Ja oder nein – das ist hier die Frage

Datum: Sonntag, 30. Mai 2021 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Matthäus 5,33-37

Jesus fordert in der Bergpredigt heraus, die Wahrheit zu reden. Die Spannung zwischen Wahrheit und Lüge durchzieht die ganze Bibel. Lüge ist die Muttersprache Satans, Wahrheit ist die Muttersprache Gottes. Um zur Wahrheit zu finden, muss unser Herz von dem, der die Wahrheit ist, verändert werden. Dabei werden wir mit den Abgründen unseres Herzens und Wesens konfrontiert. Kein Problem, Jesus kann unser Wesen verwandeln!


Ein Sprichwort sagt: «Die Feder ist mächtiger als das Schwert.» Mit Worten kann man mehr erreichen als mit Gewalt. So veränderten die Rede von Dr. Martin Luther King «I have a dream» oder die 95 Thesen des Reformators Martin Luther die Welt nachhaltig. In der Bergpredigt geht es auch um Worte, und zwar um das Reden von Wahrheit oder Lüge. Jesus wiederholt nur Salomo, der sagte: «Der Herr verabscheut die, die ihr Wort nicht halten, aber er hat Freude an denen, die es erfüllen» (Sprüche 12,22NLB).

Wiederum geht es Jesus nicht darum, mit ausgeklügelten Formulierungen unterschiedliche Grade von Wahrheit zu definieren. Christsein wäre ein richtiger Krampf, wenn wir uns einfach noch etwas mehr anstrengen müssten, alles richtig zu machen. Es geht vielmehr darum, die Tugenden der Wahrhaftigkeit, der Integrität und der Fairness zu fördern. Es ist ein Problem unseres Herzens, dass wir oft nicht die Wahrheit oder Halbwahrheiten sagen oder Dinge weglassen. «Aus dem Herzen kommen böse Gedanken wie zum Beispiel Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, Lüge und Verleumdung» (Matthäus 15,19 NLB).

Das ist das Evangelium. Es geht nicht darum, aus eigner Kraft die Wahrheit zu sagen, sondern zu erkennen: Herr Jesus, du bist Wahrheit und lebst in mir! Ich erlaube dir, in und mit mir wahr zu sein.

Wahrheit im Reden

«Ihr habt auch gehört, dass es im Gesetz von Mose heisst: ‘Du sollst einen Schwur nicht brechen; du sollst die Versprechen, die du vor dem Herrn abgelegt hast, halten.’ Ich aber sage: Schwört überhaupt nicht! Wenn ihr sagt: ‘Beim Himmel!’, dann ist das ein heiliger Schwur, denn der Himmel ist Gottes Thron. Und wenn ihr sagt: ‘Bei der Erde!’, dann ist auch das ein heiliger Schwur, denn die Erde ist seine Fussbank. Und schwört auch nicht: ‘Bei Jerusalem!’, denn Jerusalem ist die Stadt des grossen Königs. Schwört nicht einmal: ‘Bei meinem Kopf!’, denn ihr könnt kein einziges Haar auf eurem Kopf weiss oder schwarz machen» (Matthäus 5,33-36 NLB).

Nach der Weisung des Alten Testaments (4Mose 30,3) durften die Juden einen Schwur nicht brechen. Jesus hingegen sagt: Schwört überhaupt nicht! Damals wie heute musste man beispielsweise als Zeuge vor Gericht schwören, die Wahrheit zu sagen. Auch Berufsgruppen wie Ärzte oder Bergführer legen einen Eid ab. Der nicht wiedergewählte amerikanische Präsident legte bei seiner Amtseinführung gleich auf zwei Bibeln einen Eid ab. Und gegen Ende seiner Amtszeit zeigte er sich vor der altehrwürdigen St.John’s-Kirche mit Bibel in der Hand. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass er sich der Wahrheit unter Anrufung Gottes verpflichtet hat.

Es gibt kirchliche Gruppierungen wie z.B. die Mennoniten, die diesen Satz von Jesus so ernstnahmen, dass ihnen verschiedene Berufe und Ämter vorenthalten blieben. Jesus verbietet hier nicht jegliches Schwören. Jesus selbst lässt sich vor dem Hohenpriester auf einen Schwur ein (Matthäus 26,63f) und Gott schwur ebenfalls (Hebräer 6,13).

Man schwört bei etwas Grösserem als ich bin. Darum legen die amerikanischen Präsidenten die Hand auf die Bibel. Man nimmt Gott als Bürge für die eigenen Aussage, genauso wie wir bei einer Kreditvergabe einen Bürgen oder gewisse Rücklagen brauchen. Beim Schwören bringt man zum Ausdruck: Ich habe noch etwas Grösseres hinter mir, das bezeugt, was ich jetzt sage. Weil die Juden den Namen ihres Gottes – Jehova oder Jahwe – nicht aussprechen durften, schworen sie beim Himmel, bei der Erde, bei Jerusalem oder beim eigenen Leib.

Das Problem damals war, dass die Menschen nur dann die Wahrheit sagten, wenn sie einen Eid ablegten. Wenn jemand immer sagen muss «Ehrenwort», «ich schwöre es», «ganz sicher», dann ist das kein gutes Zeichen für die Glaubwürdigkeit dieser Person. Der andere soll dir nicht darum glauben, weil du schwörst, sondern weil du Wahrheit sagst.

Wahrheit als Charaktereigenschaft

«Sagt einfach ‘Ja’ oder ‘Nein’. Jedes Wort darüber hinaus ist vom Bösen» (Matthäus 5,37 NLB). Dieser Satz fordert Leute, die gern reden heraus. Sollen wir nur noch «Ja» und «Nein» sagen? Das hat Jesus kaum gemeint, denn unsere Beziehungen leben doch gerade von der Kommunikation. Jesus geht es um Geradlinigkeit, dass wir zu wahren Persönlichkeiten werden. Personare heisst wörtlich hindurchtönen. Eine starke Persönlichkeit ist ein Mensch, dessen wahrhaftiges Herz bis ins Reden hindurchtönt. Unser Grad an Wahrheit und Ehrlichkeit zeigt letztlich, wie stark unser Herz von Gott neu gemacht wurde, bzw. welche Muttersprache wird reden.

Die Lüge ist die Muttersprache des Teufels. «Sagt einfach ‘Ja’ oder ‘Nein’. Jedes Wort darüber hinaus ist vom Bösen» (Matthäus 5,37 NLB). Lüge und Halbwahrheit sei vom Teufel. In anderem Zusammenhang sagt Jesus: «Ihr habt den Teufel zum Vater: Ihr tut mit Vorliebe die bösen Dinge, die er tut. Er war von Anbeginn an ein Mörder und hat die Wahrheit immer gehasst. In ihm ist keine Wahrheit. Wenn er lügt, entspricht das seinem Wesen, denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge» (Johannes 8,44 NLB). Die erste Sünde der Bibel ist eine Lüge. Die Schlange zischte: «Ihr werdet nicht sterben!» (1Mose 3,4 NLB). Die letztgenannte Sünde der Bibel ist ebenfalls die Lüge (Offenbarung 21,8). Die Lüge ist auf dieser Welt omnipräsent. Bei keiner Nachricht weiss man, ob sie stimmt. Der Teufel, «der Machtbereich der Luft regiert» (Epheser 2,2 NLB), hat diese Welt verseucht.

Die Wahrheit ist die Muttersprache Gottes. «Jesus sagte zu ihm: ‘Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater ausser durch mich’» (Johannes 14,6 NLB). Gott ist der Vater des Lichts. Es gibt nichts Falsches, nichts Verborgenes bei ihm. Wahrheit ist die einzige Sprache Gottes ist, darum liebt Er Wahrheit und Ehrlichkeit. Gott kann alles – ausser lügen. :-) Es ist so befreiend: Wir können immer zu Gott kommen und wissen, er ist wahr. Er hat kein zweites Gesicht.

Welche Muttersprache reden wir? Ehrlich sein und die Wahrheit sagen, ist eine der wichtigsten Charaktereigenschaften. Durch unser Reden verraten wir, wessen Kind wir sind. Bei der Metamorphose geht es um Tugend- und Charakterbildung.

«Selbst der Satan gibt sich als Engel des Lichts aus» (1Korinther 11,14 NLB). Er lügt nicht plump und geradeheraus, dafür ist er zu klug. Auch bei uns sind Lügen und Halbwahrheiten oft sehr gut getarnt. Wir stöbern sie auf:

Üble Nachrede. Satan stellt oft Fragen, um Lügen zu verbreiten. «Hat Gott wirklich gesagt?» (1Mose 3,1 NLB), «Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet?» (Hiob 1,9 LUT). Die schlechte Nachrede funktioniert genauso. Man spricht nicht direkt schlecht über jemanden. Das ist unchristlich. Aber man stellt Fragen: Sollte man so etwas wirklich tun? – Wie hast du diese Sitzung erlebt? Auf diese Weise bringt man andere auf die Spur. Es ist nicht schwierig, jemanden mit schlechten Gedanken über jemanden anzustecken.

Nachrichten weiterleiten. In hoher Kadenz erhalte ich über die sozialen Medien weitergeleitete Nachrichten. Wir sollten Nachrichten auf den Wahrheitsgehalt prüfen, wenn wir sie verbreiten.

Den eigenen Vorteil suchen. Nachdem die Engländer und die Amerikaner im zweiten Weltkrieg Dresden bombardiert hatte, hängte Joseph Goebbels in seiner Propaganda einfach eine Null hinter die Zahl der zivilen Todesopfer. Dadurch schlug er zwei Fliegen auf einen Streich: Seine eigene Armee konnte er für den totalen Krieg gewinnen und im Rest der Welt löste er eine Entrüstung über das rücksichtlose Vorgehen der Alliierten aus. Wie oft übertreiben wir oder belassen es bei Teilwahrheiten, um einen eigenen Vorteil zu gewinnen?

Etwas vertuschen. Wir lügen oft, weil wir etwas verstecken wollen, das uns peinlich ist. Immer wieder machen wir die Erfahrung, dass wir in unseren Räumlichkeiten einen Schaden entdecken, ohne jemals von jemandem ein Geständnis zu hören. Vor einiger Zeit verursachte eine Frau beim Parkieren einen Schaden an unserem Auto. Sie begutachtete den Schaden und fuhr weg.

Heuchelei. Das griechische Wort für Heuchelei heisst hypokrite. Das gleiche Wort wird für einen Schauspieler verwendet. Ein Schauspieler gibt auf der Bühne etwas vor, was er nicht ist. Ein Heuchler versucht sich besser darzustellen, als er ist. Das kann in einer Gruppe sein, in der sich jemand sehr in den Vordergrund rückt und aufschneidet. Christen beten manchmal in einer Gebetsgruppe inbrünstig für verlorene Menschen, doch in ihren persönlichen Gebeten kommt das Anliegen nicht vor. Oder man singt im Lobpreis «Herr, ich liebe dich so sehr», doch im Alltag verbringe ich keine Minute mit Jesus. Eine weitere Spielart der Heuchelei ist der Drang, sich ständige rechtfertigen zu müssen. Man befürchtet, dass der andere schlecht über einen denkt.

Auf der anderen Seite ist es einfach erfrischend und anziehend, wenn jemand grundehrlich ist und sogar über sich selbst lachen kann. Wie werden wir zu solchen Menschen? Indem wir durch die Verwandlung unseres Wesens mehr von Gottes Charakter annehmen.

Ein aufrichtiger Charakter kann in der Erziehung der Kinder gefördert werden. Ein Kind soll bei seinen Eltern folgenden Grundsatz erleben: Den Mist, den ich gebaut habe, ist nicht so schlimm, wie wenn ich ihn durch eine Lüge vertusche. Oder anders ausgedrückt: Wenn ein Kind zu einem Missgeschick steht, sollte es immer im Vorteil sein gegenüber der Situation, dass es lügt. Zudem sollte man den Kindern nur das sagen, was man auch tun wird. Manchmal stürmt ein Kind, weil es unbedingt etwas haben will. Der Vater sagt: «Nein, das kriegst du nicht.» Das Kind weiss sofort, dass das Nein kein Nein, sondern nur der Beginn einer Diskussion ist. Das Kind schreit und bettelt weiter, bis der Vater genervt ruft: «Da hast du es!» Klare Richtlinien helfen einem Kind, ehrlich und wahrhaftig zu werden. Jedes Kind braucht Grenzen und Zäune. Es ist normal, dass sie dagegentreten. Ja ist ja, nein ist nein – das gibt den Kindern Sicherheit und Charakter.

Wahrheit macht frei

«Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen» (Johannes 8,32 NLB). Ein Mensch, der in seinem Wesen wahr ist, ist frei und findet zu echter Lebensqualität. Lüge kommt immer aus falschem und korruptem Herz, es ist nur das Symptom eines tieferliegenden Herzfehlers. Deshalb blieb Jesus nie an den Äusserlichkeiten hangen. Er verurteilte zwar den Ehebruch, aber war barmherzig mit der Ehebrecherin. Ebenso verurteilte er Diebstahl, ass aber mit den Steuereintreibern. Jesus interessierte sich für das Herz der Menschen, um ihnen bei ihren tieferliegenden Problemen zu helfen.

Was sind die tieferliegenden Probleme, die uns zur Unwahrheit verführen?

Menschen gefallen wollen. Das war schon zur Zeit Jesu ein Problem: «Viele Menschen, darunter auch einige der führenden Männer, glaubten an Jesus, scheuten sich aber, es zuzugeben. Sie fürchteten, dass die Pharisäer sie deswegen aus der Synagoge ausschliessen würden. Die Anerkennung der Menschen war ihnen wichtiger als die Anerkennung durch Gott» (Johannes 12,42f NLB). Um vor den Menschen gut dazustehen, sagen wir lieber nicht die Wahrheit.

Mehr sein wollen, als wir sind. Adam und Eva waren beide nackt – völlig wahrhaftig, ehrlich, abhängig, verletzlich. Sie lebten eine durch und durch ungetrübte und wahre Beziehung. Doch dann wollte der Mensch mehr sein, sein wie Gott. Und dann schämten und versteckten sie sich. Wir lügen, weil wir oft jemanden sein wollen, der wir nicht sind. Wie befreiend ist es, wenn wir vor Gott und den Menschen stehen und sagen könnten: «So bin ich und ich bin dankbar dafür!»

 

Darum sollen wir zu dem kommen, der die Wahrheit ist. Nur in der Gegenwart von Jesus Christus wissen wir, dass wir geliebt, aufgehoben und gewollt sind. Wenn ein Mensch sich der Liebe und Annahme Gottes gewiss ist, beginnt die Veränderung von innen. Als freier Mensch mit vollem Ja zu sich selbst, kann er wahrhaftig und ehrlich werden.

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Matthäus 5,33-37; Jakobus 3,1-12

  1. Lest zusammen Jakobus 3,1-12 und tauscht über die Macht der Worte aus.
  2. Was meint Jesus mit dem Satz: «Sagt einfach ‘Ja’ oder ‘Nein’. Jedes Wort darüber hinaus ist vom Bösen»? Sollten wir grundsätzlich weniger reden?
  3. Was für Spielarten der Lüge gibt es? Was sind diejenigen, die du am ehesten einsetzt?
  4. Warum lügen wir? Gibt es Beispiele aus dem eigenen Leben?
  5. Wahrheit sei die Muttersprache Gottes. Worin liegt also das Potenzial für uns auf dem Weg zu mehr Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit?
  6. Was sind die Voraussetzungen für eine grundlegende Herzensveränderung? (vgl. 1Korinther 3,17+18)