Erster Advent | Globaler Frieden in Sicht
Serie: EIFACH muetig – mit Jesus als Vorbild | Bibeltext: Jesaja 2,2-5.12-18.22
30Die Adventszeit erinnert an Jesu erstes Kommen und richtet den Blick auf seine Wiederkunft. Mit Ihm beginnt Gottes Friedensreich, das einst vollendet wird. Jesaja verheisst einen globalen Frieden, der in Herzen entsteht, die sich Gottes Wort öffnen. Doch Stolz und Selbstherrlichkeit verhindern ihn. Gott richtet, um zu heilen, und ruft uns, im Licht des Herrn zu leben. Wahre Demut lässt Gott erhöhen und macht uns zu Botschaftern seines Friedens.
Heute beginnt die Adventszeit. Advent bedeutet wörtlich «Ankunft». Wir warten auf Weihnachten – den Tag, an dem wir voller Freude der Ankunft des Messias vor rund 2000 Jahren gedenken. Zugleich richten wir unseren Blick auf seine zweite Ankunft – auf die Wiederkunft des jüdischen Königs. Mit der Ankunft des Messias verbindet sich die Sehnsucht nach einem Friedensreich. Politisch gesehen, sind wir davon noch weit entfernt. In Israel herrscht zwar zeitweise Waffenstillstand, doch wahrer Friede ist nicht in Sicht. Der Prophet Jesaja aber malt uns in seiner Vision nicht nur Frieden für Israel, sondern für die ganze Welt vor Augen. Ein globaler Friede ist in Sicht.
Gottes Friede – er kommt von oben (V.1-4)
«In den letzten Tagen wird der Berg, auf dem das Haus des HERRN steht, zum wichtigsten Gipfel werden und sich über alle anderen Berge erheben. Alle Völker werden zu ihm strömen» (Jesaja 2,2 NLB).
Jesaja zeigt uns hier ein gewaltiges Zukunftsbild: Gott selbst wird die Mitte der Welt sein. Nicht mehr Macht, Reichtum oder Krieg werden das Leben bestimmen, sondern Gottes Wort und seine Gegenwart. Der Tempelberg in Jerusalem liegt nur 743 Meter über dem Meeresspiegel (zum Vergleich: die Gislifluh 772 Meter), und doch wird er – symbolisch gesprochen – höher sein als die Alpen. Damit sagt Jesaja: Gottes Reich überragt alles Irdische.
Jerusalem, die Stadt, in der Gott im Tempel bei den Menschen wohnte, ist ein Sinnbild für seine Gegenwart, seine Herrschaft und seinen Frieden. Im neuen Jerusalem wird sie der Ort vollkommener Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch sein. Im hebräischen Wort Jeruschalajim steckt Schalom – Friede. Doch Schalom meint weit mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Es beschreibt Vollständigkeit, Ganzheit, Wohlbefinden, göttliche Fülle, Gerechtigkeit und Freude.
Die Grundlage dieses herrlichen Friedensreichs ist die Regierung des Königs Jesus Christus: «Viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem» (Jesaja 2,3 LUT). Immer wenn Menschen Gottes Wort hören und ernst nehmen, geschieht Reich Gottes. Sein Wort nährt und schafft eine neue Wirklichkeit. Es bringt Leben hervor, das weit über unsere kühnsten Vorstellungen hinausgeht.
«Schwerter werden zu Pflugscharen und Speerspitzen zu Winzermessern umgeschmiedet werden» (Jesaja 2,4 NLB). Das ist mehr als ein Friedenssymbol – es ist ein Bild innerer Verwandlung. Wo Gottes Wort das Herz eines Menschen berührt, verwandelt sich das, was zerstört, in das, was Leben bringt. Das Schwert, das tötet, wird zum Pflug, der den Boden für Frucht bereitet. Eine Waffe wird zum Werkzeug des Lebens. Friede beginnt also nicht aussen, sondern innen – dort, wo Menschen sich von Gott führen lassen.
Jesaja gibt uns auch einen Zeitrahmen: «In den letzten Tagen» (V.2). Das war für die damaligen Israeliten eine klare Anspielung auf die künftige Heilszeit – das Friedensreich des Messias, der über alle Völker herrschen wird. Die meisten Juden warten noch heute auf diesen Tag. Für uns als Nachfolger Jesu hat diese Zeit bereits mit Christus begonnen – und sie wird mit seiner Wiederkunft vollendet werden. Wir leben also im Spannungsfeld von «schon jetzt» und «noch nicht»: Das Reich Gottes ist angebrochen, aber noch nicht vollendet. Mit der Wiederkunft von Jesus Christus erfüllt sich Gottes Heilsplan im neuen Jerusalem endgültig.
Der Tempel in Jerusalem war schon immer der Ort, an dem sich Himmel und Erde berührten – wo das Sichtbare vom Unsichtbaren durchdrungen wird. Im neuen Jerusalem, das dem himmlischen Tempel nachempfunden ist, wird Gott für immer bei den Menschen wohnen. Dort werden Friede, Freude und Gerechtigkeit vollkommen sein.
Gottes Gericht – es richtet unseren Stolz (V.12-18.22)
Jesajas Prophetie enthält eine messerscharfe Analyse, warum der Friede noch nicht vollkommen sichtbar ist: der Stolz des Menschen – Eigensinn, Egoismus, Selbstherrlichkeit.
«Denn zu einer von ihm festgelegten Zeit (‘Tag des Herrn’) wird der HERR, der Allmächtige, alles Hochmütige, Stolze und Erhabene erniedrigen» (Jesaja 12,12 NLB).
Der «Tag des HERRN» ist Gottes entscheidendes Eingreifen in Geschichte und Ewigkeit – der Tag seines Gerichts über menschlichen Hochmut, zugleich aber der Tag, an dem seine Herrlichkeit und sein endgültiger Friede offenbar werden. Dies geschieht in der Zeit von Jesu Wiederkunft und beendet das jetzige Kapitel der Menschheitsgeschichte.
Gottes Gericht bedeutet nicht Vernichtung, sondern Ausrichtung auf Gott. Er entfernt alles, was uns von ihm trennt. Er zerstört den Stolz, um uns freizumachen. Er bricht das Falsche, um das Wahre aufzurichten. Nur wenn der Mensch sich nicht mehr selbst erhöht, kann Gott in ihm wohnen. Nur wenn wir unsere eigene Grösse loslassen, kann Gott seine Grösse zeigen.
Der Hochmut des Menschen ist die Wurzel allen Übels. Schon im Paradies begann das Desaster, als der Mensch glaubte, sein Glück unabhängig von Gott finden zu können.
Stolz zeigt sich in vielen Formen:
- Selbstherrlicher Stolz: «Ich weiss es besser.» Dies ist der Stolz, der sich über Gott erhebt, indem der Mensch selbst zum Massstab wird. Er vertraut nicht mehr auf Gottes Wort, sondern auf den eigenen Verstand.
- Religiöser Stolz: «Ich bin besser als andere.» Das ist der Stolz, der fromm aussieht, aber Gnade nicht versteht. Er lebt von Vergleich, Leistung und äusserer Frömmigkeit.
- Machtstolz: «Ich kontrolliere – ich herrsche.» Dieser Stolz zeigt sich in der Suche nach Einfluss und Kontrolle. Er will Macht haben, nicht dienen.
- Besitzstolz: «Ich bin, was ich habe.» Dieser Stolz definiert den Wert des Menschen durch Besitz, Erfolg und Status. Er sieht im Materiellen die Bestätigung des eigenen Wertes.
- Intellektueller Stolz: «Ich verstehe es besser als andere.» Dieser Stolz lebt vom Wissen und setzt Klugheit über Demut. Er liebt es, Recht zu behalten, und verachtet die «Einfachen».
- Opferstolz: «Niemand versteht mich – ich bin der Ärmste.» Das klingt zunächst nicht wie Stolz – und doch kann Selbstmitleid eine verdeckte Form des Stolzes sein. Es dreht sich um das eigene Leid, nicht um Gottes Treue.
- Falsche Demut: «Ich bin wenigstens bescheiden.» Das ist der Stolz, der Demut nachahmt, aber Anerkennung für seine Bescheidenheit sucht. Er zeigt sich in falscher Selbstverkleinerung, die in Wahrheit auf Bestätigung hofft. Falsche Demut spricht ständig über sich, echte Demut spricht über Gott. Echte Demut vergisst sich selbst.
Allen Formen des Stolzes ist gemeinsam: Der Mensch steht im Mittelpunkt. Echte Demut dagegen stellt Gott ins Zentrum. C.S. Lewis: «Demut bedeutet nicht, weniger von sich selbst zu denken, sondern weniger an sich selbst zu denken.» Der Weg aus dem Stolz führt also nicht über Selbstverurteilung, sondern über Begegnung mit Gottes Heiligkeit und Liebe.
«[...] Gott stellt sich den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er Gnade» (Jakobus 4,6 NLB).
Jesaja verwendet Bilder von hohen Bäumen, Türmen, Bergen und Mauern als Symbole menschlicher Selbstüberhebung – das Denken: «Ich kann mein Leben allein meistern. Ich brauche Gott nicht.» Doch der Prophet sagt: «Die Überheblichkeit des Menschen wird erniedrigt und der Hochmut der Männer gedemütigt werden. Dann wird der HERR allein erhöht sein!» (Jesaja 2,17 NLB).
Gottes Ruf – lasst uns im Licht des Herrn leben (V.5)
Oft wird Christen vorgeworfen, sie lebten in einer blossen Vertröstung: Immer Advent, nie Weihnachten. Aber das ist grundfalsch. «Was immer Gott an Zusagen gemacht hat – in seiner Person finden sie alle ihre Erfüllung» (2Korinther 1,20 NGÜ). Jesus Christus hat mit seiner ersten Ankunft die Ära des Friedensreichs eingeleitet; die Vollendung wird mit seiner Wiederkunft geschehen. Wir leben also Advent und Weihnachten zugleich.
Darum nennt Paulus die Gemeinschaft der Jesusnachfolger – ja jeden Einzelnen – einen Tempel des Heiligen Geistes. Himmel und Erde berühren sich: Das Göttliche begegnet dem Irdischen.
Gottes erwähltes Volk hat die Berufung, seine gute Herrschaft, seine Gerechtigkeit und seinen Frieden in der ganzen Welt sichtbar zu machen. Deshalb ruft Jesaja: «Komm, Volk von Israel, lass uns ein Leben im Licht des HERRN führen!» (Jesaja 2,5 NLB).
Im Volk Gottes soll schon jetzt sichtbar werden, was einst global gilt. Im neuen Jerusalem wird Jesus das einzige Licht sein: «Und die Stadt braucht keine Sonne und keinen Mond, damit es in ihr hell wird, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet die Stadt, und das Lamm ist ihr Licht» (Offenbarung 21,23 NLB).
Wir müssen also nicht auf den globalen Frieden warten – wir dürfen jetzt schon in seinem Licht leben, mit Frieden im Herzen, auch wenn die Welt (noch) unruhig bleibt. Die Lichter der Adventszeit sollen uns daran erinnern, dass wir heute schon Zeugen und Vorboten des kommenden Friedensreichs sind.
Wenn du Jesus Christus in dein Leben aufgenommen hast, bist du ein Tempel des Heiligen Geistes – ein Vorgeschmack dessen, was mit der Wiederkunft Christi die ganze Welt sein wird.
Doch das grösste Hindernis bleibt unser Stolz, unser Eigensinn, unser Egoismus. Sie verhindern, dass Gottes Frieden in unserem Umfeld Gestalt annimmt. Unser Stolz reagiert auf Angriffe mit Gegenschlag, unsere falsche Demut widersteht Gottes Einfluss. Darum gilt die zweite Einladung: Die Adventslichter sollen uns daran erinnern, unseren Stolz Jesus zu bekennen und von ihm Demut zu lernen – mit Christus zur Grösse hinabzusteigen. Johann Seitz: «Der Herr lasse dich wachsen, niederwärts wie ein Kuhschwanz!»
Wahre Demut führt zu einer befreienden Identität in Christus, die uns so fest und geborgen ruhen lässt, dass wir uns selbst vergessen können.
Darum ruft Jesaja erneut: «Komm, Volk von Israel, lass uns ein Leben im Licht des HERRN führen!» (Jesaja 2,5 NLB). Jesus Christus lädt dich in dieser Adventszeit ein, jetzt schon in seinem Licht zu leben – und die hohen Bäume, Türme, Berge und Mauern deines Lebens von ihm einebnen zu lassen. Der HERR allein soll in unserem Leben erhöht sein.
Mögliche Fragen für die Kleingruppen
Bibeltext: Jesaja 2,2-5.12-18.22
- Was bedeutet für dich persönlich «Friede» im biblischen Sinn?
Jesaja beschreibt Schalom als Ganzheit, Freude, Gerechtigkeit und göttliche Fülle. – Wo erlebst du etwas davon bereits, und wo fehlt dir dieser Friede noch?
- Jesaja spricht davon, dass Schwerter zu Pflugscharen werden.
Was könnte das in deinem Alltag bedeuten? Wo braucht es bei dir eine «Verwandlung von Waffe zu Werkzeug» – also von etwas, das verletzt, zu etwas, das Leben fördert?
- Der Stolz wird als grösstes Hindernis für den Frieden genannt.
In welcher Form erlebst du Stolz oder Selbstbezogenheit bei dir selbst? Und wie kann echte Demut – im Sinne von «mehr an Gott als an sich selbst denken» – zu neuem Frieden führen?
- Jesaja ruft: «Lasst uns ein Leben im Licht des HERRN führen!»
Wie kann dieses «Leben im Licht» im Alltag konkret aussehen – im Umgang mit Familie, Konflikten, Besitz, Macht oder Selbstbild?
- Advent bedeutet Warten – aber zugleich schon Leben im begonnenen Reich Gottes.
Wie kannst du in dieser Adventszeit bewusst als «Demonstrant des zukünftigen Friedensreichs» leben? Welche Zeichen des kommenden Friedens möchtest du setzen?

