Datum: 3. Mai 2026 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Lukas 2,41–52

In Lukas 2,41–52 findet sich der einzige Bericht über die Jugend von Jesus selbst. Der religiös unabhängige «Junge» reist mit seinen Eltern zum Passahfest nach Jerusalem. Zum Erschrecken seiner Eltern bleibt Jesus jedoch nach ihrer Abreise in Jerusalem und beeindruckt die dortigen Lehrer mit seinem Verständnis und den klugen Antworten. Nach drei Tagen haben seine Eltern ihn wiedergefunden und sind empört, dass er einfach weggeht. Für Jesus war aber klar: «Ihr hättet doch wissen müssen, dass ich im Haus meines Vaters bin.» Jesus ging mit seinen Eltern zurück und war ein gehorsamer Sohn und gewann an Weisheit.


Als ich etwa 14 Jahre alt war bin ich in den Skiferien am Nachmittag alleine auf die Piste gegangen. Das Skigebiet, die Lauchernalp, ermöglichte es gut, dass wir Kinder alleine Skifahren konnten, da wir ein Haus gemietet haben, dass direkt an der Piste war. Das Gebiet ist auch nicht besonders gross und unsere Eltern gaben uns da viel Vertrauen, daher war das gut möglich. Ich war sehr begeistert von Bergbahnen und wollte immer dabei sein, wenn sie die Kabinen am Abend versorgt haben. Also entschied ich mich gegen Abend, einfach mal den Bändler zu fragen, ob ich mithelfen kann und dieser hatte Freude daran und liess mich gerne mithelfen. So kam es, dass ich ziemlich viel später am Abend nach Hause kam und mir wäre nicht in den Sinn gekommen, meine Eltern zu informieren. Meine Eltern, die bereits Kontakt mit den Pistenkontrolleuren hatten, waren seehr erleichtert, dass ich plötzlich wieder aufgetaucht bin.

Eine ähnliche Geschichte lässt sich in Lukas 2,41-52 in der Bibel über den Jungen Jesus finden.

Mit 12 oder 13 Jahren - heute sind es 13 - war ein Jude ein sogenannter Bar-Mizwah, was soviel wie «Sohn des Gebots» bedeutet. Ab jetzt ist er selbst für die Erfüllung der Gebote und für sein ganzes religiöses Leben verantwortlich.

Der schweizerische Staat lässt uns da noch etwas länger Zeit. Wir sind nämlich in der Schweiz ab dem 16. Geburtstag Glaubensmündig und sollten somit selbst entscheiden können, was wir glauben unabhängig von den eigenen Eltern. Bei unserem Kirchen Verband Viva Kirche Schweiz ist das gleich geregelt. Ab dem 16. Lebensjahr kannst du ohne Zustimmung der Eltern Mitglied werden.

Als seetal chile möchten wir diesen Meilenstein hochachten und euch mit der Teens Segnung feiern und Segnen für euren Lebensweg. Wir hoffen, dass Jesus Christus in eurem Leben ein zentrale Rolle spielen darf, weil wir der Überzeugung sind, dass das das beste ist, was einem passieren kann.

Wir kommen zurück zum Jungen Jesus, der die Mündigkeit und somit auch Verantwortung über sein Glaubensleben hatte. In dieser Verantwortung hat sich Jesus entschieden, in der Synagoge zu bleiben, anstatt mit seinen Eltern zurückzugehen. Er blieb dort und hörte zu und stellte fragen. Alle, die in hörten, staunten über sein Verständnis.

Glaubensmündig

In der Zwischenzeit sind seine Eltern bereits auf dem Rückweg und merken erst am Abend, dass Jesus verschwunden ist. Maria war also keine Helikoptermutter, die Jesus kontrolliert hat und immer wissen musste, wo er sich gerade aufhält. Sie haben ihrem Sohn also schon früh seine Freiheiten gegeben. Als sie aber bemerkten, dass er nicht einmal in der Reisegruppe dabei ist, machten sie sich grosse Sorgen. Und es dauerte drei Tage bis sie ihn wieder gefunden haben.

Alle Eltern werden hier wohl viel Verständnis für Maria und Josef haben, wenn sie ausser sich vor Sorge waren. Sogar ich kann mir vorstellen, wie schlimm das sein muss, wenn das eigene Kind für drei Tage einfach verschwindet. Sie suchten Jesus und als sie ihn fanden haben sie wie folgt reagiert:

«Seine Eltern wussten nicht, was sie davon halten sollten. ‘Kind!’, sagte seine Mutter zu ihm. ‘Wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich waren in schrecklicher Sorge. Wir haben dich überall gesucht.’» (Lukas 2,48 NLB).

Jetzt wird's spannend, denn ich finde die Reaktion von Jesus tönt fast ein bisschen arrogant. Jesus sagt nämlich: «‘Warum habt ihr mich gesucht?’, fragte er. ‘Ihr hättet doch wissen müssen, dass ich im Haus meines Vaters bin.’ Doch sie verstanden nicht, was er damit meinte» (Lukas 2,49-50 NLB).

Aus seiner Antwort kann ich zwei Gedanken mitnehmen.

In einer wörtlicheren Übersetzung lautet die Antwort von Jesus «Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?». Ich denke mit dem «Haus seines Vaters» ist nicht der Tempel gemeint, sondern dass er bei seinem Vater sein muss. Er soll dort sein, wo sein Vater ihn möchte. Offenbar war es für die Beziehung zum Vater wichtig, dass Jesus blieb und die Lehrer befragte, deshalb entschied er sich, zu bleiben.

Ich bin 22 Jahre und schon mein ganzes Leben mit Jesus unterwegs. Zeit mit ihm zu verbringen ist nicht etwas dass ich tun muss, sondern etwas dass ich wirklich brauche und von Herzen gerne tue. Dies zeigt sich in meinem Alltag, wo ich mir am Morgen als erstes Zeit herausnehme und am Abend vor dem Schlafen ebenfalls. Ich nehme mir gerne auch durch den Tag Zeit beim Spazieren und bewundern der Schöpfung und kann so Zeit mit dem Vater geniessen. Es gibt viele Momente wo ich sagen muss, ich muss in dem sein was meines Vaters ist, weil es mir zum besten dient.

Ende Februar musste ich für 4 Wochen in den WK. Dies war ein ganz anderes Umfeld, als ich mir gewohnt bin und es war mir nicht mehr so einfach möglich, mir Zeit alleine mit Gott herauszunehmen. Ganz ein anderer Tagesablauf und ein Umfeld, dass das nicht versteht erschweren dies ziemlich. Plötzlich musste ich um diese Zeit mit Gott zu haben viel mehr kämpfen und wurde mit der Frage konfrontiert: wie wichtig ist mir das wirklich? Mache ich es weil ich es wirklich brauche oder weil es einfach gerade passt.

Und das tat auch Jesus mit dieser Aktion. Er musste in dem sein, was seines Vaters ist.

Weltliche Erwartungen vs. Gottes Berufung

Für mich stellt sich aber immer noch die Frage: Warum hat Jesus einfach nichts gesagt und ist geblieben? Ja, er war erst 12 Jahre alt und man könnte das auf seine Unreife abschieben aber die Menschen in der Synagoge staunten über seine Weisheit und sein Verständnis. Er wird wohl gewusst haben, dass seine Eltern sich sorgen würden, wenn er einfach zurückbleibt. Er hätte seine Eltern auch einfach informieren können, dass er bleiben möchte und ihnen alles erklären, damit sie sich keine Sorgen machen. Das hat er aber nicht getan und ich glaube, dass er das ganz bewusst nicht gemacht hat.

An der Reaktion von Maria lässt sich nämlich erkennen, dass sie vielleicht doch noch nicht ganz akzeptiert hat, dass Jesus nun erwachsen wird. Sie hatte Mühe, Jesus loszulassen und das ist etwas, dass schwierig ist wenn man seine Kinder loslassen darf/muss.

Wachstum Jesu

Wenn man genau hinsieht, merkt man, dass Lukas, der Verfasser dieses Evangeliums, sehr bewusst und genau formuliert. Im Abschnitt davor nennt er Jesus das «Kleinkind», danach «kleines Kind» und jetzt ist er ein «Knabe», ein «Jüngling». Lukas setzte in seinem Bericht auf die Entwicklung und den Wachstum von Jesus.

Jesus war also kein Kind mehr sondern ein Junge. Maria spricht ihn da aber ganz klar mit: «Kind» oder «Mein Kind» an.

Im Haus des Vaters

Jesus antwortet darauf: «Ihr hättet doch wissen müssen, dass ich im Haus meines Vaters bin.» Ich glaube Jesus hat hier bewusst ein Zeichen seiner Unabhängigkeit gesetzt. Er ist nicht mehr in erster Linie Sohn von Maria und Josef sondern Sohn Gottes. Das hat sich nicht einfach so ergeben, er musste sich das ein wenig erkämpfen.

Damit möchte ich nicht zur Rebellion gegen die eigene Familie aufrufen, eher im Gegenteil, aber dazu komme ich noch. Ich denke aber es besteht allgemein die Herausforderung, dass wir uns nicht davon bestimmen lassen, was andere über uns sagen. Jesus musste eine Entscheidung treffen, die mit seinen Eltern einen Konflikt auslöst, damit Maria lernt, dass Jesus nicht mehr “Kind” sondern schon erwachsen und somit selbst für sein religiöses Leben verantwortlich ist.

Mit diesem Punkt möchte ich Mut machen, Dein Weg mit Gott zu gehen und in erster Linie Kind Gottes zu sein, denn das ist unsere Berufung. Das braucht Mut.

Kind Gottes sein

Ich komme zum letzten Punkt meiner Predigt und auch zum wichtigsten! Was bedeutet denn das genau: Kind Gottes zu sein und wie lernen wir das? Wenn man das was ich vorher gesagt habe falsch versteht, kann das grosse Schäden anrichten. Wenn ein Familienvater seiner Frau und den Kindern den Rücken kehrt und es damit rechtfertigt, dass Gott die erste Priorität gilt, dann hat er die Botschaft von Jesus völlig missverstanden. Gott die erste Priorität zu geben darf nicht als Rechtfertigung für eigene selbstsüchtige Entscheidungen missbraucht werden.

Hier kann es helfen, schwierige Entscheidungen mit jemandem zu prüfen und zu fragen ob das wirklich Gottes Absicht ist oder die Bibel zu lesen und zu fragen ob die Entscheidung nicht widersprüchlich ist.

In den folgenden Versen dieser Geschichte sehen wir, wie Jesus das verstanden hatte. Es steht nämlich: «Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth, und er war ihnen untertan. Und seine Mutter bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit und an Grösse und an Gunst bei Gott und Menschen» (Lukas 2,51–52 ELB).

Diese Geschichte verheisst uns, dass wir, wenn wir lernen Kinder Gottes zu sein, unser Vater im Himmel alle unsere Bedürfnisse stillen kann, so wie ein Vater für seine Kinder schaut. Und aus dieser Position heraus - umsorgt von unserem Vater im Himmel - können wir uns anderen Menschen unterordnen und ihnen dienen. Wenn ein erwachsener Mensch seine Eltern ehren soll - und das sollen wir ja - muss er zuerst seine Eltern verlassen.

Als Kinder Gottes nehmen wir zu an Weisheit und an Grösse und an Gunst bei Gott und Menschen. Wenn wir uns Jesus zum Vorbild nehmen und Kinder Gottes werden, wird es dazu führen dass wir uns aus Liebe unterordnen und anderen Menschen dienen. Wenn wir so leben, ist das immer das beste für unser Umfeld!

Und das finde ich nochmal richtig spannend, denn das was wir hier über Jesus lesen, ist der einzige Bericht darüber, was Jesus bis zu seinem öffentlichen Wirken mit ca. 30 Jahren gemacht hat. Das wären dann noch ca. 18 Jahre in denen Jesus nichts weltbewegendes getan hat, sondern einfach dort wo er war und in den kleinen Aufgaben treu war. Er hat nicht mit seinem Wissen oder seiner Weisheit geprahlt obwohl er sicher schon grosse Predigten hätte halten können.

Ich lade euch ein, in dem zu sein wo unser Vater im Himmel ist und zu vertrauen dass seine Verheissungen wahr werden.

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppe

Lest gemeinsam Lukas 2,41–52

  1. Hast du schon einmal eine Situation erlebt, in der du – wie Jesus – eine Entscheidung treffen musstest, die andere nicht verstanden haben? Wie bist du damit umgegangen?
  2. Wo fällt es dir konkret schwer, Gott im Alltag Priorität zu geben (z. B. Schule, Freunde, Freizeit)? Was könnte dir helfen, trotzdem Zeit mit Gott zu finden?
  3. In welchen Bereichen lässt du dich stark davon beeinflussen, was andere über dich denken oder erwarten? Wie könnte es aussehen, hier mutiger deinen Weg mit Gott zu gehen?
  4. Wie kann man unterscheiden, ob eine Entscheidung wirklich aus Gottes Willen kommt – oder eher aus eigenen Wünschen? Was hilft dir dabei konkret?
  5. Was bedeutet es für dich ganz praktisch, „Kind Gottes“ zu sein? Wo könntest du diese Woche bewusst aus dieser Identität heraus handeln?