Macht das Sinn?

Datum: Sonntag, 8. Mai 2022 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Prediger 11,9

Jungen Menschen steht die Welt offen. Sie haben einen Grossteil ihres Lebens vor sich. Für was lohnt es sich zu Leben? Diese Frage stellt sich nicht nur Jugendlichen, sondern jedem Menschen. Für was lohnt es sich sein Leben zu investieren. Dabei sucht der Mensch in drei Bereichen vermeintliche Erfüllung. So suchen wir Sinn in dem was wir tun, in dem was wir besitzen, oder in dem, was andere von uns denken. Obwohl alle diese Dinge heutzutage geläufig und auch breit akzeptiert sind, so können sie nie endgültig die Sinnfrage klären. Nachfolger von Jesu haben eine andere Perspektive. Sie suchen nicht Bestätigung in diesen drei Dingen. So zeigt sich ihr Glaube in dem was sie tun. Sie erkennen, dass Gottes Gnade alles ist, was sie brauchen. Ausserdem wissen sie, dass sie Gottes geliebte Kinder sind und dies alle Anerkennung ist, die sie gebrauchen.


Ich persönlich bin in einer Familie aufgewachsen, für die der Glaube an Jesus Christus und die Nachfolge von ihm sehr zentral war. So ging ich auch in eine Jugendgruppe, wo ich mit Gleichaltrigen Jesus näher kennenlernte. Ich ging grundsätzlich gerne dorthin, doch es gab teilweise Begegnungen, die mich sehr verletzten. Ich war und bin bis heute ein sehr lebensfroher Mensch. Ich bin gerne unter Leuten und gebe auch ab und zu den Clown. Ich lache fürs Leben gerne und ja, meistens auch sehr laut. Doch meine Art kam leider nicht immer gut an und oftmals wurde ich in der Jugendgruppe zurechtgewiesen. Ich solle doch nicht so laut lachen, nicht so auffallen, ja einfach ruhiger sein. Dies verletzte mich sehr und gab mir leider auch ein wenig das Bild mit, dass die Nachfolge von Jesus nur begrenzt etwas mit Freude zu tun hat. Doch mittlerweile weiss ich und bin überzeugt, dass die Nachfolge von Jesus riesig Spass machen kann.

1. Freue dich und geniesse dein Leben!

In Prediger 11,9 steht folgendes: «Freu dich an deiner Jugend, junger Mann, und leb unbeschwert in deinen jungen Jahren! Schlag den Weg ein, zu dem dein Herz sich hingezogen fühlt, und tu, was deinen Augen gefällt» (Prediger 11,9a NLB). Beim Verfasser des Predigers handelt es sich um den israelischen König Salomo. König Salomo gilt innerbiblisch als einer der wohlhabendsten Männer. Er hatte grossen Besitz und Einfluss. Doch Salomo war nicht nur König, sondern auch Poet. So hat er unter anderem auch das Predigerbuch geschrieben. Das Predigerbuch gibt Lebensratschläge. Der Grundtenor des Buches ist, dass das Leben sinnlos und bedeutungslos ist. Es gibt nichts, was über das Leben hinaus geht, wofür es sich lohnt zu kämpfen, zu leben oder zu sterben. Daher dringt immer wieder der eine Ratschlag hervor: Freue dich und geniesse dein Leben! Insbesondere die Jungen Menschen sollen sich angesichts der Sinnlosigkeit des Lebens, welches noch vor ihnen steht, freuen und jeden Tag geniessen.

Vielleicht mag dies ein wenig Paradox erscheinen, dass angesichts einer hoffnungslosen Welt der Rückschluss gezogen wird, dass man sein Leben in vollen Zügen geniessen soll. Doch dieses Motto «Freue dich und geniesse dein Leben» ist auch heute, zumindest in der westlichen Kultur, die grosse das Leben bestimmende Ideologie. Auch wir leben in einer Welt in der vieles drunter und drüber geht. Die Zukunftsaussichten stehen nicht mehr nur auf Sonnenschein. Vieles ist ungewiss. Klimawandel, zunehmende kriegerische Aktivitäten in Europa, Zerbruch in den Familien, extrem harte Gangweisen in der Politik. All dies und noch vieles mehr gäbe genügend Anlass innezuhalten. Doch auch unsere westliche Welt hat im Grossen und Ganzen eine Antwort gefunden: Geniesse dein Leben, mach was du willst und dir guttut.

Diese Idee wird auch als eine philosophische Lehre bezeichnet, die Hedonismus genannt wird. Die Definition von Hedonismus ist eine «in der Antike begründete philosophische Lehre, Anschauung, nach der das höchste ethische Prinzip das Streben nach Sinnenlust und -genuss ist, das private Glück in der dauerhaften Erfüllung individueller physischer und psychischer Lust gesehen wird» (Definition von Oxford Languages). Tue das, was du willst und es wird dir gutgehen und dies wird deinem Leben Sinn geben. Dies klingt ähnlich wie die Definition des Predigers. Dies ist der innere Antrieb für alles was wir tun. Wir wollen unserem Leben Sinn verleihen. Dies mag vielleicht unterschiedlich aussehen, doch wir wollen, dass unser Leben Sinn ergibt. Die Sinnfrage treibt uns an.

Die Botschaft des Predigers hört aber nicht hier auf, sondern geht weiter. Vorhin habe ich euch den zweiten Teil des Verses vorenthalten. Dort steht «Aber vergiss nicht, dass du dich vor Gott für alle deine Taten verantworten musst» (Prediger 11,9b NLB). Salomo führt hier eine Instanz ein, welche schlussendlich einmal die Sinnhaftigkeit aller meiner Taten betrachtet. Ein wenig anders wird dies im 1. Korintherbrief ausgedrückt. «Mir ist alles erlaubt. Aber nicht alles ist gut. Es ist mir zwar alles erlaubt, doch ich will mich von nichts beherrschen lassen» (1. Korinther 6,12 NLB). Der Gott der Bibel hat uns wunderbar geschaffen. Er hat jeden einzelnen von uns gewollt und dieser Gott wünscht sich nichts mehr, als dass wir ihn an erster Stelle haben. Wir dürfen uns freuen und das Leben geniessen, sollen aber immer in allem die Freiheit haben auf der Stelle aufzuhören, weil es uns nicht definiert. Das Leben steht immer in dieser Spannung, zwischen dem zu tun, was ich selbst will und die Verantwortung für meine Taten zu übernehmen.

2. Drei (vermeintlich) lohnende Lebensaufgaben!

Damit unser Leben Sinn ergibt, investieren wir viel. Dabei gibt es drei Lebensaufgaben, die uns schnell einnehmen können und die unserem Leben vermeintlich Sinn ergeben. Diese mögen zwar auf den ersten Blick sinnvoll sein, doch wenn sie unsere Leben bis aufs Letzte antreiben, dann pervertiert das Ganze.

Die erste vielversprechende Sinnsuche heisst: Ich bin was ich tue. Die Definition verläuft über mein Tun. Was mich ausmacht ist das, was ich leisten kann. Meine Leistungsfähigkeit steht im Mittelpunkt. Wenn dies das Leben antreibt, dann werde ich als fleissig und gewissenhaft wahrgenommen. Ja meine Taten glänzen und alle sind stolz auf mich. Als Angestellter schätzt man mich, da ich alles gewissenhaft erfülle und meine Leistungen Top sind. Doch wenn ich mein Leben an meiner Leistung festmache, dann kann dies irgendwann auch negative Auswirkungen haben. Damit ich die Top-Leistung erbringen kann stehe ich anderen auf die Füsse, versperre ihnen den Weg. Ich tue dies ganz bewusst, auch gerade dann, wenn sie etwas besser können als ich. Ich tue alles, damit ich meinen Status, und damit auch den Sinn meines Lebens, erhalten kann. Menschen, die sich über das Tun definieren stehen bei einem Stellenverlust oder spätestens, wenn sie in Rente kommen vor einem Scherbenhaufen ihres Lebens. Denn der Sinn ist weg.

Die zweite Strategie, um dem eigenen Leben Sinn zu geben, ist diejenige, dass ich mich über meinen Besitz definiere. Ich bin was ich besitze. Dadurch wird Reichtum und Besitz als Lebensziel angesehen. Ziel ist es ein Haus zu haben, natürlich möglichst schön, gross und extravagant. Ein Auto, bei dem mir alle immer nur nachsehen oder irgendetwas anderes, welches meinem Leben Sinn verleiht. Andere Menschen sehen, dass ich erfolgreich bin. Sie bewundern mich für das was ich erreicht habe. Leute schauen mich vielleicht sogar ein wenig eifersüchtig an. Doch das Problem an dieser Strategie ist, dass ich mein Herz an meinen Besitz hänge. Es geht irgendwann nur noch darum mehr zu besitzen. Doch wenn ich mehr habe, will ich auch immer mehr. Dies kann sein, dass ich sprichwörtlich über Leichen gehe, da mir das Empfinden und die Bedürfnisse anderer egal sind, solange ich nur mehr Statussymbole anhäufen kann.

Die dritte Möglichkeit, in der ich Sinn für mein Leben suchen kann, ist, indem ich mich über das definiere, was andere über mich denken. Ich bin was andere über mich denken. Wichtig ist was Menschen, auch Fremde von mir halten. Plötzlich werden Follower auf Social Media zum Sinnspender. Ich bin so viel wert, wie Leute mir nacheifern. Wenn dies die Sinnsuche des Lebens ist, dann behandle ich die Menschen immer zuvorkommend. Ich begegne Menschen liebevoll und tue so einiges, damit sie mich mögen. Doch die Schwierigkeit stellt sich darin, dass ich wie ein Fähnchen im Wind bin. Solange ich bei den Menschen gut ankomme, tue ich alles. Ich verdrehe die Wahrheit, ich gebe etwas vor zu sein was nicht ist. Hauptsache andere mögen mich. Ich versuche so gut wie möglich Menschen von meinem Innersten wegzuhalten. Denn wenn sie mich so richtig kennen würden, dann befürchte ich, dass sie mich nicht mehr mögen könnten.

Alle drei Strategien wirken vordergründig sehr gut und erstrebenswert. In unserem Umfeld gibt es genügend Vorbilder, welche eine oder mehrere dieser Aufgaben ausleben. Was ist denn verwerflich erfolgreich im Beruf, Kindererziehung, Sport oder in der Schule zu sein? Was ist falsch daran gleiche Dinge zu besitzen, wie dies viele andere tun? Weshalb sollte ich nicht bei Menschen beliebt sein, anstatt das sich alle über mich aufregen? Die Herausforderung bei diesen Dingen ist nicht, dass sie per se schlecht sind, sondern dass ich mein Herz daran hänge und dadurch versuche meinem Leben Sinn zu geben. Obwohl Menschen mich dafür bewundern, können diese Dinge nicht mein inneres Loch auffüllen. Die Frage bleibt, was macht mich aus?

3. Verantwortung tragen!

Jeder Mensch trägt für sich selbst die Verantwortung, welches Lebensziel verfolgt wird und was als wichtig erachtet wird. Am heutigen Tag bekommt ihr drei nicht nur viele Geschenke und verbringt Zeit mit euren Familien bei einem guten Essen. Ab dem heutigen Tag seid ihr religiös mündig. Ihr dürft selbst entscheiden, wie ihr die Sinnfrage in eurem Leben beantworten wollt. Dabei habt ihr verschiedene Möglichkeiten. Ihr könnt euch für eine der verschiedenen Religionen entscheiden oder auch sagen, dass ihr mit keiner Religion etwas am Hut haben wollt. Wird dieser Weg eingeschlagen, dann wird aber wohl einer der vorherigen drei Lebensaufgaben verfolgt, um dem Leben Sinn zu geben. Ihr könnt euch auch entscheiden als Namenschrist unterwegs zu sein. Das würde dann bedeuten, dass ihr kulturell und in gewissen Entscheiden so handelt, wie es in der Bibel steht. Vielleicht besucht ihr auch einen Gottesdienst, lest die Bibel und betet von Zeit zu Zeit. Aber der Glaube hat keine grosse sinnstiftende Funktion in eurem Leben, sondern ihr bleibt bloss aus der Tradition mit dabei. Oder aber ihr entscheidet euch dafür, keiner Religion, sondern Jesus Christus selbst zu folgen. Ihr entscheidet euch, euer Leben in die Nachfolge von Jesus zu stellen. Mein Wunsch für euch drei, aber auch für alle anderen Menschen, ist es, dass ihr euch für diesen Weg entscheidet. Dies weil ich überzeugt davon bin, dass er die Sinnfrage löst und auch drei gute Gegenentwürfe zu den drei sehr häufig verbreiteten Lebensentwürfen unserer Zeit bietet. Diese alle entstehen aus der Beziehung zu Jesus Christus. Alle drei greifen ineinander und gehören zusammen.

Der erste ist, dass sich die Nachfolge in guten Taten zeigt. Ein Nachfolger von Jesus Christus ist ein Täter des Guten. «Es reicht nicht, nur Glauben zu haben. Ein Glaube, der nicht zu guten Taten führt, ist kein Glaube - er ist tot und wertlos» (Jakobus 2,17 NLB). Nachfolger von Jesus sollen durch ihre gute Arbeit auffallen. Fleiss und Gewissenhaftigkeit ist gut. Aber dabei gehe ich nicht über andere hinweg. Ich sehe mich als Teil von etwas grösserem und unterstütze andere und, das vielleicht schwierigste, ich helfe anderen, dass sie Dinge noch besser tun können als ich.

Ausserdem ist ein Nachfolger von Jesus nicht von irgendwelchem Besitz abhängig. Das Einzige was wichtig ist und zählt, ist die Gnade Gottes. «Jedes Mal sagte er: ‚Meine Gnade ist alles, was du brauchst. Meine Kraft zeigt sich in deiner Schwäche.‘ Und nun bin ich zufrieden mit meiner Schwäche, damit die Kraft von Christus durch mich wirken kann» (2. Korinther 12,9 NLB). Die Gnade Gottes zeigt sich darin, dass er mich so liebt wie ich bin. Gott möchte, dass er mir auch wichtig ist. Menschen, die sich auf Gott einlassen und ihr Leben für ihn leben wollen, machen nicht alles gut oder auch nicht besser als andere. Aber sie sind besser dran. Denn dort, wo sie schwach sind, zeigt sich Gottes Stärke.

Im Gegensatz zum Suchen der Anerkennung bei den Menschen, suchen Nachfolger von Jesus Christus ihre Anerkennung bei Gott. Auf der Sinnsuche gehen wir Menschen immer wieder Wege ein, welche so nicht gedacht sind. Doch der Mensch ist darauf ausgelegt, seinen Sinn bei Gott zu finden. Der Mensch wurde als Ebenbild Gottes geschaffen und zielt darauf hin, Gemeinschaft mit Gott zu haben. Doch die Sinnsuche in anderen Dingen als bei Gott bezeichnet die Bibel als Sünde. Gott wünscht sich, dass wir ihm vollkommen nachfolgen. Der Glaube an ihn, ist alles was es braucht, um von Gott angenommen zu sein. «Und Abram glaubte dem Herrn und der Herr erklärte ihn wegen seines Glaubens für gerecht» (1. Mose 15,6 NLB). Gerecht erklären heisst, dass Gott uns vergibt, dass wir nicht bei ihm nach dem Sinn des Lebens gesucht haben. Der Glaube des hier beschriebenen Abram zeigte sich daran, dass sich sein Glaube im Vertrauen und im Handeln zu diesem Gott zeigte.

Nicht durch irgendein Tun bin ich vor Gott angenommen. Sondern allein durch Gnade. Dadurch, dass ich ihm Glauben schenke, also anerkenne, dass ich allein nicht in der Lage bin die Sinnfrage in meinem Leben zu stillen. Dies prägt mein Leben und zeigt sich wiederum in meinem Handeln.

Ja es kann immer sein, dass ihr drei in eurem Leben Besitz habt, Karriere macht und euch Leute gerne haben. Doch dies alles kann die Sinnfrage in euch nie füllen. Aber ein Leben mit Jesus im Zentrum lohnt sich auf jeden Fall. Und dies nicht erst, wenn man graue Haare hat. «Denk an deinen Schöpfer, solange du jung bist. Warte damit nicht, bis du alt bist, die Tage für dich beschwerlich werden und die Jahre kommen, von denen du sagen musst: ‚Sie gefallen mir nicht!‘» (Prediger 12,1 NLB). Ein Leben als Nachfolger von Jesus lohnt sich. Es lohnt sich insofern, als dass es deinem Leben Sinn ergibt. Du musst nicht mehr der beste sein, du musst nicht mehr das meiste haben, du musst nicht mehr der beliebteste sein. Du darfst einfach Nachfolger sein und dich auf den Weg machen. Habe Freude an deinem Leben, an einem Leben, welches Sinn macht.

Mögliche Fragen für die Kleingruppe

Bibeltext lesen: Prediger 11,9-12,1

  1. Hast du ein Motto für dein Leben? Was treibt dich an?
  2. Fühlst du dich vom Konzept des Hedonismus angezogen? Was besonders macht diese Ideologie für dich interessant?
  3. Welche der drei (vermeintlich) lohnenden Lebensaufgaben spornt dich an? (Ich bin was ich tue; Ich bin was ich besitze; ich bin was andere von mir denken). Weshalb?
  4. Was macht es für dich so schwer, dass du, anstatt Jesus Christus vollkommen nachzufolgen, lieber dieser Lebensaufgabe nacheiferst?
  5. Wo ist es dran in deinem Leben eine andere Sichtweise zu bekommen? Definition über das Tun (Lies Jakobus 2,17). Definition über den Besitz (Lies 2. Korinther 12,9). Definition über das, was andere von mir denken (1. Mose 15,6).