Gewohnheiten Jesu | Einfach leben

Дата: 14. Июнь 2026 | Проповедник:
Серия: | Библейский текст: 1. Timo­theus 6,6–10.17–19
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Jesus leb­te ein­fach, weil sei­ne Sicher­heit nicht im Besitz, son­dern im Vater lag. In einer Kul­tur des Immer-mehr lädt er dazu ein, Bal­last los­zu­las­sen und Genüg­sam­keit zu ler­nen. Nicht Reich­tum ist das Pro­blem, son­dern ein Herz, das dar­an hängt. Wer Gott genug sein lässt, wird frei von der Jagd nach mehr und frei zur Gross­zü­gig­keit. Christ­li­che Ein­fach­heit bedeu­tet nicht Ver­zicht, son­dern Ver­trau­en, Frei­heit und mehr Raum für Gott.


Als mein Sohn und ich letz­tes Jahr die ers­ten fünf Etap­pen der Jura-Bik­e­rou­te absol­vier­ten, muss­ten wir alles auf dem Rücken tra­gen. Des­halb prüf­ten wir jeden Gegen­stand kri­tisch. Brau­chen wir ihn wirk­lich? Kön­nen wir dar­auf ver­zich­ten? Gibt es etwas, das den­sel­ben Zweck erfüllt, aber leich­ter ist?

Auf den ers­ten Kilo­me­tern mach­te das kaum einen Unter­schied. Doch auf den anstren­gen­den Weg­stre­cken wur­de jedes Gramm spür­bar. Beson­ders gut erin­ne­re ich mich an den Auf­stieg von St-Ursan­ne nach Saignelé­gier durch knie­tie­fen Morast. Dort waren wir dank­bar für jedes ein­ge­spar­te Gramm.

Damals wur­de mir etwas bewusst: Nicht nur auf einer Velo­tour, son­dern auch im Glau­bens­le­ben tra­gen wir oft mehr mit uns her­um, als nötig wäre.

Vor­letz­ten Sams­tag haben wir den Aus­sen­kel­ler der see­tal chi­le ent­rüm­pelt. Vie­les durf­te weg. Plötz­lich ent­stand Raum. Man konn­te sich wie­der frei bewe­gen. Es mach­te wie­der Freu­de, den Kel­ler zu betreten.

Für mich hat das etwas Gleich­nis­haf­tes. Jesus lädt uns ein, Bal­last los­zu­las­sen. Nicht nur Gegen­stän­de, son­dern auch Sor­gen, Ängs­te, Ver­let­zun­gen, fal­sche Sicher­hei­ten und Gewohn­hei­ten, die unser Herz besetzen.

Denn wir sind Rei­sen­de. «Ибо этот мир – не наш дом; мы ожидаем наш будущий город только на небесах.» (Hebrä­er 13,14 NLB). Wer auf einer Rei­se ist, soll­te nicht mehr tra­gen als nötig.

Jesus selbst leb­te so. Obwohl ihm die gan­ze Schöp­fung gehört, leb­te er erstaun­lich ein­fach. Sei­ne Sicher­heit lag nicht im Besitz, son­dern beim Vater. Sei­ne Frei­heit bestand nicht dar­in, viel zu haben, son­dern dar­in, genug an Gott zu haben.

Was kön­nen wir von Jesus über die Gewohn­heit der Ein­fach­heit lernen?

Warum das Mehr nie genug wird

«Denn die Lie­be zum Geld ist die Wur­zel aller mög­li­chen Übel; so sind man­che Men­schen aus Geld­gier vom Glau­ben abge­wi­chen und haben sich selbst vie­le Schmer­zen zuge­fügt» (1Timotheus 6,10 NLB).

Wir leben in einer Kul­tur des Immer-mehr: mehr Erfolg, mehr Besitz, mehr Leis­tung, mehr Tem­po. Unse­re gan­ze Wirt­schaft funk­tio­niert über Wachs­tum. Auch unser pri­va­tes Kon­sum­ver­hal­ten steigt ständig.

Als Jugend­li­cher hat­te ich eine Regen­ja­cke, die ich als Ski­ja­cke, Regen­ja­cke oder Wind­stop­per beim Velo­fah­ren benutz­te. Auch mei­ne zwei Jeans­ho­sen dien­ten für den All­tag eben­so wie für den Win­ter­sport. Heu­te habe ich für jede Sai­son und für ver­schie­de­ne Akti­vi­tä­ten eige­ne Klei­dung. Die­ses Jahr habe ich mir sogar noch eine Wan­d­er­ho­se gekauft, gegen deren Besitz ich mich lan­ge erfolg­reich gewehrt hatte.

Vor 130 Jah­ren gab es in einem Haus­halt durch­schnitt­lich etwa 400 Gegen­stän­de. Heu­te sind es rund 10’000. Die­se Din­ge müs­sen ange­schafft, gepflegt, ver­si­chert, orga­ni­siert und irgend­wann wie­der ent­sorgt wer­den. Mehr Besitz bedeu­tet oft auch mehr Auf­wand und mehr Sorgen.

«Men­schen, die reich wer­den wol­len, gera­ten nur in Ver­su­chung und ver­stri­cken sich in so vie­le dum­me und schäd­li­che Wün­sche, dass sie letzt­lich ins Ver­der­ben und in ihren eige­nen Unter­gang stür­zen» (1Timotheus 6,9 NLB).

Besitz ver­spricht Sicher­heit, Sta­tus und Glück. Doch Wün­sche ver­meh­ren sich oft schnel­ler als Besitz. Kaum ist ein Ziel erreicht, war­tet schon das nächs­te. So lebt unse­re Kul­tur vom «Noch mehr»: neu­er, grös­ser, schnel­ler, moderner.

Dabei ist nicht der Reich­tum das Pro­blem. Die Bibel ver­ur­teilt Besitz nicht. Gefähr­lich wird es dort, wo unser Herz beginnt, sich an Besitz zu klam­mern und von ihm Sicher­heit und Iden­ti­tät zu erwarten.

Schwe­res Rei­se­ge­päck strengt an. Das gilt auf einer Velo­tour genau­so wie im Leben.

Das Geheimnis der Genügsamkeit

«Истинная вера и умение довольствоваться малым – это действительно великое богатство. Ведь мы ничего не принесли с собой в этот мир, когда родились, и ничего не сможем забрать с собой, когда умрем. Поэтому мы хотим довольствоваться тем, что есть, пока у нас достаточно еды и одежды.» (1 Тимофею 6:6–8 NLB).

«[…] lass mich weder arm noch reich wer­den, son­dern gib mir gera­de so viel, wie ich brau­che. Denn wenn ich reich wer­de, könn­te ich dich ver­leug­nen und sagen: ‘Wer ist der HERR?’ Und wenn ich zu arm bin, könn­te ich steh­len und so den hei­li­gen Namen Got­tes in den Schmutz zie­hen» (Sprü­che 30,8f NLB).

Bei­de Tex­te beschrei­ben die­sel­be geist­li­che Hal­tung. Weder Reich­tum noch Armut sind das eigent­li­che Ziel. Das Ziel ist ein Herz, das Gott ver­traut. Der Schrei­ber der Sprü­che bit­tet um das rech­te Mass. Er weiss, dass sowohl Über­fluss als auch Man­gel geist­li­che Gefah­ren ber­gen kön­nen. Dar­um bit­tet er um das, was er wirk­lich braucht.

Genüg­sam­keit bedeu­tet nicht, wenig zu besit­zen. Genüg­sam­keit bedeu­tet, dass Gott genug ist. Die­se Erkennt­nis fin­den wir immer wie­der in der Geschich­te der Kirche.

Franz von Assi­si wur­de als Sohn eines wohl­ha­ben­den Tuch­händ­lers gebo­ren. Nach sei­ner Bekeh­rung erkann­te er, wie stark Besitz sein Herz gefan­gen hielt. Der ent­schei­den­de Punkt ist nicht sei­ne Armut an sich, son­dern sei­ne Erkennt­nis: Was ich besit­ze, darf nicht besit­zen, wer ich bin. Franz woll­te weni­ger haben, um frei­er für Gott und für Men­schen zu werden.

Die Puri­ta­ner des 16. und 17. Jahr­hun­derts gin­gen einen ande­ren Weg. Vie­le von ihnen waren erfolg­rei­che Kauf­leu­te oder Unter­neh­mer. Doch auch sie frag­ten: Brau­che ich das wirk­lich? Dient die­ser Besitz Gott? Macht mich die­ser Luxus dank­ba­rer oder abhän­gi­ger? Der Puri­ta­ner Richard Bax­ter schrieb sinn­ge­mäss, dass Chris­ten die Welt nut­zen sol­len, ohne ihr Herz an sie zu hän­gen. Für die Puri­ta­ner galt: fleis­sig arbei­ten, ver­ant­wort­lich wirt­schaf­ten, gross­zü­gig geben und beschei­den leben.

Jesus Chris­tus, der Sohn Got­tes und Erbe der gan­zen Schöp­fung, leb­te die­se Hal­tung in voll­kom­me­ner Wei­se. Ein­mal ent­geg­ne­te er einem Schrift­ge­lehr­ten, der ihm nach­fol­gen woll­te: «У лисицы своя нора, у птиц свои гнезда, а Сын Человеческий не имеет, где прилечь.» (Mat­thä­us 8,20 NLB).

Jesus leb­te nicht aus dem Man­gel, son­dern aus dem Ver­trau­en. Sei­ne Sicher­heit lag nicht in dem, was er besass, son­dern in sei­nem Vater. Des­halb konn­te er ein­fach leben.

Pau­lus spricht nicht von Man­gel­den­ken, son­dern von Frei­heit: weni­ger besit­zen müs­sen, weni­ger bewei­sen müs­sen, weni­ger sor­gen müssen.

Ein­fach­heit bedeu­tet dank­bar, bewusst und zufrie­den zu leben. Denn Besitz ist ein her­vor­ra­gen­der Die­ner, aber ein schlech­ter Herr.

Reich sein auf Gottes Weise

Das Ziel christ­li­cher Ein­fach­heit ist nicht Ver­zicht. Das Ziel christ­li­cher Ein­fach­heit ist Liebe.

«Sag allen, die in die­ser gegen­wär­ti­gen Welt reich sind, sie sol­len nicht stolz sein und nicht auf ihr Geld ver­trau­en, das bald ver­ge­hen wird. Statt­des­sen sol­len sie ihr Ver­trau­en auf den leben­di­gen Gott set­zen, der uns alles reich­lich gibt, was wir brau­chen, damit wir uns dar­an freu­en und es genies­sen kön­nen. For­de­re sie auf, ihr Geld zu nut­zen, um Gutes zu tun. Sie sol­len reich an guten Taten sein, die Bedürf­ti­gen gross­zü­gig unter­stüt­zen und immer bereit sein, mit ande­ren zu tei­len, was Gott ihnen gege­ben hat. Auf die­se Wei­se legen sie mit ihrem Besitz ein gutes Fun­da­ment für die Zukunft, um das wah­re Leben zu ergrei­fen» (1Timotheus 6,17–19 NLB).

Pau­lus for­dert die Rei­chen nicht dazu auf, alles weg­zu­ge­ben. Er for­dert sie dazu auf, ihren Besitz als Werk­zeug Got­tes ein­zu­set­zen. Ein­fach­heit führt des­halb zu Gross­zü­gig­keit, zu Zeit für Men­schen, zu Ver­trau­en auf Gott und zu offe­nen Hän­den.

Das Chris­ten­tum endet nicht im Mini­ma­lis­mus. Das Ziel ist nicht, mög­lichst wenig zu besit­zen, son­dern mög­lichst frei für Gott zu wer­den. Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet nicht: «Wie viel darf ich haben?», но: «Was besitzt eigent­lich mein Herz?»

Christ­li­che Ein­fach­heit ist nicht Ver­lust von Leben, son­dern Befrei­ung von Bal­last. Wer genug an Chris­tus hat, muss nicht alles besit­zen. Wenn Chris­tus unser gröss­ter Schatz wird, ver­liert vie­les ande­re sei­ne über­trie­be­ne Bedeutung.

Etwas vom Schöns­ten an der Guten Nach­richt ist, dass Jesus uns defi­niert und uns einen uner­mess­li­chen Wert gibt. Wir sind teu­er erkauft. Es hat Jesus sein Leben gekos­tet. Wer die­se neue Iden­ti­tät ver­steht, gewinnt eine tie­fe Frei­heit im Umgang mit Besitz und Status.

Drei prak­ti­sche Ideen, um einen Lebens­stil der Genüg­sam­keit einzuüben:

  • Auf einen unnö­ti­gen Kauf verzichten.
  • Etwas bewusst verschenken.
  • Jeden Tag Gott für das dan­ken, was bereits da ist.

Das sind klei­ne Schrit­te. Doch christ­li­che Ein­fach­heit beginnt oft genau dort: nicht mit einem radi­ka­len Umbruch, son­dern mit einem ver­än­der­ten Her­zen und vie­len klei­nen Entscheidungen.

Auf unse­rer Velo­tour war jedes Gramm weni­ger eine Erleich­te­rung. Im Glau­bens­le­ben ist es ähn­lich. Viel­leicht lädt Jesus heu­te jeman­den ein, einen unnö­ti­gen Besitz los­zu­las­sen. Viel­leicht eine Sor­ge. Viel­leicht eine Ver­let­zung. Viel­leicht den Druck, immer mehr haben, leis­ten oder dar­stel­len zu müssen.

Christ­li­che Ein­fach­heit beginnt nicht im Kel­ler, nicht im Klei­der­schrank und nicht auf dem Bank­kon­to. Sie beginnt im Her­zen. Sie beginnt dort, wo Chris­tus unser gröss­ter Schatz wird. Wer genug an Chris­tus hat, muss nicht alles ande­re besit­zen. Wer sei­ne Iden­ti­tät in Chris­tus gefun­den hat, muss sei­nen Wert nicht durch Besitz bewei­sen. Wer von Chris­tus gehal­ten wird, darf mit leich­tem Rei­se­ge­päck unter­wegs sein.

Denn das Ziel christ­li­cher Ein­fach­heit ist nicht Ver­zicht, son­dern Frei­heit. Nicht Man­gel, son­dern Ver­trau­en. Nicht weni­ger Leben, son­dern mehr Raum für Gott.

 

Возможные вопросы для малой группы

Bibel­text lesen: Timo­theus 6,6–10.17–19

  1. Wo erlebst du in dei­nem All­tag den Druck des «Immer-mehr» am stärks­ten? In wel­chen Berei­chen fällt es dir schwer, mit dem zufrie­den zu sein, was du bereits hast?
  2. Wel­chen «Bal­last» trägst du momen­tan mit dir her­um? Denk dabei nicht nur an Besitz, son­dern auch an Sor­gen, Ver­pflich­tun­gen, Erwar­tun­gen oder Verletzungen.
  3. Was bedeu­tet für dich per­sön­lich der Satz: «Genüg­sam­keit bedeu­tet, dass Gott genug ist»? Wo for­dert dich die­ser Gedan­ke her­aus und wo ermu­tigt er dich?
  4. Jesus leb­te nicht aus dem Man­gel, son­dern aus dem Ver­trau­en. In wel­chem Bereich dei­nes Lebens möch­te Gott dich viel­leicht ein­la­den, ihm mehr zu ver­trau­en, statt auf eige­ne Sicher­hei­ten zu setzen?
  5. Wel­chen kon­kre­ten Schritt könn­test du in der kom­men­den Woche gehen, um einen ein­fa­che­ren und freie­ren Lebens­stil ein­zu­üben? Zum Bei­spiel: auf einen unnö­ti­gen Kauf ver­zich­ten, etwas ver­schen­ken, Zeit für Men­schen inves­tie­ren oder Gott bewusst für das dan­ken, was bereits da ist.