Heimischer werden durch die kleinen oder grösseren Tode

Datum: Sonntag, 21. April 2019 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Johannes 12,24
https://sermons.seetal-chile.ch/wp-content/uploads/2019/01/Serie_Willkommen_daheim.jpg

An Ostern feiern wir die Auferstehung von Jesus Christus. Tod und Auferstehung gehören zum ganz normalen geistlichen Rhythmus eines jeden Jesus-Nachfolgers dazu. Geistliches Wachstum ist nicht zu haben ohne die kleinen oder grösseren Tode, die in jedem Leben auftauchen.


Ostern führt uns deutlich vor Augen, dass die Auferstehungskraft Gottes grösser ist als der Tod. Ebenso klar wird uns, dass das Leben aus dem Sterben entsteht. Ein schönes Beispiel dafür ist die Jericho Rose, bei der aus scheinbar totem Gestrüpp durch ein bisschen Regen Leben entsteht. In Israel sind fast alle Kirchen nach Osten, zum Sonnenaufgang hin ausgerichtet, und bezeugen so die Auferstehung Jesu Christi!

Gott führt Regie

Jesus macht seinen Jüngern sehr klar deutlich, dass sein Tod kein Betriebsunfall sein wird. Am Vorabend vor seiner Kreuzigung sagte er: «Mir bleibt nicht mehr viel Zeit, mit euch zu sprechen, weil der Herrscher dieser Welt schon ganz nah ist. Er hat keine Macht über mich; doch ich werde tun, was der Vater von mir will, damit die Welt erkennt, dass ich den Vater liebe» (Johannes 14,30f). Der Herrscher dieser Welt ist Satan. In der ganzen Szenerie spielt er eine völlig untergeordnete Rolle. Er wird sich beim Sterben von Jesus zwar als Sieger wähnen, doch Regie führt ein anderer. Kaum zu glauben, aber der Vater von Jesus hat die Fäden in der Hand, obwohl es für Jesus in den Tod geht. Mehr noch: es ist Teil des Liebesgeschehens zwischen Vater und Sohn.

Wenn es in unserem Leben durch Schwierigkeiten und Krisen geht, kann es durchwegs sein, dass unser himmlischer Vater Regie führt. Aus Liebe lässt er kleinere und grössere «Tode» zu, um uns näher zu sich zu ziehen.

Leben entsteht aus dem Tod

Jesus sagt deutlich, dass der Rhythmus von Tod und Auferstehung allgemeine Gültigkeit hat: «Ich versichere euch: Ein Weizenkorn muss in die Erde ausgesät werden. Wenn es dort nicht stirbt, wird es allein bleiben - ein einzelnes Samenkorn. Sein Tod aber wird viele neue Samenkörner hervorbringen - eine reiche Ernte neuen Lebens» (Johannes 12,24). Unser aller Leben wird durch kleinere und grössere Tode reiche Ernte bringen. Tod und Auferstehung gehören zum ganz normalen geistlichen Rhythmus eines jeden Jesus-Nachfolgers. Eine wesentliche Lehre Jesu ist, dass Leben aus dem Tod entsteht – dass wir das Leben gewinnen, wenn wir es verlieren (Matthäus 16,25). Geistliches Wachstum ist nicht zu haben ohne die kleineren oder grösseren Tode, die in jedem Leben auftauchen. Martin Schleske: «Wir haben gar nicht die Wahl, nicht zu sterben. Ein Samenkorn bleibt entweder liegen und stirbt oder es fällt auf fruchtbaren Boden und stirbt – sodass aus dem Samenkorn ein Keim und aus dem Keim die Pflanze wird. Es gibt ein Sterben dem Tod entgegen und ein Sterben ins Leben hinein. Wir leben nicht unserem Tod entgegen, sondern wir sterben unseren Leben entgegen.»

Wenn wir diesen Rhythmus umarmen, diese Tatsache bejahen, gehen wir anders an das Leben heran. Dann können Krisen zu Zeiten tiefgreifender Veränderung werden. Neue Möglichkeiten tauchen auf. Und neue Erkenntnisse über Gott und uns selbst. Wir wachsen im Glauben und werden heimischer beim himmlischen Vater.

Ich lade ein, die folgenden vier Fragen zu bedenken, wenn du (oder jemand in deiner Nähe) dich das nächste Mal in einer Krise findest:

  1. Wie könnte die Krise dir helfen zu erkennen, was in deinem Leben gerade stirbt?

Bei Schmerz und Hindernissen ist meine erste Reaktion Ärger und Zorn. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies zum Liebesgeschehen Gottes mit mir zu tun haben könnte. Deshalb beklage ich seine Abwesenheit und weise Satan weg. Wenn ich diese Frage ernsthaft stelle, entdecke ich, dass Gott oft eine Menge zu sagen hat.

  1. Wie könntest du die Situation neu bewerten oder gestalten, damit sie eine fruchtbare Zeit wird, in der du Gott entdeckst, statt ihn zu verpassen?

Begegnet mir ein Problem, will ich es sofort lösen und beseitigen – schnellstmöglich. Solch eine Frage wirkt wie eine Verzögerung. Sie zwingt mich, die Krise zu interpretieren als Gottes geistliches Normalprogramm für Menschen – sein Lebens-Rhythmus für das Heimischer werden bei ihm. Wir sollten weniger in Kategorien «geheilt» und «nicht geheilt» denken, sondern nach der Erfahrung fragen, die wir durchleben.

  1. Welche Anzeichen von Auferstehung nimmst du wahr?

Unsere Kultur lehrt uns, Schmerz und Verlust eher zu fliehen, zu bekämpfen oder wegzuschieben, statt mich ihm zu stellen. Denn das ist harte und schwierige Arbeit! Wenn wir aber geduldig dranbleiben und diesen Prozess mit Gott durchstehen, wird die Stimme von Gottes Liebe nach und nach klarer und hörbarer.

  1. Wer könnte ein weiser Gefährte für dich sein, der dir hilft zu erkennen, was Gott in dir und durch dich tun will?

Manchmal frage ich mich, was aus Maria geworden wäre, hätte sie in ihrer Krise mit der ungewollten Schwangerschaft nicht ihre Cousine Elisabeth gehabt. Elisabeth war ihre Gefährtin, während das neue Leben in ihrem Bauch Gestalt annahm.

 

«Doch diesen kostbaren Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefässen (Tongefäss), nämlich in unseren schwachen Körpern. So kann jeder sehen, dass unsere Kraft ganz von Gott kommt und nicht unsere eigene ist» (2Korinther 4,7). Diesen Satz hat Kurt Spiess buchstäblich erlebt: grosse Schwachheit und Zerbrechlichkeit. Dazu hat er ein Bild gemalt. Auf der rechten Seite wird die Kraft und Dynamik des Heiligen Geistes sichtbar. Auf der anderen Seite ist ein zerbrechliches Gefäss. Es passiert ja oft im Leben, dass etwas stirbt bzw. in Brüche geht. Nach und nach aber kann uns bewusst werden, dass gerade dort, wo Stücke wegbrechen, mehr und mehr der goldene Schatz Gottes sichtbar wird. Der Heilige Geist zeigt uns das Gold mitten in unseren Scherben. Und dieses Gold kommt plötzlich zum Leuchten. Gottes Goldkörner leuchten durch unsere Risse.

Ja, es stimmt: Wir leben und sterben. Doch es ist genauso wahr, dass wir sterben und leben – um bei Ihm heimischer zu werden.

 

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Johannes 12,24; 14,30+31

  1. Wer führte laut angegebenem Text die Regie beim Tod von Jesus? Was ist die Rolle Gottes? Was ist die Rolle Satans?
  2. Was könnten «kleinere oder grössere Tode» in unseren Leben konkret sein?
  3. Sprecht über die vier Fragen, die in der Predigt vorkamen, und wendet sie auf euer persönliches Leben an!
  4. Tod und Auferstehung gehören zum ganz normalen geistlichen Rhythmus eines jeden Jesus-Nachfolgers. Welchen Einfluss könnte dieser Satz auf dein Leben haben?