Data: 11. Ottobre 2026 | Pre­di­ca­to­re:
Serie: | Tes­to bibli­co: 2. Mose 3,1–14
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Gott ist gegen­wär­tig – auch dann, wenn wir sei­ne Gegen­wart nicht wahr­neh­men. Am bren­nen­den Dorn­busch ent­deckt Mose: Gott sieht das Leid sei­nes Vol­kes, hört sein Geschrei und kennt sei­nen Schmerz. Auch in unse­rem All­tag kön­nen uns «Dorn­bü­sche» auf­merk­sam machen auf Got­tes Gegen­wart. Und Got­tes Name «Ich bin» erin­nert uns: Wir wis­sen nicht, was mor­gen sein wird. Aber wir dür­fen wis­sen, wer mor­gen da sein wird. Gott ist da.


Unser Jah­res­the­ma heisst: Ein­fach. Lei­se. Gegen­wär­tig. Heu­te begin­nen wir mit dem drit­ten Wort: Gegen­wär­tig. Was bedeu­tet es, gegen­wär­tig zu leben? Viel­leicht den­ken wir zuerst an Acht­sam­keit: im Moment leben, nicht stän­dig mit unse­ren Gedan­ken bei ges­tern oder mor­gen sein. Das ist nicht falsch. Aber die Bibel setzt noch tie­fer an. Denn bevor wir dar­über spre­chen, wie wir gegen­wär­tig leben kön­nen, müs­sen wir über Got­tes Gegen­wart spre­chen. Die Bot­schaft von 2. Mose 3 lau­tet: Gott ist da.

Gott ist da – auch wenn wir ihn nicht sehen

Fast vier­hun­dert Jah­re lang muss­te Isra­el mit einer Erfah­rung leben, die sich wie Got­tes Abwe­sen­heit anfühl­te. Die Nach­kom­men Abra­hams waren zu einem gros­sen Volk gewor­den. Gott hat­te Abra­ham Ver­heis­sun­gen gege­ben. Sei­ne Nach­kom­men soll­ten ein gros­ses Volk wer­den und das Land Kana­an besit­zen. Und jetzt? Skla­ve­rei in Ägyp­ten. Men­schen muss­ten unter Zwang arbei­ten. Sie wur­den unter­drückt. Sie lit­ten. Wie passt das zusammen?

Viel­leicht frag­ten sie sich: Wo ist unser Gott? Viel­leicht wur­de die Geschich­te Abra­hams zu einer alten Erin­ne­rung. Viel­leicht zwei­fel­ten man­che sogar dar­an, ob die­se Ver­heis­sun­gen über­haupt noch gal­ten. Und dann kommt Mose. Er lebt inzwi­schen in Midi­an. Er hütet Scha­fe. Ein unspek­ta­ku­lä­res Leben. Doch eines Tages sieht er einen Dorn­busch, der brennt und doch nicht ver­brennt. Mose bleibt ste­hen. Und dort begeg­net ihm Gott. Aber bevor Gott Mose sei­nen Auf­trag gibt, sagt Er etwas, das mich tief berührt: «Ich habe gese­hen, wie mein Volk in Ägyp­ten unter­drückt wird. Und ich habe ihr Schrei­en gehört. Ich weiss, wie sehr es lei­det» (2Mose 3,7 NLB).

Drei Din­ge: Ich habe gese­hen. Ich habe gehört. Ich ken­ne ihre Schmerzen.

Isra­el dach­te viel­leicht: Gott sieht uns nicht. Gott sagt: Ich habe gese­hen. Isra­el dach­te: Gott hört uns nicht. Gott sagt: Ich habe gehört. Isra­el dach­te: Gott weiss gar nicht, wie es uns geht. Gott sagt: Ich ken­ne ihre Schmerzen.

Das ist Got­tes Gegen­wart. Gott ist nicht ein­fach irgend­wo da oben. Er ist kein unbe­tei­lig­ter Beob­ach­ter unse­rer Geschich­te. Er sieht. Er hört. Er kennt. 

Und dann sagt Gott sogar: «Ich bin gekom­men, um sie aus der Gewalt der Ägyp­ter zu ret­ten und sie aus Ägyp­ten zu füh­ren in ein schö­nes, wei­tes Land, in ein Land, in dem Milch und Honig über­flies­sen […]» (2Mose 3,8 NLB). Gott bleibt nicht auf Distanz. Sei­ne Gegen­wart wird han­deln­de Gegen­wart. Viel­leicht gibt es auch unter uns Men­schen, die sich gera­de fra­gen: «Gott, siehst du mich über­haupt?» «Hörst du mein Gebet?» «Weisst du, wie es mir wirk­lich geht?»

Dann sagt die­ser Text nicht, dass wir immer ver­ste­hen wer­den, was Gott tut. Aber er sagt: Du bist nicht unsicht­bar für Gott. Dein Gebet ist nicht unge­hört. Dein Schmerz ist Gott nicht unbe­kannt. Isra­el erlebt Got­tes Abwe­sen­heit. Aber Gott sagt: Ich habe euch gese­hen. Ich habe euch gehört. Ich ken­ne eure Schmer­zen. Gott war da, auch als sie sei­ne Gegen­wart nicht wahr­neh­men konnten.

Gott ist da – achte auf Dornbüsche am Weg

Und dann begeg­net Gott Mose nicht in einem Tem­pel. Mose ist nicht in einem Got­tes­dienst. Er ist bei sei­ner Arbeit. Er hütet Scha­fe. Und mit­ten in die­sem gewöhn­li­chen All­tag sieht er einen Dorn­busch, der brennt und doch nicht ver­brennt. Mose hät­te ein­fach wei­ter­ge­hen kön­nen. Aber er bleibt ste­hen. Das Phä­no­men, dass ein Dorn­busch Feu­er fan­gen kann, war bekannt. Das Beson­de­re war, dass der Dorn­busch nicht ver­brann­te. Des­halb bleibt Mose ste­hen. «’Das ist ja selt­sam’, sag­te er zu sich selbst. ‘War­um ver­brennt die­ser Busch nicht? Das muss ich mir näher anse­hen’» (2. Mose 3,3 NLB).

Viel­leicht liegt dar­in eine Ein­la­dung für uns: Gott ist mit­ten in unse­rem gewöhn­li­chen All­tag gegen­wär­tig. Des­halb möch­te ich uns heu­te einen Gedan­ken mit­ge­ben: Ach­te auf die Dorn­bü­sche an dei­nem Weg. Nicht jeder Dorn­busch ist ein bren­nen­der Dorn­busch. Und schon gar nicht jeder Dorn­busch brennt und ver­brennt nicht. Aber jeder Dorn­busch kann ein Anlass sein, auf­merk­sam zu werden.

  • Viel­leicht ist dein Dorn­busch ein selt­sa­mer Zufall.
  • Viel­leicht ein Mensch, der dir genau im rich­ti­gen Moment begegnet.
  • Viel­leicht ein Satz, der dich uner­war­tet trifft.
  • Viel­leicht ein Bren­nen im Bauch, eine inne­re Unru­he oder eine Sehnsucht.
  • Viel­leicht ein Son­nen­auf­gang, bei dem du plötz­lich denkst: Wie schön ist die­se Welt!
  • Oder viel­leicht ein Bibel­wort, das du schon hun­dert­mal gele­sen hast und das plötz­lich heu­te zu dir spricht.

Ist das alles auto­ma­tisch Got­tes Reden? Nein. Nicht jeder Zufall ist ein Zei­chen. Nicht jedes Bauch­ge­fühl ist Got­tes Stim­me. Aber viel­leicht sind wir manch­mal so beschäf­tigt, dass wir gar nicht mehr bemer­ken, wenn etwas unse­re Auf­merk­sam­keit ver­dient. Mose bleibt ste­hen. Er schaut hin. Und dort begeg­net ihm Gott. Unse­re Auf­merk­sam­keit macht Gott nicht gegen­wär­tig. Sie macht uns gegen­wär­tig für Gott. 

Viel­leicht wäre das eine gute Übung für die­se Woche: Beach­te dei­ne Dorn­bü­sche. Wenn dich etwas inne­hal­ten lässt, geh nicht sofort wei­ter. Schau hin. Wer­de still. Und fra­ge: «Gott, bist du hier? Möch­test du mir etwas zei­gen?»

Viel­leicht geschieht nichts Beson­de­res. Aber viel­leicht ent­deckst du etwas, das du sonst über­se­hen hät­test. Denn manch­mal ist der hei­li­ge Boden mit­ten in unse­rem gewöhn­li­chen Alltag.

Gott ist da – auch in unseren Fragen

Mose bekommt von Gott einen Auf­trag: Er soll nach Ägyp­ten zurück­keh­ren und das Volk Isra­el aus der Skla­ve­rei füh­ren. Doch Mose hat Fra­gen. Eine davon lau­tet: «Wenn ich zu den Israe­li­ten gehe und ihnen sage: ‘Der Gott eurer Vor­fah­ren hat mich zu euch gesandt’, und sie mich dann fra­gen: ‘Wie heisst er denn?’, was soll ich ihnen dann ant­wor­ten?» (2. Mose 3,13 NLB).

Eigent­lich fragt Mose: Wer bist du, Gott? Und Got­tes Ant­wort ist gewal­tig: «Ich bin, der ich immer bin. Sag ihnen ein­fach: ‘Ich bin’ hat mich zu euch gesandt» (2. Mose 3,14 NLB). «Ich bin, der ich immer bin.» Auf Hebrä­isch: Ehjeh. Man kann die­sen Satz auch dyna­mi­scher ver­ste­hen: «Sarò quello che sarò.» Oppu­re: «Ich wer­de mich als den erwei­sen, als den ich mich erwei­sen wer­de.» Und unmit­tel­bar danach, in Vers 15, nennt Gott sei­nen Namen: JHWH, Jah­we. Bei­de Wor­te hän­gen sprach­lich mit dem hebräi­schen Verb ‘sein’ zusam­men. Gott ist der, der ist – der da ist – und der sich als der erwei­sen wird, der Er ist.

Gott gibt Mose also nicht ein­fach eine Defi­ni­ti­on. Er sagt: Ich bin. Ich bin da. Ich war da. Ich wer­de da sein. Genau die­se Aus­sa­ge fin­den wir auch in der Offen­ba­rung: «Ich bin das Alpha und das Ome­ga – der Anfang und das Ende, spricht der Herr und Gott, der ist, der immer war und der noch kom­men wird, der All­mäch­ti­ge» (Offen­ba­rung 1,8 NLB).

Mose weiss noch nicht, was ihn in Ägyp­ten erwar­tet. Isra­el weiss noch nicht, wie die Befrei­ung aus­se­hen wird. Und wir wis­sen eben­falls nicht, was mor­gen sein wird. Aber wir wis­sen, wer mor­gen da sein wird.

Wir stel­len Gott vie­le Fra­gen: «Siehst du mich?» «Kennst du mich?» «Wirst du mir hel­fen?» «Wirst du mir ver­ge­ben?» «Bist du noch da?» Und Gott beant­wor­tet nicht jede unse­rer Fra­gen so, wie wir es ger­ne hät­ten. Aber hier gibt Er Mose etwas, das tie­fer geht als eine Erklä­rung: Er gibt ihm sich selbst. ICH BIN.

Und jetzt wird es span­nend: Die­se Wor­te klin­gen im Neu­en Tes­ta­ment wie­der. Jesus sagt im Johan­nes­evan­ge­li­um ins­ge­samt sie­ben­mal «Ich bin»: «Ich bin das Brot des Lebens» (Johan­nes 6,48 NLB). «Ich bin das Licht der Welt» (Johan­nes 8,12 NLB). «Ich bin der gute Hir­te» (Johan­nes 10,11 NLB), etc. Der Gott, der Mose am Dorn­busch begeg­net ist, ist nicht ein Gott der Ver­gan­gen­heit. Der ICH BIN ist in Jesus Chris­tus gegen­wär­tig. Das ist das Ent­schei­den­de am christ­li­chen Glau­ben: Gott bleibt nicht auf Distanz zu unse­rer Welt. Er sagt nicht nur: «Ich sehe euer Lei­den.» Er kommt. Er wird Mensch. Er wird einer von uns. Wenn wir wis­sen wol­len, wie Gott ist, dann schau­en wir auf Jesus. Da sehen wir den Gott, der sieht. Den Gott, der hört. Den Gott, der sich erbarmt. Den Gott, der Men­schen begeg­net. Und den Gott, der ret­tet. Am Kreuz wird die­se Gegen­wart Got­tes auf eine beson­de­re Wei­se sicht­bar. Jesus trägt dort unse­re Schuld und Sün­de. Er trägt unse­re Got­tes­fer­ne. Dafür geht Er sogar in den Tod.

Und gera­de dort zeigt sich: Gott ist für uns da. Nicht nur: Gott ist da. Son­dern: Gott ist für dich da. Viel­leicht gibt es auch in dei­nem Leben eine Situa­ti­on, in der du dich von Gott ver­ges­sen fühlst. Viel­leicht war­test du schon lan­ge. Viel­leicht betest du schon lan­ge. Viel­leicht ver­stehst du nicht, war­um Gott etwas zulässt. Dann sagt die­se Geschich­te nicht: «Du musst nur genau­er hin­schau­en, dann wirst du Gott schon spü­ren.»

Die Bot­schaft ist tie­fer: Gott ist da – auch wenn du sei­ne Gegen­wart gera­de nicht wahr­nimmst. Und als Chris­ten dür­fen wir noch einen Schritt wei­ter­ge­hen: Wir wis­sen, wo wir Got­tes Gegen­wart ganz beson­ders sehen: in Jesus Chris­tus. Er ist der Imma­nu­el. Gott mit uns. Du weisst viel­leicht nicht, was mor­gen sein wird. Du weisst nicht, wel­che Her­aus­for­de­run­gen kom­men. Du weisst nicht, wel­che Türen sich öff­nen oder schlies­sen wer­den. Aber: Du darfst wis­sen, wer mor­gen da sein wird. Jesus Chris­tus. Des­halb: Bleib manch­mal ste­hen. Ach­te auf die Dorn­bü­sche an dei­nem Weg. Schau hin. Wer­de still. Und dann ent­de­cken wir mit­ten in unse­rem gewöhn­li­chen All­tag etwas, das Mose damals ent­deckt hat: Wir sind nicht allein. Gott ist da.

 

Possibili domande per il piccolo gruppo

Bibel­text lesen: 2. Mose 3,1–14

  1. Wo erlebst du gera­de eine Situa­ti­on, in der du dich fragst: «Gott, siehst du mich über­haupt? Hörst du mein Gebet?» Was könn­te es bedeu­ten, dar­auf zu ver­trau­en, dass Gott trotz­dem gegen­wär­tig ist?
  2. Wel­che «Dorn­bü­sche» gibt es momen­tan auf dei­nem Weg? Gibt es etwas, das dich inne­hal­ten lässt, dich berührt, beschäf­tigt oder immer wie­der dei­ne Auf­merk­sam­keit auf sich zieht?
  3. Was könn­te dir hel­fen, im All­tag auf­merk­sa­mer für Got­tes Gegen­wart zu wer­den? Gibt es eine kon­kre­te Gewohn­heit, die du in der kom­men­den Woche aus­pro­bie­ren möchtest?
  4. «Ich bin – ich wer­de sein.» Wie ver­än­dert die­ser Gedan­ke dei­nen Blick auf eine Situa­ti­on, bei der du heu­te noch nicht weisst, wie sie aus­ge­hen wird?
  5. Wo möch­test du in der kom­men­den Woche kon­kret mit Got­tes Gegen­wart rech­nen? Was wäre ein klei­ner Schritt, bei dem du sagen könn­test: «Gott, ich gehe die­sen Weg nicht allein»?