Vittorioso nel deserto
Serie: Semplice. Tranquillo. Presente. | Testo biblico: Matthäus 4,1–11
Wie Jesus in der Wüste durch Verzicht und Vertrauen Versuchungen überwand, braucht auch unser Leben viele Neins für das grosse Ja zu Gott. Besitz, Beliebtheit und Macht können zum Ersatz für Gott werden. In bewusst gewählten «Wüstenzeiten» – still, einfach und gegenwärtig vor Gott – lernen wir neu zu vertrauen. Dort werden wir innerlich erneuert und fähig, Versuchungen zu widerstehen und aus Gottes Fülle zu leben.
Wenn ein Athlet an der Olympiade siegreich sein will, braucht es viele Neins für das grosse Ja. Über vier Jahre hinweg leben Sportler mit Entbehrungen, Disziplin und klaren Prioritäten, um am entscheidenden Tag bereit zu sein. Wenn es dann nicht gelingt, bricht oft eine Welt zusammen – so gross sind Einsatz, Emotionen und Hingabe. Marco Odermatt etwa wollte unbedingt die Goldmedaille in der Abfahrt. Die Enttäuschung über den vierten Platz war riesig. Nach so vielen Neins sehnt man sich nach dem grossen Ja.
Auch in unserem Leben mit Gott braucht es viele Neins für das grosse Ja. Genau das bringt unser Jahresthema zum Ausdruck: Einfach – nicht aufwändig, leise – nicht laut, gegenwärtig – nicht zerstreut. Das grosse Ja ist ein Leben in der Fülle Gottes, in dem wir nicht aus eigener Kraft siegen, sondern weil ER für uns kämpft.
Der Ort des Geschehens
«Danach wurde Jesus vom Heiligen Geist in die Wüste geführt […]» (Matthäus 4,1 NLB).
Nach hebräischem Denken ist die Wüste weit mehr als ein geografischer Ort. Sie hat eine tiefe geistliche, theologische und existentielle Bedeutung. Mose, David, Elia, Johannes der Täufer und Jesus wurden in der Wüste auf ihren Dienst vorbereitet. Die Wüste ist ein Ort der Gottesbegegnung, ein Ort der Abhängigkeit und des Vertrauens, ein Ort der Läuterung und Erziehung, ein Ort des Redens Gottes, ein Ort der Liebe – aber nicht der Bequemlichkeit, ein Ort des Kampfes – aber auch der Vorbereitung.
Die Wüste ist der Ort, an dem der Mensch nicht viel hat – und gerade deshalb Gott alles ist. Sie ist ein Raum der Fokussierung.
Im Buch Micha wird für Wüste e Weide derselbe Wortstamm verwendet (Micha 2,12). Aus europäischer Perspektive sind Wüste und Weide Gegensätze, während sie im biblischen Land ursprünglich eng zusammengehören. Der Unterschied liegt in der Denkweise: Die Wüste wurde nach dem benannt, was in ihr noch möglich war. Während Ackerbau kaum möglich war, blieb das Weiden bestehen. Menschen konnten trotz der kargen Landschaft von Viehzucht leben. Sie mussten wandern, suchen, warten und sich anpassen. Leben war möglich – aber nur in Abhängigkeit.
Versucht werden
In der Wüste nahm Jesus vierzig Tage und vierzig Nächte keine Nahrung zu sich. «Und der Versucher trat herzu und sprach zu ihm[…]» (Matthäus 4,3 LUT). Der Teufel wird hier Versucher genannt (griech. peirazon). Er stellt Menschen auf die Probe, um sie vom Vertrauen auf Gott wegzuführen. Wir haben es mit einem Widersacher zu tun, der genau weiss, wo wir verwundbar sind.
- Versuchung 1: «[…] Wenn du der Sohn Gottes bist, dann verwandle diese Steine in Brot» (Matthäus 4,3 NLB). Wenn jemand Steine in Brot verwandeln kann, wird er damit gleichzeitig zum Wohltäter und zum genachten Mann. Hier geht es um Relevanz und Besitz.
- Versuchung 2: Auf dem höchsten Punkt der Tempelmauer spricht der Versucher: «Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: ‘Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuss nicht an einen Stein stösst‘« (Matthäus 4,6 NLB). Hier geht es darum, spektakulär zu sein, gesehen zu werden, beliebt zu sein.
- Versuchung 3: «Als Nächstes nahm ihn der Teufel mit auf den Gipfel eines hohen Berges und zeigte ihm alle Länder der Welt mit ihren Reichtümern. ‘Das alles schenke ich dir’, sagte er, ‘wenn du vor mir niederkniest und mich anbetest’» (Matthäus 4,8f NLB). Hier geht es um Macht.
Besitz, Beliebtheit und Macht sind an sich keine schlechten Dinge. Sie gehören zum Leben. Doch der Versucher verdreht sie. Er drängt uns dazu, sie zu gewinnen, indem wir uns vor ihm niederknien und ihn anbeten. Unser Vertrauen soll von Gott gelöst werden. Sünde ist, wenn wir auf etwas anderes als auf Gott unser Vertrauen setzen. Das Ziel des Versuchers ist es, uns vom Vertrauen auf Gott wegzubringen.
Das macht unser Leben und das unserer Mitmenschen schwer. Beziehungen zerbrechen, Menschen brennen aus, innere Leere wächst. Jemand sagte einmal: «Denn das, für das du lebst, das ist dein Gott.» Genau hier liegt die Gefahr: Diese drei Bereiche haben das Potenzial, unser Herz zu beherrschen.
Die Folge ist Existenzangst – in drei Formen: die Angst, nicht geliebt zu sein; die Angst, zu wenig zu besitzen; die Angst, von anderen beherrscht zu werden. Diese Ängste treiben uns in Spiralen. Wer Angst hat zu kurz zu kommen, sammelt mehr Besitz. Doch Besitz bringt keine Sicherheit – und so wächst die Angst weiter. Dasselbe gilt für Beliebtheit und Macht: Es ist nie genug.
Siegreich sein
Viele Neins für das grosse Ja – das ist der Weg zu einem siegreichen Leben. Jesus sagte dreimal Nein, um am grossen Ja festzuhalten: dem Vertrauen zu seinem Vater.
Die Wüste steht sinnbildlich für diesen Weg. Ein Raum ohne Ablenkung, ohne Sicherheiten, ohne Überfluss. Die Wüste lehrt Vertrauen statt Kontrolle, Glaube statt Besitz, Hingabe statt Macht. Für Jesus war das Fasten nicht Schwächung, sondern Vorbereitung. In der Stille wurde sein Blick klar, sein Herz fest, sein Vertrauen tief.
Die Wüste offenbart, worauf wir uns wirklich verlassen. Sie zeigt, ob unsere Festung der Herr selbst ist oder die Dinge, die wir uns zum Überleben aufgebaut haben: Kontrolle, Ablenkung, Selbstgenügsamkeit – sogar religiöse Gewohnheiten, die unbemerkt die Nähe zu ihm ersetzt haben.
Vor einigen Wochen kam nach einer Predigt über die Wüste eine Person zu mir und sagte: «Ich befinde mich gerade selbst in einer Wüste.» Es gibt Zeiten des Zerbruchs, die wir uns nicht aussuchen. Zeiten, in denen Sicherheiten wegbrechen und Fragen bleiben. Doch auch dort gilt: Gott lässt keine Wüste ungenutzt.
Warte nicht, bis du unfreiwillig in eine Wüste geführt wirst. Wir sind eingeladen, mitten im Alltag unsere eigene Wüste zu suchen – einen Ort, an dem wir zur Ruhe kommen und uns neu auf Gott ausrichten. Das beginnt ganz praktisch: Zeit und Ort reservieren, um allein mit Gott zu sein. Die Form wird für jeden anders aussehen. Doch geistliche Disziplin bleibt nie vage. Solche Zeiten können morgens beginnen – bewusst, still, ohne Ablenkung. Ergänzend kann es hilfreich sein, sich monatlich einen halben Tag zurückzuziehen. Wer für das grosse Ja leben will, kommt an solchen Zeiten nicht vorbei.
Semplice. Tranquillo. Presente. Suche dir einen Ort, an dem du allein bist und nicht abgelenkt wirst – weder durch Geräte noch durch Menschen. Zünde eine Kerze an, atme durch und werde still vor Gott. Das ist gelebter Glaube. Wir klammern uns an Christus wie an unseren Sauerstoff – unsichtbar, aber lebensnotwendig. Christus als unser Leben zu sehen bedeutet, unsere Bedürftigkeit nach ihm anzuerkennen und uns in jeder Situation auf ihn zu verlassen. Und dieses Leben ist kein Leben der Angst, sondern der liebevollen Hingabe.
Studiere und meditiere in diesen Zeiten die Bibel, das lebendige Wort Gottes. Jesus parierte die Angriffe des Versuchers mit Worten aus der Thora. Auch wir müssen das Wort Gottes kennen, wenn wir den Lügen des Widersachers widerstehen wollen.
In unserer Pastorengruppe sprachen wir kürzlich über eine ältere Person, die immer wieder aneckt und Menschen verletzt. Jemand fragte: «Wie ist es möglich, dass jemand Jahrzehnte mit Jesus unterwegs ist und so wenig Frucht sichtbar wird?» Ein anderer meinte, was man mit 60 nicht gelernt habe, werde später kaum besser. Doch ich glaube nicht, dass das das letzte Wort ist. Ich bin überzeugt: In der Wüste verändert Gott Menschen – unabhängig vom Alter. Und es gilt, was Paulus sagt: «Mögen auch die Kräfte unseres äusseren Menschen aufgerieben werden – unser innerer Mensch wird Tag für Tag erneuert» (2Korinther 4,16 NGÜ). Dafür braucht es viele Neins für das grosse Ja.
Besitz, Beliebtheit und Macht können ihren Platz haben – wenn sie aus dem Vertrauen auf Jesus heraus gelebt werden. Jesus selbst sagt, dass Ihm alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben ist (Matthäus 28,18). Doch diese Macht machte ihn nicht korrupt. Er nutzte sie zu unseren Gunsten: «Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden […]» (Johannes 1,12 LUT).
Hier liegt das eigentliche Geheimnis eines siegreichen Lebens: Wir kämpfen nicht um Bedeutung, wir leben aus einer geschenkten Identität. Wir müssen uns nicht beweisen, wir sind angenommen. Wir müssen uns nicht absichern, wir sind gehalten. Wir müssen nicht herrschen, wir gehören dem König. Wer weiss, dass er Gottes Kind ist, kann gelassen Nein sagen – weil er längst das grösste Ja empfangen hat.
Possibili domande per i piccoli gruppi
Testo biblico: Matteo 4:1–11
- Wo erlebe ich aktuell meine «Wüste» – freiwillig gewählt oder unfreiwillig – und was könnte Gott mir gerade darin zeigen?
- Welche der drei Bereiche fordert mich im Moment am meisten heraus: Besitz, Beliebtheit oder Macht? Woran merke ich das konkret im Alltag?
- Was wäre ein konkretes «Nein», das ich in dieser Woche sagen sollte, um mein grosses Ja zu Gott zu stärken?
- Wie könnte eine regelmässige «Wüstenzeit» mit Gott bei mir praktisch aussehen (Ort, Zeit, Form)? Was ist ein erster realistischer Schritt?
- Was bedeutet es für mich persönlich, aus der «Macht, Gottes Kind zu sein» zu leben – und wo würde das mein Denken oder Handeln konkret verändern?


