Mehr vom Leben

Datum: Sonntag, 16. Juni 2019 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: 2. Könige 6,24-7,20
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Zuerst müssen wir selbst leben, um dann anderen zum Leben zu verhelfen. Diese Reihenfolge wird uns durch eine Geschichte von Aussätzigen illustriert, die zuerst ihren eigenen Bauch vollschlugen und anschliessend die gute Nachricht weitererzählten. Wir werden im Hause Gottes zu Tisch gebeten. Dort werden wir mit Köstlichkeiten ernährt. Daraufhin sind wir herausgefordert, andere einzuladen.


Vor jedem Flug wird einem erklärt, wie man im Notfall mit der Sauerstoffmaske umzugehen hat.

  1. Zieh die Maske zu dir herunter.
  2. Platziere die Sauerstoffmaske über deinem Mund und deiner Nase.
  3. Fixiere die Maske mit dem Band hinter dem Kopf und zieh die Maske mit den elastischen Bändern an beiden Seiten stramm und atme normal weiter.
  4. Nachdem du deine eigene Maske aufgesetzt hast, kannst du anderen helfen, die Probleme bei der Verwendung haben oder nicht an ihre Maske kommen.

Jedes Mal denke ich, dass dies etwas egoistisch sei. Sollte man nicht zuerst anderen, insbesondere den Kindern, beim Anziehen helfen. Die Idee dahinter ist eine andere: Zuerst musst du selbst leben, um dann anderen zum Leben zu verhelfen. Genauso ist es auch in der Nachfolge Jesu Christi.

Schlag dir den Bauch voll

Willkommen daheim. Das Zuhause ist der Ort, wo gemeinsam gegessen wird. Gemeinsam am Tisch sitzen und ein feines Essen geniessen ist ein treffendes Bild für Heimat. Wenn das Angestelltenteam zusammensitzt und Pause macht, ist das häufigste Gesprächsthema das Essen. Wahrscheinlich ist das so, weil sich alle so zuhause fühlen.

Heute geht es auch ums Essen. Im Alten Testament, das ja bekanntlich das Bilderbuch des Neuen Testaments ist, gibt es eine wunderbar-grausame Geschichte (2Könige 6,24-7,20). Diese Erzählung illustriert eine geistliche Wahrheit auf eindrückliche Weise. Die Stadt Samaria wird vom ganzen Heer des Königs von Aram umlagert. Dadurch werden die Bewohner ausgehungert. Das ist eine alte Kampftaktik. Wenn man jemanden zum Aufgeben zwingen will, muss man ihn aushungern. Seit Tagen und Wochen haben die Einwohner von Samaria nichts mehr zu essen. Es ist so schlimm, dass bereits Taubenmist und Eselsköpfe als Esswaren gegen viel Geld gehandelt wird. Mehr noch, eine Mutter hat zusammen mit einer Freundin ihren Sohn gekocht und gegessen. Es herrschen tragische Zustände.

Es gibt noch einen anderen Schauplatz: Vor dieser Stadt gibt es einen Ort, wo die Aussätzigen leben. ‚Sieche‘ würde man bei uns sagen. Das Problem ist, dass diese Siechen während einer Hungersnot garantiert nicht zuoberst auf der Liste stehen, wenn es darum geht, Essen zu bekommen. Diese Menschen haben also noch mehr gehungert als alle anderen. Es waren vier Aussätzige, die ihrem sicheren Tod in die Augen schauten. Doch dann durchzuckt sie eine glorreiche Idee. Sie fragen sich: «Warum sollen wir hier warten, bis wir sterben? Wenn wir hierbleiben, sterben wir, und wenn wir in die Stadt zurückgehen, wo der Hunger herrscht, sterben wir auch. Wir können genauso gut hingehen und uns den Aramäern ergeben. Wenn sie uns am Leben lassen, umso besser. Wenn sie uns töten – nun, dann sterben wir eben» (2Könige 7,3f).

Gesagt, getan. Zitternd und bebend gehen sie ins feindliche Lager und was sie dort vorfinden, übertrifft ihre kühnsten Vorstellungen: Das Lager ist leer! Der Feind ist nicht mehr da! Anscheinend mussten sie sehr schnell die Flucht ergreifen, denn sie haben alles zurückgelassen. Da waren Schätze in Fülle vorhanden: Esel, Pferde, Kleider, Gold, Getränk, Essen. Unglaublich!

«Als nun die vier aussätzigen Männer ins Lager kamen, gingen sie in eines der Zelte, assen sich erst einmal satt und stillten ihren Durst» (2Könige 7,8a; Hfa). Zuerst schlagen sie sich einmal die Bäuche voll. Sie geniessen es und lassen es sich richtig gut gehen. Das ist wohl das Normalste auf der Welt. «Dann rafften sie alles an Silber, Gold und Kleidern zusammen, was sie dort im Zelt finden konnten, und versteckten die Schätze ausserhalb des Lagers. Schnell eilten sie zurück, gingen in das nächste Zelt und nahmen auch von dort alles mit, was sie an Kostbarem finden konnten, um es in ihr Versteck zu bringen» (8b; Hfa).

Hier wird uns eine gute, geistliche Haltung illustriert: Nimm von Gott, was du erhalten kannst! Sie nehmen alles, was sie können! Diese Nahrung hat ihnen das Leben gerettet. Das ist die Geschichte von deinem und meinem Leben. Wenn du Gott kennengelernt hast, dann hast du hoffentlich erlebt, dass du dich bei Jesus satt essen kannst, dass du alles bekommst, was du brauchst. Es ist ein grosses Problem vieler Christen, dass sie sich nicht bei Jesus, sondern von anderen Quellen ernähren. «In zweifacher Hinsicht hat mein Volk gegen mich unrecht gehandelt: Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, verlassen sie und graben sich stattdessen undichte Brunnen, die das Wasser nicht halten können» (Jeremia 2,13). Wir gehen zur Quelle ’Erfolg’ und sagen: Wenn ich erfolgreich bin, dann werde ich satt. Oder zur Quelle ‘Ansehen’: Wenn ich nur genug Ansehen habe, dann werde ich satt. Oder zur Quelle ‘Reichtum’: Wenn ich das habe, dann werde ich satt. Oder zur Quelle ‘Sexualität’: Wenn ich diese Frau habe, dann werde ich satt. Und wir werden nicht satt, weil diese Quellen uns letztlich nicht nähren können. Jesus ist die Quelle des Lebens. Wer zu ihm kommt, wird satt.

Wann hast du dich letztes Mal bei Gott genährt, so richtig zugeschlagen? Wann hast du zum letzten Mal so richtig Zeit mit Jesus verbracht, vielleicht auf einem Spaziergang, und gesagt: «Jesus, da bin ich. Ich brauche Nahrung für meine Seele. Da sind meine Nöte, meine Bedürfnisse, meine Frustrationen. Komme du und nähre mich!» Im Hause Gottes wird zuerst gegessen! Ich glaube, dass eines der Hauptprobleme von uns Christen ist, dass wir uns bei Jesus nicht die Bäuche vollschlagen.

Gib die gute Nachricht weiter

Doch dann sagten sie zueinander: «Wir handeln nicht richtig, wenn wir die gute Nachricht dieses Tages nicht weitersagen. Wenn wir bis morgen warten, machen wir uns schuldig. Kommt, gehen wir zurück und erzählen es im Palast des Königs» (9).

Wir handeln nicht richtig, wenn wir die gute Nachricht dieses Tages nicht weitersagen! Die vier Aussätzigen haben etwas Grossartiges entdeckt. Dann realisieren sie, dass es nicht recht ist, dass sie essen und essen und essen, wenn gleichzeitig eine ganze Stadt verhungert. Ganz viele Christen hauen sich bei Jesus die Bäuche voll und es geht immer nur um sie. Heilsegoismus. Es ist nicht recht, wenn einfach nur wir essen und essen und essen. Da gibt es eine Stadt, die am Verhungern ist. Da gibt es Menschen, die am Hungertuch nagen. Über den verlorenen Sohn, der den Vater verlassen hat, steht geschrieben: «Der junge Mann war so hungrig, dass er die Schoten, die er an die Schweine verfütterte, am liebsten selbst gegessen hätte. Aber niemand gab ihm etwas» (Lukas 15,16). Jeder Mensch, der nicht beim Vater ist, hungert. Bei den einen ist es offensichtlich, bei anderen, ist es mehr versteckt. Doch ganz tief im Herzen, nachts, wenn es ganz still ist, macht sich letztlich eine Hoffnungslosigkeit bemerkbar. Blaise Pascal spricht vom gottförmigen Vakuum in uns. Hunger! Und wir? Wir kennen die gute Botschaft und behalten sie hoffentlich nicht für uns. Wir handeln nicht richtig, wenn wir die gute Nachricht dieses Tages nicht weitersagen. Heute ist ein Freudentag!

Wir haben eine fantastische Nachricht für die Leute in der Stadt. Jesus sagt: «Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nie wieder hungern. Wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben» (Johannes 6,35). Unsere Botschaft lautet: Wenn du zu Jesus kommst, wird dein Durst gestillt. Du musst ihn dann nicht mehr in der Karriere, im Ansehen oder im Aussehen stillen! Jesus ist gekommen, um uns das Leben im Überfluss zu geben (Johannes 10,10b). David hat das auch erlebt. Deshalb kann er in Psalm 23,1 sagen: «Der Herr ist mein Hirte, ich habe alles, was ich brauche.»

Warum ist das Evangelium eigentlich eine gute Nachricht? Unsere Standardaussagen gehen in folgende Richtung: «Du bist ein Sünder. Jesus ist für dich gestorben. Du bekommst das ewige Leben». Diese Argumentationskette ist für einen Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt nachvollziehbar. Aber ist sie es auch für die erfolgsreiche Berufsfrau mit gutem Charakter und hohem ethischem Standard? Müssen sich die Leute zuerst schlecht fühlen, damit wir das Evangelium punkten kann? Und wenn man dann einmal als Christ lebt, muss man einen ganzen Katalog von Normen und Vorschriften erfüllen. Ehrlich gesagt empfinde auch ich das unattraktiv.

Nein, das Evangelium ist auch eine gute Nachricht für grundsolide und erfolgreiche Menschen. Das Problem ist der Begriff Sünde. Einige eher religiös geprägte Leute verstehen darunter die Übertretung des Gesetzes und areligiöse Menschen die kleinen Freuden des Alltags. Unilevel sorgte vor einigen Jahren mit den neuen Varianten der Eismarke «Magnum» für Wirbel. Die Sorten wurden nach den sieben Todsünden beispielsweise «Wollust», «Rache», «Neid» und «Habgier» benannt. Die Menschen im Orient verstehen unter Sünde weniger ein moralisches Versagen als vielmehr etwas, das die Bundesgemeinschaft mit dem himmlischen Vater stört. Sünde meint, nicht bei Gott zu Hause zu sein. Die beiden Söhne haben sich beide von ihrem Vater entfernt, was beim jüngeren Sohn zu Hunger und beim Älteren zu Unzufriedenheit führte. Jesus definiert Sünde: «Die Sünde der Welt ist, dass sie nicht an mich glaubt» (Johannes 16,9). In Sünde leben heisst, nicht mit Jesus verbunden zu sein und somit kein Zuhause bei Gott zu haben. Diese Unabhängigkeit von Gott ist Sünde und führt zu Fehlverhalten.

Das Evangelium ist deshalb eine gute Nachricht, weil sie einen gewaltigen Mehrwert liefert. Nicht selten stellen Menschen beim Älterwerden die Frage: «War das schon alles?» Man kann ein gutes Leben ohne Gott leben. Aber es ist unglaublich und höchst bedauerlich, auf was jemand verzichtet. Jesus Christus gibt uns eine Hoffnung, die durch die Höhen und Tiefen unseres Erdenlebens und darüber hinaus standhält. Man kann eine gute Ehe führen – auch ausserhalb des Hauses Gottes. Aber der gemeinsame Glaube ist die beste Ressource, die es gibt. Menschen mit hoher Resilienz können karstige Zeiten überwinden. Ganz etwas anderes ist es aber, in solchen Situationen zum himmlischen Vater zu flüchten, der unser Fels in der Brandung ist.

Unsere Botschaft an die Menschen lautet: Gib dich nicht mit so wenig zufrieden, Jesus ist mehr! Am Radikalsten und Klarsten wird einem dieser Gedanke angesichts des Todes. Spätestens dann kommt unweigerlich die Frage auf: «War das alles?»

Lade nach Hause ein

Komm heim und iss dich satt! Als Gemeinde wollen wir die Art und Weise der Gastfreundschaft dieses Gottes auf Erden repräsentieren. Paulus erklärt nämlich, dass die Gemeinde das Haus Gottes sei (1Timotheus 3,15). Die Hausregeln und die Kultur von Gottes Haus sollen Menschen in der lokalen Gemeinde erfahren. Wir wollen auf dieser Welt das Haus Gottes repräsentieren und die Arme ebenso weit für Menschen öffnen, wie es der Vater der beiden Söhne im Gleichnis getan hat.

Deshalb ist es eine hervorragende Möglichkeit, hungernde Menschen der Stadt an einen Anlass einzuladen und ihnen die gute Nachricht indirekt zu bringen. Vielleicht denkst du jetzt an die Misserfolge, die du schon verbuchen musstest. Unser Auftrag ist es, die gute Nachricht zu verkündigen, wir sind aber nicht für den Erfolg zuständig. Dass wir uns dadurch nicht entmutigen lassen dürfen, lehrt uns ein Gastgeber, der viele Absagen hinnehmen musste. Er macht einfach weiter und befiehlt seinem Angestellten: «Geh hinaus auf die Landstrassen und hinter die Hecken und bitte jeden, den du findest, zu kommen, damit das Haus voll wird» (Lukas 14,23).

Wir haben in den letzten Jahren stark daran gearbeitet, dass sich Gäste in jedem Gottesdienst wohlfühlen können. Dennoch gibt es auch spezielle darauf ausgerichtete Anlässe wie der seetal chile Talk oder der nächste 19h-Gottesdienst mit anschliessender Grillade an einem lauen Sommerabend. Auch glow Youth, glow Ameisli, glow Kids und glow Next gestalten ihre Programme sehr besucherfreundlich. Was bekommen Menschen, wenn sie zu uns in den Gottesdienst kommen? Sie bekommen eine geniale Botschaft. Sie bekommen Hoffnung und eine Perspektive, die über den Tod hinausgeht. Sie bekommen Freude, weil sie Jesus persönlich kennen lernen. Die vielen positiven Echos von neuen Leuten sollen uns mutig machen, unsere Freunde auch einzuladen. Es kommt gut!

 

Wir handeln nicht richtig, wenn wir die gute Nachricht dieses Tages nicht weitersagen. Hast du dich bei Jesus schon mal so richtig satt gegessen? Wem könntest du die gute Nachricht weitersagen? Wen könntest du zu einem Anlass in der Gemeinde einladen?

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: 2. Könige 6,24-7,20

  1. Was beinhaltet das Evangelium? Erkläre es in der Gruppe!
  2. Hast du dir den Bauch bei Jesus vollgeschlagen? Was verstehst du darunter?
  3. Ist es die Sache mit Jesus für dich eine so gute Nachricht, dass du sie mit Überzeugung weitererzählen kannst?
  4. Wenn könntest du mal an einen Anlass der Gemeinde einladen? Nimm dir doch konkret etwas vor!

Eine kleine Übung: Erzähle jemandem die gute Nachricht oder lade jemand zu einem Anlass in die Gemeinde ein!