Jonatan – Gottes Träume leben

Datum: Sonntag, 25. Oktober 2020 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: 1. Samuel 14,1-23

Jonatan ist ein Mann – im Gegensatz zu seinem Vater König Saul – der durch seinen Glauben Gottes Träume lebt. Im Angesicht einer gewaltigen Übermacht trifft er den Entscheid, Gottes Ziele zu verfolgen. Jonatan macht deutlich, dass Initiative und Risikobereitschaft geistlich wertvolle und notwendige Eigenschaften sind. Seine Überzeugung lautet: «Es ist dem HERRN nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen» (1Samuel 14,6). Eindrücklich erlebte Jonatan dies zusammen mit seinem loyalen Waffenträger.


Um 1000 vor Christus hatten israelitische Stämme Saul zum König gewählt. Damals waren die Philister ihr Hauptfeind. Sie waren zahlenmässig und militärisch weit überlegen. Israel war komplett entmilitarisiert. Die Philister hatten ihnen alle Waffen genommen. So standen an jenem schicksalshaften Tag 600 primitive ausgerüstete Männer Zehntausenden von hochgerüsteten Philistern gegenüber. «So kam es, dass mit Ausnahme von Saul und Jonatan kein einziger Israelit am Kampftag ein Schwert oder einen Speer besass» (1Samuel 3,22 NL). Alle anderen mussten sich notfalls mit Sensen, Beilen und anderen Gerätschaften bewaffnen. Im Zuge der totalen Entmilitarisierung hatten die Philister ein Berufsverbot für Schmiede verhängt. Wollten die Israeliten landwirtschaftliche Geräte oder Werkzeuge erwerben oder reparieren, Beile oder Sensen schärfen, mussten sie zu den Schmieden der Philister gehen. Diese nahmen aber horrende Preise. Das Richten oder Schärfen eines Pflugschars oder Spatens kostete 2/3 eines Schekels. Ein Schekel wog 11g Silber, so dass 2/3 eines Schekels 7g Silber ergaben. Das war für das Schärfen eines Werkzeugs ein horrender Preis. Die Israeliten waren derart eingeschüchtert, dass 80 Prozent der Soldaten aus Sauls Heer desertierten. Übrig blieben 600 Mann. Die Philister lagerten mit ihrem Heer hinter einer Bergkuppe, obendrauf standen Wachen. Gegenüber befanden sich Sauls Sohn Jonatan und sein Waffenträger.

Risikoreich entscheiden

«Eines Tages sagte Jonatan, der Sohn Sauls, zu seinem jungen Waffenträger: ‘Komm, wir wollen zum Posten der Philister dort drüben gehen.’ Seinem Vater sagte Jonatan jedoch nicht, was er vorhatte» (1Samuel 14,1 NL). Jonatan trifft eine risikoreiche Entscheidung, von der sein Vater nichts erfahren sollte. Im Gegensatz dazu steht: «Saul und die 600 Männer, die bei ihm waren, lagerten am Rand des Gebietes von Gibea unter dem Granatapfelbaum in Migron. Unter ihnen befand sich auch der Priester Ahija, der den leinenen Priesterschurz trug. Ahija war der Sohn von Ikabods Bruder Ahitub; dieser war ein Sohn von Pinhas und Enkel von Eli, der als Priester des Herrn in Silo gedient hatte. Niemand bemerkte, dass Jonatan weggegangen war» (1Samuel 14,2+3 NL). Im Kontrast zu Jonatan lagert sein Vater passiv unter dem Granatapfelbaum. Zwar lieferte der Baum Schatten und süsse Früchte, aber es war nicht der Ort, wo Saul als Anführer eines bedrohten Volkes sein sollte. Gerade noch mass er sich an, Gott selbst ein Brandopfer zu bringen, weil der Priester Samuel Verspätung hatte (1Samuel 13,9 NL). Nun sitzt er unter dem Granatapfelbaum das Problem aus. Saul hatte das Gespür, im Gleichschritt Gottes zu gehen, verloren. Zwar tat er religiöse Dinge, aber er vertraute dem HERRN nicht.

Mit ihm zusammen war der Priester Ahija. Die direkten Vorfahren von Ahija sind Ahitub, Pinhas und Eli. Bezeichnenderweise erscheint zusätzlich Onkel Ikabod in der Aufzählung. Ahijas Grossvater Pinhas war ein übler Priester. Er vergewaltigte beim Tempel Frauen und bediente sich von den besten Stücken des Opferfleisches. Als Strafe fiel er in einer Schlacht gegen die Philister. Gleichzeitig wurde das Volk Israel der Bundeslade beraubt. Als die Frau von Pinhas hörte, dass ihr Mann tot und die Lade Gottes erbeutet sein, setzten bei ihr Wehen ein. Bei der Geburt ihres Sohnes starb sie. Die Frauen, die dabei waren, nannten den Jungen Ikabod, was «Israels Herrlichkeit ist vergangen» (1Samuel 4,21) bedeutet. Die Nennung dieses Namens bedeutet, dass der Segen Gottes nicht bei den Leuten unter dem Granatapfelbaum war. Saul hatte einen klaren Auftrag: Er sollte das Land von den Feinden Israels befreien. Zudem gab der HERR das Versprechen, dass sie die Philister besiegen werden (1Samuel 12,14).

Sitzen wir nicht oft auch lieber passiv unter dem Granatapfelbaum, anstatt eine Entscheidung zu treffen? Wer keine Entscheidung trifft, obwohl der Wille Gottes klar ist, steht in der Gefahr, die Herrlichkeit Gottes zu verlieren. Das ist viel gefährlicher, als im Gleichschritt mit Gott in die Kampfzone zu gehen.

Mutig loslegen

«Und Jonatan sprach zu seinem Waffenträger: Komm, lass uns hinübergehen zu der Wache dieser Unbeschnittenen! Vielleicht wird der HERR etwas für uns tun, denn es ist dem HERRN nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen» (1Samuel 14,6 Lut).

Was für ein Kamikaze-Unternehmen! Wenn Jonatan auf die Umstände geschaut hätte, hätte er wohl nicht losgelegt. Das Fürstentum Lichtenstein greift auch nicht die USA an. Jonatan blickte nicht auf die Übermacht, die zahlenmässige Überlegenheit der Philister oder die militärische Unterlegenheit der Israeliten. Er vertraute allein auf Gottes Möglichkeiten. Jonatan verkörpert: «Manche Völker verlassen sich auf ihre Heere und Waffen, wir aber vertrauen dem Herrn, unserem Gott» (Psalm 20,8 NL).

«Denn es ist dem HERRN nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen» (1Samuel 14,6b Lut). Vom hebräischen Wort für helfen (jascha) leitet sich der Name Jesus (jeschua) ab: Gott hilft uns durch den gekreuzigten und auferstandenen Jesus. Jonatan war bereit für die Sache zu sterben, von deren Richtigkeit er überzeugt war. Der Sieg über die Philister war eine Verheissung, die nur darauf wartete, in Besitz genommen zu werden. Jonatan war so zuversichtlich, dass sein Tun im Einklang mit Gottes Zwecken stehe, dass er nichts weiter als ein Zeichen brauchte, das sagte: «Geh weiter.»

«‘Gut’, meinte Jonatan. ‘Wir gehen zu den Männern hinüber und zeigen uns ihnen. Wenn sie zu uns sagen: Bleibt, wo ihr seid, bis wir bei euch sind’, bleiben wir stehen und gehen nicht zu ihnen hinauf. Wenn sie aber sagen: Kommt herauf zu uns, gehen wir hinauf. Das soll das Zeichen des Herrn sein, dass er uns hilft, sie zu besiegen.’» (1Samuel 14,8-10 NL).

Jonatan verkörperte das Herz Gottes und ging in Übereinstimmung mit Gottes Zielen voran. Es war, als hätte Gott seinen Absichten Fleisch und Blut gegeben. Anstatt ikabod unter dem Granatapfelbaum auf ein Zeichen wartend, ging er voran, so gut er es wusste. Die Bestätigung kam mitten im Tun. Kann es sein, dass wir zu Gott gesagt haben: «Ich tue nichts, riskiere nichts und gehe nirgendwohin, bis du mir ein Zeichen gibst?» Haben wir uns entschieden, in Sicherheit, Komfort und Bequemlichkeit zu leben, und diesen Lebensstil damit gerechtfertigt, dass wir keine Zeichen bekommen haben, anders zu leben?

Was würde passieren, wenn wir das erste Wort Jesu in seinem Missionsbefehl, «Geht!», als die einzige Erlaubnis verstehen würden, die wir brauchen, um Gottes Willen zu tun. Wie anders wäre unser Leben, wenn wir von einem riesigen JA und nicht von einem riesigen NEIN ausgingen? Auch ohne spezielle Einladung, sind wir nie ohne Auftrag oder Berufung. Jeder Nachfolger Jesu hat die oberste Direktive, seinen Herrn auf dieser Erde zu repräsentieren. Oft, wenn wir behaupten, dass wir auf Gott warten, wartet er in Wirklichkeit auf uns. Denken wir daran, Adam und Eva hätten im Paradies unzählige gute Entscheidungen fällen können. Es gab nur eine schlechte Option. Vielleicht glauben wir Gottes Willen nicht zu kennen. Mir geht es so, dass mein Leben gar nicht ausreicht, um all das zu tun, zu dem Gott in der Bibel auffordert. Stell deine Skier in die Richtung von Gottes Zielen und gib Vorlage. Triff die Entscheidung, ganz Jesus zu vertrauen und dich taufen zu lassen! Schenke den Migranten in der Nachbarschaft ein Zeichen der Gastfreundschaft! Liebe deinen Ehepartner! Führe das Gespräch, das ansteht! Erzähle deinen Arbeitskollegen von Jesus! Du bist nicht berufen, Überlebender zu sein, sondern du sollst ein Eroberer sein. Jonatan lehrt uns, die grössten Herausforderungen frontal anzugreifen, statt vor ihnen davonzulaufen.

«Als sich die beiden den Posten der Philister zeigten, riefen diese: ‘Seht! Die Hebräer kriechen aus ihren Löchern, in denen sie sich versteckt hielten!’ Und sie riefen Jonatan und seinem Waffenträger entgegen: ‘Kommt herauf, wir werden euch eine Lektion erteilen!’ ‘Komm, klettere hinter mir’, sagte Jonatan zu seinem Waffenträger, ‘der Herr hat sie in die Hand Israels gegeben!’» (1Samuel 14,11+12 NL). Jonatan verstand die Warnung der Feinde als Zeichen von Gott, dass er weitergehen soll. Nichts konnte ihn aufhalten, vorwärtszugehen und das zu tun, was richtig war. Er trotzte den ungünstigen Umständen und der Angst.

Göttlich siegen

«Sie kletterten auf Händen und Füssen hinauf. Da prallten die Philister vor Jonatan zurück und sein Waffenträger, der hinter ihm ging, tötete sie. So töteten Jonatan und sein Waffenträger bei diesem ersten Angriff etwa 20 Mann auf einer halben Furchenlänge eines Joches Acker. Da brach im Heer der Philister Panik aus – sowohl im Lager als auch auf dem Feld, unter den Wachen und den Stosstrupps. Dann bebte die Erde und alle waren ausser sich vor Entsetzen über Gottes Handeln» (1Samuel 14,13-15 NL).

Die Philisterarmee bei Michmas und die Soldaten Sauls bei Geba waren durch ein felsiges Tal getrennt. Der Wachtposten der Philister hatte auf diesem höhergelegenen Felsplateau einen guten Überblick. Jeder Kriegsstratege weiss, dass es ein grosser Nachteil ist, wenn man von unten angreift. Um auf das Plateau zu gelangen, mussten die beiden Soldaten mit Händen und Füssen hinaufklettern. Die Philister beherrschten das hochgelegene Plateau mit 20 schwerbewaffneten und kampferprobten Wachsoldaten. Aber gerade diese schwierigere Variante sollte für Jonatan das Zeichen sein, dass der HERR die Philister in Israels Hände geben würde. Jonatan kroch mit seinem Waffenträger auf allen vieren den Berg hinauf auf die Wachen zu. Der Königssohn landet auf den Knien. Für das Schwert war keine Hand frei. Die Bibel ist so gut im Aufzeigen, dass niemals durch Heer oder Kraft oder durch menschliche Stärke Gottes Ziele erreicht werden. Sein grosses Anliegen ist es, dass sein Werk aus Schwachheit heraus vollbracht wird. Deshalb lässt er es oft nicht zu, dass wir stark sind. Das Problem der Stärke ist, dass wir – wie Saul – Gott vergessen, was den Segen und den Sieg verhindert.

«Da prallten die Philister vor Jonatan zurück.» Wenn wir mit Gott vorangehen, entsteht ein Konflikt mit vielen anderen Kräften. Das Reich Gottes kann sich nur in der Auseinandersetzung mit dem Reich der Finsternis ausbreiten. Entscheidende, gottgegebene Augenblicke gibt es für Menschen, die bereit sind, den ersten Aufprall aufzufangen, im Überfluss. Jonatan ging mit Gott, und Gott ging mit Jonatan. Die Situation änderte sich schnell: Jetzt hiess es nicht mehr Jonatan und sein Waffenträger gegen die Heere der Philister, sondern Jonatan, sein Begleiter und der lebendige Gott gegen die Feinde der Absichten Gottes. Samuel beschreibt, dass bei den Philistern eine grosse Verwirrung entstand, so dass sie sich gegenseitig mit ihren eigenen Schwertern töteten. Weil Jonatan ein Kämpfer für Gott wurde, wurde Gott ein Kämpfer für Jonatan. Die Verheissung erfüllte sich: «Der Herr selbst wird für euch kämpfen. Bleibt ganz ruhig!» (2Mose 14,14 NL). Aber es brauchte einen Jonatan, der glaubte. Glauben ist keine innerpsychologische Kraft, von der man mehr oder wenig hat. Glauben ist ein Verb des Tuns und meint in Gottes Absichten vorwärts zu gehen, Land einnehmen und Feinde besiegen.

Erst als die Schlacht fast gewonnen war, erfuhr Saul davon, rief seine paar Leute zusammen und kam gerade noch rechtzeitig, um diesen Sieg für sich in Anspruch zu nehmen. Doch er war ikabod und damit als König nicht brauchbar.

 

«So rettete (jascha) der Herr an jenem Tag Israel und die Schlacht erstreckte sich bis über die Grenzen von Bet-Awen hinaus» (1Samuel 14,23 NL). Hinter diesem grossartigen Sieg steckte als Jeschua, unser Herr Jesus Christus. Wie Jonatan, war auch er bereit, den ersten Aufprall einzustecken. Er war am Kreuz ganz allein. Gott bahnt durch das bereitwillige Opfer von Einzelnen den Weg. Bevor er starb, rief Jesus: «Es ist vollbracht!» (Johannes 19,30). Diese vollbracht ist die der Schlüssel zu einem siegreichen Leben. Glaubend dürfen wir vorwärtsgehen, den ersten Aufprall entgegennehmen und erfahren, wie wir Gottes Träume leben können.

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: 1. Samuel 14,1-15

  1. Was kennzeichnet Saul? Was ist glauben nach dem Vorbild von Jonatan?
  2. Was bedeutet es, ikabod zu leben? Was war bei Saul die Ursache dafür?
  3. Welche inneren oder äusseren Feinde in deinem Leben solltest du mutig angreifen?
  4. Bist du einverstanden damit, dass ein Leben mit Gott zuerst einmal aus einem grossen JA besteht? Warum drücken wir durch unser Leben oft eher ein NEIN aus?
  5. Wem könntest du ein Waffenträger sein und ihn mit deiner Loyalität auf seinem Weg unterstützen?