Lehrbeginn beim Meister daheim
Sonntag, 11. August 2019

Lehrbeginn beim Meister daheim

Prediger/in:
Passage: Matthäus 28,16-20
Dienstart:

Jesus fordert seine Nachfolger auf, «die Völker zu Jüngern zu machen». Ein Jünger damals war wie ein Lehrling bei uns vor 70 Jahren. Damals wurde ein Lehrling Teil der Familie des Meisters, er schaute ihm zu und lernte, wie man eine Sache macht, um sie dann selbst zu tun. Um diesen grossen Auftrag auszuführen, sollen Christen gehen, taufen und lehren.


 

Im Ostschweizer Tagblatt berichtet ein Mann namens Konrad Bösch: «Bald kommt wieder die Zeit, da die Lehrstellen neu besetzt werden. Für viele beginnt ein neuer Lebensabschnitt. So habe ich mir in Erinnerung gerufen, wie es war, als ich mit jungen 15 Jahren meine Lehrstelle 1942 antrat. Gegen das Ende des neunten Schuljahres kam dann die Berufswahl. Da ich gerne mit Holz arbeitete, kam etwas in dieser Richtung in Frage. Durch ein Inserat in der Zeitung fand ich eine Lehrstelle als Wagner in Erlen (Thurgau), auf einem kleinen Bauernhof. Mein Lehrmeister, ein mittelalter Mann, hatte eine Familie, Frau und fünf Töchter im Alter von 4 bis 17 Jahren. Zum Geschäft gehörte ein kleiner Bauernbetrieb mit einigen Kühen. Die Werkstatt war in diesem Haus integriert. Damals war üblich, dass der Lehrling Kost und Logis beim Meister hatte.»

Im Fernseher wurde kürzlich der Satz geäussert, dass die Berufslehre der Königsweg der Bildung sei. Das ist nichts Neues, denn das duale Bildungssystem wurde bereits von Jesus postuliert. In der Bibelsprache werden Lehrlinge noch als «Jünger» bezeichnet. Nach seiner Auferstehung sprach Jesus einen Auftrag aus: «Darum geht zu allen Völkern und macht sie zu Jüngern. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alle Gebote zu halten, die ich euch gegeben habe» (Matthäus 28,19f). Diese Aufforderung beinhaltet vier Tätigkeiten: Gehen, zu Jüngern machen, taufen und lehren.

Von diesen vier Verben steht nur «macht sie zu Jüngern» im Imperativ. Die anderen drei Verben sind Partizipien. Man könnte dies so übersetzen: «Macht die Völker zu Jüngern, indem ihr geht, tauft und lehrt.» Oder: «Gehend, taufend und lehrend sollt ihr Menschen zu Lehrlingen von Jesus machen.»

Das Ziel ist also Jünger oder Lehrlinge, die bei Jesus und seiner Familie einziehen, eine neue Heimat finden, um möglichst ganzheitlich in Wort und Tat vom Meister zu lernen.

Gehend

Heuten senden wir Familie Burger aus. Sie gehen zu einem anderen Volk, um dort Menschen eine neue Heimat bei Jesus anzubieten. Jesus gibt den Auftrag zwar seinen elf verbliebenen Freunden, gemeint sind aber alle Nachfolger von Jesus. Gehend meint nicht, dass wir alle unsere Heimat verlassen müssen, sondern dass wir innerlich zum Nächsten aufbrechen, dass wir nicht nur reagieren, sondern auch agieren. Dank den neuen Medien können Menschen auf der ganzen Welt leichter mit dem Evangelium erreicht werden, ohne dass sich zu ihnen aufmacht. Aber – die gute Nachricht soll zu allen Völkern. Der Glaube an Jesus Christus ist zwar persönlich, aber niemals privat. Jesus sprach: «Wenn der Tag anbricht, dann schreit hinaus, was ich euch heute in der Dunkelheit sage. Ruft von allen Dächern, was ich euch in die Ohren flüstere, damit jeder es hören kann» (Matthäus 10,27)!

Wer soll gehen? Manche meinen, dass man für diese Aufgabe einen Pastor bezahlt. Aber ist das nicht so, als würde man einem Ertrinkenden sagen: «Bitte warte noch, bis der Bademeister kommt»? «Wann kommt er denn», ruft der Ertrinkende. «Im Moment ist er noch mit Beerdigungen, Predigten und Sitzungen überlastet.» «Dann wirf du mir doch den Rettungsring zu!», schreit der Ertrinkende. «Das wurde mir nicht beigebracht», ist das Letzte, was der Sterbende hört.

Der Auftrag geht an die Starken und Zweifelnden. «Als sie ihn sahen, beteten sie ihn an - aber einige zweifelten immer noch» (17). Unter den Lehrlingen von Jesus gab es Zweifler. Jesus geht nicht einmal darauf ein, sondern gibt auch ihnen den Auftrag, Lehrlinge für Jesus zu vermitteln. Könnte es sein, dass genau dies das beste Rezept gegen Zweifel ist?! Anstatt sich um die eigene Befindlichkeit zu drehen, Teil von etwas viel Grösserem zu werden? Liegt darin vielleicht das Potenzial, unsere Zweifel zu beseitigen?

Gehen bzw. agieren tut man auch, wenn man jemanden zu einem Anlass in der Kirche einlädt. Unser nächster Talk vom 1. September ist eine hervorragende Möglichkeit dazu. Das Gehen beginnt mit dem Gebet. Die Erfahrung zeigt: Wenn man anfängt, darum zu beten, dass man selbst jemanden zum Glauben führen darf, dann geschieht es! Vielleicht nach sieben Tagen, sieben Monaten oder sieben Jahren. Aber es geschieht. Generell gilt die Regel, dass man bei Leuten, die einem nahestehen, mehr beten als reden soll. Wenn die Fronten mal bezogen sind, kann penetrantes Reden das Gegenteil des Beabsichtigten bewirken. Da braucht es viel Fingerspitzengefühl.

Zu Jüngern machen

Ein Jünger ist also einer, der Teil einer neuen Familie wird. Christus ist der Meister. Nun geht es darum, als Lehrling dem Meister zuzuschauen und zu lernen, wie man eine Sache macht, um sie dann selbst zu tun. Ein Lehrling konnte es früher mit der Meisterfamilie auch ziemlich arg treffen. Das ist bei Jesus anders. Er ist das mit Abstand beste Zuhause. Jesus begegnet allen unseren Bedürfnissen nachhaltig und schenkt uns eine lebendige Hoffnung, die weit über unser irdisches Leben hinausgeht.

Genau dies ist der Grund, weshalb wir Menschen in ein Lehrverhältnis mit Jesus vermitteln sollen. Es geht nicht um Banalitäten oder um die Maximierung des Spassfaktors, es geht um echte Heimat, um eine Existenz, die den Tod überdauert. Paulus sagt: «Deshalb seid ihr nicht länger Fremde und ohne Bürgerrecht, sondern ihr gehört zu den Gläubigen, zu Gottes Familie» (Epheser 2,19). Und an anderer Stelle: «Aber unsere Heimat ist der Himmel, wo Jesus Christus, der Herr, lebt» (Philipper 3,20).

Wenn heute jemand ein Lehrverhältnis eingeht, stellt das lediglich einen Start ins Berufsleben dar. Schon bald nach der Lehre ist vielleicht ganz etwas anderes dran. Die Entscheidung, ein Lehrverhältnis mit Jesus einzugehen, ist dauerhaft und somit von ungleich grösserer Tragweite.

Taufend

Am Ende einer Berufslehre gibt es ein Fähigkeitszeugnis EBA oder EFZ. Manche glauben, dass die Taufe so etwas wie ein Fähigkeitsausweis ist. Wenn man genug gelernt hat, alle Zweifel beseitigt und die Abschlussprüfung bestanden hat, lässt man sich taufen. Die Taufe ist aber keine Urkunde für etwas Vollbrachtes, sondern vielmehr so etwas wie der Lehrvertrag zu Beginn der Ausbildung. Gleich nach dem Gehen und noch vor dem Lehren kommt das Taufen.

Paulus vergleicht die Taufe mit dem Durchzug des Volkes Israel durch das Schilfmeer. Das Schilfmeer war eine der ersten Stationen nach dem Auszug aus Ägypten. Anschliessend folgte die jahrelange Wüstenwanderung mit dem Ziel des Gelobten Landes. Im Schilfmeer schüttelten sie ihre Feinde, die Ägypter ab, so dass sie von dort an den Rücken freihatten.

Genau das bewirkt die Taufe. Einerseits ist es die Besiegelung des Lehrverhältnisses und andererseits hält sie uns auf dem Weg mit Jesus den Rücken frei. Darauf sollte niemand verzichten. Jesus sagt: «Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden. Wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden» (Markus 16,16). Jesus geht in einer grossen Selbstverständlichkeit davon aus, dass Glaubende zu Beginn ihres Weges mit Jesus auch getauft werden.

Lehrend

«Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alle Gebote zu halten, die ich euch gegeben habe.» Lehrend sollen Lehrlinge gemacht und ausgebildet werden. Es liegt also nicht die ganze Arbeit der Ausbildung beim Lehrmeister, sondern auch bei den Mitstiften der oberen Jahrgänge. Das Lehren soll die Praxis miteinbeziehen. Es geht nicht nur darum, alle Gebote zu kennen, sondern sie zu halten. Dies erfordert ein ganzheitliches Lehren. Unser Leben soll ein Vorbild abgeben, was es bedeutet, im christlichen Glauben zu leben. Eine Lehrveranstaltung, wie Gottesdienste es sind, sind unzulänglich. Vielleicht ist genau dies unser Problem. Wir sind Hörer des Wortes und nicht Täter.

Dabei hat Jesus kaum ein Thema so oft wiederholt wie dieses. Einmal benutzte er dazu ein starkes Gleichnis. Eine Person, die Gottes Worte hört, aber nicht tut, ist wie ein Mann, der sein Haus auf Sand baut. Ein Lehrling hingegen, der Gottes Worte hört und tut, baut sein Haus auf Felsen. Auf die Dauer hat nur das Haus auf Felsen eine Überlebenschance.

Daher ist es gut, wenn Familie Burger vor Ort ist und den Menschen zeigt, wie man die Gebote hält. Paulus bei den Thessalonichern: «Denn als wir euch die gute Botschaft brachten, geschah das nicht nur mit Worten, sondern auch mit Kraft, denn der Heilige Geist gab euch die Gewissheit, dass wir euch die Wahrheit sagten. Und ihr wisst auch noch, dass wir euch zuliebe so unter euch gelebt haben. Ihr seid unserem Beispiel ebenso gefolgt wie dem des Herrn» (1. Thessalonicher 1,5f).

 

Willst du mehr von der Vollmacht Jesu erleben? Willst du mehr seine Nähe erfahren? Dann solltest du dich an «Macht die Völker zu Jüngern» beteiligen. Unmittelbar vor der Auftragserteilung sagt Jesus: «Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben» (16). Unmittelbar danach verspricht er: «Ich bin immer bei euch bis ans Ende der Zeit» (20b). Beides werden wir erfahren, wenn wir uns auf die geheimnisvolle Zusammenarbeit mit dem himmlischen Vater einlassen. In der Bibel steht nämlich: «Niemand kann zu mir kommen, wenn der Vater ihn nicht zu mir zieht» (Johannes 6,65). Wir sind herausgefordert, uns im Wissen ganz für diese Mission einzusetzen, dass wir es nicht tun können. Das treibt uns ins Gebet. Es geht um viel!

 

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Matthäus 28,16-20

  1. Was ist ein Jünger von Jesus? Inwiefern hilft das Bild eines Lehrlings vor 50 Jahren den Sachverhalt zu verstehen?
  2. Der Auftrag, Menschen zu Jüngern zu machen, gilt auch dir? Was empfindest du bei diesem Gedanken?
  3. Was bedeutet das «Gehend» für dich? Wie könntest du die Initiative für andere Menschen ergreifen?
  4. Wo ist der Platz der Taufe im Leben eines Nachfolgers Jesu?
  5. Warum ist der Auftrag, Menschen mit Jesus in Verbindung zu bringen, so relevant?

Eine kleine Übung: Setze ein Gebot der Bibel konkret in die Tat um!