Data: 25. Ottobre 2026 | Pre­di­ca­to­re:
Serie: | Tes­to bibli­co: Luca 19:1–10
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Jesus sieht Zachä­us – nicht ein­fach den Zöll­ner, Sün­der oder Aus­sen­sei­ter, son­dern den Men­schen. Er lässt sich unter­bre­chen, bleibt ste­hen und schenkt ihm sei­ne Auf­merk­sam­keit. Die­se Begeg­nung ver­än­dert Zachä­us und setzt etwas in Bewe­gung. Auch wir sind von Jesus gese­hen. Sei­ne Gegen­wart ver­än­dert unse­ren Blick: Wir sehen Men­schen nicht mehr nur ober­fläch­lich, son­dern neh­men sie wahr. Wer sich von Jesus gese­hen weiss, lernt, selbst hin­zu­se­hen und für ande­re gegen­wär­tig zu sein.


Wann hast du dich das letz­te Mal von jeman­dem wirk­lich gese­hen gefühlt? Nicht nur ange­schaut. Nicht nur begrüsst. Nicht nur gefragt: «Wie geht’s?» Son­dern wirk­lich gese­hen. Jemand hat sich an etwas erin­nert, das du vor Wochen erzählt hast. Jemand hat zwi­schen dei­nen Wor­ten gehört, was dich wirk­lich beschäf­tigt. Jemand hat dich mit Namen ange­spro­chen. Ich glau­be, wir alle ken­nen die­sen Unter­schied: Man kann unter vie­len Men­schen sein und sich trotz­dem unsicht­bar füh­len. Und umge­kehrt kann ein ein­zi­ger Mensch einem das Gefühl geben: Du bist nicht ein­fach einer von vie­len. Ich sehe dich.

Lukas erzählt, wie Jesus nach Jeri­cho kommt. Eine gros­se Men­schen­men­ge ist unter­wegs. Und Zachä­us möch­te Jesus sehen. Des­halb steigt er auf einen Baum.

Er will Jesus sehen – und macht eine gewal­ti­ge Ent­de­ckung: Jesus sieht ihn längst.

Jesus sieht Zachäus

«Zachä­us hat­te ver­sucht, einen Blick auf Jesus zu wer­fen, aber er war zu klein, um über die Men­ge hin­weg­schau­en zu kön­nen. Des­halb lief er vor­aus und klet­ter­te auf einen Maul­beer­fei­gen­baum am Weg­rand, um Jesus von dort aus vor­über­ge­hen zu sehen» (Lukas 19,3–4 NLB).

Zachä­us klet­tert auf den Baum, weil er Jesus sehen will. Er möch­te offen­bar mög­lichst unauf­fäl­lig blei­ben und gleich­zei­tig etwas von die­sem Jesus mit­be­kom­men. Aber Jesus bleibt nicht auf Distanz. «Als Jesus kam, blick­te er zu Zachä­us hin­auf und rief ihn beim Namen: ‘Zachä­us!’, sag­te er, ‘komm schnell her­un­ter! Denn ich muss heu­te Gast in dei­nem Haus sein.’» (Luca 19:5 NLB).

Zachä­us will Jesus sehen – und macht eine gewal­ti­ge Ent­de­ckung: Jesus sieht ihn. Inter­es­sant ist übri­gens sein Name: Zachä­us bedeu­tet «der Rei­ne». Aus­ge­rech­net die­ser Mann trägt einen Namen, der über­haupt nicht zu dem Bild passt, das die Men­schen von ihm haben. Für sie ist er der Zöll­ner, der Sün­der, der Betrü­ger, der Kol­la­bo­ra­teur, der rei­che Mann. Ein Mensch, über den man sich längst ein Urteil gebil­det hat.

Jesus aber sieht nicht nur das Eti­kett. Er sieht den Men­schen. Und er tut etwas ganz Ein­fa­ches: Er spricht ihn mit sei­nem Namen an. «Zachä­us.» Obwohl Zachä­us noch nicht «der Rei­ne» ist, spricht es Jesus über ihm aus. Jesus macht aus Zachä­us nicht zuerst einen Fall, den es zu lösen gilt. Er macht ihn zu einem Gegen­über. Er spricht mit ihm. Er geht auf ihn zu. Und Er wird sogar Gast in sei­nem Haus. Men­schen sehen oft, was jemand getan hat. Jesus sieht den Men­schen – und tritt mit ihm in Beziehung.

Du bist für Jesus nicht einer von vie­len. Du bist sein Gegenüber.

Unter uns Men­schen spie­len unser Äus­se­res, unser Sta­tus, unser Renom­mee, unser Beruf und unse­re Erfol­ge eine gros­se Rol­le. Wir begeg­nen einem Bank­di­rek­tor anders als einem Mecha­ni­ker. Auch ich habe in der Ver­gan­gen­heit die Fra­ge nach mei­nem Beruf manch­mal mit «Inge­nieur HTL» beant­wor­tet. Als vor 20 Jah­ren der Pro­zess der Pas­to­ren­stel­len­be­set­zung in die­ser Kir­che im Gan­ge war, wur­de ich zum etwas umstrit­te­nen Kan­di­da­ten. Eine Schlüs­sel­per­son die­ser Kir­che, die mit mei­ner Nomi­na­ti­on eben­falls Pro­ble­me hat­te, sag­te damals sinn­ge­mäss: «Er hat wenigs­tens bereits etwas erreicht und erfolg­reich eine Jugend­be­we­gung gelei­tet.» Mein Renom­mee war ent­schei­dend – selbst im christ­li­chen Umfeld. Und da fra­ge ich mich: Müss­ten wir in sol­chen Situa­tio­nen nicht viel stär­ker nach der Beru­fung fragen?

Was sieht Gott, wenn er mich anschaut? Was sieht Jesus, wenn er dich anschaut? In der ers­ten Pre­digt unse­rer aktu­el­len Serie «Gegen­wär­tig» ging es dar­um, dass Gott uns sieht: «Ich habe gese­hen … ich habe gehört … ich habe mit­ge­lit­ten.» Bei Zachä­us wird die­se Wahr­heit per­sön­lich. Jesus sieht mich. Und das ist mehr als die Fest­stel­lung, dass Jesus alles über mich weiss. Jesus sieht mich – und er wen­det sich mir zu.

Jesus lässt sich unterbrechen

«Zac­cheo sce­se il più velo­ce­men­te pos­si­bi­le e accom­pa­gnò Gesù nella sua casa, pie­no di ecci­ta­zio­ne e di gioia.» (Luca 19:6 NLB).

Jesus ist unter­wegs nach Jeru­sa­lem. Er hat einen Weg vor sich. Er hat einen Auf­trag. Und trotz­dem lässt er sich von Zachä­us unter­bre­chen. Und zwar folgt nun nicht ein­fach ein kur­zes Gespräch am Weges­rand. Jesus geht mit ihm nach Hau­se. Ein auf­wän­di­ger Haus­be­such beginnt.

Das führt zu einer ent­schei­den­den Fra­ge: Bin ich eigent­lich noch unter­brech­bar? Denn gegen­wär­tig zu leben, bedeu­tet nicht nur, dass ich selbst im Moment bin. Es bedeu­tet auch, dass ich für einen ande­ren Men­schen anwe­send sein kann.

  • Ich schaue vom Han­dy auf.
  • Ich höre zu, statt schon mei­ne Ant­wort vorzubereiten.
  • Ich las­se jeman­den sei­ne Geschich­te zu Ende erzählen.
  • Ich fra­ge nach – und mei­ne die Fra­ge auch.
  • Ich mer­ke, wenn es jeman­dem nicht ein­fach gut geht.
  • Ich blei­be noch fünf Minu­ten, obwohl ich eigent­lich wei­ter müsste.

Es gibt ein wert­vol­les Taschen­buch von John M. Dre­scher mit dem Titel «Wenn ich noch ein­mal anfan­gen könn­te». Dar­in erwähnt er zehn Punk­te, die er ein zwei­tes Mal anders machen wür­de. Unter ande­ren: mei­ne Frau mehr lie­ben, mehr mit mei­nen Kin­dern lachen, bes­ser zuhö­ren, mehr mit mei­ner Fami­lie unter­neh­men, öfter ermu­ti­gen, den klei­nen Din­gen mehr Auf­merk­sam­keit schen­ken, … Es fällt auf, dass alle die­se Punk­te ganz viel mit Acht­sam­keit und in der Gegen­wart leben zu tun haben.

Ich muss nicht stän­dig auf­merk­sam für alle Men­schen sein. Aber wenn ich aus der Gegen­wart Got­tes lebe, kann ich mich auch unter­bre­chen las­sen. Wer immer nur auf sein Ziel schaut, über­sieht die Men­schen am Weg.

Wer gesehen wird, beginnt selbst zu sehen

«Nel frat­tem­po, Zac­cheo si pre­sen­tò davan­ti al Signo­re e dis­se: «Signo­re, darò la metà dei miei beni ai poveri e se imbro­glierò la gen­te sul­le tas­se, le resti­tuirò il qua­dru­plo!».» (Luca 19:8 NLB).

Jesus geht mit Zachä­us nach Hau­se. Und dort geschieht etwas Gross­ar­ti­ges: Zachä­us wird durch die Begeg­nung mit Jesus ver­än­dert. Und zwar ganz kon­kret. Sein Umgang mit Geld ver­än­dert sich. Sein Blick auf ande­re Men­schen ver­än­dert sich. Aus einem selbst­be­zo­ge­nen Men­schen wird ein gross­zü­gi­ger, aus einem hart­her­zi­gen ein barm­her­zi­ger. Er über­nimmt Ver­ant­wor­tung und gibt zurück.

Zachä­us wird nicht zuerst durch eine Moral­pre­digt ver­än­dert. Er wird durch die Begeg­nung mit Jesus ver­än­dert. Das ist die Bewe­gung im Leben mit Jesus: Jesus sieht mich → Jesus bleibt bei mir → Jesus verändert mei­nen Blick auf ande­re. Got­tes Gegen­wart ist nie­mals nur eine Erfah­rung für mich. Sie ver­än­dert mei­nen Blick auf die Men­schen neben mir. Wer sich von Jesus gese­hen weiss, lernt, selbst hin­zu­se­hen und für Men­schen gegen­wär­tig zu sein.

Das ist für mich auch für unse­re see­tal chi­le von gros­ser Bedeu­tung. Auch zu uns kom­men Men­schen, bei denen man­ches im Leben noch im Argen liegt. Und oft sage ich in sol­chen Situa­tio­nen: Gott kommt auch mit die­ser Per­son zum Ziel. Das ist mei­ne gröss­te Hoff­nung auf nach­hal­ti­ge Ver­än­de­rung. Nicht, dass wir Men­schen ein­fach sagen, was ethisch rich­tig und biblisch ist. Son­dern dass Men­schen in der see­tal chi­le ein­drück­li­che Jesus-Momen­te erle­ben – und dar­aus eine Neu­schöp­fung von innen nach aus­sen ent­steht. Wie kön­nen wir in unse­ren Got­tes­diens­ten sol­che kraft­vol­len Jesus-Momen­te zulas­sen? Indem wir betend und gegen­wär­tig da sind? Indem wir von gan­zem Her­zen beim Lob­preis mit­sin­gen? Indem wir auf Men­schen zuge­hen, die uns der Hei­li­ge Geist aufs Herz legt? Indem wir auf jeg­li­che Kon­su­men­ten­hal­tung ver­zich­ten und gemein­sam den «Leib Chris­ti» reprä­sen­tie­ren? Ich ken­ne die Ant­wort auf die­se Fra­ge nicht voll­stän­dig. Aber eines weiss ich: Sie hat mit dir und mir zu tun. Mit uns allen. Die see­tal chi­le möch­te eine Kir­che sein, in der Men­schen Jesus-Begeg­nun­gen erle­ben und von ihm trans­for­miert werden.

Und viel­leicht ist genau das eine der schöns­ten For­men von Gegen­wär­tig­keit: Wir sind nicht ein­fach für­ein­an­der da. Wir sind gemein­sam auf­merk­sam für das, was Jesus tut.

Neh­men wir eine Fra­ge mit: Wen sehe ich eigent­lich nicht mehr? Mei­nen Ehe­part­ner? Mei­nen Sohn? Mei­ne Toch­ter? Den Arbeits­kol­le­gen? Den Nach­barn? Den Men­schen, über den ich längst mein Urteil gefällt habe? Zachä­us war für vie­le ein­fach der Zöll­ner. Einer, über den man sich ein Urteil gebil­det hat­te. Aber Jesus bleibt ste­hen. Er schaut hin. Er sagt: «Zachä­us.» Du bist gese­hen. Du bist gemeint. Du bist mir nicht egal.

Und genau hier beginnt Ver­än­de­rung. Nicht damit, dass wir uns vor­neh­men, auf­merk­sa­mer oder bes­se­re Men­schen zu wer­den. Son­dern damit, dass wir uns selbst von Jesus anschau­en las­sen. Denn wer sich von Jesus gese­hen weiss, lernt, selbst hinzusehen. 

Damit schliesst sich der Kreis unse­rer Rei­he: Gott ist da. Heu­te ist der Tag. Und des­halb kann ich für ande­re gegen­wär­tig sein. Dar­um die­se eine Fra­ge für die kom­men­de Woche: Jesus, wen möch­test du, dass ich heu­te sehe? Nimm die­se Fra­ge mit. Und wenn dir ein Mensch in den Sinn kommt: Schau hin. Bleib ste­hen. Sei da.

Denn manch­mal beginnt Got­tes Gegen­wart genau dort, wo ein Mensch merkt: Ich wer­de gesehen.

Possibili domande per il piccolo gruppo

Leg­ge­re il tes­to bibli­co: Luca 19:1–10

  1. Wann hast du dich in letz­ter Zeit von einem Men­schen gese­hen und wahr­ge­nom­men gefühlt? Was hat die­se Begeg­nung bei dir ausgelöst?
  2. Was bedeu­tet es für dich per­sön­lich, dass Jesus dich nicht nur kennt, son­dern dich sieht und sich dir zuwendet?
  3. Wel­che Men­schen über­se­hen wir in unse­rem All­tag leicht – und war­um? Gibt es jeman­den, bei dem Jesus dei­nen Blick ver­än­dern möchte?
  4. Wie gut kannst du dich unter­bre­chen las­sen? Was hilft dir, einem Men­schen wirk­lich zuzu­hö­ren und gegen­wär­tig zu sein?
  5. «Jesus sieht mich → Jesus bleibt bei mir → Jesus ver­än­dert mei­nen Blick auf ande­re.» Wo erkennst du die­se Bewe­gung in dei­nem eige­nen Leben – und was könn­te dein nächs­ter Schritt sein?