Gott schuf die Zeit

Datum: Sonntag, 23. Januar 2022 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: 1. Mose 1,1-2,4

Ein allmächtiger Gott hätte die Welt in der Zeitdauer eines Wimpernschlages erschaffen können. Doch Gott nimmt sich Zeit, erschafft die Zeit und schenkt sie der Schöpfung. Das ist die ultimative Ansage gegen Stress und Unruhe. Wie lange dauerte wohl ein Tag in der Schöpfungsgeschichte? Anstatt darüber zu streiten, sollte sich die christliche Kirche auf wichtige Überzeugungen fokussieren und vereint gegen die darwinistischen Thesen stellen.


Kürzlich erzählte mir jemand, dass die Corona-Viren aus einer Überlebensstrategie heraus in die mehr oder weniger harmlose Omikron-Variante mutierten. Wenn sie nämlich ihren Wirt, den Menschen, zu hart attackierten, würde dieser aussterben, was auch ihr eigenes Überleben bedrohen würde. Wie auch immer, ein ähnliches Verhalten sehen wir auch bei der Resistenzbildung von Bakterien gegen Antibiotika.

«Der Himmel verkündet die Herrlichkeit Gottes und das Firmament bezeugt seine wunderbaren Werke» (Psalm 19,2 NLB). Wir leben in einer genialen Schöpfung. Letzten Oktober hatte meine Nichte einen Unfall mit einer Fleischverarbeitungsmaschine. Anstatt ein Steak erfasste die Maschine ihre Hand. Geistesgegenwärtig erfasste der Chef die Situation und brachte sie inkl. der Maschine an der Hand auf den Notfall. Diese sehr belastende Situation konnte meine Nichte deshalb mental und schmerztechnisch meistern, weil ihr Körper mit einem Schock reagierte. Als ich das hörte, dachte ich: «Wie genial hat Gott diese Welt geschaffen. Der Mensch funktioniert sogar im Notmodus hervorragend!»

Die Genialität und Kreativität des Geschaffenen zeugen von einem grossartigen und allmächtigen Gott. «Seit Erschaffung der Welt haben die Menschen die Erde und den Himmel und alles gesehen, was Gott erschaffen hat, und können daran ihn, den unsichtbaren Gott, in seiner ewigen Macht und seinem göttlichen Wesen klar erkennen. Deshalb haben sie keine Entschuldigung dafür, von Gott nichts gewusst zu haben» (Römer 1,20 NLB).

Gott nimmt sich Zeit

Immer wieder wird die Diskussion geführt, ob Gott wirklich in der Lage ist, die Welt in sechs Tagen zu erschaffen. Je länger je mehr staune ich darüber, dass er sich so viel Zeit nahm. Wenn Gott allmächtig ist, hätte Er die Welt mit einem Fingerschnippen kreieren können. Die überraschende Botschaft der sieben Tage lautet: Gott nimmt sich Zeit! Die Erschaffung der Welt und der Zeit geht Hand in Hand. Ab jetzt gibt es ein Vorher und ein Nachher. Der ewige Gott öffnet sich für die Erfahrung der chronologischen Zeit.

Gott nimmt sich Zeit, erschafft die Zeit und schenkt sie der Schöpfung. Sehr schön wird das am dritten Schöpfungstag sichtbar. «Auf der Erde wuchs Gras sowie Pflanzen und Bäume, die Samen trugen. Und Gott sah, dass es gut war» (1Mose 1,12 NLB). Gott gab der Schöpfung Zeit, zu wachsen und sich fortzupflanzen.

Obwohl Gott unheimlich viel geschaffen hat, war er nicht gestresst. Aus dem Schöpfungsbericht kommt uns sehr viel Ruhe und Musse entgegen. Wir bauen im Moment unser Häuschen um. Im Vergleich zum Bau eines ganzen Kosmos eine doch recht bescheidene Arbeit. Und doch neigen wir dazu, uns gestresst zu fühlen.

Wir neigen dazu, wie in einem Hamsterrad zu leben. Es gibt verschiedene Motoren, die zu einer hohen Eigenbeschleunigung führt. Einer davon ist die technische Beschleunigung, die sich u.a. in der Kommunikation zeigt. Ein anderer Motor, der dieses Hamsterrad antreibt, ist der Verlust der Ewigkeit, so dass die Menschen heute dazu verdammt sind, ein ewiges Leben vor dem Tod zu erleben. In der Angst, abgehängt zu werden oder etwas zu verpassen, steigern wir die Erlebnisepisoden pro Zeit und überlappen verschiedene Erlebnisse. Ein dritter Motor ist der Wettbewerb. Das Leben funktioniert nach der Logik des Marktes. Die Zuteilung von Ressourcen, Gütern, Wohlstand, Privilegien, Positionen, Status, Anerkennung erfolgt in einem Wettbewerb. Leistung definiert sich als Arbeit pro Zeiteinheit, was eine starke Beschleunigung zur Folge hat.

Gott hat der Schöpfung die Zeit geschenkt. Und er lädt uns ein, an seiner Ruhe teilzuhaben.

Zeit eines Schöpfungstages

Wie gesagt, Gott hätte die Welt in der Zeitdauer eines Wimpernschlages erschaffen können. Er hat sich einen Tag Zeit genommen. Wieviel Zeit ist das? Wenn es sich bei den in Genesis 1 erwähnten Tagen um Kalendertage handelt, wäre die Erde so zwischen 6000 bis 10000 Jahren jung. Vielleicht ist das so, doch gibt es aus der Naturwissenschaft recht viele Argumente und Fakten für eine wesentlich ältere Erde. Die Frage nach der Datierung der Dinosaurier oder der Eiszeiten sind die populärsten. Ein anderer Fakt sind die Fossilien und ihre Verbreitung und Verteilung in Schichten und Sedimenten. Von den unteren bis zu den oberen Schichten findet man weltweit ein Muster von Tieren ohne Stachel, Fische, Amphibien, Reptilien, Säugetieren und Menschen.

Die Schlüsselfrage bezüglich des Alters der Erde und des Kosmos hat mit der Interpretation des hebräischen Wortes yom in 1. Mose 1 zu tun – in den meisten Bibelversionen als Tag übersetzt. Dieses hebräische Wort bedeutet jedoch nicht ausschliesslich einen 24-Stunden-Zeitraum. Es umfasst verschiedene Zeiträume, einschliesslich einer langen Zeitspanne. Als 300 Professoren des Hebräischen und des Alten Testaments zu dieser Zeitfrage befragt wurden, gab keiner von ihnen an, dass sich Genesis 1 auf sechs aufeinanderfolgende 24-Stunden-Tage bezieht.

Wenn man betrachtet, was für Prozess sich an einem Schöpfungstag abspielten, deutet dies ebenfalls auf eine längere Periode hin. Wie schon erwähnt, wird am dritten Tag darauf hingewiesen, dass «auf der Erde Gras wuchs sowie Pflanzen und Bäume, die Samen trugen». Und während in 1. Mose 1,26-27 gesagt wird, dass Adam und Eva beide am 6. Tag erschaffen wurde, macht 1. Mose 2,7-23 klar, dass eine lange Zeit zwischen der Erschaffung von Adam und Eva vergangen war – keine Spanne von 24 Stunden.

Allerdings ist laut Bibel der Ankündigung jedes neuen Tages die Aussage «Es wurde Abend und Morgen» vorangestellt, die als Hinweis auf einen 24-Stunden-Tag gedeutet werden kann. Andererseits ist die umgekehrte Reihenfolge – erst Abend, dann Morgen – bemerkenswert. Vielleicht wird damit lediglich der Abschluss eines Zeitalters und der Beginn des neuen angedeutet.

Die Naturwissenschaft muss nicht im Widerspruch zum Glauben stehen. Vielmehr kann sie die Wahrheit der Bibel unterstützen – einschliesslich des Glaubens an einen persönlichen Gott, der sich in der Heiligen Schrift genauso wie in der Natur offenbart hat. Die Behauptung, dass die Erde jung sei, widerspricht den wissenschaftlichen Beweisen. Keinesfalls dürfen wir wissenschaftliche Behauptungen über die Bibel stellen, vielmehr bin ich überzeugt, dass die Bibel, richtig interpretiert, mit den Fakten der Natur übereinstimmt. Die zwei Schöpfungsberichte in Genesis sagen nichts über das Alter der Erde aus. Sie wurden von den Schreibern als Botschaft Gottes an sein Volk geschrieben und nicht als Bericht für Historiker, die einen genauen Zeitplan errichten wollen.

Es ist auch nicht so, dass der Glaube an eine alte Erde automatisch den Darwinismus unterstützt. Die Botschaft der Bibel und die Wissenschaft spricht gemeinsam dagegen. So fehlen beispielsweise die Beweise einer Makro-Evolution von einem einzelligen Organismus zu komplexen Organismen bis hin zum Menschen. Die Wissenschaft hat auch keine Erklärung dafür, wie Leben aus anorganischen Substanzen erzeugt wurden. Der Ursprung des Lebens bleibt das grosse Problem darwinistischer Wissenschaft. Wir Christen tun gut daran, uns auf die wichtigen Überzeugungen zu fokussieren und vereint gegen die darwinistischen Thesen aufzutreten.

Zeitlose Überzeugungen

Es tut meinem Glauben keinen Abbruch, wenn ich aufhöre, für eine junge Erde zu kämpfen. Die Bibel behält seine göttliche Autorität, selbst wenn ich die Tage in Genesis 1 als Äonen betrachte. An der Botschaft der Schöpfungsgeschichte wollen wir partout festhalten:

  • Es gibt einen ewigen und liebenden Gott, der die Welt bewusst aus dem Nichts geschaffen hat. «Durch den Glauben verstehen wir, dass die Welt auf Gottes Befehl hin entstand und dass alles, was wir jetzt sehen, aus dem entstanden ist, was man nicht sieht» (Hebräer 11,3 NLB).
  • Ein überaus kreativer Gott hat jede Art von Pflanzen und Tieren geschaffen und dabei – vielleicht spitzbübisch lächelnd – unfassbar viele und anmutige Variationen erstellt. Eine Mikro-Evolution (relativ kleine Variationen innerhalb einer Art) ist bewiesen, sie ist sichtbar und nicht kontrovers. Ein Beispiel dafür ist die erwähnte Resistenzbildung in Bakterien gegen Antibiotika.
  • Am 6. Tag hat Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen. Die Menschen erben ihren inneren Wert und ihre Würde nicht aufgrund der Abstammung, dem finanziellen Status oder einer königlichen Position. Wert und Würde werden einem Menschen vom Schöpfer, dem erhabenen Gott, zugesprochen. Deshalb sagt Salomo: «Wer den Armen verspottet, beleidigt seinen Schöpfer» (Sprüche 17,5 NLB).
  • Der Mensch bekommt den Auftrag, der Schöpfung zu dienen, Fürsorge für sie zu tragen und sie zu bebauen. Er hat einen Verwaltungsauftrag nach dem Vorbild eines Hirten, der sich um das Wohlergehen seiner Schafe kümmert. Der Mensch soll die Ressourcen der Erde nutzen, aber ihr nicht schaden. Er trägt die Verantwortung für das Wohlergehen der ganzen Erde.
  • Die Schöpfung ist «sehr gut», weil jede einzelne Kreatur einzigartig in Funktion und Ästhetik ist und weil die Beziehungen innerhalb der einzelnen Gattungen und darüber hinaus perfekt aufeinander abgestimmt sind. Das Geheimnis dieser Vernetzung hat einen Namen: Jesus Christus. Über ihn heisst es: «Er war da, noch bevor alles andere begann, und er hält die ganze Schöpfung zusammen» (Kolosser 1,17 NLB).

 

«Jetzt sehen wir die Dinge noch unvollkommen, wie in einem trüben Spiegel, dann aber werden wir alles in völliger Klarheit erkennen. Alles, was ich jetzt weiss, ist unvollständig; dann aber werde ich alles erkennen, so wie Gott mich jetzt schon kennt» (1Korinther 13,12 NLB). Menschen, die mit Jesus Christus verbunden sind, werden in der Ewigkeit den vollen Durchblick über die Einzelheiten der Schöpfung haben. In der Zwischenzeit ist es klug, sich auf wichtigere Lehren zu konzentrieren, der christliche Glaube steht und fällt mit dem Tod und der Auferstehung Christi und seiner Wiederkunft. Dieses Evangelium zu erfahren ist wichtiger, als über das Alter der Schöpfung zu streiten. Die Auferstehung von Jesus ist der Beginn der Neuschöpfung. An unserer Haltung gegenüber Ihm entscheidet sich, ob wir Teil davon sind!

 

Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: 1. Mose 1,1-2,4

  1. Gott hat sich beim Schaffen der Welt Zeit gelassen? Was könnte dies für die Schöpfung bedeuten?
  2. Was bedeutet es, dass Er der Schöpfung Zeit geschenkt hat? Wie können wir trotz vieler Aufgaben Ruhe ausstrahlen?
  3. Was denkst Du über das Alter der Erde? Was spricht für eine junge und was für eine alte Welt? Was überzeugt dich mehr?
  4. Welche Wahrheiten aus der Schöpfungsgeschichte sind nicht verhandelbar?
  5. Was sind die wichtigeren Lehren in der Bibel? Wie stehe ich persönlich, existenziell zu ihnen?