Date: 19. April 2026 | Pre­a­cher:
Series: | Bible text: Psalm 73,28
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Unser Han­deln wird getrie­ben von Erwar­tun­gen. Für Jesus jedoch ist klar, nur eines ist wirk­lich wich­tig: sei­ne Nähe zu suchen. Er war­tet gedul­dig auf uns. Umso mehr wir sei­ne Gegen­wart suchen, des­to mehr wer­den wir erken­nen, wie kost­bar sei­ne Nähe ist.


Im August wird Malou gros­se Schwes­ter und wir freu­en uns rie­sig. Dami­an und ich kom­men aus kin­der­rei­chen Fami­li­en und daher war es unser gros­ser Wunsch, dass auch Malou nicht ohne Geschwis­ter auf­wächst. Mein Mann und ich hat­ten aber sehr unter­schied­li­che Rol­len in unse­ren jewei­li­gen Her­kunfts­fa­mi­li­en. Dami­an ist der Erst­ge­bo­re­ne von vier Geschwis­tern, der Auf­pas­ser, Vor­bild und Streit­schlich­ter. Ich hin­ge­gen bin mit Abstand die Jüngs­te von fünf Geschwis­tern, eine klas­si­sche Nach­züg­le­rin. Ihr könnt euch vor­stel­len, ich bin mit allen Vor­tei­len eines Ein­zel­kin­des und den Vor­tei­len einer Gross­fa­mi­lie auf­ge­wach­sen. So durf­te ich jeweils immer über­all hin mit­kom­men, weil man sicher nicht für nur ein Kind einen Baby­sit­ter orga­ni­siert. Für Haus­ar­bei­ten war ich aber grund­sätz­lich immer zu klein. Mei­ne gros­se Schwes­ter fand es toll mich zu ver­wöh­nen, aber mei­ne drei grös­se­ren Brü­der fan­den es natür­lich nur so mäs­sig gut, da sie dadurch umso häu­fi­ger den Abwasch erle­di­gen muss­ten. Es hat extrem unse­re Dyna­mik als Geschwis­ter geprägt. Wenn du aus einer Fami­lie mit meh­re­ren Geschwis­tern kommst, kennst du das wahr­schein­lich auch. Es gibt eine Geschich­te in der Bibel, eine mei­ner abso­lu­ten Lieb­lings­ge­schich­ten, bei der man so rich­tig die­ses Geschwis­ter­dy­na­mik her­aus­spürt. Für mich ist es eine Geschich­te, die nicht feh­len darf beim Jah­res­the­ma «Ein­fach. Lei­se. Gegenwärtig.»

Marta and Maria

Es ist die Geschich­te von Mar­ta und Maria. Wir kön­nen in Lukas 10 davon lesen: «Als Jesus mit sei­nen Jün­gern wei­ter­zog, kam er in ein Dorf, wo er bei einer Frau auf­ge­nom­men wur­de, die Mar­ta hieß. Maria, ihre Schwes­ter, setz­te sich zu Füßen von Jesus hin und hör­te ihm auf­merk­sam zu. Mar­ta aber war unent­wegt mit der Bewir­tung ihrer Gäs­te beschäf­tigt. Schließ­lich kam sie zu Jesus und frag­te: ‘Herr, siehst du nicht, dass mei­ne Schwes­ter mir die gan­ze Arbeit über­lässt? Sag ihr doch, dass sie mir hel­fen soll!’ Doch der Herr ant­wor­te­te ihr: ‘Mar­ta, Mar­ta, du bist um so vie­les besorgt und machst dir so viel Mühe. Nur eines aber ist wirk­lich wich­tig und gut! Maria hat sich für die­ses eine ent­schie­den, und das kann ihr nie­mand mehr neh­men’» (Lukas 10,38–42 HfA). Es sind knap­pe vier Ver­se, aber spürt ihr auch die­se Dyna­mik? Viel­leicht war es nicht das ers­te Mal, das ein sol­cher Kon­flikt auf­kam. Jesus wur­de in das Haus von Mar­ta ein­ge­la­den. Es lässt ver­mu­ten, dass also Mar­ta die älte­re Schwes­ter war. Auch wenn sie in einer Kul­tur leb­ten, in der es all­ge­mein nor­mal war für Frau­en, die Män­ner zu bewir­ten, war es doch viel­leicht immer noch ein wenig mehr die Pflicht der älte­ren Schwes­ter als der Jün­ge­ren. Viel­leicht war es in ihrer Kind­heit auch nor­mal, dass Mar­ta als älte­re mehr hel­fen muss­te und Maria immer ein wenig zu klein dafür war. Genau das könn­te aber den Frust von Mar­ta noch befeu­ert haben. Ich stel­le mir vor, Mar­ta steht in der Küche und wie sie so den Teig fürs Fla­den­brot kne­tet und die Kicher­erb­sen für den Hum­mus von Hand zer­klei­nert, dre­hen sich die Gedan­ken. «Es ist wie immer, Maria lässt mich mit der kom­plet­ten Arbeit allein. Nicht im Traum wür­de es ihr in den Sinn kom­men zu hel­fen. Nie denkt sie mit, nie sieht sie was zu tun ist.» Dann gibt’s even­tu­ell noch die­sen inne­ren Dia­log, den man sich aus­denkt, weil man ja schon genau weiss, wie die ande­re Per­son reagie­ren wür­de. All das äus­sert man natür­lich nicht laut. Nein, Mar­ta wählt einen viel sub­ti­le­ren und geschick­te­ren Weg.

End­lich ist hier eine Auto­ri­täts­per­son, auf die Maria hört. Viel­leicht ist das end­lich die Mög­lich­keit ihre Schwes­ter dazu zu brin­gen, ihr zu hel­fen. Doch wie wir im Vers 42 lesen kön­nen, geht die­ser Schuss nach hin­ten los. Jesus sagt ganz klar, dass Mar­ta falsch liegt und Maria das ein­zig rich­ti­ge und wich­ti­ge tut. Aber war­um? Gast­freund­schaft ist doch auch aus einer bibli­schen Per­spek­ti­ve eine abso­lut lobens­wer­te Eigen­schaft und Mar­ta star­tet so gut in die­se Geschich­te. Sie ist es, die Jesus zu sich nach Hau­se ein­lädt. Doch danach schlägt sie eine kom­plett fal­sche Rich­tung ein. In der Ant­wort von Jesus sehen wir, dass etwas, was nach aus­sen ganz gut wirkt, halt trotz­dem das Fal­sche sein kann. Um es klar­zu­stel­len, Gast­freund­schaft ist wirk­lich etwas Wun­der­ba­res, doch es gibt gute Grün­de, wes­halb es in die­ser Geschich­te die­se Abwer­tung erfährt. Wir kön­nen über Mar­tas Antrei­ber im Vers 41 lesen: «Doch der Herr ant­wor­te­te ihr: ‘Mar­ta, Mar­ta, du bist um so vie­les besorgt und machst dir so viel Mühe’» (Lukas 10,41 HfA). Mar­ta hat nicht nur die Inten­ti­on den Gepflo­gen­hei­ten ihrer Kul­tur zu ent­spre­chen. Sie ist besorgt und macht sich dar­um viel Mühe. Mar­ta ist getrie­ben von der Angst, sie könn­te den Erwar­tun­gen ihres Umfel­des und auch ihren eige­nen Erwar­tun­gen nicht genü­gen. Ich wage zu behaup­ten, wir alle wer­den hin und wie­der von die­ser Angst gesteu­ert. Es ist eine Angst, die uns dazu bringt, immer mehr zu leis­ten und nach Per­fek­ti­on zu stre­ben. Weil es eigent­lich nie genug ist, muss ich immer noch mehr tun. Wir set­zen die Lat­te, wie wir uns als guter Vater, gute Mut­ter, guter Mit­ar­bei­ter oder Chef, als gute Toch­ter, guter Sohn und auch als guter Christ, zu ver­hal­ten haben, unheim­lich hoch. So hoch, dass wir kaum je in der Lage sind die­ses Ziel zu errei­chen. Das frus­triert und die­ser Anspruch, gepaart mit dem Frust, führt dazu, dass wir ganz nach dem Vor­bild von Mar­ta, auch begin­nen die­se hohen Erwar­tun­gen auf unser Umfeld zu übertragen.

Die Ansprü­che, die ich als Mut­ter an mich habe, sind rie­sig. Ich dach­te ja, wenn wir Kin­der haben, wer­den wir aus­schliess­lich selbst­ge­mach­tes Brot und viel Gemü­se aus dem eige­nen Gar­ten essen, nach dem Spie­len direkt immer alle Spiel­sa­chen wie­der auf­räu­men und was uns an Kin­der­klei­der fehlt, wür­de ich kur­zer­hand selbst nähen. Nun habe ich aber nur sehr begrenz­te Res­sour­cen und schaf­fe es nicht, die­sen Ansprü­chen gerecht zu wer­den. Anstatt jedoch mei­ne Ansprü­che run­ter­zu­schrau­ben, wer­de ich frus­triert und las­se die­sen Frust an mei­ner Toch­ter aus. Ich erwar­te von ihr, ihr Bedürf­nis nach Mamas Nähe auf­zu­schie­ben und sich mög­lichst lang ruhig selbst zu beschäf­ti­gen. Die hohen Erwar­tun­gen an mich selbst ver­wan­deln sich im Hand­um­dre­hen in hohe Erwar­tun­gen an mei­ne Nächs­ten. Dar­aus ent­steht eine Erwar­tungs­spi­ra­le, die sich bis ins Unend­li­che hoch­schraubt. Was aber noch eine viel schlim­me­re Kon­se­quenz dabei ist, es treibt uns nicht nur emo­tio­nal weg von ande­ren Men­schen. Es treibt uns weg von Gott. Wer sich stets um die Erwar­tun­gen ande­rer und sich selbst küm­mert, ver­passt lei­der viel zu oft, dass ER auf uns war­tet. So wie Mar­ta zwar Jesus ein­lädt, aber ver­passt ihm Nahe zu sein.

Mose und Aaron

Viel­leicht hast du bis jetzt gedacht, das geht mich nicht wirk­lich etwas an. Natür­lich hast du brav genickt, weil du weisst, wie sehr sich dei­ne Ehe­frau, Freun­din oder die­se eine über­mo­ti­vier­te Mit­ar­bei­te­rin bei der Arbeit von den Erwar­tun­gen und dem Drang nach Per­fek­ti­on trei­ben lässt. Even­tu­ell denkst du sogar, dass mit den über­höh­ten Erwar­tun­gen ist eher etwas, das Frau­en betrifft. Frau­en reagie­ren mehr auf so sub­ti­le, non­ver­ba­le For­de­run­gen. Viel­leicht. Viel­leicht läuft es bei Män­nern etwas anders ab, aber eben doch mit dem­sel­ben Ergeb­nis. Es gibt in der Bibel ein noch bekann­te­res Geschwis­ter­paar, zwei Brü­der. Mich erin­nert ihre Geschich­te ehr­lich gesagt sehr stark an die Geschich­te von Mar­ta und Maria. Wir haben in der Lesung von ihnen gehört. Es geht um Aaron und Mose.

Die Bege­ben­heit, von der ich spre­che, fin­den wir in 2. Mose 32–33. Wir haben in der Pre­digt von Mat­thi­as vor ein paar Wochen eini­ge Ver­se aus dem Kapi­tel 33 betrach­tet, wo es dar­um ging, wie sich Mose immer wie­der ins Zelt der Begeg­nung zurück­zieht. Ich möch­te etwas vor­her ein­hän­gen und euch einen kur­zen Abriss über die Gescheh­nis­se geben. Gott hat Mose und sei­nen Bru­der Aaron gebraucht, um mit ihnen zusam­men, beglei­tet von mäch­ti­gen Zei­chen und Wun­der, das Volk Isra­el aus der Unter­drü­ckung in Ägyp­ten hin­aus­zu­füh­ren. Sie sind nun auf dem Weg in das Land, wel­ches Gott ihren Vor­fah­ren ver­spro­chen hat und wo sie in Frei­heit und Über­fluss leben soll­ten. Am Berg Sinai geht Mose auf den Berg, fas­tet und begeg­net Gott, der ihm Wei­sun­gen für das Volk gibt. Wäh­rend­des­sen ist Aaron beim Volk. Die­ses Volk wird unge­dul­dig und rich­tet ihre Erwar­tun­gen an Aaron. Ich wür­de ger­ne sagen, Aaron hat sich zumin­dest eini­ge Gedan­ken gemacht, wie er nun reagie­ren soll­te, aber im Bibel­text scheint es eher, als wür­de er sehr abrupt und impul­siv reagie­ren. Er sieht ein Pro­blem und bie­tet die nächst­bes­te Lösung dazu an. Er reagiert prompt auf die Erwar­tun­gen sei­ner Mit­men­schen. Ob er sich wohl noch gut mit Mar­ta ver­stan­den hätte?

Bei Mar­ta waren es all­täg­li­che Din­ge, woge­gen es bei Aaron um Erwar­tun­gen im Geist­li­chen ging. Ich wür­de behaup­ten die Fol­gen von Aarons Ver­hal­ten war ent­spre­chend auch bedeu­tend fata­ler als die­je­ni­gen bei Mar­ta. Er hat nicht nur sich selbst von Gott ent­fernt, son­dern ein gan­zes Volk dazu gebracht, sich von Gott abzu­wen­den. Wenn wir im Geist­li­chen Ver­ant­wor­tung für ande­re über­neh­men, ohne dabei Gott zu suchen, kann das ver­hee­ren­de Fol­gen haben. Im Kon­trast dazu sehen wir Aarons Bru­der Mose. Auch er hat eine Lie­be für das Volk und sucht sein Bes­tes. Er über­nimmt die Ver­ant­wor­tung, die Gott ihm über­tra­gen hat. In ers­ter Linie wen­det er sich aber nicht an das Volk. Er geht zu Gott. Immer und immer wie­der geht er ins Zelt der Begegnung.

Was bestimmt unser Handeln?

Dein Han­deln wird ent­we­der von den Erwar­tun­gen ande­rer und dei­nen Erwar­tun­gen an dich selbst bestimmt oder von der gros­sen Ver­heis­sung, dass Er selbst, Jesus, Sohn von Gott, auf dich war­tet. Es ist dei­ne Ent­schei­dung. Was ist das ers­te am Mor­gen, womit du dich beschäf­tigst? Ist es ein dank­ba­rer Blick nach oben zu dei­nem Schöp­fer, der dir einen neu­en Tag schenkt oder ein Blick auf dein Han­dy? Und mit was füllst du dei­ne Gedan­ken, bevor du ein­schläfst? Wie viel Zeit ver­bringst du mit dei­nem Han­dy, vor dem Fern­se­her oder am Lap­top und wie viel Zeit ver­wen­dest du, um in Got­tes Gegen­wart zu kom­men? Wenn es dar­um geht, die Gegen­wart Got­tes zu suchen, möch­te ich dir drei Din­ge raten: sei radi­kal, sei krea­tiv und sei konsequent.

Wenn du die letz­ten 20 Minu­ten zuge­hört hast und immer wie­der dach­test, dass ist schön und gut, aber dei­ne jet­zi­gen Lebens­um­stän­de las­sen es ein­fach nicht zu auch noch aus­ge­dehn­te Zei­ten der Stil­le ein­zu­bau­en, dann sei radi­kal. Nimm es nicht ein­fach hin! Ver­än­de­re etwas an dei­nen Lebens­um­stän­den. Nur ganz weni­ge Din­ge las­sen sich wirk­lich nicht ändern. Den Job kann man wech­seln und Hob­bys kann man auf­ge­ben, wenn man Fami­lie hat, ist das weni­ger ein­fach. Für den Fall rate ich dir, sei krea­tiv. In den letz­ten zwei Jah­ren hat sich der Ort der Begeg­nung für mich immer wie­der gewan­delt. Erst von Gebets­zei­ten zu allen mög­li­chen Tages­zei­ten auf dem Gebets­ho­cker in unse­rem Wohn­zim­mer, mit Ker­ze und Duft­öl, gele­gent­li­chem Fas­ten und Gebets­ta­ge­buch, hin zum Bibel­le­sen und Beten, wäh­rend den ewig lan­gen Stil­lein­hei­ten, wei­ter zu nach­mit­täg­li­chen Gebets­spa­zier­gän­gen mit Baby im Wald bis jetzt hin zum Bibel­le­sen, Gebet und Gebets­ta­ge­buch auf dem Sofa im Wohn­zim­mer wäh­rend dem Mit­tags­schlaf mei­ner Tochter.

Wenn du die­se zwei Hür­den genom­men hast, bleibt nur noch kon­se­quent dran­zu­blei­ben. Manch­mal ist es ein Kampf die­se Zei­ten sich zu neh­men, aber der Kampf ist es wert. Denn umso öfter du ihn gewinnst, des­to mehr wirst du erken­nen, wie unglaub­lich kost­bar die Nähe und Gegen­wart Got­tes ist. Ich will schlies­sen mit einem Vers aus Psalm 73,28a: «Ich aber darf dir immer nahe sein, das ist mein gan­zes Glück!» (Psalm 73,28a HfA).

Possible questions for the small group

Lest gemein­sam Lukas 10,38–42

  1. Wie sieht dein Zelt der Begeg­nung aus? Wann und wie suchst du im All­tag die Gegen­wart Gottes?
  2. Wann hast du das letz­te Mal etwas Neu­ses aus­pro­biert, um Got­tes Nähe zu suchen? Z.b. zu fas­ten, zu malen, einen Gebets­spa­zier­gang zu machen, Psal­me beten, usw.? Wer­de mutig und pro­bie­re neue Wege aus.
  3. Was hilft dir, den äus­se­ren und inne­ren Lärm aus­zu­schal­ten und in die Stil­le zu kommen?
  4. Was ist bei dir dran? Braucht es eine radi­ka­le Ver­än­de­rung, eine krea­ti­ve Lösung oder «ein­fach» ein kon­se­quen­tes Dranbleiben?