Ein Vollbild-Vorbild

Datum: Sonntag, 30. Juni 2019 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Philipper 4,8-9
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Was lernen andere von dir? Was hören sie von dir? Was sehen sie an dir? Paulus ist ein Vollbild-Vorbild! Was sehen die Leute an deinem Christsein?


Willkommen daheim! Ja, wie sieht es denn daheim aus? Mama und Papa sagen manchmal «Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm»! «Das hat er oder sie von mir» sagen beide, Mama und Papa, wenn sie etwas Positives an ihren Kindern entdecken, und wenn es etwas ist, das nicht so gut ist, sagen auch beide: «Das hat er von dir». «Vorbild sein» ist immer aktuell und ist ein ewig moderner, weitverbreiteter Begriff. Überall haben Vorbilder Bedeutung! Sei es in der Erziehung, im Sport, in der Wirtschaft, in der Politik, in der seetal chile… Paulus ist bei seinem Brief an die Philipper beim Schlusswort angelangt. Die letzten Worte eines Schreibens  sind manchmal noch sehr wichtig. So auch hier. Und nun, liebe Freunde, lasst mich zum Schluss noch etwas sagen: Und dann zählt Paulus ganz viel auf, über das es sich lohnt, nachzudenken: Was wahr ist, anständig, gerecht, rein, liebenswürdig und bewundernswert; Denkt über Dinge nach, die Lob und Anerkennung verdienen. Das ist eine ganze Liste von Denkaufgaben, nur in einem Vers aufgelistet. Man bekommt den Eindruck, dass Paulus uns da eine Ferienaufgabe präsentiert. Da muss man doch viel Zeit haben!

Konzentriert euch auf das, was wahr ist… Die einen sagen, zu viel Salz ist ungesund. Die anderen das Gegenteil. Die einen sagen, die Burschen fragen Mädchen für eine Freundschaft. Die anderen sagen: Das war einmal, es geht auch umgekehrt. Die einen sagen: Ein Christ sollte jeden Tag sich eine Zeit der Stille gönnen. Andere gönnen sich das sehr unregelmässig. Da fragen wir wohl wie Pilatus: Was ist Wahrheit? Die Bibel beschreibt Satan als Vater der Lüge; Jesus hingegen sagt von sich selbst «Ich bin die Wahrheit». Die Wahrheit in Person. Wahr ist, was Jesus entspricht; was uns sagt und was er uns vorgelebt hat.

Konzentriert euch auf das, was anständig ist… Im Grundtext meint das griechische Wort «ehrenhaft» - unserer Würde entsprechend. In der letzten Predigt habe ich in Erinnerung gerufen, dass Jesus uns Anteil gegeben hat an seiner Herrlichkeit, an seiner «doxa». Er hat uns Ansehen geschenkt, grosse Ehre und uns einen guten Ruf angehängt. Also: Konzentriert euch auf das, was zu dem passt, was Jesus aus dir gemacht und dir gegeben hat.

Konzentriert euch auf das, was gerecht ist… Wir wissen sehr schnell, was ungerecht ist. Aber was ist gerecht? «Gerecht» hat in der Bibel noch eine andere Bedeutung als nur «fair»; gerecht meint auch «beziehungsfördernd». Gerechtigkeit trägt wesentlich bei zum Zusammenhalt in der Gemeinde. Gerecht heisst, anderen gegenüber in ihrem Wert gerecht zu werden. Ihren Wert - zu - schätzen!

Denkt über das nach, was rein ist… Eine reine Braut ist eine Braut, die nie Sex hatte vor der Ehe. Der Begriff hier meint tatsächlich keusch; aber auch heilig und gottgefällig. Jesus Christus hat uns bei unserer Lebensübergabe an ihn reingewaschen von aller Sünde und Schuld. Diese Reinheit beginnt im Herzen. Jesus hat den Pharisäer vorgeworfen, dass sie ihre Becher und Schüsseln aussen rein halten; aber ihr Inneres, ihr Herz sei voll Raub und Bosheit. (Lukas 11,39) Wir sollen dem nachdenken, was rein und liebenswert und bewunderungswürdig ist; über Dinge, die Auszeichnung und Lob verdienen.  D.h. das, was uns dabei in den Sinn kommt, abwägen; überlegen; damit rechnen; es so sehen wie es ist... Wir merken, dass es Paulus auch um unser Miteinander in der Gemeinde geht. Wir sollen das Gute und Nachahmenswerte aneinander beobachten, festhalten und auch so machen. Auf diese Art können wir uns gegenseitig motivieren, ebenfalls das Gute zu tun. 

Paulus ergänzt seine lange Liste mit dem Hinweis: Hört nicht auf, das zu tun, was ihr von mir gelernt und gehört habt und was ihr bei mir gesehen habt; und der Gott des Friedens wird mit euch sein. (NL) Paulus bietet sich an als Vorbild. Paulus ist ein Vollbild-Vorbild! Das war damals möglich. Man konnte Paulus bei fast allem beobachten: beim Lehren, Arbeiten, Essen, Schlafen, bei Streitgesprächen, beim Ermahnen, im Umgang mit den Menschen – und das den ganzen Tag! Und wir? Ein Sonntagsvorbild zu sein ist zu wenig. Das ist ein kläglicher Ausschnitt von deinem Leben. Darum sind Gemeinde-Wochenende oder Gemeinde-Ferienwochen auch so wichtig. Da lernt man sich mal von einer ganz anderen Seite kennen. Das gilt auch für Kinder- und Jugendwochen. Die gegenwärtige Sommerzeit ist genial für gegenseitige Besuche. Zusammensitzen und im Garten noch etwas trinken, plaudern, aus dem Leben erzählen, Glaubenserfahrungen austauschen – aber bitte nicht nur mit Freunden, die man schon längst kennt. Du findest noch so viel interessante und erfahrene Personen unter uns. Geht doch einfach mal auf Leute zu und lade ein. Lassen wir uns doch auf die Finger, ins ganze Leben hineinschauen auch im Alltag.

Wie werde ich zum Vorbild?

Was ist das überhaupt, ein Vorbild? Wikipedia definiert folgendermassen: «Ein Vorbild ist eine Person, mit der ein – meist junger – Mensch sich identifiziert und dessen Verhaltensmuster er nachahmt oder nachzuahmen versucht.» Ein vorbildliche Person ist authentisch, echt: Wovon sie redet, das tut sie auch. Eltern geben sich sehr Mühe, ihren Kindern gegenüber solche Vorbilder zu sein. Klar, manchmal muss Erziehung noch dazu beitragen! Gute Tischsitten, regelmässige Körper- und Zahnpflege, Dankbarkeit und Freundlichkeit sind nicht nur im Vorbild zu vermitteln! Viele Menschen stufen diejenigen als vorbildlich ein, die einem sympathisch sind, mit denen man das Heu auf derselben Bühne hat, sprich: mit denen man die eigenen Normen und Wertvorstellungen teilen kann – von denen man auch Bestätigung erhält im eigenen Verhalten und den eigenen Einstellungen. Das hat wenig zu tun mit Vorbild. Das sind nur Schulterklopfer, die dir einfach gut tun. Eigentlich müsste man auch sagen: Vorbilder sind wir immer, entweder gute oder schlechte. Denn wir sind immer Beobachtete. Wir sind Geschöpfe, die sich unter sich messen und immer wieder vergleichen –  Frauen und Männer.

Die weitere Frage ist:

Willst du ein gutes Vorbild sein??!!

Vielleicht sagen jetzt Leute unter uns: «Ja, so wie dieser Paulus kann ja niemand unter uns sein!» Wer könnte das von sich selbst sagen: Hört nicht auf, das zu tun, was ihr von mir gelernt und gehört habt und was ihr bei mir gesehen habt; und der Gott des Friedens wird mit euch sein. (NL) Die Philipper haben von Paulus gelernt, ihn gehört und gesehen. Also: «Willkommen Zuhause», wo es uns um ein gegenseitiges Lernen, Hören, Sehen und Beobachten geht!

Lernen, hören und sehen können wir an zwei Orten:

  1. bei Jesus Christus. Durch das, was er aus dir macht; wie er dich verändert, neu begabt und ausrüstet für dein Leben als Christ. Durch das, was er dir sagt, direkt beim Nachdenken oder durch Worte aus der Bibel.
  2. bei Glaubens-Geschwistern, die du um dich hast.

Wenn du lernen, hören und beobachten willst, dann interessieren dich andere Christen! Dann suchst du Gemeinschaft mit anderen Christen und fragst sie: «Wie machst du das? Wie denkst du darüber usw.». Wer nicht lernen, hören und sehen will, ist kurzsichtig, lebt verkürzt und verpasst es, selbst zum Vorbild für andere zu werden. Paulus ruft die Gläubigen nicht nur auf, Vorbilder ernst zu nehmen und zu beachten, er ruft seine Mitarbeiter auch auf, Vorbilder zu werden: z.B. seine Mitarbeiter Timotheus und Titus! Sei den Gläubigen ein Vorbild in allem, was du sagst und tust, ein Vorbild an Liebe, Glauben und Reinheit. (1.Tim 4,12 NGÜ) Ähnlich bei Titus: Und du selbst sei ihnen in allem ein gutes Vorbild und ein Beispiel für die Glaubwürdigkeit und Würde deiner Lehre. (Titus 2,7 NL) Es geht Paulus bei solchen Aufrufen nie darum, dass seine Mitarbeiter einen gewissen Stand erreichen vor Menschen. Es geht ihm einzig und allein um Gottes Sache. Die Leute, die neu zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind, brauchen Lehrer, die nicht mit Theorie um sich schlagen, sondern das ganze Programm vorleben, echt sind! So wie es die Philipper erlebt haben. Sie haben es beim Apostel Paulus gelernt, gehört und gesehen!

Im Schlussteil will ich noch tiefer bohren in die Praxis:

Was heisst für uns Christen ganz praktisch «Vorbild zu sein»?

Wenn du im Glauben wächst und zum Vorbild wirst, geschieht das oft unbewusst. Andere lernen von dir, orientieren sich an dir, hören auf dich und achten auf dich, ohne dass du merkst, was Jesus an ihnen durch dich macht. So ging es den Christen von Thessalonich. Plötzlich sprach man von ihren Glauben und seinen Auswirkungen in ganz Mazedonien und Achaja! War dies ihre Absicht, ihr Ziel? Keinesfalls. Das haben nicht sie gemacht. Das hat Gott aus ihnen gemacht. Paulus gibt in diesem Brief an die Philipper Gott die Ehre von Anfang an: Jedes Mal, wenn ich an euch denke, danke ich meinem Gott. Ich bete immer für euch und tue es mit frohem Herzen. Denn ihr habt euch vom ersten Tag an bis heute gemeinsam mit mir für die gute Botschaft eingesetzt. Ich bin ganz sicher, dass Gott, der sein gutes Werk in euch angefangen hat, damit weitermachen und es vollenden wird bis zu dem Tag, an dem Christus Jesus wiederkommt. Um was es wirklich geht, hat Paulus in Kapitel 3 gut ausgedrückt. Er sitzt mit den Philippern ins gleiche Boot und sagt: Wir setzen unser Vertrauen nicht auf menschliche Anstrengung, sondern sind stolz auf das, was Christus Jesus für uns getan hat. (Philipper 3,3b NL) Um Christus allein geht es mir. Ihn will ich immer besser kennen lernen: Ich will die Kraft seiner Auferstehung erfahren. (Philipper 3,10a NL) Ist das nicht erstaunlich, dass das Vollbild-Vorbild Paulus sagt: Jesus will ich immer besser kennen lernen: Ich will die Kraft seiner Auferstehung erfahren. (lest diese Verse zweimal, die muss man richtig «einnehmen» wie Medizin!)

Ein cooler Christ ist nur dann ein cooles Vorbild, wenn Jesus sein Markenzeichen ist und nicht seine eigene Coolness. Die Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche durchschauen uns sehr schnell! Wir können sehr viel wissen über unsern Glauben, und viel von ihm reden, aber was andere zum Nachahmen herausfordert sind letztlich nicht Worte, sondern Taten! Kinder und Jugendliche lernen Glauben, wenn sie Glauben beobachten und erleben können. Die Menschen um dich beweisen es euch Erwachsenen: Taten, nicht Worte, regen zum Nachdenken und Nachahmen an! Zum Vorbild für andere werden wir nur in der totalen Abhängigkeit von Jesus. Jesus selbst lebte diese Abhängigkeit vom Vater! Wie oft sagte er: «…wie du, Vater…» Sag doch auch: «Wie du, Jesus!» Ich möchte schliessen mit einem Vorschlag eines Gebetes für jeden Tag: «Lieber Herr Jesus Christus, ich möchte an diesem Tag so mit dir leben, …dass ich die Menschen, denen ich begegne so annehmen kann, wie du mich annimmst.

…dass du in mir für andere sichtbar und erlebbar wirst.

…dass andere bei mir dich entdecken und kennenlernen können.

…dass andere auch mit dir leben möchten und sich öffnen für dich.» Amen!

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Philipper 4,8-9

  1. Wo und wie erlebst du Vorbilder? Erzählt einander.
  2. Wo und wie bist du Vorbild für andere? Erzählt.
  3. Paulus schreibt «Konzentriert euch auf… Denkt darüber… nach.» Was heisst das ganz praktisch? Was will er? Wann und wo soll man das tun?
  4. Tauscht euch aus über die einzelnen Prädikate: wahr, anständig, gerecht usw.
  5. Wo habt ihr Gelegenheit, Vorbilder zu sein? Klappt es, oder woran fehlt’s? Betet zum Schluss füreinander für eure verschiedenen Vorbildfunktionen.