Jahreslosung 2026 – Gott macht alles neu
Serie: EIFACH muetig – mit Jesus als Vorbild | Bibeltext: Offenbarung 21,5
Gott wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Dort wird weder Trauer noch Leid sein, sondern nur unfassbar grosse Freude und Friede. Gottes vollkommene Gegenwart wird erfahrbar sein und er wird in Gerechtigkeit herrschen. Das ist unsere grosse Hoffnung, wenn wir uns dem Willen Gottes unterstellen.
Es ist lange her, seit ich das letzte Mal hier stehen konnte und eine Predigt halten durfte. Tatsächlich nicht, weil die letzte Predigt so abgrundtief schlecht gewesen wäre, dass ich nicht mehr angefragt wurde, zum Glück, sondern weil ich krank war, als ich meinen letzten Einsatz gehabt hätte. Wenn ich sage, ich war krank, meine ich so richtig, richtig krank. Ich sage es nur ungern, aber ich hatte glaub eine wahre Männergrippe. Ich lag mehrere Tage mit Fieber im Bett, hatte über eine Woche komplett keine Stimme und konnte mehrere Tage nicht schlafen aufgrund meines Reizhustens. Also lag ich da in meinem Bett und betete, was man als guter Christ halt so betet. Erstmals natürlich «Herr, bitte heile mich von dieser bösen Krankheit». Und als dies nicht fruchtete: «Herr, du hast gesagt, du kommst bald wieder. Jetzt wäre wirklich ein guter Moment dafür». Einige Wochen später hatte ich nochmals einen solchen Moment. Matthias hat mich für diese Predigt angefragt und enthusiastisch davon erzählt, dass es sich sehr anbieten würde eine Predigt zur Jahreslosung zu halten. «Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.» (Offenbarung 21,5). Was für ein schöner, ermutigender Vers. Genau so enthusiastisch habe ich zugesagt. Und dann ist mir plötzlich aufgefallen, warte, der Vers steht ja in der Offenbarung. Ich habe kein Problem mit dem Buch der Offenbarung, aber darüber predigen? Davor hüte ich mich wirklich. Wenn man hier vorne steht, hat man eine gewisse Verantwortung und das Buch der Offenbarung hält doch die eine oder andere Stolperfalle bereit. Ich hatte also zwei Optionen für die heutige Predigt: Entweder ich bereite eine richtige Wohlfühlpredigt vor für euch, bei der man mit den noch vollen Weihnachtsbäuchen zuhören und relaxen kann oder ich springe über meinen eigenen Schatten und tauche mit euch ein, in die Fülle, die dieser Vers bereithält, wenn man ihn genauer betrachtet im gesamtbiblischen Kontext. Ich habe mich für zweiteres entschieden, weil ich mich wirklich herrlich darüber empören kann, wenn man Verse aus ihrem Kontext herausreisst.
Um was es nicht geht in diesem Vers
Darum starten wir mit dem «Aufräumen». Erstmal steht der Vers so, wie er als Jahreslosung überall zu lesen ist und wie er auf Plakaten, Tassen und anderen Produkten gedruckt wurde, in keiner Bibelübersetzung. In der Übersetzung der Neues Leben Bibel können wir lesen: «Und der, der auf dem Thron saß, sagte: ‘Ja, ich mache alles neu!’ Und dann sagte er zu mir: ‘Schreib es auf, denn was ich dir sage, ist zuverlässig und wahr!’« (Offenbarung 21,5 NLB). Also zum einen steht in keiner Übersetzung «Gott spricht», sondern «Der, der auf dem Thron sitzt». Zum anderen wird der zweite Teil des Verses jeweils vorenthalten. Natürlich bin ich damit einverstanden, dass mit «dem, der auf dem Thron sitzt» Gott gemeint ist. Aber im Kontext des Verses finde ich die Hervorhebung Gottes als jener, welcher auf dem Thron sitzt und regiert, eine wichtige Akzentuierung. Der zweite Versteil, der weggelassen wird, zeigt uns ausserdem wie relevant diese Aussage für Johannes und alle Generationen nach ihm, also uns, ist. Ich gehe später nochmals genauer auf diese Punkte ein. Also zurück zur abgespeckten Version der Jahreslosung. Gibt man bei Google einfach mal «Jahreslosung 2026» ein, spuckt einem die Google KI diese gekürzte und abgewandelte Version des Verses aus Offenbarung 21,5 raus, zusammen mit den Worten «Dieser Bibelvers steht für Hoffnung, Erneuerung und Neuanfänge und erinnert daran, dass Gott auch in schwierigen Zeiten das Zerstörte heilen und etwas Neues schaffen kann, eine Botschaft der Zuversicht für das kommende Jahr.». Diese Aussage ist keinesfalls falsch. Ich glaube aber, dass ist nur die halbe Wahrheit. Logischerweise ist dies der erste Impuls, wenn man die Jahreslosung 2026 liest und es war ja auch ehrlicherweise mein erster Impuls: Was für ein ermutigender Vers. Wenn ich in Schwierigkeiten stecke, Trauer und Not erlebe, Gott kennt einen Weg daraus. Er kann aus Gräbern Gärten machen. Wie gerne würde ich über diese Hoffnung heute predigen, aber es würde zu kurz greifen. Ausserdem bin ich der Meinung, eine solche Predigt könnte unterschwellig eine Unwahrheit vermitteln. Ich möchte auf diese Unwahrheit eingehen, denn ich bin überzeugt, was wir glauben, beeinflusst unser Handeln. Aus diesem Grund ist es essenziell, Lügen, die sich eingeschlichen haben, aufzudecken. Nirgends, wirklich an keinem Punkt der biblischen Erzählung kann ich eine Verheissung entdecken, dass wir Erlösung von aller Not auf dieser Erde durch Christus erfahren werden. Egal wie eng du mit Gott unterwegs bist, Verlust, Trauer und Not werden Teil deines irdischen Lebens sein und auch wenn Gott dir immer nah ist, wird es sich manchmal anfühlen, als wäre er fern und würde schweigen. Ja, Gott kann aus ausweglosen Situationen wundervolles hervorbringen. Er kann aus Mist Dünger machen. Aber nur weil wir ihm folgen, wird unser Leben nicht nur aus Zuckerwatte und Schoggistängeli bestehen. Ich denke das können viele hier drin unterschreiben. Diese Fehlvorstellung wirkt ungefährlich. Wie so viele Halbwahrheiten, bietet es scheinbar viel Gutes und genau das macht es auch gefährlich. Zum einen wird es unseren Glauben zu Fall bringen, wenn es eben nicht gut kommt. Wenn sich Situationen nicht ändern und ich nicht Gottes Durchtragen spüren kann. Zum anderen ist es der Ausdruck eines Kompromisses, den wir eingehen. Ich kenne diesen Kompromiss nur zu gut von mir selbst. Dieser Kompromiss beginnt mit dem leisen Zweifel, was ist, wenn ich mit meinem Glauben doch nicht ganz 100% richtig liege und am Ende doch nicht die Ewigkeit auf mich wartet? Für den unwahrscheinlichen Fall, dies sei so, muss ich mich ja irgendwie so weit absichern, dass es sich jetzt schon lohnt. Also leben wir in einem Glauben, der davon schwärmt, wie Gott in meinem Leben wirkt, mich durchträgt und aus Schmerz Freude wachsen lässt. Das ewige Leben ist dann einfach noch das Sahnehäubchen. Der Punkt aber ist, es ist andersherum. Bei der Jahreslosung 2026 geht es darum, dass Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, wie wir in Offenbarung 21,1 lesen können: «Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der alte Himmel und die alte Erde waren verschwunden. Und auch das Meer war nicht mehr da.» (Offenbarung 21,1 NLB). Mit dem neuen Himmel ist übrigens das blaue über uns gemeint, wo die Wolken hängen, und die Vögel fliegen, nicht einen neuen abgesonderten Ort, an dem Gott lebt. Diese endgültige Hoffnung auf eine neue Schöpfung ist der Kern unserer Hoffnung! Dass wir auf dieser Welt den Anbruch von Gottes neuem Reich und seiner Herrschaft erleben dürfen, ist lediglich das Sahnehäubchen. Versteht mich bitte nicht falsch. Ich will Gottes Wirken und seine Wunder unter uns nicht abwerten, aber ich will euch etwas davon spüren lassen, dass es sich dabei nur um ein Amuse-Bouche, einen kleinen Vorgeschmack handelt von dem, was auf uns wartet. Anhand einer kleinen Geschichte aus meiner Jungscharzeit möchte ich verdeutlichen, wie so ein kleiner Zweifel dein gesamtes Verhalten beeinflussen kann. Während ich in Schinznach als Hauptleiterin tätig war, kam eine andere Jungschar, um in unseren Räumlichkeiten zu übernachten. Da das natürlich nicht ungestraft bleiben darf, ist einer unserer Leiter in einer alten Polizeiuniform mitten in der Nacht dort aufgetaucht und hat erklärt, sie müssten nun alle Kinder wecken, die Mätteli und Schlafsäcke auf einen Haufen werfen und mit den Kindern die ganze Nacht wach bleiben. Da es sich nämlich um ein Industriegebäude handle, sei das Übernachten darin verboten. Natürlich haben die Leiter stark vermutet, es handle sich dabei um einen Scherz, aber sie waren sich nicht 100% sicher, ob es wirklich nicht ein echter Polizist ist. Also haben sie tatsächlich alles so ausgeführt, wie gesagt. Wie fest unser Glaube daran ist oder eben unser Zweifel, dass Gott am Ende einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen wird, die so herrlich ist, dass es unser gesamtes Denken übersteigt, widerspiegelt sich in unserer Bereitschaft in diesem Leben kompromisslos unser Kreuz auf uns zu nehmen, uns selbst zu verleugnen und Gottes Herrschaft anzuerkennen.
Die neue Schöpfung
An verschiedenen Stellen in der Bibel ist von dieser neuen Schöpfung die Rede. So schreibt Petrus in seinem zweiten Brief im dritten Kapitel vom Tag des Herrn und von dem neuen Himmel und der neuen Erde. Er erinnert eindringlich an diese Verheissung und ermahnt uns wachsam und voller Vorfreude auf diese kommende Schöpfung zu warten. Im Vers 13 steht «Wir aber erwarten den neuen Himmel und die neue Erde, die er versprochen hat. Dort wird Gottes Gerechtigkeit herrschen.» (2. Petrus 3,13 NLB). Auch in den letzten beiden Kapiteln vom Buch Jesaja dreht es sich um die neue Schöpfung. In Kapitel 65 in den Versen 17-19 lesen wir: «Sieh! Ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde – kein Mensch wird noch an das Vergangene denken, niemand wird es sich zu Herzen nehmen. Freut euch vielmehr; freut euch für immer und ewig an dem, was ich zustande bringen werde: Denn ich will Jerusalem zu einer Stätte des Glücks und seine Bewohner zu einer Quelle der Freude verwandeln. Ich selbst werde mich an Jerusalem freuen und über mein Volk fröhlich sein und der Klang von Weinen und Klagen soll dort nicht mehr zu hören sein.» (Jesaja 65,17-19 NLB). Oder eben auch in Offenbarung 21, ich lese die Verse 1-4, also die Verse direkt vor der Jahreslosung: «Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der alte Himmel und die alte Erde waren verschwunden. Und auch das Meer war nicht mehr da. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen wie eine schöne Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat. Ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: ‘Siehe, die Wohnung Gottes ist nun bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und Gott selbst wird bei ihnen sein. Er wird alle ihre Tränen abwischen, und es wird keinen Tod und keine Trauer und kein Weinen und keinen Schmerz mehr geben. Denn die erste Welt mit ihrem ganzen Unheil ist für immer vergangen.’« (Offenbarung 21,1-4 NLB). Es gibt drei wichtige Kerngedanken bei den biblischen Erzählungen über diese kommende Schöpfung. Erstens ist es ein Ort von unvorstellbar grosser Freude, an dem weder Schmerz noch Trauer sein wird. Zweitens werden wir an diesem Ort Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Schon alleine das ist gewaltig, wenn wir doch bedenken, dass im Alten Testament klar geschrieben steht, wie Gottes Angesicht so herrlich ist, dass jeder, der es sieht, sterben muss. Ich stell mir das unglaublich vor, Gottes vollkommene Gegenwart zu erleben. Drittens wird in dieser neuen Schöpfung Gott herrschen und damit auch seine Gerechtigkeit. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, es hat an diesem Ort weder Raum für Menschen, die nicht mit Gott in Beziehung treten wollen und noch für jene, welche sich weigern sich seinem Willen zu unterstellen. C.S. Lewis schreibt im Buch «Die grosse Scheidung» dazu: «Letztendlich gibt es nur zwei Arten von Menschen: diejenigen, die zu Gott sagen: ‘Dein Wille geschehe’, und diejenigen, zu denen Gott am Ende sagt: ‘Dein Wille geschehe’.». Es ist alleinig unsere Entscheidung. Jesus hat vor seinem Tod Blut und Wasser geschwitzt und diese Worte aus vollem Herzen gesprochen: «Dein Wille geschehe» und es hat ihn alles gekostet. Wir beten diese Worte so einfach dahin im Vater Unser und sind uns leider oft nicht bewusst, welche Tragweite es hat, wenn wir es wirklich so meinen. Es kann uns in diesem Leben alles, wirklich alles kosten. Doch wenn wir wirklich an die Verheissung glauben, dass wir dadurch die neue Schöpfung erleben werden, ist alles Leid und alle Trauer, unser ganzes irdisches Leben nur ein Hauch dagegen.
Das neue Reich schon heute erleben
Das wunderbare an dieser neuen Schöpfung ist, dass dieses neue Herrschaftsreich durch Jesus bereits angebrochen ist. Durch ihn können wir schon heute einen Vorgeschmack auf diese kommende Schöpfung erleben. Ich habe vorher drei Kernelemente der neuen Schöpfung genannt. Übermässige Freude und Friede, die vollkommene Gegenwart Gottes und die gerechte Herrschaft Gottes. Dort, wo dem Heiligen Geist Raum geben wird, ist Gottes Gegenwart erlebbar. Wenn Menschen aus aufrichtigem Herzen sprechen und danach Leben «Gott, dein Wille geschehe!» erfahren wir Gottes Herrschaft. Kommen diese beide Dinge zusammen, schenkt Gott seinen übernatürlichen Frieden und eine Freude, die wir nicht in Worte fassen können. Dort erleben wir Gottes herrliches Königreich. Aber nochmals, unser Ziel, auf das wir hinleben, ist die kommende Schöpfung. Es ist dieses «Gott spricht: ‘Ich mache alles neu.’», das unsere grosse Hoffnung ist. Sein Reich heute schon zu erleben ist das Sahnehäubchen und der reinen Gnade Gottes zu verdanken.
Mögliche Fragen für die Kleingruppe
Lest gemeinsam Offenbarung Kapitel 21
- Was für Gefühle löst das Kapitel bei dir aus? Ist es nur reine Freude, Hoffnung und Zuversicht oder auch Unsicherheit und Furcht?
- In welchen Bereichen deines Lebens ist es dran, noch bewusster und ehrlicher zu beten «Gott, dein Wille geschehe» und dann auch danach zu handeln?
- Wie kannst du im folgenden Jahr dem Geist Gottes mehr Raum in deinem Alltag einräumen?
- Viele belastende Situationen sind schwer zu ertragen, weil man von Hoffnungslosigkeit und dem Gefühl der Ausweglosigkeit übermannt wird. Betet gemeinsam, dass Gott euren Blick darauf verändern kann und ihr diese Situationen aus einer Ewigkeitsperspektive betrachten könnt.


