Wie du und ich
Sonntag, 5. Januar 2020

Wie du und ich

Prediger/in:
Passage: 1. Mose 12,1-9
Dienstart:

«Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein» (nach 1. Mose 12,2). Diese Zusage von Gott erhielt Abraham, der Vater vieler Völker. Von ihm forderte Gott einen unglaublichen Aufbruch: Er soll seine Heimat verlassen, wo er bereits 75 Jahre lang verwurzelt war. Als ein von Gott gesegneter Mann soll er für viele andere Menschen und Völker zum Segen werden. Im Leben Abrahams und vieler weiterer Personen entdecken wir einen roten Faden: Gott spricht Menschen an, segnet sie und macht sie zum Segen für andere.


Wie du und ich – so lautet das Jahresthema 2020. In diesem Jahr werden wir verschiedene Menschen aus der Bibel unter die Lupe nehmen und dabei wichtige Erkenntnisse für unser persönliches Leben gewinnen. Exemplarisch für dieses Jahr steht Abraham aus dem Alten Testament. Deshalb stammt der Bibelvers, auf den wir uns beziehen werden, aus seiner Geschichte. Ihm versprach der HERR: «Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein» (vgl. 1. Mose 12,2). Wie kannst du und ich von Gott gesegnet werden und wie können wir ein Segen für andere sein? Diesem Geheimnis wollen wir in diesem Jahr auf die Spur kommen.

Gott redet

Wie aus dem Nichts spricht der HERR zu Abraham, der damals noch Abram hiess: «Verlass deine Heimat, deine Verwandten und die Familie deines Vaters und geh in das Land, das ich dir zeigen werde! Von dir wird ein grosses Volk abstammen. […]» (1. Mose 12,1f NL). Man muss sich das einmal vorstellen: Abraham ist kein Jungspund mehr, sondern hat stolze 75 Jahre auf dem Buckel. Er ist also in einem Alter, in dem man sich eher zur Ruhe setzt, als noch einmal neu anzufangen. Ausgerechnet diesem gesetzten Mann mutet Gott einen radikalen Aufbruch zu verbunden mit der Verheissung, dass er Nachwuchs kriegen soll. Man bedenke: Sarai, seine Frau, war auch bereits betagt.

Das ist ganz wichtig: Egal, wie alt du bist, Gott hat noch etwas vor mit dir! Oft ist es so, dass man so ab 50 Jahre sich etwas in die zweite Reihe zurückzieht, sich etwas Ruhe gönnt und noch das Maximum in die Altersvorsorge investiert. Das ist eindeutig zu wenig. Zudem lehrt uns diese Geschichte, dass Gott uns durchaus aus der Komfortzone holen will. Als ich 20 Jahre alt war, hat Gott auch mich herausgefordert, meine Heimat zu verlassen und etwas Neues zu beginnen. Acht Jahre lang wehrte ich mich standhaft dagegen, weil ich meine vertraute Umgebung mit allen meinen sozialen Kontakten nicht aufgeben wollte. Ich erinnere mich, wie wenn es gestern gewesen wäre, als Silvia und ich dann doch aufbrachen. Als junges Ehepaar verliessen wir Romanshorn in Richtung Basel mit dem Wissen, dass wir nie mehr zurückkehren werden. Ich hatte einen Kloss im Hals und wusste, dass wir jetzt nur noch einander und Gott haben. Es gibt keinen Plan B. Entweder hält Gott seine Zusagen oder wir stehen vor dem Nichts. Es war ein sehr herausfordernder Moment, der sich eingeprägt hat. Abraham musste diesen Schritt als Senior tun.

 

Gott liebt es, Menschen anzusprechen und sie aus ihrer Komfortzone zu locken. Wo tut er dies bei dir? Solltest du eine Gewohnheit ändern, die sich seit Jahren eingeschliffen hat? Gilt es in der Ehe eine Veränderung einzuleiten oder sonst in einer Beziehung? Fordert dich Gott heraus, an der Schule oder am Arbeitsplatz eine neue Rolle einzunehmen? Solltest du eine neue Aufgabe übernehmen und anderen Menschen dienen? Wäre es dran, dein Geld grosszügig für etwas Gutes einzusetzen? Oder geht es darum, konkret an einem Charakterzug zu arbeiten, der immer wieder aufpoppt? Eines meiner Lebensmotto lautet: «Tue immer wieder etwas, wovor du Angst hast.» Gott will dich tiefer in deine Berufung hineinführen. Das bedeutet, dass er dein Gebiet vergrössern will. Sei mutig und stark, wenn Gott zu dir redet!

Abraham hört und gehorcht

Nach der Segenszusage steht: «Abram machte sich auf den Weg, wie der Herr es ihm befohlen hatte. Und Lot ging mit ihm. Abram war 75 Jahre alt, als er Haran verliess. Auf den Weg nach Kanaan nahm er seine Frau Sarai, seinen Neffen Lot und alles, was sie besassen, mit samt ihrem Vieh und ihren Sklaven und Sklavinnen, die sie in Haran erworben hatten. So erreichten sie schliesslich Kanaan» (1. Mose 12,4f NL). Unaufgeregt, widerspruchslos, ohne Lamento, zieht Abram los und gehorcht Gott. Was für ein Vorbild. Nicht umsonst wird er «Freund Gottes» genannt.

Stephanus erzählt diese Geschichte bei seiner Steinigung nach. Interessant ist, dass es dort noch einen Einschub gibt: «Da verliess Abraham das Land der Chaldäer und lebte in Haran, bis sein Vater starb. Dann führte Gott ihn hierher in das Land, in dem ihr heute lebt» (Apg 7,4 NL). Offensichtlich gab es auf seinem Weg eine Zwischenstation in Haran. Dort blieb er bis zum Tod seines Vaters. Die natürliche Bande hinderten das Herz Abrams daran, dem Ruf Gottes voll zu entsprechen. Obwohl es nach Kanaan gerufen worden war, zögerte er dennoch in Haran, bis jenes Band durch den Tod zerrissen wurde. Dann erst machte er sich auf den Weg nach dem Ort, wohin der «Gott der Herrlichkeit» ihn gerufen hatte. Das liebe ich so an der Bibel: sie erzählt nicht nur die Erfolge von Persönlichkeiten wie Abram, sondern auch ihr Zögern und ihre Schwächen. Gleichzeitig zeigt sie uns einen Gott, der Geduld hat und Abram versteht. Er nimmt die Berufung über Abram nicht zurück, denn er ist treu. Gott ist bereit, auch mit dir eine Zusatzrunde zu machen. Aber, er bleibt beharrlich dran, wenn er einen Plan mit dir verfolgt. Ja, Gott verfolgt auch einen Plan mit dir!

Nehmen wir uns doch immer wieder Zeit, auf Gott zu hören! Er redet. Und dann geht es um die Frage des Gehorsams. Sind wir bereit, Schritte aufs Wasser zu wagen? Wenn wir auf Gottes Reden nicht reagieren, geschieht etwas Schlimmes: Unsere Ohren werden schwerhörig (vgl. Jesaja 6,10). Dann haben wir den Eindruck, dass Gott gar nicht zu uns redet. Dabei ginge es darum, das, was er schon lange geredet hat, auch zu tun.

Kürzlich sah ich eine TV-Sendung mit dem Titel «Karma Challenge». In der Sendung trafen sich Menschen in einer Selbsthilfegruppe und offenbarten ihre «Sünden» wie vielfliegen, Abfall produzieren, online shoppen. Jeder von ihnen liess sich herausfordern, an seinem Lebensstil etwas zu ändern und Neues zu wagen. Mit dabei in dieser Runde war auch ein Mann, der sich als Hedonist bezeichnete. Ein Hedonist geniesst das Leben, will Spass haben, leistet sich spontan etwas, ist immer auf der Suche nach Abwechslung und Unterhaltung. Gleichzeitig versucht er Schmerz und Leid zu minimieren. In seiner Challenge ging es darum, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Dies tat er in Form einer Blutspende, eines Gratiskonzerts und Freiwilligenarbeit. Dabei erlebte er, wie ihn das erfüllte und Sinn gab.

Beim Zusehen fragte ich mich, ob der hedonistische Lebensstil nicht auch bei den Christen Einzug gehalten habe. Ist nicht eine unserer wichtigsten Fragen, die wir uns stellen: «Stimmt es für mich?» Sollte dies der Fall sein, stellt unser Jahresthema einen starken Kontrast dazu dar. Sehen wir es doch auch als Challenge, uns von Gott aus der Komfortzone herauszulocken und anderen Menschen zu dienen, auch wenn es uns etwas kostet. Wäre Abraham ein Hedonist gewesen, dann wäre er wohl in seiner Heimat geblieben und Gott hätte einen anderen Stammvater für das jüdische Volk suchen müssen. Der ganze Heilsplan hätte revidiert werden müssen.

Abraham wird gesegnet und wird zum Segen

Gott hat es Abraham nicht leicht gemacht. Er hat ihn in seinen alten Tagen von zu Hause losgeschickt, Abraham sollte sogar glauben, dass er in hohem Alter noch ein Kind bekommen wird, sogar die schwerste Versuchung, die Gott einem Menschen zumuten kann – das eigene Kind zu opfern – hat Gott Abraham nicht erspart. Mit dieser einmaligen Geschichte ist Abraham zum Träger des Segens Gottes geworden. Nicht der Segen steht am Anfang, sondern Gottes Auftrag an den alten Abraham, sich aufzumachen in ein Land, das er ihm zeigen wird. Wenn wir in Gottes Berufung für uns leben, dann werden wir seinen Segen erleben. Der Segen Gottes steht im Gegensatz zu seiner Liebe nicht allen Menschen zu. Gott bindet den Segen an unseren Gehorsam (vgl. 5. Mose 28).

«Ich will dich segnen und du sollst in der ganzen Welt bekannt sein. Ich will dich zum Segen für andere machen» (1Mose 12,2 NL). Gott segnete Abraham. Aus den alten Sprachen (hebräisch, griechisch und lateinisch) übersetzt, bedeutet segnen «Gutes aussprechen». Petrus sagt: «Vergeltet Böses nicht mit Bösem. Werdet nicht zornig, wenn die Leute unfreundlich über euch reden, sondern wünscht ihnen Gutes und segnet sie» (1Petrus 3,9 NL). Das bedeutet, dass wir unfreundlichen und feindlichen Worten, gute Worte entgegensetzen sollen. Sprich Gottes Gedanken über diesem Menschen aus und reagiere nicht auf seine Beschimpfungen oder Beleidigungen. Das, was Gott über den Menschen sagt, proklamieren. Wir können nicht immer laut für Menschen beten oder etwas zu ihnen sagen, aber wir können immer den Segen Gottes über ihnen aussprechen. Wenn wir andere Menschen segnen wollen, können wir nicht bei uns stehenbleiben, sondern müssen uns mit ihnen auseinandersetzen.

Unser Multimediateam hat Segen im Clip mit Wasser und Licht symbolisiert – beides sind Lebensgrundlagen für den Menschen. Segen bei Abraham bedeutet die Zusage von Schutz und gelingendem Leben, Bewahrung vor Not, Hunger und Kälte, fruchtbarem Land, Sonne und Regen zu seiner Zeit. Der Segen stellt unser Leben unter den bewahrenden Schirm von Gottes Heil. Es ist ein Geschehen, bei dem ein Mensch Anteil an Gottes Kraft und Gnade erhält. Abraham wurde zum Stammvater des jüdischen Volkes und somit auch von Jesus.

Menschen können einander nicht nur Segen zusprechen, sie können auch ganz direkt zum Segen anderer werden. Das wäre dann das Sahnehäubchen des Segnens. Gott sendet Menschen aus, damit seine Gnade und seine Wohltaten erfahrbar werden auf der Erde. Wir sollen nicht nur segnen, sondern ein Segen sein! Wir sollen nicht nur Wasser und Licht weitergeben, sondern selbst Wasser und Licht für andere Menschen sein. Nicht nur ernähren, sondern Ernährer sein. Jesus sagt, dass wir bei Durst zu ihm kommen und trinken dürfen. Als Resultat wird laut Jesus folgendes geschehen: «Wer an mich glaubt, aus dessen Innerem werden Ströme lebendigen Wassers fliessen […]» (Johannes 7,38 NL). Der Gläubige wird also zur Brunnenstube, zum Segen für andere. Die Bedingung dafür ist, dass Gott in unserem Herzen Wohnung genommen hat durch den Heiligen Geist.

Abraham ist ein Segen! Er zeigt uns exemplarisch, was Glaube bedeutet. Im kurzen Abschnitt von 1. Mose 12,1-9 heisst es zweimal, dass Abraham Gott einen Altar gebaut hat. Dies waren Zeichen für Gottesbegegnungen. Offensichtlich war der Alltag von Abraham mit solchen Begegnungen durchsetzt. Paulus stellt uns diesen Mann als Glaubensvorbild vor: «Abraham war seiner Herkunft nach der Stammvater unseres jüdischen Volkes. Durch was wurde er nun gerettet? Nahm Gott ihn etwa aufgrund seiner guten Taten an? Wäre es so, dann hätte er Grund, stolz zu sein. Doch aus der Sicht Gottes hatte Abraham dazu keinen Anlass. Denn was steht in der Schrift? Abraham glaubte Gott; und Gott erklärte ihn wegen seines Glaubens für gerecht» (Römer 4,1-3 NL). Nicht gute Taten retten uns, sondern der Glaube an Jesus Christus, der ganz natürlich in unseren Alltag fliessen soll. Abraham hat gegen alle Widerstände und Erfahrungen diesem Gott vertraut. Deshalb erklärte Gott ihn für gerecht. Dieses unbedingte Vertrauen ist es, was auch uns zum Segen für andere macht.

 

Gott spricht uns an. Er beruft uns. Wenn wir darauf reagieren und mutig etwas wagen, segnet er uns macht uns zum Segen für unsere Mitmenschen. Dies und nicht weniger ist die Dimension unseres neuen Jahresthema!

 

 

 

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: 1. Mose 12,1-9; Römer 4,1-3

  1. Inwiefern ist Abraham ein Vorbild für dich?
  2. Hören – tun – gesegnet werden und ein Segen sein – das ist das Programm im Leben mit Gott. Welches ist für dich der schwierigste Punkt?
  3. Hören: Hörst du Gottes Stimme? Was könnte ein Schritt sein, zu dem dich Gott herausfordert? (Oft sind es Dinge im Leben, die «Reibung» erzeugen.)
  4. Tun: Wo zeigen sich in deinem Leben «hedonistische Tendenzen», die dich daran hindern, Dinge anzupacken?
  5. Ein Segen sein: Wo bist du herausgefordert, statt zu «fluchen» zu segnen? Wo siehst du in deinem Umfeld Ansatzpunkte, wo du mehr ein Segen sein willst?