Josef – ins Gefängnis trotz Erfolg

Datum: Sonntag, 13. September 2020 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: 1. Mose 39-40

Auf seinem bisherigen Weg hat Josef in Sachen Charakter und Gottesfurcht schon sehr viel gelernt. Nun zeigen sich erste Erfolge. Von einem Minister Pharaos wird er als persönlicher Diener eingestellt. Alles läuft super. Dennoch geht es nochmals abwärts. Völlig zu Unrecht wird er ins Gefängnis geworfen und dort vergessen. Doch letztlich wächst er dadurch noch mehr in seine Bestimmung hinein. Er lernt zwei wesentliche Dinge: das Vertrauen allein auf Gott zu setzen und von sich wegzuschauen.


Joseph war der Lieblingssohn des Vaters. Er hatte schon früh einen Traum über seine zukünftige Bestimmung. Auf dem Weg dorthin erlebte er verschiedene Prüfungen. Er hatte elf Brüder, erlebte viel Streit, wurde beinahe umgebracht, und dann als Sklave an Potifar in Ägypten verkauft. Potifar war ein Minister des Pharaos und Oberbefehlshaber der königlichen Leibwache.

Erfolgreich mit Strahlkraft

Unterdessen ist Josef in seinem Charakter durch Demütigung und leidvolle Brunnenerlebnisse stark gereift. Um beim Bild von Michelangelo zu bleiben: David zeichnet sich aus dem Marmorblock deutlich ab. Josef wurde mehr zu der Person, die Gott in ihm sah. Das Resultat: «Der Herr half Josef und liess ihm alles gelingen, während er im Haus seines ägyptischen Herrn arbeitete. Potifar bemerkte, dass der Herr mit Josef war und ihm in allem, was er unternahm, Erfolg schenkte. Deshalb fand er seine Gunst und wurde Potifars persönlicher Diener. Schon bald übertrug Potifar Josef die Aufsicht über sein Haus und die Verwaltung seines gesamten Besitzes. Von jenem Tag an segnete der Herr Potifar um Josefs willen. Alle Arbeiten im Haus gelangen, die Ernte fiel gut aus und sein Viehbestand vergrösserte sich ständig» (1Mose 39,2-5 NL).

Erfolg ist nicht hohes Ansehen, ein guter Lohn oder eine schicke Villa, sondern in Gottes Bestimmung für uns zu leben. Erfolg ist, wenn ich mit dem, was Gott mir schenkt, möglichst viel heraushole. Das Wort, das hier mit Erfolg (V.3) übersetzt wurde, heisst auch gelingen oder glücken. Josef war im Gleichschritt mit seinem HERRN unterwegs. Das gleiche Erfolgsrezept hatte Jesus: «Ich versichere euch: Der Sohn kann nichts aus sich heraus tun. Er tut nur, was er den Vater tun sieht. Was immer der Vater tut, das tut auch der Sohn» (Johannes 5,19 NL). Auf diesem Weg erlebte Josef Gottes Segen handfest. Der gesamte Weg vom verwöhnten «Schnudergoof» bis zu seiner Bestimmung dauerte gut 20 Jahre. Hier sehen wir, dass sich erste Erfolge schon viel früher einstellten. Gott will uns schon in unserer Vorläufigkeit erfolgreich machen. Gleichschritt mit Gott wird sichtbar: «Und sein Herr (Potifar) sah, dass der HERR mit ihm war» (1Mose 39,3 Lut).

Der Chef sieht, dass der HERR mit ihm war. Mehr noch: «Von jenem Tag an segnete der Herr Potifar um Josefs willen» (V.5 NL). Gesegnet, um ein Segen zu sein! Das, was wir uns in diesem Jahr auf die Fahne geschrieben haben, erlebt Josef. Wird für unser Umfeld sichtbar, dass der HERR mit uns ist? Oder stellen wir das Licht lieber unter den «ein umgestülptes Gefäss» (Matthäus 5,15)? «Genauso lasst eure guten Taten leuchten vor den Menschen, damit alle sie sehen können und euren Vater im Himmel dafür rühmen» (Matthäus 5,16 NL). Als Mose auf dem Berg Sinai Gott begegnete, leuchtete anschliessend sein Gesicht. Er selbst bemerkte es nicht, dafür die Leute ringsum. Gott ist wie die Sonne, wir sind wie der Mond. Der Mond kann nur reflektieren, wenn er von der Sonne bestrahlt wird. Immer, wenn die Erde sich auf der Achse zwischen Sonne und Mond befindet, gibt es eine Mondfinsternis. Erleben die Leute um uns herum einen leuchtenden Vollmond oder eher eine Mondfinsternis? Die ‘Erde’, die sich dazwischenschieben kann, könnte Trägheit, Gleichgültigkeit oder Ichbezogenheit heissen.

Zwei Dinge braucht es, um ein Licht in dieser Welt zu sein: Das Sich-bescheinen-Lassen durch Gott und die Hinwendung unseres Gesichtes zu den Menschen. Ja, es braucht ein Interesse am Leben, an den Erfolgen und Niederlagen, unserer Nachbarn und Studien- oder Arbeitskollegen.

Integer aus Überzeugung

Doch Gott ist mit Josef noch nicht am Ziel. Bald schon wird sein Glaube ein weiteres Mal auf die Probe gestellt: «[...] Josef war ein gut aussehender junger Mann. Daher fing Potifars Frau an, ihn zu begehren und forderte ihn auf, mit ihr zu schlafen» (1Mose 39,6f NL). Was für eine Versuchung. Josef wurde in ein fremdes Land verkauft, er ist weit weg von der Heimat und seinen Angehörigen und jetzt kommt die Gelegenheit, dieser Einsamkeit für ein paar Stunden zu entfliehen. Das Angebot eines ‘Tröschterlis’ steht. Der Testosteronspiegel ist hoch. Niemand wird es erfahren, schon gar nicht seine Familie. Endlich mal was für das Gemüt! Wer könnte da widerstehen?

Doch Josef weigerte sich. ‘Mein Herr vertraut mir in allem, was sein Hauswesen betrifft. Er hat in diesem Haus nicht mehr Macht als ich! Er hat mir nichts vorenthalten ausser dir, denn du bist seine Frau. Wie könnte ich so etwas tun? Es wäre eine grosse Sünde gegen Gott’» (1Mose 39,8f NL). Zwei Dinge hindern Josef die kurzfristige Freude reinzuziehen: Charakter und Gottesfurcht. Charakter besteht aus Selbstbeherrschung, Integrität und Loyalität.

  • Selbstbeherrschung: Josef stand nicht im Zwang, seine Lust sogleich befriedigen zu müssen. Ein gutes Trainingsfeld für diese innere Spannkraft ist der Umgang mit der Körperlichkeit in der Freundschaft. Warum soll ein Mensch die Selbstbeherrschung in einer solch kritischen Situation aufbringen, wenn es im vertrauten Rahmen einer Partnerschaft nicht geht? Der weise Salomo sagt dazu: «Ein Mensch ohne Selbstbeherrschung ist so schutzlos wie eine Stadt mit eingerissenen Mauern» (Sprüche 25,28 NL).
  • Integrität und Loyalität: Josef hatte Prinzipien im Leben, die er auch in grösster Versuchung umsetzte. Gottes Wort und sein Wille bildeten ein starkes Fundament in seinem Leben. Integrität ist die Übereinstimmung von innerer Überzeugung und tatsächlicher Umsetzung, auch wenn es eng wird. Loyalität zum Chef war ihm wichtig, auch wenn er zu seinen Lasten eine grosse Befriedigung haben könnte. Dwight L. Moody sagte: «Character is what you are in the dark.» Charakter ist das, was du im Verborgenen bist, wenn niemand hinschaut.

Gottesfucht: Gottesfurcht ist das Wissen, wer Gott ist und wer ich bin. Die Furcht vor Gott hindert uns daran, die Sünde kleinzureden. Sünde ist nicht, was wir falsch machen. Sünde ist, dass wir statt Gott über unser Leben bestimmen wollen. Es ist grossartig, wie Josef in dieser heiklen Versuchung Gott über sein Leben bestimmen liess und gehorsam war. Gehorsam ist die Liebessprache Gottes.

Gefangen nach Justizirrtum

Potifars Frau war wegen der Abfuhr von Josef frustriert und enttäuscht. Deshalb drehte sie den Spiess um und unterstellte Josef, dass er sie vergewaltigen wollte. «Als Potifar das hörte, war er ausser sich vor Zorn. Er liess Josef in das Gefängnis werfen, in dem die Gefangenen des Königs eingesperrt waren» (1Mose 39,19f NL). Da sitzt er nun, völlig unschuldig im Gefängnis – wie es Robert DuBoise 37 Jahre lang tat. Der heute 56-jährige DuBoise wurde 1983 für den Mord an einer 19-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er soll sie vergewaltigt, geschlagen und ermordet haben. DuBoise beschwor seine Unschuld ‑ vergeblich. Fast 40 Jahre musste er hinter Gittern ausharren. Ende August war der Alptraum plötzlich zu Ende. Eine DNA-Probe bewies das Unrecht. «Es ist ein überwältigendes Gefühl der Erleichterung. Ich habe jeden Tag zu Gott gebetet und darauf gehofft.» Vor Reportern erklärt DuBoise, dass er keinen Groll gegen jene hege, die für dieses Unrecht verantwortlich waren. Er wolle sein Herz nicht mit Hass oder Bitterkeit belasten.

Auch Jesus wurde völlig zu Unrecht zum Tode verurteilt. Weil er dies, ohne zu murren, akzeptiert hat, können wir profitieren. Er ist stellvertretend für dich und mich in den Riss zwischen Gott und uns gestanden. Er ist die Brücke, dass wir wieder in die volle Gemeinschaft mit Gott eintreten können.

Wie Robert DuBoise wird auch Josef Opfer eines Justiz-Irrtums. Josef resigniert nicht, sondern rappelt sich auf und wird auch in diesem sehr schwierigen Umfeld erfolgreich. Der Gefängnisverwalter übertrug ihm die Aufsicht über alle anderen Gefangenen. «Der Verwalter musste sich um nichts mehr kümmern. Denn der Herr war mit Josef und liess alles gelingen, was er tat» (1Mose 39,23 NL). Der Bäcker und der Mundschenk sitzen zur gleichen Zeit ihre Strafen ab. Beide träumen. Josef deutet die Träume und verkündet dem Mundschenken, dass er in den nächsten drei Tagen freigelassen und wieder in sein Amt als Mundschenk eingesetzt wird. Josef bittet den Mundschenken, beim Pharao ein gutes Wort für ihn einzulegen. «Der Mundschenk dachte nicht mehr an Josef, sondern vergass ihn» (1Mose 40,23 NL). Erst zwei Jahre später, als der Pharao ebenfalls einen Traum hatte, der von niemandem gedeutet werden konnte, erinnert sich der Mundschenk an Josef.

Du kannst alles richtig machen im Leben und doch in Schwierigkeiten geraten! Gott macht auch aus diesem Mist Dünger und führt Josef nochmals einen grossen Schritt weiter in seine Bestimmung. Ganz unscheinbar hat Josef in seinem Erfolg sein Vertrauen weg von Gott auf Menschen gesetzt. «Denk an mich, wenn es dir wieder gut geht! Erzähl dem Pharao von mir und bitte ihn, mich hier herauszuholen» (1Mose 40,14 NL). Das passiert gerne in jungen erfolgreichen Jahren. Plötzlich vertraut man den eigenen Strategien oder gewissen Personen anstatt uneingeschränkt Gott.

In der Gefangenschaft liess sich Josef neu auf Gott ausrichten. Man hört es im Vorwort zur Traumdeutung von Pharao heraus: «Es steht nicht in meiner Macht, das zu tun, Majestät, nur Gott kann es. Aber er wird Ihnen sicher etwas Gutes ankündigen» (1Mose 41,16 NL). Gott möchte, dass es nicht mehr um mich geht, dass es um Ihn geht. Wenn Gott an unserem Charakter arbeitet, kommen wir an den Punkt, an dem wir mit Johannes dem Täufer sagen: «Er muss immer grösser werden und ich immer geringer» (Johannes 3,30 NL).

Zudem wurde Josef in der Krise noch mehr von sich selbst befreit und bekam einen geschärften Blick für seine Mitmenschen. So spricht er im Gefängnis zum Bäcker und dem Mundschenken: «Am nächsten Morgen fiel Josef der niedergeschlagene Gesichtsausdruck der beiden auf» (1Mose 40,6 NL). Wenn er sich einfach als ein Opfer der Umstände sähe, hätte er keinen Blick für andere. Josef ist jetzt innerlich frei.

 

Letzte Woche antwortete im Interview hier auf der Bühne jemand auf die Frage, warum sie mit Jesus lebe: «Jesus ist mein Erfolgsrezept.» Erfolg ist, auf Jesus zu vertrauen und den Alltag im Gleichschritt mit Ihm zu leben. Weil Jesus – wie Josef – ungerechterweise verurteilt wurde, ist Beziehung mit dem Schöpfer erst möglich geworden. Von ganzem Herzen lade ich dich zu einem erfolgreichen Leben ein. Ein erfolgreiches Leben ist nicht zu verwechseln mit einem leichten Leben!

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: 1. Mose 39-40

  1. Was ist Erfolg? Inwiefern bist du erfolgreich?
  2. Was braucht es, dass die Mitmenschen sehen, dass der HERR mit uns ist? Welche Erfahrungen machst du diesbezüglich?
  3. Josef wurde von der Frau Potifars arg bedrängt. Weshalb konnte er der Versuchung standhalten?
  4. Was ist Charakter? Wie steht es um deine Selbstbeherrschung und deine Integrität?
  5. Was von dieser Predigt hat dich im Herzen getroffen? Was möchtest du konkret anpacken?