Hiskia – Vorbild im Vertrauen

Datum: Sonntag, 1. November 2020 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: 2. Könige 18-20, 2. Chronik 29-32

König Hiskia hatte ein äusserst schwieriges Erbe zu tragen. Sein Vater tat alles, was der HERR verboten hatte. Hiskia löste sich von seiner Familiengeschichte und bezog eine eigene Position. Er verbrannte alle Götzen und Utensilien des Götzendienstes im Kidrontal und führte den Gottesdienst wieder ein. Bezeichnend für Hiskia ist sein Vertrauen zu Gott. Dadurch hatte er Erfolg, in allem, was er tat. Als er todkrank war, schenkt Gott ihm zusätzliche 15 Lebensjahre. Die bekamen ihm nicht gut. Er überschätzte sich selbst, was sein Vertrauen zu Gott hinderte. Die Folge davon musste das Volk Israel nach seinem Tod tragen.


Es lohnt sich, König Hiskia (750 – 696 v.Chr.) als Vorbild zu nehmen, denn er war ein betuchter Mann. Unter betucht verstehen wir erfolgreich und wohlhabend. Das war Hiskia. Allerdings stammt betucht vom hebräischen Wort batuach ab, was vertrauen bedeutet. «Hiskia vertraute (batuach) dem Herrn, dem Gott Israels. Weder vorher noch nachher gab es einen König im Land Juda, der ihm gleichkam» (2Könige 18,5 NL). Kann es sein, dass Menschen, die Gott vertrauen, gesegnete Menschen sind?

Vertrauen contra Familientradition

Der Vater von Hiskia hiess Ahas. Dieser versuchte alles, um Erfolg zu haben. Dabei führte er okkulte Praktiken ein und opferte verschiedenen Götzen. Unter anderem hat er sogar seinen Sohn als Opfer im Feuer verbrennen lassen. Als er hörte, dass in Damaskus gerade eine grosse Erfolgswelle war, liess er einen Priester von dort einfliegen, der in Jerusalem die gleiche Gottheit herstellen musste. Ahas versprach sich ebenfalls Erfolg, wenn er diesem gebauten Gott opfern würde. Um dieser fremden Gottheit den gebührenden Platz zu geben, liess er das ganze Tempelgebiet umbauen. Obwohl er nichts unversucht liess, erlitt er eine Niederlage nach der andern. Zu seinem Vorteil wollte er zudem das grosse assyrische Weltreich kaufen. Um zu dem Geld zu kommen, plünderte er das Gold und das Silber aus dem Tempel. Das Geld war weg, der Friede kam nicht. In dieser dunklen Zeit wurde sogar der Tempel geschlossen. Der Gottesdienst fand nicht mehr statt, was einem Frontalangriff auf die jüdische Religion war.

In diese Situation hinein wurde Hiskia geboren. Über ihn steht: «Gleich im ersten Monat seines ersten Amtsjahres liess Hiskia die Türen vom Haus des Herrn wieder aufschließen und setzte sie instand. [...] Unsere Vorfahren waren dem Herrn untreu und taten, was unserem Gott missfiel. Sie verliessen den Herrn und sein Heiligtum; sie kehrten ihm den Rücken» (2Chronik 29,3+6 NL). Von Anfang an wird deutlich, dass Hiskia einen anderen Weg gehen will als sein Vater. Sein Vertrauen begann damit, dass er sich von der Familie loslöste und mit dem Verhalten seines Vaters brach. Dabei fällt auf, dass Hiskia die Taten des Vaters weder schön noch nicht schlecht redet. Er bricht damit, weil es falsch war. Es gibt falsche Abhängigkeiten in Familien, die gebrochen werden müssen. Niemals sollten wir uns hinter dem Verhalten der Eltern verstecken. «Die Kinder werden nicht für die Sünden der Eltern bestraft und die Eltern nicht für die Sünden der Kinder. Die Gerechten werden für ihre Gerechtigkeit belohnt, die Gottlosen werden für ihre Gottlosigkeit bestraft» (Hesekiel 18,20 NL). Wir sind nicht verantwortlich, für das, was unsere Eltern getan haben, und letztlich auch nicht dafür, was unsere Kinder tun. Jeder ist selbst für sein Leben verantwortlich und ob er gewisse Schritte tut oder nicht. Hiskia war dies bewusst und lebte danach. Nicht selten müssen wir in unserer Familie Schritte tun, wenn wir im Vertrauen wachsen wollen. Dabei gilt es Familiengeschichten aufzuräumen, sich von gewissen Dingen zu distanzieren oder sich beispielsweise von okkulten Machenschaften zu lösen.

Nebst dem Lösen geht es auch darum, eine eigene klare Position einzunehmen. Unter Ahas sind Tausende von Menschen in unnötigen Kriegen in den Tod gegangen. Hiskia hat sich positioniert und gesagt: «Wir vertrauen wieder auf Gott.» Dadurch kam ein grosser Segen über das ganze Volk. Auch für uns ist es wichtig, in der Familie sich klar zu positionieren. Davon wird ein grosser Segen ausgehen.

Vertrauen erfordert radikale Entscheidungen

«Er rief alle Priester und Leviten zu sich und versammelte sie auf dem Platz im Osten. Er sagte zu ihnen: ‘Ihr Leviten, hört mir zu! Reinigt euch, damit ihr euren Dienst wieder ausführen könnt! Reinigt auch den Tempel des HERRN, des Gottes eurer Vorfahren, und schafft alles, was zum Götzendienst gehört, aus dem Heiligtum fort!’» (2Chronik 29,4-5 Hfa). Hiskia entschied sich, wieder dem lebendigen Gott zu vertrauen. Dazu gehörte, dass er den ganzen Unrat rausschmiss. «Die Priester gingen in den Tempel und trugen alles, was zum Götzendienst gehörte, in den Vorhof hinaus. Die Leviten nahmen die Gegenstände und brachten sie aus der Stadt weg ins Kidrontal» (2Chronik 29,16 Hfa). Hiskia warf diese Utensilien nicht nur aus dem Tempelbezirk, sondern ins Kidrontal ausserhalb der Stadt. Im Unterschied zu manchen seiner Vorgänger räumte er radikal auf. Wahrscheinlich hat er die Götzen verbrannt, damit sie nie mehr eingeführt werden konnten. Für Hiskia war klar, dass solche Dinge keinen Platz mehr hatten. Nebst dieser Entrümpelung löste er sich auch vom König der Assyrer, dem sich sein Vater verkauft hatte. Hiskia ging das Risiko ein, dieser brutalen Weltherrschaft die Stirn zu bieten. Er vertraute dem HERRN und kickte alles heraus, was dieses Vertrauen behinderte.

Manchmal braucht es auch in unserem Leben ein konsequentes Vorgehen, indem wir die Dinge ins Kidrontal werfen, die in unserem Leben den Gottesdienst, das Vertrauen zu Gott und die Gemeinschaft mit Gott hindern. Was hindert unser Vertrauen zu Gott? Der Medienkonsum? Unser Wohlstand und Reichtum? Unsere Reputation? Bitten wir doch Jesus, dass er uns durchleuchtet und die Dinge aufzeigt, die das Vertrauen in ihn schmälern – und dann weg damit ins Kidrontal!

«Er liess die Höhenheiligtümer zerstören, die Gedenksteine umhauen und die Ascherabilder umstürzen. Er zerbrach die bronzene Schlange, die Mose gemacht hatte, weil das Volk Israel angefangen hatte, sie anzubeten, indem es Weihrauch vor ihr verbrannte. Die Bronzeschlange wurde Nehuschtan genannt» (2Könige 18,4 NL). In Israel hatten sich gewisse Kulte eingebürgert, die ursprünglich einen guten Zweck hatten. Die bronzene Schlange war nach dem Auszug aus Ägypten sehr wichtig. Das Volk Israel meuterte und war untreu, so dass Gott giftige Schlangen schickte. In der Not schrie Mose zu Gott und bekam den Auftrag, eine bronzene Schlange aufzurichten. Jeder, der diese Schlange anschaute, wurde geheilt (vgl. 4. Mose 21). Das ist die Schlange des Lebens, die heute bei jeder Apotheke zu sehen ist. Diese Schlange, die an ein geistliches Highlight erinnerte, wurde zu einem Symbol des Götzendienstes, weil die Menschen vergessen hatten, dass es um das Vertrauen gegenüber dem lebendigen Gott ging und nicht um die Schlange selbst. Die Menschen vergötterten die Schlange, indem sie ihr Weihrauch gaben. Ich kann mir vorstellen, dass Hiskia viel Widerstand entgegenschlug: «Diese Schlange hat unseren Vorfahren das Leben gerettet! Du kannst sie doch nicht einfach wegwerfen.»

Es gibt auch fromme, religiöse Dinge, die unser Vertrauen zu Gott verhindern. Das kann ein Pastor mit inspirierenden Youtube-Predigten, ein gutes Buch, das einmal in unser Leben hineingesprochen hat, sogar die Bibel, wenn ich sie höher achte als Jesus. So schnell setzen wir unser Vertrauen auf einen Menschen oder eine Ideologie anstatt auf Gott. Auch solche Dinge müssen erkannt und von der Wurzel her ausgerissen werden. Hiskia ging in solchen Dingen radikal vor.

Die gute Nachricht für uns ist, dass wir nicht mehr nach Kidron gehen müssen. 700 Jahre nach Hiskia kam einer, der ging auch aus der Stadt hinaus. «So litt und starb auch Jesus ausserhalb der Stadttore, um sein Volk durch sein vergossenes Blut zu heiligen» (Hebräer 13,12 NL). Hier gilt das gleiche Prinzip: Weil der Unrat zum Stadttor hinaus gehört, musste Jesus ausserhalb von Jerusalem leiden. Sünde keinen Raum hat in der Nähe des Heiligtums. Jesus hat alles mit ins Kreuz genommen, was unser Vertrauen zu Gott zerstören will. Wir sprechen von Sünde. Sünde meint nicht in erster Linie ein moralisches Vergehen, sondern Sünde ist das, wenn ich mein Vertrauen auf etwas Anderes als auf den lebendigen Gott setze. Damit wir diese Vertrauensbeziehung haben können, ist Jesus gestorben: «Seine Gnade ist so gross, dass er unsere Freiheit mit dem Blut seines Sohnes erkauft hat, sodass uns unsere Sünden vergeben sind» (Epheser 1,7 NL). ER ging ans Kreuz, dass unser Vertrauen zu dem lebendigen Gott wiederhergestellt werden kann.

Vertrauen contra Selbstüberschätzung

«Deshalb war der Herr mit ihm und schenkte ihm Erfolg in allem, was er unternahm» (2Könige 18,7 NL). Hiskia vertraute Gott und war somit ein betuchter Mann. Nachdem er 14 Jahre lang regiert hatte, wurde er todkrank. Er betet: «Denke doch daran, Herr, wie ich dir immer von ganzem Herzen treu war und stets getan habe, was dir Freude machte. Und Hiskia weinte bitterlich» (2Könige 20,3 NL). Daraufhin bekam er vom Propheten Jesaja die Mitteilung, dass der HERR seinem Leben 15 Jahre hinzufügen will. Von diesem Moment an lautete sein Motto «eins mehr». Jesaja legte einen Feigenkuchen auf das Geschwür und er wurde gesund. Wie wenn die Lebensverlängerung nicht schon genug wäre, mass sich Hiskia an, von Gott noch ein Zeichen zu fordern. Dabei griff Gott nicht nur tief in die «Trickkiste», sondern auch in die Himmelgeometrie ein. Er änderte die Richtung der Erdrotation, so dass der Schatten der Sonnenuhr zehn Stunden zurückging.

Diese Ereignisse sorgten weit über die Landesgrenze hinaus für riesiges Aufsehen. Die Leute kamen von überall her, um Hiskia zu bestaunen. Hiskia konnte mit dem Ruhm schlecht umgehen und lieferte eine Bestätigung für das Sprichwort «Hochmut kommt vor dem Fall». Plötzlich erscheinen auch negative Sätze über Hiskia: «Doch Hiskia würdigte die Güte nicht, die ihm der Herr erwiesen hatte, sondern er wurde überheblich» (2Chronik 32,25 NL). In der grossen Blütezeit wurde Hiskia nicht nur reicher und reicher, sondern auch stolzer und stolzer. Er liess sich richtig bewundern. Doch dann musste Jesaja im Auftrag Gottes folgende Mitteilung machen: «Lass dir Folgendes vom Herrn sagen: Es wird eine Zeit kommen, in der alles, was du besitzt - alles, was deine Vorfahren bis heute gesammelt haben -, nach Babel gebracht wird. Es wird nichts hier bleiben, spricht der Herr. Deine eigenen Nachkommen werden verschleppt werden. Sie werden dort im Palast dem König von Babel dienen» (2Könige 20,16-18 NL). Hiskia demütigte sich. Die angekündigte Katastrophe wird nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben – und zwar auf die Zeit nach Hiskias Tod. Hat Gott es vielleicht sogar bereut, dass er Hiskia 15 zusätzliche Jahre geschenkt hat? Jedenfalls geriet er in dieser Zeit, die von Wohlstand, Erfolg und Gebetserhörung geprägt war, in eine Selbstüberschätzung, die das Vertrauen in den HERRN torpedierte.

Die ersten 14 Jahre seiner Amtszeit waren herausfordernd und schwierig, geistlich aber eine Blütezeit. Hiskia hat Gott gedient, ihm vertraut und sich voll auf ihn verlassen. Die geschenkte Lebensverlängerung von 15 Jahren war weltlich gesehen eine Blütezeit, geistlich gesehen ging es bergab. Wenn in unserem Leben alles problemlos verläuft und wir so richtig erfolgreich sind, ist die Gefahr gross, dass wir Jesus vergessen. Schwierige Jahre, in denen wir Krisen und Leid erfahren, sind oft geistlich sehr wertvoll.

 

Dem lebendigen Gott zu vertrauen, ist das Beste, was wir tun können. Dazu müssen wir uns von Ereignissen aus der Familiengeschichte lösen und selbst eine klare Position beziehen. Dann geht es darum, auszuräumen und all das, was das Vertrauen zu Gott hindert, am Kreuz entsorgen. Wer so dem lebendigen Gott vertraut, ist betucht. Das ist vielmehr, als Reichtum und Ehre. Es ist Erfolg. Erfolg ist, im Gleichschritt Gottes zu gehen.

 

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: 2. Chronik 29,1-11.15-19

  1. Was bedeutet es, Gott zu vertrauen?
  2. Hiskia lebte radikal anders als sein Vater. Gibt es in deiner Familiengeschichte auch Vorkommnisse, von denen du dich lösen musst?
  3. Hast du in deiner Familie klare Position für ein Leben mit Gott bezogen? Was hindert dich daran?
  4. Welche Dinge in deinem Leben hindern dich in der Beziehung zu Gott? Was bedeutet es heute, diese im Kidrontal zu verbrennen?
  5. Was ist Sünde? Was für eine Definition von Sünde findet sich in der Predigt?