Mitarbeit. Kritik macht müde! Lob und Bewunderung motivieren! «Hei, ich finde es toll, dass du dich dort investierst. Ich glaube, dort bist du am richtigen Platz! Das entspricht doch deinen Gaben. Mach fröhlich weiter so! Gut, dass es dich gibt!»

Jesus erzählt den Jüngern noch etwas, was sie nicht wussten: Die Frau ist tut das einzig Richtige. Durch sie und die Gastgeber kann Jesus Psalm 23 erleben: «Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein» (V.5). Für Jesus ist es die Vorbereitung für seinen Tod! Es kommt für dich nicht darauf an, was in den Augen der anderen im Moment das Richtige ist, sondern auf dein Motiv. Investiere weiterhin viel, weil du nur eines im Sinn hast: Jesus zu lieben und für ihn zu leben! Das zu spüren, was jetzt dran ist und was nicht, das ist für uns alle eine grosse Herausforderung. Aber ich bin überzeugt, deine Liebe zu Jesus wird dich bewegen, das Richtige zu tun. Es ist auch gut, wenn wir einander helfen, die Motive zu prüfen. Denn: Wie nah können «total daneben» und «super gut» nebeneinander liegen! Das kommt auch in der Bibel zum Ausdruck. In beiden Evangelien (Matthäus und Markus) ist nach dieser Geschichte der aussergewöhnlichen Liebe der Verrat des Judas geschildert. Beide haben sich exponiert! Die Frau aus Liebe zu Jesus; und Judas aus Liebe zum Geld.

Ich möchte mit euch zusammen dank Jesus immer wieder einen Schritt weiterkommen! Ich möchte mit euch allen den Wunsch haben, in Gottes Reich etwas zu bewegen, was neu Gottes Liebe zu den Menschen deutlich macht! Sei es auch durch ein Zeichen aussergewöhnlicher Liebe!

Amen!

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Matthäus 26,6-13

  1. Ehrlich, wie hättest du reagiert als Zuschauer bei dieser Salbung

  2. Bist du überhaupt zu haben für etwas Aussergewöhnliches? (Zeit, Mitarbeit, Geld)

  3. Wie sieht man es, ob ich etwas aus Liebe zu Jesus tue, oder aus anderen Motiven? Was bremst uns oft?

  4. Was hättest du in der Rückschau auf dein Leben nicht getan, wenn Jesus dich nicht dazu bewegt hätte?

  5. Misst und vergleichst du dich mit andern, beim Einsatz in der Gemeinde?

  6. Was löst das bei dir aus, wenn Gemeindeleute wegziehen in die Mission?

  7. Segnet einander und betet um aussergewöhnliche Liebe für das gemeinsame Unterwegssein mit Jesus!