Gottes heiliges Volk

Datum: Sonntag, 22. Januar 2023 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: 1. Petrus 2,9

Gott hat sich Israel als sein heiliges Volk auserwählt. Die übergeordnete Bedeutung von heilig ist abgesondert. So ist auch das Volk Israel von den übrigen Völkern abgesondert, weil es Gottes eigenes Volk ist, das er sich für seine Geschichte mit den Menschen ausgesucht hat. In diesem Volk gibt es Priester, deren Hauptaufgabe der Gottesdienst ist. Ihr Leben ist ganz dem Gottesdienst gewidmet. Nachfolger von Jesus Christus sind auch Teil dieses heiligen Volkes. Sie bilden ein heiliges Volk königlicher Priesterschaft. Der Schwerpunkt liegt auf dem Gottesdienst, doch als königliche Priesterschaft üben sie auch Macht auf der Erde aus. Heilig sind Nachfolger von Jesus Christus dadurch, dass sie abgesondert sind und ihr Leben als lebendigen Gottesdienst gestalten.


Israel - Gottes auserwähltes heiliges Volk

Heute Morgen wollen wir mehr in die Thematik der Heiligkeit Gottes eintauchen. Nebst der Heiligkeit Gottes ist ein weiteres Merkmal Gottes, dass er auf Beziehung ausgerichtet ist. Daher erwählt er sich Menschen, welche durch diese Erwählung zu einem heiligen Volk werden. Das Alte Testament handelt von Gottes Geschichte auf dieser Welt im Zusammenhang mit einem einzigen Volk - den Israeliten. Um die besondere Rolle und auch viele Bibelstellen im Zusammenhang mit diesem Volk einordnen zu können, ist es wichtig, sich vor Augen zu halten, was denn heilig bedeutet. Heilig hat viele Bedeutungen. Synonyme dafür sind bspw. göttlich, fromm und rein. Es gibt heutzutage Aussagen wie «Dir ist aber auch nichts heilig!». Allerdings sind solche Worte im Zusammenhang mit dem Volk Israel nur schwer zu deuten. Die übergeordnete Bedeutung von heilig ist abgesondert. Dies kommt von der ursprünglichen Bedeutung des hebräischen Wortes «kadosch» was so viel wie schneiden oder trennen bedeutet. Schneide oder trenne ich etwas ab, dann steht es auf der Seite, ist also abgesondert vom Rest. Der Heiligkeit Gottes und allem, was mit ihm zusammenhängt, kommt diese übergeordnete Bedeutung zu: Heilig = abgesondert.

Hält man sich diese Bedeutung vor Augen, dann wird deutlich, weshalb das Volk Israel Gottes heiliges Volk ist. «Denn ihr seid ein heiliges Volk für den HERRN, euren Gott. Von allen Völkern der Erde gehört ihr als Volk dem HERRN, eurem Gott» (5. Mose 7,6 NLB). Das Volk Israel ist nicht aus eigenem Verdienst heilig, sondern weil es Gottes Eigentum sind. Er hat sie als sein Eigentum bestimmt und dadurch sind sie abgesondert von allen anderen Völkern. Und die Absonderung des Volkes Israel ist daher so besonders, weil dieses Volk explizit abgesondert ist für Gott. So strahlt auch seine Heiligkeit (Absonderung) auf das Volk Israel aus, dass dieses heilig (abgesondert) ist. Dies sagt auch unser Jahres Vers aus. « […] Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.» (3. Mose 19,2 LUT). Doch nach welchen Kriterien hat sich denn Gott dieses Volk ausgesucht? Wollte er mit dem stärksten und erfolgreichsten Volk seine Geschichte schreiben? Denn schliesslich hingen zur Zeit der alttestamentlichen Geschichten für die Leute das Wohlergehen eines Volkes mit der Stärke ihres Gottes zusammen. Ein starkes Volk musste zwingend auch einen starken Gott haben. Doch ganz anders bei den Israeliten. «Der HERR hat euch nicht erwählt und hält an euch fest, weil ihr grösser oder bedeutender wärt als die anderen Völker – ihr seid sogar das unbedeutendste aller Völker –, sondern weil er euch liebt und weil er das Versprechen halten wollte, das er euren Vorfahren mit einem Eid gegeben hatte. […]» (5. Mose 7,7-8 NLB). Gott erwählte dieses Volk, weil an ihm deutlich werden sollte, dass Gott alle Ehre gebührt, denn alles kommt von ihm. Israel hat demnach auch eine entscheidende Aufgabe, welche der Prophet Jesaja folgendermassen formuliert. «Es ist das Volk, das ich mir dazu erschaffen habe, von meinem Ruhm zu erzählen» (Jesaja 43,21 NLB). Das ist die Existenzberechtigung für dieses Volk, dass es von Gottes Ruhm erzählt und dies ist ein wahrhaftiger Gottesdienst.

Die Absonderung von anderen Völkern zeigt sich insbesondere im Gottesdienst und in der Ethik. So sind insbesondere die fünf Bücher Mose voll mit Geboten und Gesetzen, welche den Gottesdienst und das Leben regeln. Diese Regelungen unterscheiden sich stark von dem, was im Umfeld Israels gang und gäbe war. Doch weil Israel als heiliges Volk zu einem heiligen Gott gehört, ist dies die logische Reaktion. Doch das Einhalten ist mit einer Verheissung verknüpft. «Wenn ihr mir nun gehorcht und den Bund haltet, den ich mit euch schliessen werde, sollt ihr vor allen anderen Völkern der Erde mein besonderes Eigentum sein, denn die ganze Erde gehört mir. Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern, ein heiliges Volk sein. […]» (2. Mose 19,5-6 NLB). Durch das kollektive Wahrnehmen und Einhalten der Gebote übernimmt das Volk als ganzes Priesterfunktionen. Doch dem ist nicht genug. Sie werden auch, wie irdische Könige, Macht auf dieser Erde übernehmen. Dies ist die Verheissung, wenn sich das Volk zu Gott hält und seine Gebote hält.

Priester - Zwischen dem Heiligen und den Menschen

Obwohl das gesamte Volk ein Königreich von Priestern sein soll, gibt es einen Teil des Volkes, welches die Hauptaufgabe hat, den Gottesdienst zu vollziehen und zum Gelingen dessen beizutragen. Dies sind die Leviten. Aus dieser Gruppe heraus sind die Nachkommen von Aaron dazu bestimmt als Priester aufzutreten. Im Gegensatz zu allen anderen Religionen sind Priester im Judentum keine Vermittler zwischen Gott und den Menschen. Jeder Israelit ist direkt verantwortlich. Dies erklärt auch, weshalb teilweise die Sünde eines Einzelnen Unheil für alle anderen bedeuten konnte. Die Priester übernahmen den Dienst am Opferaltar und insbesondere auch im Heiligtum. Sie überwachten die richtige Einhaltung der täglich vorgeschriebenen Opfer und des Gottesdienstes.

Die Besonderheit des Stammes Levi und der Priester zeigt sich dadurch, dass ihnen im Gebiet Israels kein Land, sondern bloss Städte und die sie umgebenden Weiden zugesprochen werden. (Josua 13,14). Denn durch ihre Aufgabe im Gottesdienst wurde Gott ihnen selbst zu ihrem Erbteil. «Dem Stamm Levi hatte Mose jedoch kein Land als Erbteil zugewiesen, denn der HERR, der Gott Israels, war selbst sein Erbteil, wie er es versprochen hatte» (Josua 13,33 NLB). So wie das Volk Israel auf Gott hinweisen soll, so machen dies auch die Leviten innerhalb des Volkes Israel. Doch nur die Priester dürfen das Heiligtum Gottes betreten.

Im Zusammenhang mit dem israelitischen Gottesdienst finden sich zwei Wortpaare. Es sind die Unterscheidung von Heilig und Profan und rein und unrein. Bis auf die Kombination von heilig und unrein ist jede Kombination denkbar. Heilig bedeutet abgesondert für Gott und profan bedeutet weltlich, also nicht anders als die Mehrheit. Rein und unrein beziehen sich dabei auf eine rituelle, nicht eine hygienische Reinheit. Rein bedeutet sauber in einem umfassenden, rituellen Sinn und unrein meint verschmutzt, nicht makellos in rituellen Belangen. Doch im Gottesdienst der Israeliten muss zwingen alles heilig und rein sein, denn heilig passt nicht mit unrein zusammen. Für die Priester ist daher ein verantwortungsvoller Umgang gefragt. Denn nebst dem, dass heilig abgesondert bedeutet, so ist auch göttlich ein Synonym für heilig. Daher ist im Umgang mit dem Göttlichen immer auch Ehrfurcht geboten. Kurz nach der Bestimmung von Aaron und seinen Nachkommen zu Priestern zeigt sich die Ernsthaftigkeit dieser Aufgabe und die Konsequenzen eines zu flapsigen Umgangs mit dem Heiligen. «Aarons Söhne Nadab und Abihu nahmen jedoch ihre Räucherpfannen, legten glühende Kohlen hinein und streuten Weihrauch darüber. Sie verbrannten so ein eigenmächtiges Räucheropfer für den HERRN, das er ihnen nicht befohlen hatte. Da ging Feuer vom HERRN aus und tötete die beiden Männer. Mose sagte zu Aaron: 'Jetzt geschieht, was der HERR angekündigt hat: An denen, die mir nahe sind, werde ich mich als heilig erweisen. Vor dem ganzen Volk werde ich meine Herrlichkeit zeigen.' Aaron aber schwieg» (3. Mose 10,1-3 NLB). Dies ist ein sehr drastisches Bild für den unsachgemässen Umgang mit dem Heiligen und zeigt die bedeutungsvolle Aufgabe der Priester. Sie dürfen zwar Gott begegnen, allerdings muss dies auch unter Hochachtung und Einhaltung der vorgeschriebenen Regeln geschehen.

Nachfolger von Jesus Christus - ein heiliges Volk königlicher Priesterschaft

Durch Jesus Christus verschieben sich die Zugangsbestimmungen für Gottes heiliges Volk. War es im Alten Testament über die biologische Abstammung und die Einhaltung von Geboten gegeben, so sind diese beiden Bedingungen nicht mehr in diesem Masse zwingend, wie sie es früher waren. Um der Frage nachzugehen, wer denn heute zu Gottes heiligem Volk gehört, wollen wir uns mit dem 1. Petrusbrief näher auseinandersetzen. Denn so wie wohl auch hier die wenigsten zum Volk Israel gehören, so ist dies auch bei den Adressaten dieses Briefes der Fall und wir könnten die aufgezählten Ortschaften noch um unsere ergänzen. «Diesen Brief schreibt Petrus, ein Apostel von Jesus Christus, an alle Menschen, die Gott auserwählt hat und die als Fremde überall in Pontus, Galatien, Kappadozien, Asia und Bithynien mitten unter Menschen leben, die nicht an Christus glauben» (1. Petrus 1,1 HFA). Der Glaube an Jesus Christus ist der entscheidende Unterschied. Was sind denn jetzt die Kriterien, um zum heiligen (abgesonderten) Volk Gottes zu gehören? «Ihr gehört zu Gott, unserem Vater. Dazu hat er euch von Anfang an vorherbestimmt. Ja, durch den Heiligen Geist seid ihr sein Eigentum geworden – Menschen, die Jesus Christus gehorchen und durch sein Blut von aller Schuld befreit werden. Ich wünsche euch, dass Gottes Gnade und sein Friede euch immer mehr erfüllen» (1. Petrus 1,2 HFA). Um zu diesem heiligen Volk zu gehören, ist Gehorsam Jesus Christus gegenüber notwendig. Dies ist eine bewusste Entscheidung, welche gefällt werden muss, wenn man auch zu diesem Volk gehören will.

Auch die Zugehörigkeit zu diesem Volk ist mit einer Aufgabe verknüpft. «Und nun lasst euch von Gott als lebendige Steine in seinen geistlichen Tempel einbauen. Ihr sollt Gottes heilige Priester sein und ihm geistliche Opfer bringen, die er durch eure Gemeinschaft mit Jesus Christus annimmt!» (1. Petrus 2,4-5 NLB). Alle Nachfolger von ihm sind heilige Priester. Sie sind abgesondert für den Dienst für Gott. Doch dieser Dienst ist nicht statisch, sondern so lebendig wie du bist. Geistliche Opfer sind Lob Gottes, gutes Tun, grosszügiger Umgang mit Besitz, Dienst am Nächsten. Doch all dies erwächst daraus, dass du Teil des heiligen Volkes Gottes bist. Du bist abgesondert für solche Opfer - nicht umgekehrt. Zuerst ist die Zugehörigkeit, erst danach folgt die Auswirkung (Opfer).

Diese Aussage von Petrus mündet schlussendlich in der Beschreibung der Nachfolger von Jesus Christus. «Aber ihr seid anders, denn ihr seid ein auserwähltes Volk. Ihr seid eine königliche Priesterschaft, Gottes heiliges Volk, sein persönliches Eigentum. So seid ihr ein lebendiges Beispiel für die Güte Gottes, denn er hat euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen» (1. Petrus 2,9 NLB). Ausgehend von diesem Vers sind zwei Dinge zu betonen. Einerseits gibt es das Priestertum aller Heiligen. Also alle, welche abgesondert sind - Jesus Christus nachfolgen, sind angesprochen. Andererseits stellt sich die Frage nach dem Verhältnis der königlichen Priesterschaft. Einige Bibelübersetzungen schreiben auch Könige und Priester. Allerdings liegt hier, durch den adjektivischen Gebrauch von königlich, eine detailliertere Beschreibung der Priesterschaft vor und zeigt auf, wie sie verstanden werden soll. Bei der hier beschriebenen Priesterschaft handelt es sich um einen Gottesdienst, welcher auch Auswirkungen auf diese Erde hat. Doch der Fokus liegt im Gottesdienst und nicht in der irdischen Ausübung von Macht.

Im nachfolgenden Vers macht Petrus deutlich, dass die Nachfolger von Jesus Christus ohne jüdische Wurzeln früher nicht dazugehörten. Doch Jesus hat dies möglich gemacht. «Früher wart ihr kein Volk; jetzt seid ihr das Volk Gottes. Früher habt ihr Gottes Barmherzigkeit nicht empfangen; jetzt aber habt ihr seine Barmherzigkeit empfangen» (1. Petrus 2,10 NLB). Doch dieses neue Volk umfasst Leute ausserhalb und aus dem ersten heiligen Gottesvolk. Dies hat bereits der Prophet Hosea vorausgesagt. «[...]. Ich werde die, die ich einst 'Nicht-Geliebte' nannte, lieben. Und zu denen, die ich 'Nicht-Mein-Volk' nannte, werde ich sagen 'Ihr seid mein Volk'. Und sie werden antworten: 'Und du bist unser Gott'» (Hosea 2,25 NLB). Dadurch haben auch Nicht-Juden Anteil an diesem ureigensten Auftrag des Volkes Israel, nämlich Gottes heiliges, sprich abgesondertes Volk zu sein und von Gottes Ruhm zu erzählen (Jesaja 43,1). Daraus wiederum erwächst eine eigene heilige Ethik, welche sich von der weltlichen unterscheidet. Von dieser Heiligkeit her, also der Abgesondertheit zu Gott hin sind alle ethischen Überlegungen zu verstehen, welche Nachfolger von Jesus Christus treffen.

Mögliche Fragen für die Kleingruppe

Bibeltext lesen: 1. Petrus 2,1-12

  1. Wie würdest du «heilig» für dich beschreiben? Was bedeutet es für dich, wenn heilig die Hauptbedeutung von «abgesondert» hat?
  2. Wie könnte es aussehen, wenn ein Volk ein Königreich von Priestern ist? Was könnte die Hauptaufgabe eines solchen Volkes sein?
  3. Verstehst du die Funktion der Priester Israels? Was sticht dir dabei besonders ins Auge?
  4. Wann hast du dich bewusst für Jesus Christus entschieden? War dir dabei klar, dass du nun zu einem heiligen Volk gehörst?
  5. Welche lebendigen Opfer erbringst du? Wenn es sich für dich wie ein umgangssprachliches Opfer anfühlt, woran könnte dies liegen? Wie könntest du zu diesem Punkt kommen, dass es für dich nicht mehr als Einschnitt, sondern als Gewinn wahrgenommen wird?
  6. Wo lebst du als Nachfolgerin/Nachfolger von Jesus Christus nach einer anderen heiligen (abgesonderten) Ethik? Weshalb macht dies für dich Sinn?