Habitudes de Jésus | Silence et solitude

Date 17. mai 2026 | Prédicateur/trice :
série : | Tex­te bibli­que : 1 Rois 19,1–13
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Die Pre­digt lädt dazu ein, Stil­le und Ein­sam­keit nicht als Pflicht, son­dern als Geschenk Got­tes zu ent­de­cken. Am Bei­spiel von Jesus, Elia und dem ver­folg­ten Chris­ten Amin wird deut­lich: Gera­de im Rück­zug und in der Ruhe begeg­net uns Got­tes Gegen­wart oft beson­ders tief. In einer lau­ten und hek­ti­schen Welt schafft Stil­le Raum, um heil zu wer­den, Got­tes Stim­me wahr­zu­neh­men und neue Kraft für den All­tag zu empfangen.


Kürz­lich berich­te­te Amin in einem Talk über sei­ne Erfah­run­gen als ver­folg­ter Christ im Iran. Er wur­de gefragt: «Wie hast du Jesus erlebt? Was war gut für dich in der Ver­fol­gung? Was hast du gelernt? Was hast Du von Jesus erhal­ten?» Sei­ne wört­li­che Ant­wort: «Etwas, was sehr spe­zi­ell ist im Gefäng­nis, ist die Gegen­wart von Jesus, denn sie kön­nen Jesus nicht gefan­gen neh­men. In der Schweiz haben wir sehr vie­le Frei­hei­ten. Wir kön­nen sehr vie­les genies­sen. Wir len­ken uns auch sehr oft ab. Im Gefäng­nis hast du wirk­lich Zeit, 24 Stun­den wirk­lich nur mit Jesus zu ver­brin­gen. Ich habe solch eine Bezie­hung und Gegen­wart von Jesus nie­mals so erlebt, wie ich es im Gefäng­nis habe. Vor allem, als ich in der Iso­la­ti­ons­zel­le war, also ganz allein. Das war mei­ne bes­te und nächs­te Zeit mit Jesus, die ich je hat­te.»

Die­se Wor­te berüh­ren. Denn sie zei­gen etwas Über­ra­schen­des: Gera­de dort, wo äus­ser­lich alles genom­men wur­de, ent­stand Raum für eine tie­fe Begeg­nung mit Jesus. Nicht Frei­heit, Akti­vi­tät und Mög­lich­kei­ten führ­ten Amin in die Nähe Got­tes – son­dern Ein­sam­keit und Stille.

Heu­te geht es um die geist­li­che Gewohn­heit von Jesus: Stil­le und Ein­sam­keit. Durch geist­li­che Gewohn­hei­ten schaf­fen wir Zeit und Raum, um in der Tie­fe Gott selbst zu begeg­nen. Eine geist­li­che Gewohn­heit ist jede Akti­vi­tät, die ich durch direk­te Anstren­gung aus­üben kann, die mich schliess­lich in die Lage ver­setzt, das zu tun, was ich nicht durch direk­te Anstren­gung tun kann.

Es geht dabei nicht um reli­giö­se Leis­tung. Nicht um Pflicht. Nicht dar­um, Gott zu beein­dru­cken. Son­dern um eine Ein­la­dung. Eine Ein­la­dung, einen Lebens­rhyth­mus zu ent­de­cken, in dem unse­re See­le wie­der atmen kann und Got­tes Stim­me hör­bar wird.

Das Vorbild

Als Jesus bei sei­ner Tau­fe aus dem Was­ser steigt, ertönt eine Stim­me vom Him­mel, die sagt: «C’est mon fils bien-aimé, en lui j’ai une gran­de joie» (Mat­thä­us 3,17 NLB). Gleich­zei­tig ist das die Start­ram­pe, von der aus Jesus in die Welt hin­aus­ge­schickt wird. Doch schon in der nächs­ten Zei­le lesen wir, dass Jesus vom Hei­li­gen Geist für 40 Tage in die Wüs­te geführt wird.

Das Ers­te, was Jesus nach sei­ner Tau­fe tut, ist: Er geht direkt in die Wüs­te. Wüs­te bedeu­tet nicht unbe­dingt Sand und Hit­ze. Le mot grec ere­mos hat eine Viel­zahl von Bedeu­tun­gen: Wüs­te, ver­las­se­ner Ort, trost­lo­ser Ort, abge­le­ge­ner Ort, ein­sa­mer Ort, ruhi­ger Ort, Wild­nis, Einöde.

Inter­es­sant ist: Die Wüs­te ist in der Bibel nicht ein­fach ein Ort der Schwä­che. Sie ist oft ein Ort der Begeg­nung. Ein Ort der Klä­rung. Ein Ort, an dem Neben­ge­räu­sche ver­stum­men und Got­tes Stim­me hör­bar wird.

Mar­kus 1 beschreibt im Grun­de den ers­ten gros­sen Arbeits­tag von Jesus als Mes­si­as. Es war ein Mara­thon­tag: Er lehrt in der Syn­ago­ge, heilt die Schwie­ger­mut­ter des Petrus, und danach bringt man ihm unzäh­li­ge Kran­ke und Beses­se­ne. Men­schen strö­men zu ihm. Erwar­tun­gen drü­cken auf ihn ein. Jeder will etwas von ihm. Jesus müss­te völ­lig erschöpft gewe­sen sein.

Doch dann lesen wir: «Ganz früh, es war noch Nacht, ging Jesus allein an einen ein­sa­men Ort (‘ere­mos’), um zu beten» (Mar­kus 1,35 NLB).

Jesus zieht sich zurück. Nicht, weil er Men­schen nicht liebt. Nicht, weil er ver­ant­wor­tungs­los wäre. Son­dern gera­de, weil er weiss, dass sei­ne See­le die­se Nähe zum Vater braucht. Und das war kei­ne ein­ma­li­ge Aus­nah­me. Lukas schreibt: «Jesus zog sich jedoch immer wie­der zum Gebet in die Wüs­te (‘ere­mos’) zurück» (Lukas 5,16 NLB). Es war ein Lebensrhythmus.

Viel­leicht den­ken wir manch­mal: Wenn ich ein­mal mehr Zeit habe, wenn es ruhi­ger wird, wenn die Kin­der grös­ser sind, wenn der Stress nach­lässt – dann wer­de ich mir Zeit für Gott neh­men. Aber bei Jesus sehen wir das Gegen­teil. Gera­de mit­ten im Dienst, mit­ten in den Anfor­de­run­gen, mit­ten im Druck sucht er die Ein­sam­keit auf.

Jesus hat uns nicht befoh­len, sei­ne eige­nen Prak­ti­ken zu befol­gen. Er hat ein­fach ein Bei­spiel gege­ben für eine ganz neue Wei­se, sein Leben zu füh­ren. Dann hat Er sich umge­dreht und gesagt: «Wenn eure Wei­se zu leben euch müde und wenn ihr Ruhe fin­den wollt für eure See­le, kommt, nehmt mein sanf­tes Joch und kopiert mein Leben in allen Ein­zel­hei­ten» (nach Mat­thä­us 11,28–30).

Einsamkeit und Stille

Ein­sam­keit heisst zunächst ein­mal: allein sein. Allein mit Gott und mit der eige­nen See­le. Vie­le Men­schen fürch­ten genau das. Denn, sobald es still wird, stei­gen Gedan­ken auf, Gefüh­le, Sor­gen, inne­re Unru­he. Des­halb len­ken wir uns so oft ab. Musik läuft stän­dig. Das Han­dy ist immer griff­be­reit. Selbst kur­ze War­te­zei­ten wer­den sofort gefüllt.

Amin wur­de in die Iso­la­ti­on gezwun­gen – und gera­de dort erleb­te er die Gegen­wart Jesu tie­fer als je zuvor. Auch Elia macht eine Erfah­rung der Ein­sam­keit. Aller­dings beginnt sie ganz anders. Der Pro­phet Elia – ein Glau­bens­held – erlebt nach einem gros­sen Sieg einen tie­fen Zusam­men­bruch. Gera­de noch hat er auf dem Kar­mel Got­tes Macht erlebt. Und kurz dar­auf flieht er erschöpft in die Wüste.

«Er aber ging allein eine Tages­stre­cke weit in die Wüs­te. Schliess­lich sank er unter einem Gins­ter­strauch nie­der, der dort stand, und woll­te nur noch ster­ben. ‘Ich habe genug, HERR’, sag­te er. ‘Nimm mein Leben, denn ich bin nicht bes­ser als mei­ne Vor­fah­ren’» (1Könige 19,4 NLB).

Viel­leicht kennst du sol­che Momen­te auch. Man zieht sich zurück, nicht weil man beson­ders geist­lich ist, son­dern weil man ein­fach nicht mehr kann. Müde. Leer. Überfordert.

Und genau dort beginnt etwas Wich­ti­ges: Gott begeg­net Elia nicht mit Vor­wür­fen. Er sagt nicht: «Reiss dich zusam­men.» Er sagt nicht: «Du müss­test mehr glau­ben.» Gott begeg­net ihm mit Für­sor­ge. Elia schläft. Ein Engel weckt ihn und gibt ihm zu essen und zu trin­ken. Dann darf er wie­der schla­fen. Noch ein­mal wird er geweckt. Noch ein­mal wird er gestärkt.

Das ist bemer­kens­wert. Der ers­te Schritt aus der Kri­se ist nicht ein geist­li­cher Höhen­flug, son­dern Ruhe, Essen, Schlaf und lie­be­vol­le Für­sor­ge. Gott begeg­net uns ganzheitlich.

Dar­um ist Stil­le nicht ein­fach eine Tech­nik. Nicht ein­fach ein spi­ri­tu­el­les Werk­zeug zur Selbst­op­ti­mie­rung. Stil­le beginnt oft dort, wo wir lang­sa­mer wer­den. Wo wir uns zuge­ste­hen, dass wir nicht alles tra­gen müs­sen. Wo wir auf­hö­ren, uns stän­dig antrei­ben zu lassen.

Augus­ti­nus sag­te: «In die Stil­le ein­zu­tre­ten bedeu­tet, in die Freu­de ein­zu­tre­ten.» Und ein syri­scher Mönch aus dem sechs­ten Jahr­hun­dert sag­te: «Der Freund der Stil­le, nähert sich Gott.» Unse­re Welt dage­gen ist laut. C.S. Lewis lässt in sei­nem sati­ri­schen Werk Dienst­an­wei­sun­gen an einen Teu­fel die Dämo­nen gegen die Stil­le wet­tern. Der Ober­teu­fel Screw­tape nennt das Reich des Feinds ein «König­reich des Lärms» und sagt: «Wir wer­den am Ende die gan­ze Welt zu einem ein­zi­gen Lärm machen.»

Viel­leicht erle­ben wir genau das. Nicht nur äus­ser­lich, son­dern auch inner­lich. Gedan­ken krei­sen. Sor­gen drü­cken. Ein­drü­cke über­flu­ten uns. Elia erlebt genau das. Äus­ser­lich ist es still in der Wüs­te, aber inner­lich tobt ver­mut­lich ein Sturm.

Doch Gott führt ihn wei­ter. Vier­zig Tage und vier­zig Näch­te lang bis zum Horeb, dem Berg Got­tes. Gott arbei­tet nicht unter Zeit­druck. Er führt Schritt für Schritt.

In den letz­ten Wochen bin ich zur Vor­be­rei­tung des Rig­i­mar­sches oft stun­den­lang durch den Aar­gau gewan­dert. Man­che Leu­te frag­ten, ob ich denn so viel Zeit hät­te. Für mich waren es Zei­ten der Begeg­nung mit Gott und ich fra­ge mich, ob ich es mir über­haupt leis­ten kann, mir die­se Zeit nicht zu neh­men. Viel­leicht ist genau das die ent­schei­den­de Fra­ge. Nicht: Habe ich Zeit für Stil­le? Son­dern: Kann ich es mir leis­ten, ohne sie zu leben?

Denn wenn wir nie still wer­den, ver­lie­ren wir oft etwas Wesent­li­ches: die Wahr­neh­mung von Got­tes Gegenwart.

Ist nicht gera­de eines der gros­sen Pro­ble­me von Spi­ri­tua­li­tät in unse­rer Zeit die Tat­sa­che, dass wir uns getrennt von Gott füh­len? Wir erle­ben nur sel­ten Got­tes Gegen­wart im All­tag. Ein­sam­keit und Stil­le sind das Rezept dagegen.

Und manch­mal beginnt das ganz prak­tisch: Ein Spa­zier­gang ohne Han­dy. Ein Mor­gen ohne sofor­ti­ge Nach­rich­ten. Ein bewuss­tes Schwei­gen. Ein paar Minu­ten, in denen wir ein­fach da sind vor Gott. Nicht als Pflicht­übung. Son­dern als Geschenk.

Gottes Stimme hören

Dann kommt bei Elia der ent­schei­den­de Moment. Ein Sturm kommt – aber Gott ist nicht im Sturm. Ein Erd­be­ben – aber Gott ist nicht im Erd­be­ben. Ein Feu­er – aber Gott ist nicht im Feu­er. Und dann: ein stil­les, sanf­tes Sau­sen. Und dort ist Gott.

Das ist viel­leicht der wich­tigs­te Punkt die­ser Geschich­te: Gott ist oft nicht im Lau­ten, nicht im Spek­ta­ku­lä­ren, nicht im Dra­ma­ti­schen – son­dern im Leisen. 

Wir leben in einer Welt, die stän­dig Auf­merk­sam­keit erzeu­gen will. Alles muss schnell, ein­drück­lich und inten­siv sein. Aber Gott drängt sich nicht auf. Er schreit nicht. Er über­tönt nicht alles ande­re. Er spricht leise.

Dar­um brau­chen wir Stil­le. Nicht weil Stil­le an sich hei­lig wäre, son­dern weil sie der Raum wird, in dem wir Got­tes Stim­me wie­der wahr­neh­men kön­nen. Le mot héb­reu pour désert – mid­bar – est étroi­te­ment liée à dabar, dem Wort.

Viel­leicht spricht Gott viel öfter, als wir den­ken. Aber wir hören ihn nicht, weil so vie­les ande­res lau­ter gewor­den ist. Und des­halb ist Stil­le letzt­lich kein Rück­zug aus dem Leben, son­dern eine Rück­kehr zum Wesentlichen.

Elia ver­hüllt sein Gesicht. Er erkennt: Gott ist da. Nicht im Sturm. Nicht im Feu­er. Son­dern in der lei­sen Gegenwart.

Mei­nes Erach­tens haben wir zwei Möglichkeiten:

  • Opti­on A: Wir ver­nach­läs­si­gen die­se Pra­xis, gera­ten ins Hams­ter­rad und lan­den bes­ten­falls in emo­tio­na­ler Unaus­ge­gli­chen­heit und schlimms­ten­falls in «geist­li­cher Besinnungslosigkeit».
  • Oder Opti­on B: Wir neh­men die­se uralte und doch so aktu­el­le Pra­xis wie­der auf und erle­ben das Leben von Jesus.

Acht­sam­keit – die gan­ze Welt spricht im Moment dar­über. Dabei ist Acht­sam­keit nichts ande­res als der säku­la­re Begriff für Stil­le und Ein­sam­keit. Es ist das Glei­che, nur ohne den bes­ten Teil – Jesus.

Die­se Geschich­te lädt uns ein, Stil­le neu zu ent­de­cken – nicht als Pflicht, son­dern als Geschenk.

  • Eine Stil­le, in der wir ehr­lich sein dürfen
  • Eine Stil­le, in der Gott uns heilt und stärkt
  • Eine Stil­le, in der wir sei­ne Stim­me hören

Viel­leicht ist der nächs­te geist­li­che Schritt in dei­nem Leben nicht mehr Akti­vi­tät, son­dern weni­ger. Nicht mehr Wor­te, son­dern mehr hören. Nicht mehr tun, son­dern mehr Sein. Und viel­leicht war­tet Jesus genau dort schon auf dich – in der Stille.

 

Questions possibles pour le petit groupe

Bibel­text lesen: 1. Köni­ge 19,1–13

  1. Wann erlebst du in dei­nem All­tag am meis­ten Lärm und Ablen­kung – äus­ser­lich oder innerlich?
  2. Wel­che Erfah­run­gen hast du bereits mit Zei­ten der Stil­le oder Ein­sam­keit mit Gott gemacht?
  3. Was könn­te dir kon­kret hel­fen, im All­tag regel­mäs­sig Raum für Stil­le mit Gott zu schaffen?
  4. War­um fällt es uns oft schwer, ein­fach still vor Gott zu sein, ohne etwas leis­ten zu müssen?
  5. Was wäre in den kom­men­den Tagen ein prak­ti­scher nächs­ter Schritt, um Got­tes Gegen­wart bewuss­ter Raum zu geben?