Der Gärtner
Sonntag, 12. April 2020

Der Gärtner

Prediger/in:
Passage: Johannes 20,11-18
Dienstart:

Der auferstandene Jesus begegnet Maria am leeren Grab als Gärtner. Gott ist für uns wie ein Gärtner. Er versteht es, karges Land in einen blühenden Garten zu verwandeln. Ostern macht aus einem Karfreitag der Trauer einen Good Friday, aus einer Trauergeschichte eine Hoffnungsgeschichte.


Wenn auf einer Überbauung die Häuser stehen und die ersten Leute ihre Wohnungen beziehen, ist die Umgebung noch braun, dreckig und trist. Als letzter Berufsmann kommt der Gärtner und nimmt sich dieser Tristesse an, gestaltet einen Garten, sät den Rasen ein, pflanzt passende Bäume und bunte Blumen und legt schöne Steine. Nach wenigen Wochen sieht die ganze Umgebung wie verwandelt aus: wunderschöne Gärten und sattgrüne Rasen. Reinhard Mey singt zwar, dass der Mörder immer der Gärtner sei, eigentlich ist der Gärtner aber einer, der Leben und Schönheit schafft.

Trauer

Wir kommen von Karfreitag. Das Wort Karfreitag hat seine Wurzeln im althochdeutschen kara, was Klage, Kummer, Trauer bedeutet. Davon hatte Maria mehr als genug, als sie am dritten Tag nach der Kreuzigung Jesu zum Grab kam. Jetzt gab es für sie kein Halten mehr. Sie weinte bitterlich. So viel Traurigkeit, Verzweiflung, Ungerechtigkeit. Alles, was die letzten Tage und Stunden passiert war einfach zu viel. Ihr Jesus, der ihrer Familie so viel Gutes getan hat, war tot, hingerichtet. Das, was ihrem Leben Sinn und Halt gegeben hat, war weg. Das Wertvollste ist aus ihrem Leben verschwunden.

«Maria stand weinend draussen vor dem Grab, und während sie weinte, beugte sie sich vor und schaute hinein. Da sah sie zwei weiss gekleidete Engel sitzen, einen am Kopf- und einen am Fussende der Stelle, an der der Leichnam von Jesus gelegen hatte. ‘Warum weinst du?’, fragten die Engel sie. ‘Weil sie meinen Herrn weggenommen haben’, erwiderte sie, ‘und ich nicht weiss, wo sie ihn hingelegt haben.’» (Johannes 20,11-13 NL).

Jesus ist nicht mehr da. Das Grab ist leer und keiner konnte sich das erklären. Man merke: Engel konnten Maria nicht über den Verlust von Jesus hinwegtrösten. Das gilt auch heute noch: in der Wohnung herumstehende Engel sind kein Ersatz für Jesus – auch wenn sie heutzutage vielerorts hoch im Kurs sind.

Ich denke, dieses Gefühl von Maria ist ein Lebensgefühl, das wir bis heute kennen. Maria wollte das Grab von Jesus hegen und pflegen. Wie viele Gräber müssen wir in unserer Biografie schon hegen und pflegen, wir mussten so viel begraben an Hoffnungen, Wünschen und Visionen. So Gräber können sein: der Wunsch nach Kindern oder der Wunsch nach einem Ehepartner, das Leiden am Arbeitsplatz, körperliche oder seelische Leiden, der Zerbruch einer Beziehung, der Verlust eines lieben Menschen, eigenes Versagen, Minderwert, ein Geheimnis, das du noch niemandem offenbart hast, Enttäuschungen, Einsamkeit, etc. Vielleicht stehst du vor einem Grab, das der Umgebung eines Neubaus nach dem Winter ähnelt: braun, dreckig und trist. Karfreitag. So in etwa haben sich Maria und wohl auch die zwölf Freunde von Jesus gefühlt.

Hoffnung

Doch dann sieht Maria etwas: «Sie blickte über ihre Schulter zurück und sah jemanden hinter sich stehen. Es war Jesus, aber sie erkannte ihn nicht. ‘Warum weinst du?’, fragte Jesus sie. ‘Wen suchst du?’ Sie dachte, er sei der Gärtner. ‘Herr’, sagte sie, ‘wenn du ihn weggenommen hast, sag mir, wo du ihn hingebracht hast; dann gehe ich ihn holen.’ ‘Maria!’, sagte Jesus. Sie drehte sich um zu ihm und rief aus: ‘Meister!’» (Johannes 20,14-16 NL).

Da wird plötzlich aus einer Trauergeschichte eine Hoffnungs- und Freudengeschichte. Ein abgrundtief trauriger Mensch verändert sich in einen hoffnungsvollen, lebensfröhlichen und mutigen Menschen. Was aber genau reisst Maria aus ihrem Leid? Was trocknet hier am Gartengrab ihre Tränen? Es ist eine seltsame Begegnung. Mit den Engeln kann sie anscheinend nicht viel anfangen. Dann kommt es zur Begegnung zwischen Maria und dem Gärtner, der Jesus ist. Aber sie erkennt Jesus nicht. Jesus als Gärtner! Dürfen wir uns Gott am Grab als Gärtner vorstellen? Was ist ein Gärtner? Gott hat ganz am Anfang den Garten Eden als Umgebung für das erste Menschenpaar Adam und Eva angelegt. Ein Gärtner sorgt zunächst für eine gute Saat, die ausgestreut wird. Dann fällt die Saat auf den Boden und der Gärtner kümmert sich darum, so dass es wachsen kann und Neues entsteht. Wir meinen, es ist vorbei, es ist abgestorben, wir sehen nichts mehr, und plötzlich kommt aus der Saat, die der Gärtner ausgestreut hat, völlig unverhofft neues Leben. Rund um die Neubausiedlung entstehen wunderbare Gärten und verändern das Bild total.

Jesus kommt gerne als Gärtner an deine Gräber. Vielleicht das Grab des Zerbruchs einer Beziehung. Tiefe seelische Wunden, zum Beispiel durch eine Scheidung verursacht, kann der Gärtner Jesus in ein Kompetenzzentrum verwandeln. Und du kannst zu einem Segen für andere in ähnlichen Situationen werden. Oder deinem Gefühl des nicht Dazugehörens kann er neue Hoffnung geben, so dass neues Leben aufkeimt. Stell dir Gott an den Gräbern deines Lebens als Gärtner vor! Wir meinen, es ist so viel vorbei, abgestorben, aber der Gärtner kann sich darum kümmern. Wenn Gott in unsere Welt als ein Gärtner kommt, kann es heute in deinem Leben passieren, dass aus einer Trauergeschichte eine Hoffnungsgeschichte wird. Ostern macht aus einer Trauergeschichte eine Hoffnungsgeschichte.

Die Engländer sprechen nicht von Karfreitag, sondern vom «Good Friday» (guter Freitag). Good Friday ist es, weil dieser Gott in der Person seines Sohnes Jesus Christus Gärtner geworden ist. Good Friday ist es, weil Christus uns das ewige Leben erworben hat, und nicht erst für nach unserem Tod. Die Auswirkung gilt schon jetzt durch die Verbundenheit mit Gott durch den Geist, der in uns Wohnung nimmt und uns von innen heraus verändert. Das ist letztlich alles eine Frucht des Kreuzes. Die Auferstehungskraft ist mächtig. Mit der gleichen Kraft, mit der Gott Jesus von den Toten auferstehen liess, arbeitet er an seinen Nachfolgern und macht aus Tristesse einen wunderschönen Garten. Im Gegensatz zu einem Gärtner mit grüner Schürze schafft er sogar Leben aus dem Nichts.

Jesus stellt uns Gott übrigens noch an anderer Stelle als Gärtner vor: «Wenn sich Gott so wunderbar um die Blumen kümmert, die heute aufblühen und schon morgen wieder verwelkt sind, wie viel mehr kümmert er sich dann um euch?» (Matthäus 6,30 NL). Woran merkt man, dass Gott sich um die Blumen kümmert? Obwohl sie nicht arbeiten und sich keine Kleider nähen, sind sie herrlicher gekleidet als König Salomo in seiner ganzen Pracht. In diesem sogenannten «Wieviel-Mehr-Gleichnis» steckt eine grosse Zusage: Gott kümmert sich um dich. Er ist auch dein Gärtner. Deshalb brauchst du dir keine Sorgen zu machen (Matthäus 6,31)! Wir dürfen – selbst angesichts von zerbrochenen Träumen – ein sorgenfreies Leben führen. Wenn wir uns auf einen Schlag keine Sorgen mehr machen, setzt das ganz viel emotionale und rationale Kapazität frei. Diese sollten wir möglichst bald sinnvoll anders nutzen, sonst kommen die Sorgen zurück. Jesus schlägt vor: «Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, was ihr braucht» (Matthäus 6,33 NL). Eigentlich heisst das nichts Anderes, als dass wir als von Gott Beschenkte ‘Gärtner’ für andere sein sollen.

Gärtner sein

Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Wie du und ich. Auch wir können und sollen ‘Gärtner’ für andere sein. Gott als der Prototyp-Gärtner hat nämlich von Anfang an einen Plan verfolgt: «Dann sprach er: ‘Auf der Erde soll Gras wachsen und sie soll Pflanzen hervorbringen, die Samen tragen, und Bäume voller unterschiedlichster Früchte, in denen ihr Same ist.’ Und so geschah es» (1Mose 1,11 NL). In seiner ganzen Schöpfung liegt der Same der Multiplikation. Wenn man bedenkt, wie viele Millionen Samen jede Pflanze oder jeder Mensch produziert, wirkt das schon fast verschwenderisch, doch das Leben soll weitergehen.

Am Beispiel von Maria sehen wir, was das bedeuten könnte: «’Berühre mich nicht’, sagte Jesus, ‘denn ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren. Aber geh zu meinen Brüdern und sage ihnen, dass ich zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott auffahre.’ Maria Magdalena fand die Jünger und erzählte ihnen: ‘Ich habe den Herrn gesehen!’ Dann berichtete sie, was er ihr aufgetragen hatte» (Johannes 20,17-18 NL).

Maria hat die gute Botschaft von Jesus weitererzählt, so dass auch die Jünger aus ihrer Tristesse ins spriessende Leben zurückgeholt werden. Für wen könntest du ‘Gärtner’ sein? Wem könntest du gerade auch im aktuellen Ausnahmezustand helfen, dass aus einer Trauergeschichte eine Hoffnungsgeschichte wird? Bereits ein Telefonanruf oder eine kleine Hilfestellung kann eine triste Umgebung begrünen. Warum nicht einmal bei unseren kranken und leidenden Menschen nachfragen, wie es ihnen geht? Vielleicht kannst du auch wie Maria die gute Botschaft weitererzählen, dass Jesus wahrhaftig auferstanden ist. Jesus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

 

Ostern macht aus einer Trauergeschichte eine Hoffnungsgeschichte. Das kannst du im Glauben an Jesus Christus persönlich erleben. Er kann aus den Gräbern, die du hegst und pflegst, Hoffnung und Schönheit werden lassen. Der Gärtner ist eben kein Mörder, sondern ein Lebensstifter par excellence. Das wollen wir heute feiern.

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: Johannes 20,11-18

  1. Was für Gräber hegst und pflegst du?
  2. Was bedeutet es, dass Gott Gärtner ist auf deine dürren Stellen im Leben?
  3. Hast du schon einmal an einem Punkt erlebt, dass Gott aus einer Wunde ein Kompetenzzentrum errichtet hat?
  4. Wenn Gott auch dein Gärtner wäre, welche Sorgen könntest du dann getrost ablegen?
  5. Für wen könntest du und willst du in dieser Osterzeit ein Gärtner sein?