Dritter Advent | Jesus kommt bald
Serie: EIFACH muetig – mit Jesus als Vorbild | Bibeltext: Jakobus 5,7-11
Die Adventszeit erinnert uns an Jesu baldige Wiederkunft. Jakobus ruft zu Geduld und Wachsamkeit auf: Wir sollen wie Bauern arbeiten und zugleich auf Gottes sichere Ernte hoffen. Geduld zeigt sich als Langmut gegenüber Menschen und als Ausharren in schwierigen Umständen. Hiob und die Propheten sind unsere Vorbilder. Gottes Mitgefühl trägt uns, und am Ende erwartet uns ein unverdientes, herrliches Erbe – die wahre Glückseligkeit derer, die treu bleiben.
Vor vielen Jahren erwartete eine kleine Gemeinschaft im thurgauischen Dozwil, wenige Kilometer von meinem Wohnort entfernt, die Ankunft eines UFOs. Dieses Raumschiff sollte sie angeblich an einen wunderbaren Ort in einer besseren Welt entrücken. Die Presse berichtete darüber, Schaulustige kamen, die Spannung wuchs – und am angekündigten Tag geschah nichts. Die grosse Erwartung verpuffte. Warum? Weil sie auf menschlichen Vorstellungen, Spekulationen und falschen Verheissungen beruhte.
Auch in jüngster Zeit treten immer wieder Menschen mit gewagten Vorhersagen über die letzten Dinge der Welt auf. Eine angebliche Prophetie sagte dieses Jahr voraus, Jesus würde die Gläubigen am 23./24. September entrücken, gefolgt von sieben Jahren Trübsal und der Wiederkunft 2032. Solche Vorhersagen haben eines gemeinsam: Sie verunsichern mehr, als dass sie Hoffnung schenken.
Die Adventszeit erinnert uns an eine ganz andere Erwartung – an die Wiederkunft Jesu. Diese Erwartung ist fest in der Bibel verankert. Jakobus bringt sie in einem einfachen, aber gewichtigen Satz auf den Punkt: Jesus kommt bald. Das ist keine Spekulation, sondern eine Zusage Gottes. So sicher, wie wir nach der Adventszeit Weihnachten feiern, so sicher wird Jesus wiederkommen – auch wenn niemand den Zeitpunkt kennt. Was bedeutet das für unser Leben heute?
Die baldige Wiederkunft Jesu
Jakobus schreibt: «Auch ihr müsst geduldig sein. Und seid zuversichtlich, denn das Kommen des Herrn steht kurz bevor!» (Jakobus 5,8 NLB).
Die Nachfolge Jesu lebt in dieser Spannung: geduldig warten und zugleich damit rechnen, dass Jesus jederzeit kommen kann. Die ersten Christen lebten mit dieser Erwartung. Sie wussten: Die Geschichte bewegt sich nicht im Kreis, sondern auf ein Ziel zu – auf den König, der wiederkommt, um alles zurechtzubringen, was jetzt noch zerbrochen ist.
Wir stehen heute in einer anderen Versuchung. Wir richten uns gerne im Vorletzten ein. Diese Welt bietet vieles, was schön, vertraut und sinnvoll ist. Doch genau darin liegt die Gefahr: Wir verlieren leicht die Perspektive des Letzten – des endgültigen Handelns Gottes. Wer das Vorletzte zum Letzten macht, verliert am Ende beides: die Wachheit für Jesu Wiederkunft und die richtige Ausrichtung für das Leben im Jetzt.
Jakobus gebraucht deshalb ein Bild aus dem Alltag: «Liebe Brüder, habt Geduld, während ihr auf die Wiederkehr des Herrn wartet! Denkt an die Bauern, die im Herbst und im Frühling eifrig nach Regen Ausschau halten. Geduldig warten sie darauf, dass die Ernte heranreift» (Jakobus 5,7 NLB).
Auf dem Bauernhof meiner Kindheit wurde Milch- und Obstwirtschaft betrieben. Obwohl die Apfelernte nur im Herbst stattfand, gab es das ganze Jahr über Arbeit: Winterschnitt, Äste sammeln und verbrennen, junge Bäume pflanzen, im Sommer Äpfel auspflücken. Wir hielten diese Arbeit durch, weil wir wussten: Die Ernte kommt – und mit ihr auch unser Taschengeld für den Jahrmarkt.
So gewiss, wie die Apfelernte kommt, wird Jesus wiederkommen. Das ist nicht symbolisch gemeint, nicht poetisch, sondern real. Die ganze Haltung des Christenlebens hängt an dieser Perspektive: Jesus kommt wieder. Diese Hoffnung bewahrt uns davor, zu resignieren – und ebenso davor, unser Heil in dieser Welt zu suchen.
C.S. Lewis formuliert es treffend: «Gerade, weil wir etwas anderes mehr lieben als diese Welt, lieben wir diese Welt mehr als jene, die nichts anderes kennen.» Wer weiss, dass diese Welt das Vorletzte ist, kann freier, gelassener und verantwortlicher leben.
Geduldiges Ausharren
Die Arbeit in den Obstplantagen kostete Geduld, Mühe und Ausdauer. Ähnlich fordert uns die Zeit bis zur Wiederkunft Jesu heraus. Jakobus macht dies deutlich, indem er in wenigen Versen fünfmal ein Wort verwendet, das mit «Geduld» übersetzt wird. Im Griechischen stehen dahinter jedoch zwei unterschiedliche Begriffe. Beide gehören zusammen, beide beschreiben das Leben im Warten.
Makrothymía – Langmut gegenüber Menschen
Viermal fordert Jakobus zur Makrothymía auf – zur Langmut. Gemeint ist Geduld mit Menschen: nicht vorschnell ärgerlich werden, nicht nachtragen, nicht verbittern. Diese Langmut spiegelt Gottes Geduld mit uns wider. Von ihm heisst es: Er ist «langsam zum Zorn und gross an Gnade» (2Mose 34,6; u.a.).
Ein versöhntes Miteinander unter Jesusnachfolgern ist ein Vorgeschmack auf die neue Schöpfung. Darum bekommt dieses Thema im Blick auf die Wiederkunft Jesu besondere Dringlichkeit: «Ärgert euch nicht übereinander, liebe Brüder, sonst wird Gott euch richten. Denn der Richter steht schon vor der Tür!» (Jakobus 5,9 NLB).
Wie schnell ärgern wir uns übereinander – über Worte, Verhalten, Unterlassungen. Wir klagen innerlich oder äusserlich an, reden schlecht übereinander oder ziehen uns zurück. Doch Paulus erinnert uns: «[...] Wenn du sagst, dass sie bestraft werden sollen, dann verurteilst du dich damit selbst, weil du genau dasselbe tust, wenn du über sie richtest» (Römer 2,1 NLB).
David ist ein eindrückliches Beispiel für Langmut. Saul verfolgte ihn jahrelang mit dem Ziel, ihn zu töten. Später versuchte sogar sein eigener Sohn, ihm den Thron zu rauben. Dennoch überliess David die Rache Gott: «Er ist der Gott, der denen vergilt, die mir Böses wollen [...]» (2Samuel 22,48 NLB).
Langmut bedeutet nicht, Verletzungen zu verharmlosen. Sie bedeutet, sie Gott anzuvertrauen. Denn nur er ist vollkommen gerecht. Darum gilt: «Seid stattdessen freundlich und mitfühlend zueinander und vergebt euch gegenseitig, wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat» (Epheser 4,32 NLB).
Hypomonē – Ausharren in Umständen
Neben der Geduld mit Menschen spricht Jakobus von einer zweiten Form der Geduld: dem Ausharren in Umständen. Kürzlich sagte mir eine Person, sie werde keinen Fuss mehr in eine Kirche setzen, weil sie von Gott zutiefst enttäuscht sei. Das erlittene Leid war schwer – und kaum in Worte zu fassen.
Jakobus macht deutlich: Zum Leben in der Erwartung der Wiederkunft Jesu gehört auch das Ausharren im Leid. «Nehmt zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die geredet haben in dem Namen des Herrn. Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer» (Jakobus 5,10f NLB).
Hypomonē bedeutet «unter etwas bleiben». Es ist die Kraft, nicht davonzulaufen, nicht innerlich auszusteigen, sondern im Leid an Gott festzuhalten – auch wenn wir den Sinn nicht verstehen.
Hiob ist das grosse Beispiel dafür. Er verlor seine Kinder, seinen Besitz und seine Gesundheit. Er verstand sein Leid nicht. Er klagte, weinte und rang mit Gott. Aber er lief nicht weg. Er blieb. Das ist Ausharren. Hypomonē sieht nicht sofort die Lösung, sondern vertraut darauf, dass Gott die Geschichte am Ende wendet.
Diese Perspektive stärkt auch uns: «Denn unsere jetzigen Sorgen und Schwierigkeiten sind nur gering und von kurzer Dauer, doch sie bewirken in uns eine unermesslich grosse Herrlichkeit, die ewig andauern wird!» (2Korinther 4,17 NLB).
Und Jakobus fügt den entscheidenden Satz hinzu: «[...] denn er ist voll Mitgefühl und Barmherzigkeit» (Jakobus 5,11 NLB). Gottes Liebe zu uns misst sich nicht daran, wie es uns gerade geht. Sie ist unabhängig von Leid und Belastung. Im Gegenteil: Gott leidet mit. Unsere Not berührt ihn zutiefst.
Gratulation zum guten Ende
Nach diesem Doppelruf zur Geduld zieht Jakobus ein Fazit: «Denn wir schätzen jene glücklich (makários), die im Leiden durchgehalten haben [...]» (Jakobus 5,11 NLB).
Der Begriff makários gehört zu den wichtigsten Wörtern des Neuen Testaments – besonders in den Seligpreisungen (Matthäus 5). Er beschreibt nicht oberflächliches Glück, sondern die wahre Glückseligkeit derer, die in Gottes Nähe und Verheissung stehen – unabhängig von Erfolg, Leid oder Umständen. Es ist die Glückseligkeit, die aus dem Vertrauen auf Gott wächst.
Makários ist die Genugtuung nach getaner Arbeit. Wie im Herbst, wenn ein voll beladener Wagen zum Obsthändler fährt. Wie der Zahltag nach einem langen Jahr. Oder wie der Jahrmarkt, auf den man sich so lange gefreut hat.
Makários ist auch die Erfahrung Hiobs am Ende seines Weges. Gott stellte ihn sichtbar wieder her: doppelter Besitz (14’000 Schafe, 6000 Kamele, 1000 Ochsengespanne und 1000 Eselinnen) und nochmals sieben Söhne und drei Töchter. Und von den Töchtern heisst es: «Im ganzen Land fand man keine so schönen Frauen wie die Töchter von Hiob. Und ihr Vater bedachte sie wie ihre Brüder mit Erbbesitz» (Hiob 42,15 NLB). Makários – Hiob war glücklich zu schätzen! Völlig aussergewöhnlich war, dass Hiob seine Töchter mit einem Erbe beschenkte. Das war in dieser Kultur so nicht vorgesehen. Hiob tat es aus freien Stücken. Wenn Jesus wiederkommt, wartet auch auf uns ein gewaltiges Erbe – unverdient, aus lauter Gnade. Wir werden Miterben Christi sein. Alles, was Gott gehört, wird auch uns gehören (vgl. Lukas 15,31).
So stehen auch wir im Advent. Wir warten nicht auf ein UFO und nicht auf menschliche Berechnungen, sondern auf den Herrn der Geschichte. Wir leben geduldig mit Menschen, wir halten aus in schweren Umständen – weil wir wissen, dass Gott treu ist. Jesus kommt wieder. Nicht vielleicht. Nicht symbolisch. Sondern wirklich. Makários – glücklich zu schätzen sind die, die geduldig gewartet haben.
Mögliche Fragen für die Kleingruppen
Bibeltext: Jakobus 5,7-11
- Warten auf Jesu Wiederkunft: Was bedeutet es für dich persönlich, dass Jesu Wiederkunft «bald» ist – eher Ermutigung, Herausforderung oder beides?
- Vorletztes und Letztes: Wo merkst du, dass du dich manchmal zu stark im «Vorletzten» einrichtest? Wie hilft dir der Fokus auf das «Letzte», Prioritäten neu zu ordnen?
- Makrothymía – Geduld mit Menschen: In welchen Situationen fällt es dir schwer, mit Menschen langmütig zu bleiben? Was hilft dir, Gottes Geduld mit dir selbst nicht zu vergessen?
- Hypomonē – Ausharren in Umständen: Gibt es derzeit Belastungen oder ungelöste Situationen, in denen du Ausharren brauchst? Wie kann die Gruppe füreinander darin beten?
- Die Hoffnung auf Gottes Erbe: Wie stärkt dich die Verheissung, dass wir Miterben Christi sind? Welche Auswirkungen hat diese Zukunftshoffnung auf deinen Alltag?


