Das teure Wort
Sonntag, 16. Februar 2020

Das teure Wort

Prediger/in:
Passage: 1. Samuel 3,1-21
Dienstart:

Samuel wurde in eine Zeit hineingeboren, in der das Wort Gottes «teuer» war. Völlig unbeholfen und ahnungslos begann er, auf das Reden Gottes zu hören. Demütig gehorchte er seinem Gott und wurde so zum Priester, Propheten und Hauptmann in einer Person, wie es seit Mose keinen mehr gab. Aus seinem Erleben können wir sehr viel für unsere eigene Kommunikation mit Gott lernen. Wenn wir auf Ihn hören und Ihm gehorchen, werden wir gesegnet und zum Segen für andere!


 

Als ich kürzlich auf dem Stuhl im Coiffeursalon sass, erzählte mir die Friseurin von ihren Erfahrungen in Kuba. Dort gäbe es vor den halbleeren Einkaufsläden lange Menschenschlangen. Die nächste Person darf erst dann Laden betreten, wenn eine andere ihn verlässt. Mit viel Aufwand und etwas Glück können sie zu horrenden Preisen das Nötigste einkaufen. Kuba hat eine durch Krisen hervorgerufene Inflation. Die Folge davon ist eine Teuerung, das den Bewohnern kaum ermöglicht, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

«Der Mensch braucht mehr als nur Brot zum Leben. Er lebt auch von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt» (Matthäus 4,4 NL). Wir sind nicht nur auf einen leiblichen, sondern auch auf einen geistlichen Lebensunterhalt angewiesen. Auch beim Wort Gottes gibt es Teuerung: «Das Wort Gottes war teuer zu derselben Zeit» (1Samuel 3,1 Elb1905). Der Grund war eine geistliche Krise. Wir brauchen dringend das teure Wort Gottes als Lebensunterhalt. Sind wir bereit, den notwendigen Preis dafür zu bezahlen?

Wenn Gott schweigt

Vor ca. 3000 Jahren lebte im Gebirge Ephraim ein Mann namens Elkana, der zwei Frauen hatte, Peninna und Hanna. Hanna zerbrach beinahe unter der Last ihrer ungewollten Kinderlosigkeit. In Silo stand seit Josua die Stiftshütte und hier war auch der Mittelpunkt des israelitischen Gottesdienstes und ihrer Feste. Eli war damals Priester in der Stiftshütte. Auch die Familie Elkanas opferte jedes Jahr in Silo. Hanna nahm dieses Ereignis zum Anlass, Gott um ein Kind zu bitten und versprach, das erbetene Kind Gott zu weihen (1Samuel 1,11). Und tatsächlich – Hanna bekam einen Sohn und nannte ihn Samuel (von Gott erhört). Und als Hanna Samuel nicht mehr stillte, brachte sie ihn nach Silo zu Eli, damit Samuel in der Stiftshütte Gott diente, wie es Hanna in ihrem Gelübde Gott versprochen hatte.

«In der Zwischenzeit diente der junge Samuel dem Herrn, indem er Eli half. Damals waren Botschaften vom Herrn selten und Visionen kamen nicht häufig vor» (1Samuel 3,1 NL). Israel erlebt eine Zeit, in der Gott kaum noch zu ihnen sprach. Funkstille. Sendepause. Es ist anscheinend so, dass Gott zu Menschen, die nicht hören wollen, nicht unaufhörlich redet. Auch in unseren Breitengraden ist das Wort des Herrn selten geworden. Gott ist kein schweigender Gott, der manchmal redet, sondern ein redender Gott, der manchmal schweigt. Damals – vor ca. 3000 Jahren – waren die Gründe für das «teure Wort Gottes» offensichtlich.

«[…] Samuel schlief im Heiligtum des Herrn, wo die Lade Gottes stand» (1Samuel 3,3 NL). Samuels Bett stand im Allerheiligsten der Stiftshütte. Er schlief neben der Bundeslade, dem heiligsten Gegenstand der Israeliten. Zurzeit von Mose durfte kein Israelit, nicht einmal ein Priester, das Allerheiligste betreten. Selbst Mose durfte nur einmal im Jahr in das Allerheiligste gehen. Dass Samuel dort sein Nachtlager hatte, macht uns deutlich, dass die Stiftshütte zu einer Rumpelkammer verkommen ist, sie war vernachlässigt und Gott war von dem Ort, wo er in Israel wohnen wollte, ausgezogen. Der religiöse Ausverkauf hat ein riesiges Ausmass angenommen. Doch «die Lampe Gottes war noch nicht erloschen» (1Samuel 3,3a NL).

Die Söhne Elis hiessen Hofni und Pinhas. Sie, die amtierenden Priester, bereicherten sich an den Opfergaben, «frassen» selbst die besten Fleischstücke, anstatt sie Gott zu weihen. Das, was eigentlich Gott zustand, wurde rücksichtslos für sich selbst verbraucht. Dazu schliefen die Priester Geschwister in der Stiftshütte mit anderen Frauen. Ziemlich dreist, die Jungs! Sünde schiebt sich zwischen Sender und Empfänger. «Hört zu! Die Hand des Herrn ist nicht zu kurz, um euch zu helfen, und er ist nicht taub, dass er euch nicht hören würde. Nein, eure Sünden sind eine Schranke, die euch von Gott trennt» (Jesaja 59,1f NL).

Es kann uns eigentlich nicht wundern, wenn Botschaften vom HERRN selten waren. Gottes Geist zieht sich zurück, wo man ihn nicht will. Wundert es uns, dass Gottes Wort im eigenen Leben selten geworden ist? Vielleicht ist unser Herz auch zu einer Rumpelkammer geworden, die unbedingt einmal aufgeräumt werden müsste.

In unseren Breitengraden findet eine gewaltige Inflation der Worte statt. Eine Theorie besagt, dass die Informationsmenge, die einen Menschen im Mittelalter während seines ganzen Lebens von durchschnittlich 35 Jahren erreichte, der Informationsmenge entspricht, die uns heute in einem einzigen Tag überschwemmt. In unserem Leben ist es oft so laut und unruhig, dass wir die Stimme des Heiligen Geistes unmöglich hören können. Ein weiser Rabbi sagte: «Alles Wichtige kommt leise. Der Aufgang der Sonne, das Schlagen des Herzes, ein Gedanke der Liebe und das Reden Gottes.» Die Folge einer solchen Inflation der Worte ist eine Teuerung des Wortes Gottes. Das Wort Gottes wird teuer. Es gibt auch eine Inflation von frommen Worten: eine Unmenge von abrufbaren Predigten von den besten Rednern der Welt. Nehmen wir in diesem Dschungel von Worten Gottes Wort noch wahr? Maria Prean meint: «Wir sind so mit unserem Programm beschäftigt, dass es uns stört, wenn Gott zu uns spricht.» Das Schweigen Gottes ist ein Zeichen dafür, dass Er reden will.

Wenn Gott redet

«Unser Gott kommt und er wird nicht schweigen» (Psalm 50,3 NL). Bei Samuel lief es so ab: Er liegt auf seiner Matratze im Allerheiligsten. Vermutlich ist er gerade so zwischen Tag und Traum am Einschlafen. «Plötzlich rief der Herr: ‘Samuel!’ ‘Hier bin ich!’, antwortete Samuel. Er sprang auf und lief zu Eli. ‘Hier bin ich. Du hast mich gerufen.’ ‘Ich habe dich nicht gerufen’, antwortete Eli. ‘Leg dich wieder hin.’ Und Samuel ging und legte sich wieder hin» (1Samuel 3,4f NL). Der allmächtige Gott redet, doch Samuel merkt nicht, dass es Gott ist. Und der alte Priester Eli, ein Bild für die institutionelle Kirche, schickt ihn wieder schlafen. Werden Menschen in unserer Gemeinde eher zum Hören oder Schlafen angeleitet? Sind wir zufrieden, wenn unsere Predigten angehört und abgenickt werden oder bevollmächtigen wir die Menschen für ein eigenständiges Christsein?

Gott will etwas sagen, aber er kommt gar tragischerweise nicht zu uns durch. Wir haben ein Kommunikationsproblem. Es ist wie bei einem Radioempfänger. Gottes Funkwellen, sein Reden, wäre da. Aber wir haben den falschen Kanal eingestellt. Vielleicht liegt es daran, dass ich gar nicht erwarte, dass Gott mit mir redet. Oder ich kenne seine Stimme nicht mehr, weil viele andere Stimmen um mich herum lauter sind.

Es ist kein Zufall, dass Samuel die Stimme Gottes in der Nacht hörte. In der Nacht verstummen andere Geräusche, es ist still. Unser Leben ist laut und schnell geworden. Auch wenn es schwierig geworden ist, wir müssen Raum zur Stille mit Gott haben. Einen Spaziergang, nur du und dein himmlischer Vater, eine Stunde am Abend mit der Bibel, nicht jeden Tag, aber immer wieder einmal, ein gutes Buch, das dich weiterbringt. Wenn du für das alles keine Zeit hast, dann wird es höchste Zeit, etwas im Leben zu ändern. Obwohl ich in meiner Arbeit – gerade beim Predigt schreiben – auf das Reden Gottes angewiesen bin, habe ich in meinem Büro Mühe, seine Stimme zu hören. Doch wenn ich auf meinem Arbeitsweg mit dem Fahrrad von Seon nach Dürrenäsch radle, fällt es mir viel leichter. Mit etwas Abstand zum Alltagsbetrieb und beim Loslassen der eigenen Gedanken, werden Gottes Worte plötzlich vernehmbar.

Bei Samuel spricht Gott in einen Missstand hinein. Gott will Abgestorbenes lebendig machen. Mit Vorliebe tut er dies auch in unserem Leben. Oft ist die Stimme Gottes im Bereich unserer Spannungen zu vernehmen.

Nachdem der HERR dreimal gerufen hatte, merkte Eli etwas und sagt zu Samuel: «Geh und leg dich wieder hin, und wenn du wieder gerufen wirst, dann antworte: ‘Sprich, Herr, dein Diener hört.’ Also legte Samuel sich wieder an seinen Platz» (1Samuel 3,9 NL).

Das ist beeindruckend: «Sprich, Herr, dein Diener hört.» Eine solche Herzenshaltung ist eine sehr gute Basis, um Gottes Stimme zu hören. Das Konzept «Ich der Chef – Gott mein Diener» verhindert die Kommunikation. Warum soll Gott reden, wenn ich doch sowieso selbst über mein Leben bestimme und Gott nur als Gango brauche? Gott ist kein Teddybär, mit dem man eine Zeitlang spielen, dann in der Ecke liegen lassen und wenn es wieder beliebt, hervorholen kann. Gott ist Gott. Wir können nicht über Ihn verfügen.

Samuel hörte anscheinend Gottes Stimme akustisch. Das ist bei uns eher weniger der Fall. Gott hören für uns heisst, mein subjektives, in einer Gebetsbeziehung entstandenes Erleben als göttliche Information zu bezeichnen.

Wenn der Mensch gehorcht

An den grossen Weggabelungen meines Lebens, habe ich das Reden Gottes oft so klar wahrgenommen, dass es für mich nur noch die Frage blieb, ob ich gehorsam sein will oder nicht. Gehorsam bedeutete Aufbruch und ein Ja zur Herausforderung. Wir haben es keinesfalls mit einem harmlosen Gott zu tun, der zwischendurch mal unseren Hals krault. Wenn Gott spricht, stellt er uns oft vor echte Herausforderung. Samuel bekam den Auftrag, Gericht über der Familie seines Ziehvaters Eli auszusprechen. Mit Zittern und Zagen gehorcht er dem Willen und Auftrag Gottes. Sanftmütig und in Demut trägt er die heilige Last des Reformators und Propheten.

Nach der Berufung Samuels, wie man später das Ereignis dieser Nacht genannt hat, ist zwar vorerst äusserlich alles gleichgeblieben; aber etwas ist nun anders geworden: Es ist jetzt Gott, der in Silo zu reden angefangen hat. So wie nach grosser Trockenheit das reinigende Gewitter, bevor es losbricht, vereinzelte grosse Tropfen vorausschickt, so fängt Gottes Wort nun in Silo an zu geschehen. Aber nun hat Gott dem Samuel das Ohr geöffnet, ihn zu seinem Mund gemacht, zum Priester, Propheten und Hauptmann in einer Person, wie es seit Mose keinen mehr gab. «Und Samuel fing an zu predigen dem ganzen Israel» (1Samuel 3,21 Elb1905). Predigen, was ist das schon? Aber Gott ist jetzt in diesem Predigen gegenwärtig. «Der Herr erschien weiterhin in Silo und überbrachte Samuel dort in Silo Botschaften» (1Samuel 3,21 NL). Von Samuels Predigt heisst es: «Samuel aber wuchs heran, und der HERR war mit ihm und liess keines von allen seinen Worten zur Erde fallen» (1Samuel 3,19 Lut). Samuel hört, gehorchte, wurde gesegnet und wurde zum Segen. Nicht nur er, sondern sein ganzes Umfeld profitiert und wird verändert.

Ein Ausleger weist darauf hin, dass kein Prophet und Gottesmann bei seiner Berufung derart ahnungslos, so unbeholfen und «vernagelt» gewesen sei wie hier Samuel. Das ist normal! War Petrus am Tag von Pfingsten eine hochansehnliche Erscheinung? Und Paulus bei den Athenern, in Korinth, Ephesus und Rom? Wer war das Mönchlein vor dem Reichstag von Worms? Das ist die Ermutigung des Tages! Auch wenn du dich in der Kommunikation mit deinem himmlischen Vater unbeholfen oder gar überfordert fühlst: Das ist normal!

Und dann braucht es etwas Übung. Von all den Stimmen um mich herum, kenne ich die meiner Frau wohl am besten. Weil dem so ist, erkenne ich ihre Worte auch aus einem Stimmengewirr an einem Fest. So ist es auch mit der Stimme Gottes. Je mehr wir uns an sie gewöhnen, desto besser hören wir sie im Alltag. Es braucht also einen Start und dann viel Übung.

 

«Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich schenke ihnen das ewige Leben, und sie werden niemals umkommen» (Johannes 10,27f NL). Das ist die Frage beim Wunsch, Gottes Stimme zu hören: Sind wir überhaupt sein Schaf? Es ist das unfassbare Vorrecht eines Nachfolgers von Jesus, seine Stimme zu hören. Seine Stimme ist es, die in und um uns herum Leben schafft. Sie segnet uns macht uns zum Segen.

 

 

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: 1. Samuel 3,1-21

  1. Warum war die Worte Gottes damals «teuer»? Was für Hindernisse gab es für Gottes Reden?
  2. Was brauchte es, dass Samuel das Reden Gottes hören konnte?
  3. Nach dieser «Hörerfahrung» war das Leben von Samuel ein anderes. Was wurde bei ihm freigesetzt?
  4. Was müsstest du in deinem Tagesablauf und den Prioritäten ändern, damit Gottes Wort in deinem Leben mehr Gewicht bekommt?
  5. Wie hörst du Gottes Worte in deinem Leben? Was machst du damit?