Hoffnung die trägt!

Datum: Sonntag, 7. August 2022 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Hebräer 11,1

«Die Hoffnung stirbt zuletzt» ist ein gängiges Sprichwort. Auch in der Bibel wird von Hoffnung gesprochen. Doch diese christliche Hoffnung ist sehr konkret. Es ist ein Vertrauen, auf die Vertrauenswürdigkeit Gottes. Sie hat ihr Fundament in der Auferstehung von Jesus Christus. Diese Auferstehungshoffnung gibt eine Perspektive für den Moment, aber auch für eine ungewisse Zukunft. Eine solche Hoffnung bewegt und motiviert. Eine solche Hoffnung gibt Sinn im Leben.


Wie bereits vor knapp sechs Monaten in einer Predigt vorgewarnt, bringe ich nur noch Beispiele von meinem Sohn. Er ist mittlerweile 7 Wochen alt und gedeiht prächtig. Er nimmt gut zu und wir sind glücklich, dass dies so ist. Doch gegen Ende der Schwangerschaft war es nicht ganz so. Je näher der errechnete Termin kam, desto mehr kam bei uns die Befürchtung auf, dass unser Baby mehr und mehr zunehmen wird und schlussendlich all die süssen Kleider ihm gar nicht mehr passen werden, welche wir bereits angeschafft hatten. Schlussendlich waren wir froh, dass unser Junge fast pünktlich auf die Welt kam und auch das Gewicht und die Grösse im Durchschnitt lagen. Von Beginn weg hatte unser Sohn langes schwarzes Haar. Nach dem ersten Baden stand es in die Höhe und ja, dies ist nicht extra, sondern von Natur aus so. Während der Schwangerschaft hofften wir auf ein möglichst herziges und hübsches Baby und ja ich weiss, alle Eltern finden ihr Baby das Schönste. Aber bei uns stimmt es…;-) Waren unsere Hoffnungen während der Schwangerschaft noch sehr oberflächlich, so begleitet uns das Wort Hoffnung immer noch. Hoffentlich haben wir genügend Windeln dabei. Hoffentlich können wir die Zeichen unseres Sohnes richtig deuten und ihm das Richtige geben. Hoffentlich denke ich an ein Tuch über meinen Schultern, wenn ich ihn aufrecht halte, damit nicht alles dreckig wird, wenn er erbrechen muss. Hoffentlich bin ich ein guter Vater. Welche Hoffnungen hast du?

Christliche Hoffnung ist konkreter als gedacht!

Hoffnung ist etwas was uns begleitet. Hoffnung trägt durch schwere Zeiten, Hoffnung treibt uns an. Jedes Mal wenn ich am Flughafen bin und verreise, dann hoffe ich, dass heute der Moment ist, an dem ich endlich ein gratis Businessclass Upgrade erhalte. Dies ist leider noch nicht passiert, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Auch für Nachfolger von Jesus Christus ist Hoffnung etwas Wichtiges und treibt das Leben an. Doch was für eine Hoffnung ist dies? Um dieser christlichen Hoffnung auf die Spur zu gehen, wollen wir gemeinsam in einen Vers eintauchen, welcher im Hebräerbrief geschrieben ist. «Was ist nun also der Glaube? Er ist das Vertrauen darauf, dass das, was wir hoffen, sich erfüllen wird, und die Überzeugung, dass das, was man nicht sieht, existiert» (Hebräer 11,1 NLB). Auf den ersten Blick ist hier zwar vom Glauben als solches die Rede. Doch hier hängen Glaube und Hoffnung eng zusammen. Doch was ist denn der Unterschied? Glaube ist ein Vertrauen auf die Vertrauenswürdigkeit Gottes, wie er uns in der Bibel beschrieben ist. Der Glaube lässt sich durch die Hoffnung gegen oben und unten abstecken. Glaube hört dort auf, wo ich etwas sehe. Dort ist keine Hoffnung nötig. Hoffnung kommt erst ins Spiel, wenn ich in die Zukunft, ins Ungewisse schaue. Der Glaube ist aber mehr als ein «ich glaube heute regnet es». Glaube ist eine feste Überzeugung, welche auf ein festes Fundament gründet. Christlicher Glaube hat sein Fundament in Jesus Christus. Während der Glaube auf Gott schaut und ihm im Hinblick auf alle Dinge vertraut, schaut die Hoffnung in die Zukunft und vertraut Gott im Hinblick auf diese. Glaube ist ein Vertrauen im Blick auf alle Dinge, Hoffnung ein Vertrauen im Blick auf die Zukunft.

Doch damit ist noch nicht gesagt, was denn eine biblische Hoffnung ausmacht. Umgangssprachlich wir Hoffnung verstanden als das Hoffen, Vertrauen in die Zukunft. Es ist eine Zuversicht, vielleicht sogar ein Optimismus in Bezug auf das, was die Zukunft bringen wird. Diese Hoffnung ist eher vage, es ist nicht garantiert, dass es so kommt, wie ich es erhoffe. Es kann auch gerade anders ausgehen, als ich es mir erhofft habe. Im Neuen Testament steht das Wort «elpis» immer dort, wo in der deutschen Übersetzung Hoffnung steht. Dies ist nicht falsch, denn «elpis» umfasst auch diese Bedeutung. Aber es bedeutet auch Erwartung und Aussicht. Wenn wir etwas erwarten oder Aussicht auf etwas haben, dann ist dies konkreter. Es ist sicher, dass etwas kommt. Auch wenn vielleicht die konkrete Umsetzung anders aussieht. Ja ich kann noch lange hoffen, dass ich ein Businessclass Upgrade bekomme, aber als meine Frau schwanger war, ja da war sie in freudiger Erwartung. Wenn also Hoffnung in der Bibel steht, dann ist dies nicht vage, sondern es ist eine Erwartung, welche ihre Erfüllung in der Zukunft hat. Dies Erwartung wiederum hängt stark mit der Sinnfrage zusammen. Christliche Hoffnung ist sinnvoll, weil sie ihr Fundament in Jesus Christus hat. Vaclav Havel ein tschechischer Schriftsteller und erster Staatspräsident von Tschechien beschrieb Hoffnung wie folgt: «Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht» (Vaclav Havel).

Christliche Hoffnung ist Auferstehungshoffnung!

Obwohl christliche Hoffnung eine Hoffnung ist, welche vertrauensvoll in die Zukunft blickt, hat sie ihren Ursprung in der Vergangenheit. Sicherlich mehr als 25 Mal lief bereits vor der Predigt der Teaser zu unserem Jahresthema Creatio – Hoffnung und Verantwortung. Der erste, vielleicht eher düsterere Teil widmet sich der Verantwortung des Menschen für Gottes Schöpfung und darum, teilweise auch darum, wo diese leider nicht wahrgenommen wird. Doch der zweite Teil folgt prompt. Nach der Welle kommt Gottes Antwort: Jesus Christus, der Erlöser der Welt. Ein Neuanfang. Jesus hats vollbracht. Sein Tod erschüttert die Erde. Seine Auferstehung ist der Beginn einer neuen Schöpfung. Die christliche Hoffnung liegt in dieser Antwort des Teasers begründet.

Jesus Christus brachte Wiederherstellung. Er starb, damit der Weg zum himmlischen Vater für uns Menschen frei wurde. Was im Garten Eden seinen unheilvollen Anfang nahm, indem die Menschen selbst wie Gott sein wollten, wurde durch Jesus Christus umgekehrt. Es ist der Beginn einer neuen Schöpfung. Denn Jesus Christus starb nicht nur am Kreuz, sondern er ist auch auferstanden. Über die Plausibilität dieser Auferstehung hat Matthias an Ostern eine Predigt mit dem Titel «Ostern – mehr als ein spiritueller Gedanke» gehalten. Für die christliche Hoffnung ist es essenziell, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Als am dritten Tag nach dem Tod von Jesus Christus ein paar Frauen zum Grab kommen, wird ihnen von den dort anwesenden Engeln eine Frage gestellt. «Warum sucht ihr den Lebenden bei den Toten?» (Lukas 24,5b NLB) Jesus Christus ist Herr über den Tod. Wir Menschen wurden als Ebenbilder von Gott erschaffen. Gott wünscht sich eine Beziehung zu jedem einzelnen. Alle welche sich als Nachfolger von Jesus bezeichnen, bringen dadurch zum Ausdruck, dass sie Jesus Christus nachfolgen, dass sie ihm Glauben schenken. Nachfolger von Christus haben die Hoffnung, ja die feste Zuversicht und Erwartung, dass auch sie eines Tages von den Toten auferstehen werden und die Ewigkeit mit ihm im Himmel verbringen werden. Dort ist nicht nur ein schwebender Geist von mir vorhanden, sondern ich als Cédric Brügger werde dort sein. Mit Körper, Geist, Leib und Seele.

Obwohl die christliche Hoffnung sich in der Auferstehungshoffnung in der Zukunft gründet, so ist diese nicht bloss darauf beschränkt. Denn es ist eine Hoffnung nach einem Sein mit Gott vor und nach dem Tod! Nachfolger von Jesus wissen nicht was das Morgen für sie bereithält, sie wissen aber wer das Morgen in seiner Hand hält.

Christliche Hoffnung hängt aber nicht nur eng mit dem Glauben zusammen, sondern auch mit der Liebe (1. Korinther 13,13). Diese Hoffnung lässt sich wie folgt mit den Worten des Apostel Paulus aus dem Römerbrief beschreiben. «Ich bin überzeugt: Nichts kann uns von seiner Liebe trennen. Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder unsere Ängste in der Gegenwart noch unsere Sorgen um die Zukunft, ja nicht einmal die Mächte der Hölle können uns von der Liebe Gottes trennen. Und wären wir hoch über dem Himmel oder befänden uns in den tiefsten Tiefen des Ozeans, nichts und niemand in der ganzen Schöpfung kann uns von der Liebe Gottes trennen, die in Christus Jesus, unserem Herrn, erschienen ist» (Römer 8,38-39 NLB).

Christliche Hoffnung ist bewegende Hoffnung!

Christliche Hoffnung ist Auferstehungshoffnung! Das Gegenteil von dieser Hoffnung ist dann auch nicht Hoffnungslosigkeit. Es ist vielmehr ein Warten ins Leere. Oder noch drastischer ausgedrückt, es ist ein Leben ins Leere. Ein solches Leben ist nicht nur ungewiss, sondern auch sinnentleert. Nachfolger von Jesus müssen sich immer wieder der Frage stellen: Lebst du deinen Glauben und Nachfolge so aus, als ob Jesus Christus von den Toten auferstanden ist? Oder gleicht deine Nachfolge eher dem eines verstorbenen Idols. Passt auf dich die Anfrage der Engel an die Frauen beim Grab? Warum suchst du den Lebenden bei den Toten? (Lukas 24,5b) Nachfolge von Jesus Christus ist von einer bewegenden und keiner toten Hoffnung begleitet.

Nachdem Jesus von den Toten auferstanden war, begegnete er vielen Menschen. Unter anderem zwei Jüngern, welche auf dem Weg nach Emaus waren. Sie waren zu Fuss unterwegs und als sie so liefen kam plötzlich Jesus Christus zu ihnen, doch sie erkannten ihn nicht. Sie sprachen miteinander und Jesus war ihnen ganz nahe. Er verbrachte Zeit mit ihnen und erklärte ihnen die Bibel. Erst ganz am Schluss der Begegnung erkannten die beiden, dass es sich bei dem Mann, welcher mit ihnen den Tag verbracht hatte, um Jesus Christus den Auferstandenen handelte. Ihre Reaktion ist kennzeichnend für eine Begegnung mit dem Göttlichen. «Sie sagten zueinander: ‚War es uns nicht seltsam warm ums Herz, als er unterwegs mit uns sprach und uns die Schrift auslegte?‘» (Lukas 24,32 NLB). Die Begegnung mit Jesus Christus berührt und lässt nicht kalt. Obwohl Jesus Christus nicht mehr physisch unter uns weilt, können wir ihm begegnen. Vielleicht tun wir dies auch so wie die beiden Jünger. Im Moment selbst spüren wir, dass etwas anders ist, aber erst im Nachhinein erkennen wir, dass Gott uns in diesem Moment begegnet ist.

Der christliche Glaube steht in dieser Spannung von Sehen und Hoffen. Es gibt gute Gründe an Jesus Christus zu glauben, doch irgendwann wir es genau dies, ein Glaube. Denn beim Glauben handelt es sich um Dinge, welche man nicht sieht. Wo das Sehen beginnt, da hört das Glauben auf. Doch zusammen mit dem Glauben, setzt eine Hoffnung, eine feste Erwartung ein. Diese Hoffnung gibt dem eigenen Leben Sinn. Doch dies nicht nur für die Zukunft auch im Hier und Jetzt. Was diese Hoffnung bewirken kann zeigt sich in einem Text aus Jesaja 61. Lesen wir im Neuen Testament, dann sehen wir, wie Jesus Christus diese Dinge vollbracht hat. Doch auch heute sehen wir, wie Jesus Christus in Menschen, welche sich für ein Leben als Nachfolger für ihn entscheiden, genau solche Dinge erleben. Jesus Christus selbst beansprucht diese Verse für sich, dass er genau dies vollbringt (Lukas 4). «Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt, um den Armen eine gute Botschaft zu verkünden. Er hat mich gesandt, um die zu heilen, die ein gebrochenes Herz haben, und zu verkündigen, dass die Gefangenen freigelassen und die Gefesselten befreit werden. Er hat mich gesandt, um ein Gnadenjahr des Herrn und einen Tag der Rache unseres Gottes auszurufen und alle Trauernden zu trösten» (Jesaja 61,1-2 NLB).

Christliche Hoffnung ist eine konkrete, bewegende Auferstehungshoffnung. Es ist ein Vertrauen auf die Vertrauenswürdigkeit Gottes. Sie hat ihr Fundament in der Auferstehung von Jesus Christus. Diese Auferstehungshoffnung gibt eine Perspektive für den Moment, aber auch für eine ungewisse Zukunft. Eine solche Hoffnung bewegt und motiviert. Eine solche Hoffnung gibt Sinn im Leben. Wie wäre es, wenn du heute im Bistro bspw. mal nicht zuerst von den Ferien, dem Wetter, dem gestrigen Fussballmatch oder der Politik sprichst, sondern zuerst davon erzählst, was deinem Leben Hoffnung gibt? Und dadurch auch, was deinem Leben Sinn ergibt?

Mögliche Fragen für die Kleingruppe

Bibeltext lesen: Hebräer 11,1; Lukas 24

  1. Welche Hoffnung hast du für dein Leben? Was wünschst du dir am meisten?
  2. Wie würdest du christliche Hoffnung beschreiben? Wie unterscheidet sie sich vom umgangssprachlichen Begriff «Hoffnung»?
  3. Wie plausibel ist für dich die Auferstehung von Jesus Christus? Wo hast du Fragen? Wie antwortest du auf diese Tat von ihm?
  4. Wie würdest du die Auferstehungshoffnung beschreiben?
  5. Erkennst du den Unterschied zwischen Hoffnungslosigkeit und Warten ins Leere?
  6. Wie begegnest du Gott? Wie erlebst du ihn?