Gottes Stimme hören | Ein Gott, der spricht
Serie: Einfach. Leise. Gegenwärtig. | Bibeltext: Johannes 10,3
Gott hört nicht nur, er spricht auch. Schon in der Geschichte Israels wurde sichtbar, dass Gott sein Volk sieht, hört und sich kümmert. Durch Jesus und den Heiligen Geist können Menschen heute Gottes Stimme hören. Voraussetzung dafür sind Offenheit, Stille und ein gehorsames Herz. Gott spricht auf unterschiedlichen Wegen – durch die Bibel, Eindrücke oder Menschen. Sein Reden gibt Orientierung, Mut und innere Gewissheit im Leben.
Das Volk Israel erlebte rund 400 Jahre lang Unterdrückung und Sklaventum in Ägypten. Während dieser schlimmen Wüstenzeit fühlte es sich für sie vermutlich an, wie wenn Gott sich von ihnen verabschiedet hätte. Es stimmt aber nicht. Gott ist ein guter Zuhörer.
Die Bibel beschreibt diese Situation mit bewegenden Worten: «Er hörte ihr Schreien und erinnerte sich an den Bund, den er mit Abraham, Isaak und Jakob geschlossen hatte. Er sah die Israeliten und kümmerte sich um sie» (2Mose 2,24f NLB). Gott hört, gedenkt, sieht und kümmert sich. Wir brauchen auch diese Perspektive – dass Gott uns hört, wenn wir zu Ihm rufen, und dass er sich persönlich und tief um jedes seiner Kinder kümmert.
ER ist wie ein guter Freund, der alles andere beiseitelegt, wenn wir mit einem Anliegen kommen. Er nimmt uns an der Hand, richtet seinen Blick auf uns und schenkt uns seine ungeteilte Aufmerksamkeit (Psalm 17,6).
Gott spricht
Gott ist nicht nur ein aufmerksamer Zuhörer. Er ist auch ein Gott, der spricht. Im Neuen Testament wird die zweite Person der Gottheit sogar «das Wort» genannt (Johannes 1,1+14). Jesus Christus ist Gottes Mitteilung an uns. In ihm spricht der Himmel. Christus ist das menschgewordene Wort Gottes.
Doch Gott hat schon lange vorher gesprochen. Die Schöpfung beginnt mit Gottes Wort (1Mose 1,1). Die ganze Geschichte Israels ist geprägt davon, dass Gott zu Menschen redet – zu Patriarchen, Königen und besonders zu Propheten. Sehr eindrücklich wird diese Kommunikation zwischen Gott und Mose beschrieben: «Der HERR sprach mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie einer, der mit seinem Freund redet» (2Mose 33,11 NLB). Gottes Reden ist nach der Bibel also nichts Ungewöhnliches. Es gehört zur Beziehung zwischen Gott und Mensch.
Allerdings gab es auch Zeiten, in denen Gottes Reden selten geworden war. Über die Zeit Samuels lesen wir: «[...] Damals waren Botschaften vom HERRN selten und Visionen kamen nicht häufig vor» (1Samuel 3,1 NLB). Warum war das so?
Die Zeit der Richter wird mit einem Satz treffend beschrieben: «Damals hatte Israel noch keinen König, deshalb tat jeder, was er für richtig hielt» (Richter 21,25 NLB). Eigenwille, Selbstherrlichkeit und Selbstverwirklichung sind echte Hindernisse für das Hören auf Gott. Wenn Menschen nur noch tun, was sie selbst für richtig halten, hören sie irgendwann auf zu fragen. Und wer nicht mehr fragt, hört auch nicht mehr.
Doch Gott kündigte eine neue Zeit an. Durch den Propheten Joel sagt Gott: «In den letzten Tagen werde ich meinen Geist über alle Menschen ausgiessen. Eure Söhne und Töchter werden weissagen, eure alten Männer werden prophetische Träume und eure jungen Männer Visionen haben. In diesen Tagen werde ich meinen Geist sogar über Diener, ob Mann oder Frau, ausgiessen, und sie werden weissagen» (Joel 3,1f NLB).
Diese Aussage ist entscheidend für unser Thema. Die Ausgiessung des Heiligen Geistes sollte nicht nur einzelnen wenigen Menschen gelten, sondern allen, die Gott nachfolgen. Im Alten Testament kam der Geist Gottes oft auf einzelne Personen, die eine besondere Aufgabe hatten. Doch mit Jesus beginnt eine neue Zeit. Am jüdischen Pfingstfest erfüllte sich diese Verheissung (Apostelgeschichte 2,16–18). Seit diesem Tag können Menschen, die Jesus Christus nachfolgen, Gottes Stimme hören.
Darum schreibt Paulus: «Ich wünschte [...] ihr könntet alle prophetisch reden [...]» (1Korinther 14,5 NLB). In der Bibel ist Prophetie im Kern das Hören der Stimme Gottes. Das Wort bedeutet sinngemäss, vor Gott zu stehen. Anscheinend ist aber völlig klar: wer vor Gott steht, hört seine Stimme und kann das Gehörte weitergeben. Prophetie ist deshalb das Aussprechen von Gottes Willen. Das kann die Vergangenheit, die Gegenwart oder auch die Zukunft betreffen.
Gott sehnt sich danach, mit uns zu reden – hier und heute. Diese Kommunikation prägt die Qualität unserer Beziehung zu Ihm. Jesus erklärt das sehr schlicht: «Die Schafe hören die Stimme des Hirten und kommen zu ihm. Er ruft seine Schafe, die ihm gehören, beim Namen und führt sie hinaus» (Johannes 10,3 NLB). Grammatikalisch könnte man auch sagen: Er ruft fortwährend seine eigenen Schafe, und sie hören fortwährend seine Stimme.
Frequenz einstellen
Vielleicht denkst du jetzt: Das klingt gut – aber ich höre Gottes Stimme nicht. Wenn du ein Kind Gottes bist, hast du sie mindestens einmal gehört. Niemand kommt von sich aus zu Gott, es sei denn, Gott ruft ihn. Trotzdem ist das Hören von Gottes Stimme oft herausfordernd.
In diesem Raum gibt es viele unsichtbare Wellen. Wenn wir wissen wollen, welche Signale sie transportieren, brauchen wir ein Radio. Erst wenn wir es einschalten und auf Empfang gehen, bekommen diese Wellen eine Bedeutung für uns. So ähnlich ist es auch mit Gottes Reden. Gott sendet – aber wir müssen auf Empfang gehen und die richtige Frequenz einstellen.
- Das Empfangsgerät. Gott spricht auf einer geistlichen Ebene. Deshalb sind wir auf den Heiligen Geist angewiesen. Er wird denen geschenkt, die Jesus Christus in ihr Herz aufnehmen. Der Heilige Geist ist gewissermassen unser Empfangsgerät für Gottes Stimme.
- Die Frequenz einstellen. Die Frequenz Gottes unterscheidet sich stark von der Lautstärke unserer Welt. Ein Rabbi sagte einmal: «Alles Wichtige kommt leise. Der Aufgang der Sonne, das Schlagen des Herzes, ein Gedanke der Liebe und das Reden Gottes.» Wenn wir Gottes Stimme hören wollen, müssen wir Raum schaffen – im Alltag und im Herzen. Das Symbolbild für unser Jahresthema «Einfach. Leise. Gegenwart». ist die Wüste. Interessanterweise haben im Hebräischen die Worte für Wüste und Wort dieselbe Wurzel. In der Wüste gibt es wenig Ablenkung. Dort kann Gottes Wort gehört werden. Wo die Stimmen der Welt leiser werden, kann Gottes Reden hörbar werden.
- Störsender eliminieren. Eine wichtige Strategie im Krieg ist es, die Kommunikation des Gegners zu stören. Wenn Kommunikation nicht mehr funktioniert, bricht vieles zusammen. Auf geistlicher Ebene versucht der Widersacher ebenfalls, unser Hören auf Gott zu blockieren. Er flüstert Gedanken wie: Nur Schwärmer beschäftigen sich damit. Auf diesem Gebiet gibt es so viel Missbrauch. Oder: Gott spricht heute nicht mehr so. Wenn wir solchen Einwänden glauben, hören wir auf zu suchen. Doch wer nicht mehr sucht, wird auch nicht hören.
- Eine demütige Herzenshaltung: Eine Geschichte erzählt von einer Frau, die auf der Strasse Waren verkaufte. Wenn sie an eine Kreuzung kam, warf sie einen Stock in die Luft. In die Richtung, in die der Stock zeigte, ging sie weiter. Ein Mann beobachtete, wie sie den Stock gleich dreimal warf, und fragte schliesslich, warum. Sie antwortete: «Ich lasse mir von Gott zeigen, wohin ich gehen soll.» Der Mann fragte: «Und warum dreimal?» Sie sagte: «Weil er mich die ersten beiden Male in die falsche Richtung geschickt hat.» Die Geschichte ist humorvoll, aber sie zeigt eine wichtige Wahrheit. Wenn wir innerlich längst entschieden haben, welchen Weg wir gehen wollen, braucht Gott gar nicht mehr zu reden. Nicht umsonst gibt es in den alten Sprachen Hebräisch, Griechisch und Lateinisch jeweils nur ein Wort für Hören und Gehorchen. Eine Haltung des Gehorsams ist eine wichtige Voraussetzung dafür, Gottes Stimme zu hören.
Kanäle zappen
Gott spricht auf verschiedenen Wegen. Es kann hilfreich sein, zwischen diesen «Kanälen» immer wieder zu wechseln. Welcher Kanal uns besonders vertraut ist, hängt oft auch mit unserer Persönlichkeit zusammen.
Gott kann durch Eindrücke sprechen (Apostelgeschichte 20,22; 15,28). Manchmal durch Gedanken (1Könige 19,11).
Manchmal durch Bilder (Johannes 1,48; Apostelgeschichte 7,56) oder durch Visionen (Daniel 7,2–3). Auch Träume können ein Weg sein, durch den Gott redet (Hiob 33,14ff; Matthäus 1,20).
Die Bibel berichtet ebenfalls davon, dass Gott durch Engel spricht (1Mose 18,1–10; Hebräer 13,2).
Manchmal geschieht es sogar durch eine hörbare Stimme (Apostelgeschichte 9,4).
Sehr häufig spricht Gott auch durch die Heilige Schrift (Daniel 9,2f). Gott redet zwar nicht wie ein Buch, aber durch ein Buch. Ziemlich häufig redet Gott zu uns, wenn wir in der Bibel lesen und uns ein Vers oder ein Abschnitt plötzlich ins Auge springt und uns direkt und persönlich anspricht.
Auch andere Menschen können von Gott gebraucht werden, um uns etwas zu sagen (1Korinther 14,3).
Und schliesslich verändert Gott mit der Zeit unser Denken. Ehepaare, die eine emotionale Intimität pflegen, erfahren eine Co-Evolution – man entwickelt sich kaum bemerkbar gemeinsam in die gleiche Richtung – man entdeckt wie sich Interessen und Gefühle mehr und mehr angleichen. Das geschieht auch im Leben mit Gott: «Deshalb orientiert euch nicht am Verhalten und an den Gewohnheiten dieser Welt, sondern lasst euch von Gott durch Veränderung eurer Denkweise in neue Menschen verwandeln. Dann werdet ihr wissen, was Gott von euch will: Es ist das, was gut ist und ihn freut und seinem Willen vollkommen entspricht» (Römer 12,2 NLB). Das geschieht oft unspektakulär, aber sehr nachhaltig.
Ich bin persönlich sehr dankbar für Gottes Reden. Als ich 2007 meinen Dienst als Pastor in dieser Kirche begann, erlebte ich starken Gegenwind. Es gab offene Kritik, aber auch anonyme Angriffe auf meine Person, meine Fähigkeiten und meinen Dienst. Der Grund, warum ich mich dadurch nicht entmutigen liess, war Gottes Reden. Gott hatte mich auf übernatürliche Weise und durch klare Kommunikation in diese Aufgabe gerufen. Diese Gewissheit hat mich getragen. Gottes Reden ist existenziell für unser Leben. Wenn ER spricht, gibt das eine innere Sicherheit, die unabhängig von der Meinung anderer Menschen ist. Wenn Gott spricht, können wir mutig weitergehen.
Mögliche Fragen für die Kleingruppen
Bibeltext: Johannes 10,1-5
- Wann hast du zuletzt erlebt, dass Gott zu dir gesprochen oder dich geführt hat? Wie hast du das wahrgenommen?
- Welche «Stimmen» in deinem Alltag machen es dir am schwersten, Gottes Stimme zu hören?
- Welche Rolle spielen Stille und Zeit mit Gott in deinem Leben? Was hilft dir, innerlich auf Empfang zu gehen?
- Über welche «Kanäle» hat Gott in deinem Leben bisher am häufigsten gesprochen (Bibel, Gedanken, andere Menschen usw.)?
- Gibt es im Moment eine Situation, in der du dir besonders Gottes Reden oder Führung wünschst?
