Guter Hoffnung sein

Datum: Sonntag, 20. November 2022 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Galater 4,19; Kolosser 1,27

Eine Frau, die guter Hoffnung ist, richtet ihr Leben nach dieser Hoffnung aus. In der Bibel steht, dass die zuversichtliche Hoffnung eines Christen mit einer Schwangerschaft vergleichbar sei. Gleich wie in einer biologischen gibt es auch in der geistlichen Schwangerschaft deutliche Anzeichen: Christus in uns soll mehr und mehr Gestalt annehmen. Wie kann das geschehen und was sind die Folgen davon?


Dieses Erlebnis liegt schon einige Zeit zurück: Das Telefon klingelt. Eine Frau begrüsst mich auffallend freundlich und informiert sich über die Drucker in unserem Büro. Dann folgt ein Angebot für Druckertoner, der qualitativ und quantitativ viel besser als der Bisherige sei. Da eine Kartusche CHF 369.- kostet, lehne ich dankend ab. Einige Monate später ruft sie wieder an. Jetzt verspricht sie mir sechs Flaschen hervorragenden Wein und diktiert mir eine Nummer, mit der ich mich bei der Post melden kann, falls die Flaschen nicht kommen sollten. Ich nehme dankend an. Nachdem sie mich nun in gute Hoffnung versetzt hat, will sie mir wieder eine Tonerkartusche zum Preis von CHF 369.- verkaufen. Ich lehne dankend ab. Leider ist der Wein nie angekommen. Obwohl ich einen Zettel mit einer Nummer habe, wird meine Hoffnung auf einen guten Tropfen Wein Illusion bleiben. Offenbar diente der Wein nur als Köder für eine grosszügige Bestellung.

Ist das mit der Hoffnung auf die Ewigkeit bei Gott auch so? Ist es nur ein leeres Versprechen, um die Leute zu gewissem Verhalten zu motivieren? Ist die Sache mit der Neuschöpfung reine Illusion?

Illusion oder Hoffnung?

Die Bibel verspricht, dass im Himmel ein reiches, herrliches, reines, unversehrtes und unvergängliches Erbe für uns aufbewahrt ist (Epheser 1,18; 1Petrus 1,4). Und Paulus sagt, dass wir sehnsüchtig den Tag erwarten, an dem Gott uns dieses Erbe und den neuen Körper gibt, den er uns versprochen hat (Römer 8,23). Unmissverständlich sagt er aber auch, dass dies «nur» Hoffnung ist, weil wir es noch nicht sehen (V.24). Geht die Hoffnung auf die ewige Herrlichkeit je in Erfüllung? Oder wird sie sich lediglich als Köder erweisen, mit dem die Christen für ein gottgefälliges Leben hingehalten werden.

Viele meinen, dass sich die christliche Hoffnung in Luft auflösen wird. Seit der philosophischen Aufklärung ist diese Sicht der Dinge sogar die Meinung einer breiten Allgemeinheit. Immanuel Kant schrieb, dass Gott nur eine Idee und keinesfalls beweisbar oder erlebbar sei. Ludwig Feuerbach ging noch einen Schritt weiter und bezeichnete Gott als eine Projektion unserer Gedanken und somit ganz und gar überflüssig. Karl Marx nannte den Glauben an Gott als Opium fürs Volk und Sigmund Freud als Ursache für Neurosen… Ist Gott tot?

Obwohl wir eine schriftliche Bestätigung für das Paket, das unterwegs ist, haben, könnte die Hoffnung auf eine Zukunft mit und bei Gott nur eine billige Jenseitsvertröstung sein.

Der Grund für Hoffnung

Wie das Beispiel mit dem Wein zeigt, reicht eine schriftliche Bestätigung nicht aus, um den Verdacht auf Illusion zu entkräften. Wir müssen etwas sehen, spüren oder erfahren.

Bei einer schwangeren Frau sagt man, dass sie guter Hoffnung sei. Keine Frau würde allein aufgrund eines ärztlichen Berichts einen Geburtsvorbereitungskurs belegen oder den Mutterschaftsurlaub beim Arbeitgeber anmelden. Wenn eine schwangere Frau ihre Hormone spürt und erlebt, wie der Bauch sich wölbt, dann springt ihr Herzen vor Freude und sie bereitet sich mit viel Elan auf den Tag der Geburt und das Leben danach vor. Die Gewissheit, dass sie schwanger ist, führt dazu, dass die Frau ein anderes Leben führt. Sie richtet ihr ganzes Leben danach aus. Sie ist guter Hoffnung. Diese Hoffnung hat eine lebensverändernde Kraft. Aufgrund ihrer wahrnehmbaren und fortschreitenden Schwangerschaft weiss sie, dass ihre Hoffnung keine Illusion ist.

Im Leben als Christ ist es genau dasselbe. Eine lebensverändernde Hoffnung bedingt wahrnehmbare Anzeichen, eine schriftliche Bestätigung allein reicht nicht aus. Und nun – die gute Botschaft – es gibt sie, diese Anzeichen:

  • Christus ist auferstanden: «Jetzt haben wir eine lebendige Hoffnung, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist» (1Petrus 1,3b NLB). Die Auferstehung von Jesus Christus ist die Grundlage der christlichen Hoffnung. «Seht hin; ich mache etwas Neues; schon keimt es auf. Seht ihr es nicht?» (Jesaja 43,19a NLB). Wenn Jesus körperlich auferstanden ist, dann gibt es eine Neuschöpfung. Im Zoo Zürich wurde ein Videoclip über die Geburt eines Elefanten gezeigt. Es ist sehr eindrücklich zu sehen, wie der 100-kg-Koloss – wenn der Kopf erst mal durch ist – ziemlich ungebremst zu Boden plumpst. In der Bibel wird das Bild eines Körpers benutzt. Dabei ist Christus das Haupt und die Nachfolger Jesu der Leib (Epheser 5,23). Dieser Leib steht gerade im Geburtsprozess. Aus diesem Grund sagte Luther: «Der Kopf ist schon durch.» Dabei nimmt er Bezug auf die Aussage: «Nun ist aber Christus als Erster von den Toten auferstanden» (1Korinther 15,20 NLB). Der Geburtsprozess der Auferstehung zu einem neuen Leben ist in vollem Gang und der Kopf ist schon durch. Das ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Rest sogleich auch «zu Boden plumpst». Eine Geburt geht nicht leicht von statten, daher seufzt die Schöpfung und sehnt sich nach Erlösung. Die Auferstehung von Jesus ist eine geschichtliche Tatsache, die sich in Raum und Zeit eingezeichnet hat, und von hunderten von Augenzeugen gesehen wurde (1Korinther 15,5f).
  • Christus lebt in uns: Erfreulicherweise gibt es nebst diesem wichtigen Zeichen noch solche, die persönlich näher und subjektiv wahrnehmbar sind. Einen wichtigen Hinweis ist hier: «Und selbst wir, obwohl wir im Heiligen Geist einen Vorgeschmack der kommenden Herrlichkeit erhalten haben [...]» (Römer 8,23 NLB). Der Heilige Geist ist die Garantie (oder Sicherheit, Unterpfand, Anzahlung) dafür, dass er uns alles geben wird, was er uns versprochen hat (Epheser 1,14). Durch den Heiligen Geist schwappt die Herrlichkeit bei Gott bereits in unser zeitliches Leben hinein. Paulus sagt dazu: «[...] Und das ist das Geheimnis: Christus lebt in euch! Darin liegt eure Hoffnung: Ihr werdet an seiner Herrlichkeit teilhaben» (Kolosser 1,27 NLB). Christus in uns, das ist der Heilige Geist. An dem Tag, wenn wir unser Leben Jesus Christus ausliefern, bekommen wir den Heiligen Geist als Geschenk. Wenn der Glaube einen Menschen erfasst, dann wir er «von neuem geboren» (Johannes 3,3), er wird vom Geist Gottes (Ruach) belebt.

Auch hier gilt wieder: Allein das Wissen, dass Christus in mir wohnt, wird mich kaum zu einem hoffnungsvollen Leben animieren. Der Schlüssel ist folgender Satz: «Meine Kinder, es ist, als müsste ich euch ein zweites Mal zur Welt bringen. Ich erleide noch einmal Geburtswehen, bis Christus in eurem Leben Gestalt annimmt» (Galater 4,19 NGÜ). Paulus war als Lehrer der guten Nachricht Gottes massgeblich an der ersten Geburt dieser Menschen in Galatien beteiligt. Nun steckt er gleich wieder in Geburtswehen. Im neuerlichen Geburtsprozess geht es darum, dass Christus im Leben der neugeborenen Christen Gestalt annimmt. Bildlich gesprochen ist ein Christ schwanger, er ist guter Hoffnung. Wie bei einer natürlichen soll auch die geistliche Schwangerschaft mehr und mehr sichtbar werden. Wenn bei einer schwangeren Frau der Bauch immer gleich gross ist und keine Bewegungen zu spüren sind, muss schleunigst ein Arzt aufgesucht werden. Normalerweise aber geht sie von Zeit zu Zeit zum Ultraschall, um die erstaunliche Entwicklung des Kindes festzustellen. Wenn wir jedes Jahr beim Ultraschall Christus in uns betrachten könnten; würde der Arzt eine ernste oder freudige Miene aufsetzen? Wenn Christus in uns keine Gestalt gewinnt, werden wir kaum ein Leben geprägt von lebendiger Hoffnung führen. Ohne spürbare und fortschreitende Schwangerschaft wird niemand sein Leben ändern und auf die Ewigkeit ausrichten.

Guter Hoffnung sein gründet sich nicht allein auf historischem Wissen, sondern ebenso auf spürbaren Erfahrungen.

Leben mit Hoffnung

Durch eine spürbare Schwangerschaft wird aus einer Süssigkeit liebenden, Kaffee verneinenden, Gefühle unterdrückenden, Business orientierten, leidensscheuen, Bücher verneinenden Frau, eine Essiggurken essende, Kaffee schlürfende, sentimentale, Nest bauende, Leiden in Kauf nehmende, Bücher studierende Frau. So gewaltig sind die Auswirkungen, wenn jemand voll guter Hoffnung ist.

Genauso gewaltig ist der Unterschied eines Christen mit einer lebendigen Hoffnung zu einem Christen, der ‘einfach’ gerettet ist:

  • Er wird anders mit Leiden und Bedrängnis umgehen: Eine schwangere Frau erduldet das gleiche Mass an Leiden leichter als andere Personen, weil sie vom Ziel her denkt und weiss, dass das Leiden nicht sinnlos ist. Paulus setzt das Leiden auch in Relation zu zukünftigem Ergehen: «Ich bin aber davon überzeugt, dass unsere jetzigen Leiden bedeutungslos sind im Vergleich zu der Herrlichkeit, die er uns später schenken wird» (Römer 8,18 NLB). Ein hoffnungsvoller Mensch weiss, dass Gott ihn durch Bedrängnis hindurch formt. Deshalb wird er nicht dagegen rebellieren.
  • Er wird Wunder erleben: Der Grund für das wundervolle Glaubensleben von Abraham war seine zuversichtliche Hoffnung. Deshalb lautet die Empfehlung: «Darum werft euer Vertrauen (= zuversichtliche Hoffnung) nicht weg, welches eine grosse Belohnung hat» (Hebräer 10,35 LUT). Wer durch den Horizont sehen kann, wird mutiger leben und Gottes Kraft erfahren.
  • Er wird mit einer Ewigkeitsperspektive leben: Ein hoffnungsvoller Mensch wird viel mehr auf das Unsichtbare schauen. «Wir richten unseren Blick nämlich nicht auf das, was wir sehen, sondern auf das, was jetzt noch unsichtbar ist. Denn das Sichtbare ist vergänglich, aber das Unsichtbare ist ewig» (2Korinther 4,18 NGÜ). Dadurch wird ein Christ die Prioritäten in seinem Leben völlig anders setzen. Er wird das Leben vom Ende her denken und sich – wie eine Frau auf die Geburt ihres Kindes – intensiv auf die Inbesitznahme des Erbes vorbereiten.
  • Er wird voller Freude sein: Voll guter Hoffnung sein und voller Freude sein, das sind die zwei Seiten ein und derselben Medaille (1Thessalonicher 4,13; Sprüche 10,28). Als Maria schwanger war, sang sie von Freude erfüllt den berühmten Lobgesang (Lukas 1,46ff). Die Geburtsanzeigen bringen jeweils ebenfalls die grosse Freude der Eltern zum Ausdruck.
  • Er wird von seiner Hoffnung erzählen: Wie eine junge Familie bei der Geburt ihres Kindes der ganzen Welt verkündet, was geschehen ist, wird dies auch ein Christ voll guter Hoffnung tun.

Ein Christ voll guter Hoffnung wird ein starkes, nachahmenswertes Leben führen. Die Bedingung dafür ist, dass Christus in mir genug Nahrung bekommt, so dass er wachsen und Gestalt gewinnen kann. Und dann, dann werde ich voll guter Hoffnung sein und mein Leben ist erfrischend anders. Christus in mir, die Hoffnung der Herrlichkeit!

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Lest doch miteinander das Hoffnungskapitel aus Römer 8!

  1. Was sind biblisch gesehen die zwei Gründe für eine zuversichtliche Hoffnung?
  2. Weshalb ist die Auferstehung Jesu Dreh- und Angelpunkt dieser Hoffnung?
  3. Christus in uns (Kolosser 1,27) – darin liegt unsere Hoffnung. Warum ist das so? Bei welchem Ereignis kommt Christus in uns?
  4. Wie kann Christus in uns Gestalt gewinnen (Galater 4,19)? Erzähle von dir bekannten Menschen, in denen Christus Gestalt gewonnen hat!
  5. Wie zeigt es sich, dass ein Mensch guter Hoffnung ist? Welche der aufgezählten Äusserungen findest du einleuchtend und wichtig?