Data: 18. Ottobre 2026 | Pre­di­ca­to­re:
Serie: | Tes­to bibli­co: Ephe­ser 5,15–16; Mat­thä­us 6,25–34
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Wir leben oft mit unse­ren Gedan­ken im Ges­tern oder im Mor­gen und ver­pas­sen dabei das Heu­te. Jesus lädt uns ein, die Ver­gan­gen­heit los­zu­las­sen, Ver­ge­bung zu emp­fan­gen und das Mor­gen ver­trau­ens­voll in Got­tes Hän­de zu legen. Heu­te ist der Tag, den Gott uns schenkt. Als Chris­ten geht es nicht nur dar­um, im Moment zu leben, son­dern aus der Gegen­wart Jesu und sei­ner Gna­de. Das Ges­tern darf hin­ter mir lie­gen. Das Mor­gen darf in Got­tes Hän­den lie­gen. Heu­te ist Jesus da.


Vor ein paar Mona­ten bin ich 60 gewor­den. Und wenn man 60 wird, stellt man fest: Die Men­schen reagie­ren ganz unter­schied­lich dar­auf. Fast alle sagen: «Ich füh­le mich über­haupt nicht wie 60!» Ande­re begin­nen ziem­lich schnell dar­über zu spre­chen, was sie dann in der Pen­si­on alles machen wer­den. Bei­des ist inter­es­sant. Das eine schaut zurück: Wie war ich frü­her? Das ande­re schaut nach vor­ne: Wie lan­ge geht es noch? Was kommt danach? Und dazwi­schen liegt das, was wir leicht über­se­hen: Heute.

Eigent­lich ist das typisch für uns Men­schen. Wir leben mit unse­ren Gedan­ken oft ent­we­der in der Ver­gan­gen­heit oder in der Zukunft. Wir über­le­gen, was gewe­sen wäre. Oder wir fra­gen uns, was noch kom­men wird.

Heu­te spricht man des­halb viel von Acht­sam­keit. Es gibt Übun­gen, Kur­se und Semi­na­re, die uns hel­fen sol­len, wie­der bewuss­ter wahr­zu­neh­men, was gera­de geschieht. Und ich glau­be, dar­in steckt etwas Wert­vol­les. Denn die Fra­ge ist: Bin ich wirk­lich da, wo ich gera­de bin? Nicht nur kör­per­lich. Auch mit mei­nen Gedan­ken. Mit mei­nem Her­zen. Mit mei­nem Leben. Und als Chris­ten kommt noch etwas Ent­schei­den­des dazu: Es geht nicht nur dar­um, im Heu­te anzu­kom­men. Es geht dar­um, Jesus im Heu­te zu begeg­nen. Und genau dabei hilft uns der Hei­li­ge Geist. Er führt uns in die Gegen­wart Got­tes. Er zieht unse­ren Blick weg von dem, was gewe­sen ist, und von dem, was noch kommt, und macht uns auf­merk­sam für Jesus, der heu­te da ist.

Jesus ist nicht nur der Herr unse­rer Ver­gan­gen­heit. Er ist auch nicht erst der Herr unse­rer Zukunft. ER ist heu­te da.

Das Gestern darf hinter mir liegen

Wir kön­nen nicht gegen­wär­tig leben, wenn wir stän­dig im Ges­tern woh­nen. Natür­lich gehört die Ver­gan­gen­heit zu uns. Unse­re Geschich­te hat uns geprägt. Es gibt Erfah­run­gen, für die wir dank­bar sind. Ent­schei­dun­gen, die wir bereu­en. Ver­let­zun­gen, die noch schmer­zen. Din­ge, die wir ger­ne unge­sche­hen machen wür­den. Aber eines kön­nen wir nicht: das Ges­tern noch ein­mal leben.

Wenn wir nicht wol­len, dass unse­re Ver­gan­gen­heit unse­re Zukunft bestimmt, müs­sen wir das Ver­gan­ge­ne zu Jesus brin­gen. Schuld dür­fen wir beken­nen und Ver­ge­bung emp­fan­gen. Wo ande­re an uns schul­dig gewor­den sind, dür­fen wir ler­nen zu ver­ge­ben. Ver­let­zun­gen dür­fen wir von Jesus ver­bin­den las­sen. Gera­de bei belas­ten­den Erfah­run­gen kann es hilf­reich sein, die­sen Weg mit seel­sor­ger­li­cher Beglei­tung zu gehen. Nicht, um die Ver­gan­gen­heit unge­sche­hen zu machen, son­dern damit sie nicht län­ger unse­re Gegen­wart und Zukunft bestimmt.

Pao­lo scri­ve: «Eins aber sage ich: Ich ver­ges­se, was dahin­ten ist, und stre­cke mich aus nach dem, was da vor­ne ist» (Phil­ip­per 3,13 LUT).

Pau­lus meint damit nicht: Ver­giss dei­ne Geschich­te. Ver­drän­ge dei­ne Schuld. Tu so, als wäre nichts gewe­sen. Er sagt: Lass das Ges­tern sei­nen Platz bekom­men – aber lass es nicht dei­nen Platz bestim­men. Das Ges­tern darf Geschich­te sein.

Und genau hier liegt die Kraft des Evan­ge­li­ums: Mei­ne Ver­gan­gen­heit ist nicht das Letz­te, was über mein Leben bestimmt. Jesus ist es. Ich muss mei­ne Schuld nicht selbst abar­bei­ten, mei­ne Ver­let­zun­gen nicht selbst ver­bin­den und mei­ne Feh­ler nicht unge­sche­hen machen. Ich darf sie zu Jesus brin­gen und aus sei­ner Ver­ge­bung und Hei­lung leben. Sei­ne Gna­de bedeu­tet: Ich bin mehr als das, was gewe­sen ist. Und weil Jesus mir heu­te sei­ne Gna­de schenkt, muss ich nicht mehr im Ges­tern wohnen.

Viel­leicht ist genau das für jeman­den heu­te ein wich­ti­ger Schritt: nicht mehr stän­dig zu fra­gen, was gewe­sen ist, son­dern Gott zu fra­gen: «Herr, was möch­test du heu­te mit mei­nem Leben tun?»

Das Morgen darf in Gottes Händen liegen

Die ande­re Rich­tung ist die Zukunft. Vie­le Men­schen tun so, als sei ihr Leben nur eine Pro­be, und wenn die vor­bei ist, dann wird das rich­ti­ge anfan­gen. Jemand hat gesagt: «Das Leben ist das, was uns pas­siert, wäh­rend wir auf das Leben war­ten.»

Wir ken­nen die Zukunft nicht. Und gera­de des­halb macht sie uns manch­mal auch Angst. Was wird mit mei­ner Fami­lie? Was wird beruf­lich? Wie wird mei­ne Gesund­heit sein? Was kommt auf unse­re Kir­che zu? Was pas­siert in unse­rem Land? Wie wer­de ich mit dem umge­hen kön­nen, was irgend­wann auf mich zukommt?

Gesù dice: «Non preoc­cu­p­a­tevi quin­di del doma­ni, per­ché ogni gior­no por­ta con sé i pro­pri far­del­li. Le preoc­cu­p­a­zio­ni di oggi sono suf­fi­ci­en­ti per oggi» (Mat­thä­us 6,34 NLB). Das ist kein Auf­ruf zur Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit. Jesus sagt nicht: Pla­ne nichts. Den­ke nicht vor­aus. Über­nimm kei­ne Ver­ant­wor­tung. Er sagt etwas ande­res: Du musst heu­te nicht die Sor­gen von mor­gen tra­gen. Mor­gen wird kom­men. Und wenn mor­gen kommt, wird Gott auch dort sein. Das ist der Unter­schied zwi­schen Ver­trau­en und Kon­trol­le. Kon­trol­le sagt: Ich muss heu­te schon wis­sen, wie mor­gen wird. Ver­trau­en sagt: Ich weiss nicht, wie mor­gen wird. Aber ich weiss, wer mor­gen da sein wird. Das ver­än­dert den Blick auf den heu­ti­gen Tag. Ich muss heu­te noch nicht alle Ant­wor­ten haben. Ich muss heu­te noch nicht wis­sen, wie sich alles ent­wi­ckeln wird. Ich darf heu­te leben.

Und des­halb beten wir im Vater­un­ser: «Dac­ci oggi il nos­tro pane quo­ti­dia­no» (Mat­thä­us 6,11 LUT). Nicht: Gib uns das Brot für die nächs­ten zehn Jah­re. Heu­te. Das Gebet Jesu holt uns immer wie­der zurück in die Gegen­wart Gottes.

Heute ist der Tag, den Gott mir schenkt

Das Ges­tern darf hin­ter mir lie­gen. Das Mor­gen darf in Got­tes Hän­den lie­gen. Und des­halb darf ich heu­te leben. Heu­te ist der Tag, den Gott mir schenkt.

Dabei geht es nicht ein­fach dar­um, acht­sa­mer zu wer­den oder bes­ser im Moment zu leben. Als Chris­ten leben wir nicht ein­fach im Augen­blick – wir leben aus der Gegen­wart Jesu. Jesus ist heu­te da. Ich darf heu­te aus der Gna­de Jesu leben. Sei­ne Gna­de reicht für heute.

Und genau hier hilft uns ein Begriff aus dem Neu­en Tes­ta­ment: Kai­ros. Unser Leben läuft in der Zeit. Die Grie­chen hat­ten dafür das Wort Chro­nos: die Zeit, die ver­geht, die wir mes­sen und zäh­len – Stun­den, Tage, Jah­re. Aber das Neue Tes­ta­ment kennt noch ein ande­res Wort: Kai­ros. Damit ist der beson­de­re, von Gott geschenk­te Augen­blick gemeint. Der Moment, in dem etwas dran ist. Eine Gele­gen­heit, die sich auftut.

Pao­lo scri­ve: «Seht nun dar­auf, wie ihr mit Sorg­falt wan­delt, nicht als Unwei­se, son­dern als Wei­se; und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse.» (Ephe­ser 5,15f SLT).

Das grie­chi­sche Wort für «Zeit» ist hier Kai­ros. Pau­lus sagt also nicht ein­fach: Nutzt eure Zeit mög­lichst effi­zi­ent. Er sagt: Erkennt, was Gott euch heu­te vor die Füs­se legt.

Chro­nos fragt: Wie viel Zeit ist ver­gan­gen? Kai­ros fragt: Was ist jetzt dran?

Kai­ros bedeu­tet nicht nur: den rich­ti­gen Moment erken­nen. Kai­ros bedeu­tet: offen sein für das, was Got­tes Geist mir jetzt zeigt. Viel­leicht ist heu­te ein Mensch dran, dem ich zuhö­ren soll­te. Ein Gespräch, das ich nicht län­ger auf­schie­ben soll­te. Eine Ermu­ti­gung, die jemand braucht. Ein Schritt des Gehor­sams. Ein Dank, den ich aus­spre­chen könn­te. Oder ganz ein­fach ein Moment, in dem ich inne­hal­te und wahr­neh­me: Jesus ist hier.

Das ist Kai­ros: Ich neh­me wahr, dass die­ser Augen­blick mehr sein kann als ein­fach nur ein wei­te­rer Moment, der ver­geht. Gott schenkt mir die­sen Tag. Und viel­leicht legt er gera­de heu­te etwas vor mich, das ich nicht ver­pas­sen soll­te.

Das sehen wir auch bei der Geschich­te vom Man­na in 2. Mose 16. Gott ver­sorgt sein Volk in der Wüs­te – aber nicht mit einem gros­sen Vor­rat für die nächs­ten vier­zig Jah­re. Sie bekom­men ihr Brot Tag für Tag. Das Man­na ist eine Schu­le des Ver­trau­ens. Gott gibt nicht den gan­zen Vor­rat für mor­gen. Er lädt sein Volk ein, ihm heu­te zu ver­trau­en. Und genau dar­um geht es auch in Jesu Gebet: «Dac­ci oggi il nos­tro pane quo­ti­dia­no» (Mat­thä­us 6,11 LUT). Nicht: Gib mir schon heu­te alles, was ich mor­gen brau­chen wer­de. Son­dern: Gib mir heu­te, was ich heu­te brau­che.

Das bedeu­tet nicht, dass wir kei­ne Plä­ne machen dür­fen. Natür­lich dür­fen wir vor­sor­gen, pla­nen und Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Aber wir müs­sen nicht schon heu­te das Mor­gen leben. Heu­te ist heu­te. Und in die­sem Heu­te ist Jesus da.

Das ist für mich der ent­schei­den­de Unter­schied zu einer rein säku­la­ren Acht­sam­keit. Es geht nicht nur dar­um, bewuss­ter wahr­zu­neh­men, was gera­de geschieht. Es geht dar­um, bewusst wahr­zu­neh­men, dass Jesus gera­de da ist. Ich darf heu­te aus sei­ner Gna­de leben. Ich darf ihm mein Ges­tern anver­trau­en. Ich darf ihm mein Mor­gen über­las­sen. Und ich darf fra­gen: Jesus, was ist heu­te dran?

Denn das Heu­te ist der ein­zi­ge Tag, den ich tat­säch­lich leben kann. Das Ges­tern kann ich nicht mehr ver­än­dern. Das Mor­gen kann ich noch nicht leben. Aber heu­te ist Jesus da. Ich muss heu­te nicht alles im Griff haben. Ich muss nicht wis­sen, wie mor­gen wird. Ich darf den nächs­ten Schritt gehen – aus sei­ner Gna­de, in sei­ner Gegen­wart. Dar­um bete ich nicht: «Jesus, zeig mir schon heu­te, was mor­gen kommt.» Ma: «Jesus, was möch­test du heu­te mit mei­nem Leben tun?» Denn sei­ne Gna­de reicht für heu­te. Ich bin heu­te da. Jesus ist heu­te da. Und das reicht.

Possibili domande per il piccolo gruppo

Bibel­text lesen: Ephe­ser 5,15f; Mat­thä­us 6,25–34

  1. Wo ertappst du dich eher: im Ges­tern oder im Mor­gen? Was hält dich dort gedank­lich fest?
  2. Gibt es etwas aus dei­ner Ver­gan­gen­heit, das du Jesus anver­trau­en möch­test? Wo könn­ten Ver­ge­bung zu emp­fan­gen oder Ver­ge­bung zu schen­ken ein nächs­ter Schritt sein?
  3. Wel­che Sor­ge um die Zukunft beschäf­tigt dich momen­tan beson­ders? Was wür­de es bedeu­ten, die­se Sor­ge bewusst in Got­tes Hän­de zu legen?
  4. Wenn «Kai­ros» bedeu­tet: «Was ist jetzt dran?» – was könn­te Gott gera­de heu­te vor dei­ne Füs­se legen? Gibt es einen Men­schen, ein Gespräch, eine Ent­schei­dung oder einen Schritt des Glaubens?
  5. Was könn­te es für dich kon­kret bedeu­ten, die­se Woche «aus der Gna­de Jesu» zu leben? Was möch­test du des­halb anders machen oder bewusst einüben?