Datum: 14. November 2021 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Matthäus 7,15-20

Bezüglich der Verwandlung in die Jesusähnlichkeit (Metamorphose) gibt es verschiedene Stolpersteine. Es könnte einer sagen: «Ja, aber dieser sagt ... und jener sagt ...» Schau auf ihre Lebensgestaltung. Wenn nicht die Früchte eines Lebens nach der Bergpredigt sichtbar werden, haben solche Propheten keine Autorität für dich. Es geht aber nicht nur um Vorsicht, sondern auch um persönliche Einsicht. Bin ich ein guter Baum mit guten Früchten? Wir müssen nicht krampfhaft versuchen, gute Früchte zu bringen, sondern danach trachten, ein guter Baum zu werden.


In der Odyssee von Homer durchquert Odysseus mit seinem Schiff die Gewässer der Sirenen. Diese Fabelwesen lockten die Seefahrer mit ihren betörenden Gesängen an die Klippen ihrer Insel, um sie so zu töten. Odysseus befahl seiner Mannschaft Wachs in die Ohren zu stopfen. Nur er selbst wollte die Gesänge der Sirenen hören. Doch weil er der eigenen Kraft zum Widerstand misstraute, liess er sich an den Masten seines Schiffes fesseln und befahl seinen Männern keinem seiner Befehle zu gehorchen. Und tatsächlich: Als die Sirenen ihn mit ihrem Gesang, den grossartigen Komplimenten und ihrem Schmeicheln lockten, wollte er nichts mehr anderes als ihren Stimmen nachgeben. Hätte er nicht vorgesorgt, er wäre ins eigene Verderben gerannt und hätte seine Mannschaft mitgerissen.

Die verlockenden Stimmen der Sirenen können wir auch heute hören. Jesus warnt in der Bergpredigt davor: «Nehmt euch vor falschen Propheten in Acht. Sie kommen daher wie harmlose Schafe, aber in Wirklichkeit sind sie gefährliche Wölfe, die euch in Stücke reissen wollen. Ihr erkennt sie an ihrem Verhalten, so wie ihr einen Baum an seinen Früchten erkennt. An Dornbüschen wachsen keine Trauben und an Disteln keine Feigen» (Matthäus 7,15-16 NLB).

Zu jeder Zeit hat es Menschen gegeben, die aufgetreten sind und im Namen Gottes gesprochen haben. Sie können eine enorme Faszination auslösen. Heute leben wir in einem riesigen Markt von Angeboten, gerade auch was christliche Sprecher anbelangt. So manch einer bewirtschaftet einen Youtube-Kanal und gibt seine Erkenntnisse zum Besten. Wie aber können wir wissen, ob ihre Musik vom Himmel ist oder ob hier fremde Rhythmen getrommelt werden? Wie können wir uns davor schützen, «falschen Propheten» auf den Leim zu kriechen?

Vorsicht

Es gibt also auch in unseren Gewässern Sirenen, die uns an falsche Orte lotsen wollen. Jesus spricht Wölfen, die sich als harmlose Schafe ausgeben. Die Redewendung «Wolf im Schafspelz» hat seinen Ursprung in dieser Rede. Das Problem eines solchen Wolfes ist, dass er sich mit einem Schafspelz tarnt, um nicht als Wolf erkannt zu werden. In der Antike haben sich Hirten mit Fellen von den Schafen gegen die Kälte geschützt. Ein «Wolf im Schafspelz» will die Schafe verwirren, dass sie nicht mehr wissen, wem sie folgen sollen. Müssen wir uns wie Odysseus’ Mannschaft Wachs in die Ohren stopfen? Wie sollen wir reissende Wölfe und falsche Propheten erkennen, wenn sie sich doch mit Schafskleidern tarnen, wenn sie fromm und vernünftig reden, wenn sie freundlich und hilfsbereit tun?

Jesus gibt uns ein klares Beurteilungskriterium zur Hand: Man erkennt einen falschen Propheten an den Früchten. Nicht grosse Reden im Namen Gottes begründen ihre Autorität, sondern ihr Lebenswandel. Deshalb gilt es genau hinzuhören und auf ihr Tun zu achten. Sind sie authentisch, ehrlich, wahrhaftig? Entspricht das, was sie als Wahrheit ausgeben, der Wahrheit, die Jesus Christus heisst, und der Wahrheit der Bibel? Predigen sie Wasser und trinken Wein? Sagen sie A und tun B? Auf diese Übereinstimmung von Wort und Tat achtet man für gewöhnlich recht genau; vor allem bei Mitmenschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Wie viele Autos hat der grüne Verkehrspolitiker in seiner Garage stehen? Wieviel verdient der Gatte der Finanzpolitikerin, die Steuererleichterungen für Vermögende durchsetzen will? Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe (Johannes 10,11), ein Wolf hingegen nimmt das Leben der Schafe. Überall wo uns das Leben versprochen wird, aber im Grunde der eigene Gewinn der Rufenden im Vordergrund steht, schmeckt es nach «Wolf im Schafspelz».

Um eine Person an den Früchten zu erkennen, muss man sie kennen. Viele von uns hören auf YouTube irgendwelchen Rednern zu und haben über deren Leben und Charakter keine Ahnung. Als ich 2007 vom Regionalleiter hier für die Aufgabe als Pastor eingesetzt wurde, meint er, dass eine Pastorenfamilie im Glashaus sei. Man schaut auf uns, auf unsere Ehe, auf unsere Familie, auf unseren Umgang mit Menschen, auf unsere Reaktion auf Lob und Kritik, etc. Zudem muss ein Gemeindepastor für das geradestehen, was er am letzten Sonntag oder vor 10 Jahren herausgelassen hat. Vermutlich ist der lokale Pastor nicht der beste Rhetoriker und auch nicht der beste Bibelausleger, aber du kannst ihn beobachten, anfassen und mit ihm reden. Deshalb plädiere ich dafür, dem eigenen Pastor mehr Autorität zu geben als irgendeinem Redner, der dir keinen Einblick in sein Leben gewährt. Auch wenn es natürlich stimmt, dass auch wir Pastoren nicht davon gefeit, zum eigenen Ruhm und für die eigene Ehre zu reden. Die Metamorphose ist noch nicht vollendet.

Hüten wir uns dabei vor einem Missverständnis: Wir dürfen Glaubensfrüchte nicht mit Erfolg verwechseln. Es geht nicht darum, wieviel äusseren Erfolg jemand hat, wie viele Menschen er anzieht und begeistert, wieviel Spendengelder er einwirbt oder gar was für spektakuläre Heilungswunder er bewirkt. In diesen Kategorien können falsche Propheten die wahren Christen in den Schatten stellen, und das passiert auch immer wieder. Es geht bei den Früchten nicht um äusseren Erfolg, sondern allein darum, ob ein Mensch wahrhaftig und liebevoll lebt in Wort und Tat. Oder anders gesagt, geht es um die Frage, ob bei einem Menschen die Haltungen und Handlungen immer mehr der Bergpredigt entsprechen.

Odysseus hat sich an den Mast des Schiffes binden lassen, weil er nicht fälschlicherweise den Gesängen nachgeben wollte. Hätte er nicht vorgesorgt, er wäre ins eigene Verderben gerannt und hätte seine Mannschaft mitgerissen. Da es für uns auch nicht einfach ist, «Wölfe im Schafspelz» zu erkennen, könnte es hilfreich sein, jemanden um seine Meinung zu bitten, bevor man einen Redner verehrt oder seinen Link weiterleitet.

Menschen mit Charakter entwickeln ein gesundes Auge in der Beurteilung aller Arten von Propheten. Sie stolpern in ihrer persönlichen Metamorphose nicht, in dem sie sagen: «Ja, aber dieser sagt ... und jener sagt ...»

Einsicht

Nun richten wir den Blick weg von den anderen, hin zu uns selbst. Wir wollen kritisch prüfen, wie es um die eigenen Glaubensfrüchte steht. Sind meine Früchte so beschaffen, dass ich sagen kann: Ich bin ein guter Baum – ganz so, wie mein himmlischer Vater mich haben will?

Jesus spricht nämlich nicht nur von falschen Propheten, sondern macht eine Verallgemeinerung: «Ein gesunder Baum trägt gute Früchte, ein kranker Baum dagegen schlechte. An einem guten Baum wachsen keine schlechten Früchte, ebenso wenig wie ein kranker Baum gesunde Früchte hervorbringt. Deshalb wird jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, umgehauen und ins Feuer geworfen. Ihr seht, man erkennt sie an ihren Früchten» (Matthäus 7,17-20 NLB).

Jeder von uns wird an den Früchten erkannt. In diesem Zusammenhang wird die Frage drängend, ob sich in meinem Leben eine Metamorphose vollzieht. Gleichen sich meine Tugenden und mein Charakter je länger je mehr denen von Jesus an? Menschen, die sich vom himmlischen Vater verwandeln lassen, sind beste Werbung für die gute Nachricht von Jesus. Menschen, die sich nicht verändern lassen, sind nicht neutral, sondern immunisieren gegen den Glauben an Jesus Christus.

Wir würden Jesus missverstehen, wenn wir resignierend sagen: Ich bin und bleibe ein schlechter Baum, denn meine Früchte sind schlecht; da ist immer noch so viel Verfehlung und Falsches. Wir brauchen nicht an uns zu verzweifeln und zu meinen, Gottes Gnade wäre bei uns vergeblich gewesen. Früchte brauchen Zeit zum Reifen und sind alle zunächst einmal klein, grün, bitter und sauer, auch wenn es an sich gute Früchte eines guten Baumes sind. Der grosse Bussprediger Johannes der Täufer rief den Menschen zu: «Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Busse» (Lukas 3,8 LUT). Wer sich von Gottes Wort immer wieder zur Busse (=Umkehr) rufen lässt, bei dem werden die guten Früchte immer reifen werden.

Auf meinem elterlichen Bauernhof haben wir tonnenweise Äpfel gepflückt und das Fallobst vom Boden aufgenommen. Inmitten von besten Früchten fand sich immer wieder mal ein verfaulter oder vertrockneter Apfel. Mit Genuss haben wir diese an den Stamm geschmissen, so dass es auf alle Seiten spritzte. Beim besten Baum lassen sich schlechte Früchte finden. Einzelne faule Früchte sind kein Zeichen dafür, dass der Baum an und für sich schlecht ist! Schlechte Früchte müssen uns nicht deprimieren, sondern in die Abhängigkeit von Jesus führen.

Zuversicht

Unsere Zuversicht ist das Vertrauen, dass Gott uns mit seiner Forderung nach «rechtschaffene Früchte der Busse» nicht allein lässt. Busse meint nicht, dass wir uns noch etwas mehr Mühen geben, uns zusammenreissen und mehr Selbstdisziplin aufbringen müssen. Jeder von uns kann mit Paulus ein Liedchen singen: «Wenn ich Gutes tun will, tue ich es nicht. Und wenn ich versuche, das Böse zu vermeiden, tue ich es doch» (Römer 7,19 NLB). Busse bedeutet, sich wieder neu auf Jesus Christus auszurichten, sich Ihm hingeben und darauf vertrauen, dass er die Verwandlung unseres Wesens bewerkstelligt.

«Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist» (Römer 12,2 SLT). Die Früchte können nur besser werden, wenn der Baum besser wird. Unsere wichtigste und grundlegendste Bitte an Gott muss sein, dass Er uns gnädig ist und an uns das Wunder tut, aus schlechten Bäumen gute Bäume zu machen. Unsere berechtigte Zuversicht besteht darin, dass Gott uns durch Metamorphose in gute Bäume verwandeln will. Wir müssen wollen, dass dies an uns geschieht. Unsere Absicht bekunden wir damit, dass wir den himmlischen Vater im Gebet suchen.

Nun sind wir bald ein Jahr mit dem Thema «Metamorphose» unterwegs. Was ist daraus geworden? Machen wir denn überhaupt Fortschritte mit einem Lebenswandel gemäss dem Vorbild Jesus? Es ist ein Missverständnis zu glauben, dass wir die eigenen Glaubensfrüchte stets deutlich erkennen müssten. Jesus sagt: «An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen» (die anderen nämlich) und nicht: «An euren Früchten sollt ihr euch selbst erkennen.» Und als Jesus später das Gleichnis vom Weltgericht erzählt, lässt er die Glaubenden erstaunt fragen: «Herr, wann haben wir dich jemals hungrig gesehen und dir zu essen gegeben? Wann sahen wir dich durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann warst du ein Fremder und wir haben dir Gastfreundschaft erwiesen? Oder wann warst du nackt und wir haben dich gekleidet? Wann haben wir dich je krank oder im Gefängnis gesehen und haben dich besucht?» (Matthäus 25,37-39 NLB). Dann erst wird der Weltenrichter ihnen die Augen öffnen für ihre Glaubensfrüchte.

Ein Bild zeigt Jesus am Kreuz mit einer Dornenkrone. Wie in einem Spiegelbild sieht man, wie diese Dornen und Disteln zu neuer Lebendigkeit erwachen und Früchte bringen. Das Kreuz ist der Wendepunkt in der Weltgeschichte: die neue Schöpfung beginnt. Aus Tod wird Leben. Die Verwandlung eines Menschen hin zur Ähnlichkeit mit Jesus Christus ist ein übernatürliches Wunder, das seinen Ursprung am Kreuz hat. Wenn du diesem Jesus vertraust, können Früchte wachsen, selbst wenn der Baum abgestorben scheint. Die Metamorphose ist ein Ausdruck der neuen Welt Gottes!

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Matthäus 7,15-20; Johannes 15,1-8

  1. Was für Erfahrungen hast du mit falschen Propheten, bzw. Wölfe im Schafspelz? Wie prüfst du, ob ein Prophet wahr oder falsch ist?
  2. Jetzt zu uns selbst: Weisen unsere Früchte auf einen guten Baum hin? Was für Resultat siehst du nach einem Jahr «Metamorphose»?
  3. Falls dich deine Früchte nicht ganz überzeugen, was ist der Ansatzpunkt zu einem besseren Resultat?
  4. Ein fauler Baum wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Was bedeutet das?
  5. Man sieht die Glaubensfrüchte selbst nicht so gut. Sagt doch einander, was für Früchte ihr beim anderen seht!