Слышать, видеть и переживать Бога

Дата: 4. Январь 2026 | Проповедник:
Серия: | Библейский текст: Псалом 46:11
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Die Pre­digt lädt ein, inmit­ten von Lärm, Leis­tung und inne­rer Unru­he still zu wer­den, um Got­tes lei­ses Reden neu zu hören. Anhand der bibli­schen Wüs­te zeigt sie, dass Ein­sam­keit und Stil­le Orte der Läu­te­rung, der Iden­ti­täts­fin­dung und der Got­tes­be­geg­nung sind. Wer Raum für Stil­le schafft, erkennt Gott tie­fer, wird inner­lich ver­wan­delt und gewinnt Mit­ge­fühl und geist­li­che Klar­heit für einen frucht­ba­ren Dienst.


Zwei Men­schen gehen gemein­sam durch eine beleb­te Stras­se. Moto­ren­lärm liegt in der Luft, Stim­men über­la­gern sich, Schrit­te hal­len auf dem Pflas­ter. Plötz­lich bleibt einer von bei­den ste­hen und sagt lei­se: «Hörst du das?» Der ande­re bleibt eben­falls ste­hen, lauscht – und schüt­telt den Kopf. «Ich höre Autos, Bus­se, Stim­men. Mehr nicht.» «Ich höre ganz in der Nähe eine Gril­le zir­pen», sagt der erste.

Ungläu­big geht der Freund ein paar Schrit­te wei­ter. Doch tat­säch­lich – zwi­schen den Blät­tern an einer Haus­wand sitzt eine klei­ne Gril­le. Ihr Zir­pen war die gan­ze Zeit da. Nicht laut. Aber hör­bar – für den, der dar­auf ach­tet. Der Freund staunt: «Du musst bes­ser hören als ich.» Die Ant­wort ist schlicht: «Nein. Ich habe nur gelernt, still zu wer­den und auf das Lei­se zu ach­ten.»

Dann lässt der Mann eine Mün­ze auf den Boden fal­len. Ein kur­zes Klir­ren – und sofort dre­hen sich Men­schen in der Umge­bung um. Das Geräusch war kaum lau­ter als das Zir­pen der Gril­le. Und doch wur­de es gehört. War­um? Nicht, weil es lau­ter war. Son­dern weil wir dar­auf ein­ge­stellt sind.

Die­se klei­ne Bege­ben­heit führt uns zu einer ent­schei­den­den Fra­ge: Was hören wir – und was über­hö­ren wir? Denn auch Gott spricht. Nicht immer im Sturm. Nicht immer im Erd­be­ben. Nicht immer im Feu­er. Dar­um sagt Gott selbst: «Seid stil­le und erken­net, dass ich Gott bin!» (Psalm 46,11 LUT).

Das Jah­res­the­ma 2026 der see­tal chi­le heisst: Простой. Тихий. Настоящий. Wo wir still wer­den, wird Gott hör­bar. Wo wir ver­ein­fa­chen, wird Gott sicht­bar. Wo wir gegen­wär­tig leben, wird Gott erfahrbar.

«Unsere» Geräusche

Psalm 46 ist kein stil­ler Psalm. Er spricht von Erd­be­ben, tosen­den Was­sern, wan­ken­den Rei­chen und Krie­gen. Mit­ten hin­ein in die­ses Cha­os spricht Gott: «Seid stil­le.» Das hebräi­sche Wort meint mehr als Schwei­gen. Es bedeu­tet: los­las­sen, auf­hö­ren, zur Ruhe kom­men. Nicht, weil alles gelöst ist, son­dern damit Gott erkannt wer­den kann. Die Stil­le ist nicht das Ziel. Die Erkennt­nis Got­tes ist das Ziel.

Wir leben in einer unru­hi­gen Zeit. Unse­re Tage sind voll, unse­re Wochen ver­plant, unse­re Jah­re mit Pro­jek­ten gefüllt. Kaum hal­ten wir inne, um zu prü­fen, ob das, was wir tun, wirk­lich wesent­lich ist. Getrie­ben von «Muss» und «Soll­te» leben wir Vor­ga­ben nach, als wären sie das Evan­ge­li­um selbst. Sobald ein Moment der Stil­le ent­steht, grei­fen wir zum Han­dy und las­sen unse­re Auf­merk­sam­keit wie­der besetzen.

Der Grund dafür ist tief: Unse­re Iden­ti­tät steht auf dem Spiel. Wir machen uns abhän­gig von der Wahr­neh­mung ande­rer. Ein fal­sches Selbst ent­steht – genährt von Aner­ken­nung und Angst. Wer ich bin, scheint davon abzu­hän­gen, wie ich gese­hen wer­de. Und so trei­ben uns Angst und Unsi­cher­heit dazu, immer mehr anzu­häu­fen: mehr Leis­tung, mehr Erfolg, mehr Bestätigung.

Bevor Jesus sei­nen öffent­li­chen Dienst begann, wur­de er vom Hei­li­gen Geist in die Wüs­te geführt. Dort wur­de er mit den drei gros­sen Ver­lo­ckun­gen des fal­schen Selbst kon­fron­tiert: rele­vant zu sein («Ver­wand­le Stei­ne in Bro­te»), spek­ta­ku­lär zu sein («Stür­ze dich hin­ab») und mäch­tig zu sein («Ich wer­de dir alle die­se Rei­che geben»). In der Ein­sam­keit bekräf­tig­te Jesus Gott als die ein­zi­ge Quel­le sei­ner Iden­ti­tät: «Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, anbe­ten und nur ihm allein die­nen» (Mat­thä­us 4,10 NLB).

Die Ein­sam­keit ist der Ort des gros­sen Kamp­fes gegen die Ver­lo­ckun­gen des fal­schen Selbst – und der gros­sen Begeg­nung mit dem lie­ben­den Gott, der sich selbst als Grund­la­ge des neu­en Selbst anbietet.

Still werden

Als Gott aus Mose einen Lei­ter machen woll­te, gab er ihm kei­ne Büh­ne – er gab ihm die Wüs­te. Auch Elia, Johan­nes der Täu­fer und Jesus wur­den in der Wüs­te auf ihren Dienst vor­be­rei­tet. Die Wüs­te ist in der Bibel ein bedeu­tungs­vol­ler Ort.

Auf unse­rer Isra­el­rei­se im letz­ten Novem­ber wan­der­ten wir durch die Wüs­te Judä­as. Wir wur­den her­aus­ge­for­dert, allein zu gehen, still zu sein und unse­re Gedan­ken auf Gott zu fokus­sie­ren. Es war eine aus­ser­or­dent­lich tie­fe geist­li­che Erfahrung.

Die Wüs­te ist ein Raum ohne Ablen­kung, ohne Sicher­hei­ten, ohne Über­fluss. In ihr wird Got­tes Wort hör­bar, weil alles ande­re schweigt. Das hebräi­sche Wort für Wüs­te – mid­bar – steht in enger Ver­bin­dung mit dabar, dem Wort. Mose begeg­net Gott im bren­nen­den Dorn­busch in der Wüs­te (2Mose 3,1–6). Gott spricht ihn mit Namen an und beruft ihn für die Auf­ga­be, das Volk Isra­el aus Ägyp­ten ins Land Kana­an zu füh­ren. Die Bibel kennt kei­nen Glau­ben ohne Zei­ten der Stil­le.

Die Wüs­te ist auch ein Ort der Läu­te­rung. Für Isra­el war sie der Übungs­raum zwi­schen Ägyp­ten und dem ver­heis­se­nen Land, zwi­schen Knecht­schaft und Frei­heit. Dort wird offen­bar, was im Her­zen ist: «Und du sollst an den gan­zen Weg geden­ken, durch den der HERR, dein Gott, dich geführt hat die­se 40 Jah­re lang in der Wüs­te, um dich zu demü­ti­gen, um dich zu prü­fen, damit offen­bar wür­de, was in dei­nem Her­zen ist […]» (5Mose 8,2 SLT). Die Wüs­te deckt unse­ren Eigen­wil­len, unse­ren Stolz, unse­re fal­sches Selbst auf. Sie ist ein Spie­gel des Herzens.

Als ich 2023 drei Mona­te in Kana­da ver­brach­te, war dies für mich eine Wüs­ten­zeit. Ich war allein – über Stun­den, Tage, Wochen. In die­ser Ein­sam­keit fiel alles weg: Fami­lie, Freun­de, Gesprä­che, Auf­ga­ben, Büh­ne. Übrig blieb ich selbst – nackt, ver­letz­lich, schwach, sün­dig, leer. Die­se Lee­re war so schmerz­haft, dass alles in mir flie­hen woll­te: zurück zur Arbeit, zur Ablen­kung, zur Bestä­ti­gung. Die Wüs­te ist der Ort des gros­sen Kamp­fes gegen das fal­sche Selbst. Es ging so weit, dass ich mich frag­te, wie lan­ge ich das aus­hal­ten kön­ne. Doch in dem Moment, als mir klar wur­de, was in die­sem Kampf auf dem Spiel steht, gab es kein Zurück mehr.

Die Wüs­te ist auch der Ort der gros­sen Begeg­nung mit Gott. Dort, wo wir nichts mehr vor­zu­wei­sen haben, bie­tet Gott sich selbst als Grund­la­ge eines neu­en Selbst an. Sei­ne per­sön­li­che Anspra­che wird zur Quel­le unse­rer Identität.

Mose woll­te schon ein­mal aus eige­ner Kraft Rich­ter und Ret­ter sein. «Unter­wegs sah er, wie ein Ägyp­ter einen Israe­li­ten miss­han­del­te. Mose kam ihm zu Hil­fe, räch­te ihn und erschlug den Ägyp­ter […] Doch der Mann […] stiess Mose bei­sei­te: ›Wer hat dich zum Herr­scher und Rich­ter über uns gemacht?‹, frag­te er» (Apos­tel­ge­schich­te 7,24.27 NLB). Mose han­del­te im Affekt, in eige­nem Namen und aus eige­ner Kraft. Nach 40 Jah­ren Läu­te­rung in der Wüs­te war Mose ein ande­rer: «Моисей был очень скромным, на земле не было никого скромнее его.» (4Mose 12,3 NLB). Die­se Demut zeig­te sich in sei­ner Barm­her­zig­keit – und dar­in, dass er ohne Got­tes Gegen­wart kei­nen Schritt mehr gehen woll­te (2Mose 33,3.15–16).

Als Gott Josef für den Palast vor­be­rei­ten woll­te, gab er ihm kei­nen schnel­len Weg – er führt ihn durch die Gru­be und das Gefäng­nis. Bei­des waren wich­ti­ge Wüs­ten der Trans­for­ma­ti­on. In sei­nen jun­gen Jah­ren hat­te Josef ein stol­zes und über­heb­li­ches Herz. Sei­ne Brü­der wur­den so zor­nig, dass sie ihn an vor­bei­ge­hen­de Händ­ler ver­kauf­ten. Nach über 20 Jah­ren bekommt Josef sei­ne Brü­der wie­der zu Gesicht und hät­te sei­ne Posi­ti­on zur Rache nut­zen kön­nen. Doch er spricht: «Habt also kei­ne Angst. Ich selbst will für euch und eure Fami­li­en sor­gen. So beru­hig­te er sie und sprach freund­lich mit ihnen» (1Mose 50,21 NLB). Aus einem stol­zen Men­schen ist ein barm­her­zi­ger Mensch geworden.

Mit­ge­fühl ist die Frucht der Ein­sam­keit und die Grund­la­ge allen Diens­tes. Die Wüs­te berei­tet nicht auf Rück­zug vor, son­dern auf einen gehei­lig­ten Dienst. Die Wüs­ten­vä­ter sag­ten, dass die Ein­sam­keit der Schmelz­ofen der Umge­stal­tung sei.

Gott erkennen

«Seid stil­le und erken­net, dass ich Gott bin!» (Psalm 46,11 LUT). Die Wüs­te ist nicht das Ziel, son­dern ein Läu­te­rungs- und Vor­be­rei­tungs­weg. Das Ziel ist die Erkennt­nis Got­tes. Die­se Erkennt­nis ist Bezie­hung, nicht bloss Wis­sen. Erken­nen heisst, das Gegen­über in sei­ner Ganz­heit wahr­zu­neh­men. Die Bibel ver­heisst eine Zeit, in der die­se Erkennt­nis alles durch­dringt: «[…] denn wie das Was­ser das Meer füllt, so wird die Erde mit der Erkennt­nis des HERRN erfüllt sein» (Jesa­ja 11,9 NLB)

Schon jetzt lädt Gott uns in die­se Tie­fe einer Her­zens­be­zie­hung ein: «Doch jetzt will ich ihr freund­lich zure­den. Ich will sie in die Wüs­te füh­ren und dort zu ihrem Her­zen spre­chen» (Hosea 2,16 NLB). «Ich den­ke noch an die Zunei­gung dei­ner Jugend­zeit, an dei­ne bräut­li­che Lie­be, als du mir nach­ge­zo­gen bist in der Wüs­te, in einem Land ohne Aus­saat» (Jere­mia 2,2 SLT).

Wir wol­len Raum schaf­fen – in unse­ren Her­zen, in unse­rem All­tag, in unse­rer Kir­che –, damit Got­tes Stim­me hör­bar, sei­ne Lie­be spür­bar und sei­ne Füh­rung erkenn­bar wird. Wir sind her­aus­ge­for­dert, mit­ten im Cha­os unse­re eige­ne Wüs­te zu gestal­ten, in die wir uns täg­lich zurück­zie­hen, unse­re Zwän­ge abschüt­teln und in der sanf­ten, hei­len­den Gegen­wart unse­res Herrn ver­wei­len können.

Das beginnt ganz kon­kret: Zeit und Ort reser­vie­ren, um allein mit Gott zu sein. Die Form wird für jeden anders aus­se­hen. Doch eine geist­li­che Dis­zi­plin bleibt nie­mals vage. Mut­ter Tere­sa sag­te ein­mal: «Ver­brin­ge eine Stun­de am Tag in Anbe­tung dei­nes Herrn und tue nie­mals etwas, von dem du weisst, dass es falsch ist, dann wird alles gut.»

Ein­fach. Lei­se. Gegen­wär­tig. Wo wir still wer­den, wird Gott hör­bar. Wo wir ver­ein­fa­chen, wird Gott sicht­bar. Wo wir gegen­wär­tig leben, wird Gott erfahr­bar. Und wir wer­den im Lärm des All­tags die Gril­len zir­pen hören.

 

Возможные вопросы для малых групп

Bibel­text: Psalm 46

  1. Wel­che «Geräu­sche» bestim­men der­zeit mei­nen All­tag am stärks­ten – und was könn­ten sie dar­an hin­dern, Got­tes lei­ses Reden wahrzunehmen?
  2. Wo erle­be oder ver­mei­de ich bewusst Stil­le? Was löst Stil­le in mir aus: Frie­den, Unru­he, Angst – und war­um könn­te das so sein?
  3. Die Pre­digt spricht vom «fal­schen Selbst». Wor­an mer­ke ich per­sön­lich, dass ich mei­ne Iden­ti­tät aus Leis­tung, Aner­ken­nung oder Kon­trol­le beziehe?
  4. Wel­che Erfah­run­gen mit «Wüs­ten­zei­ten» ken­ne ich in mei­nem Leben? Gab es Momen­te, in denen Ein­sam­keit oder Ent­beh­rung mich inner­lich ver­än­dert oder Gott mir neu begeg­net ist?
  5. Wie könn­te eine «eige­ne Wüs­te» in mei­nem All­tag aus­se­hen? Wel­che Zeit, wel­cher Ort oder wel­che Form der Stil­le wäre für mich rea­lis­tisch – und was hin­dert mich bis­her daran?